Caroline Bosbach, Fabian Felder und Michael Freiherr von Maltzahn bewerben sich bei der CDU Rhein-Berg um die Bundestagskandidatur; eine erste Vorstellung organisierten Senioren-Union und Junge Union in Paffrath. Folgerichtig stand Generationen-Gerechtigkeit im Vordergrund. Inhaltlich liegt das Trio nah beieinander, in der Persönlichkeit unterscheiden sie sich deutlich.

Eine „Roadshow“ nennt die CDU Rhein-Berg die kleine Tournee der drei Personen, die bei der Bundestagswahl im September 2025 für die CDU antreten wollen. Der Auftakt fand am Freitagabend im Pfarrsaal von St. Clemens in Paffrath statt und stieß bei den CDU-Mitgliedern auf großes Interesse.

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Caroline Bosbach. Foto: Thomas Merkenich

Caroline Bosbach (34) ist Regulierungsmanagerin bei einem Energie-Unternehmen, Bundesvorsitzende des Jungen Wirtschaftsrats der CDU, Tochter des langjährigen Abgeordneten Wolfgang Bosbach, Buchautorin und erfahrene Rednerin. Nach Stationen in Politik und Wirtschaft in Hessen und Berlin sei sie zurück in Bergisch Gladbach – und will von hier aus wieder nach Berlin.

Dass Senioren-Union und Junge Union den Abend gemeinsam organisieren sei ein tolles Zeichen, so Bosbach, weil es zeige, wie geschlossen die Union im Kreis auftreten. Auch der Junge Wirtschaftsrat habe sich die Generationen-Gerechtigkeit auf die Fahnen geschrieben – und definiere sie als „Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher und sozialer Leistungsfähigkeit des Landes“. Jetzt gelte es die richtigen Prioritäten zu setzen, weniger über sexuelle Identität und mehr über Gesundheitsreform, Sicherheit und Bildung zu reden. Darum gehe es auch in ihrem zweiten Buch „Zeit für Mut“, das in Kürze erscheine.

Fabian Felder. Foto: Thomas Merkenich

Fabian Felder (26) ist Oberleutnant zur See und tritt gerade seinen Dienst als Deckoffizier der Fregatte Mecklenburg-Vorpommern an. Er macht keinen Hehl daraus, dass er in seinem Alter „noch keinen so großen Lebenslauf“ vorweisen kann und greift bei seinen Beiträgen immer wieder auf Erfahrungen zurück, die er u.a. als Schülersprecher an der benachbarten IGP, in der Marine oder in Debatten mit älteren Familienmitgliedern gesammelt habe.

Dabei habe er gelernt, „dass wir Jüngeren uns nicht mehr drauf verlassen können, dass die Älteren alles regeln“, sagt Felder Angesichts des Rechtsrucks gerade auch unter jungen Wählern wolle er sich dafür einsetzen, dass sich die Jugend wieder stärker mit der CDU identifizieren.

Michael von Maltzahn. Foto: Thomas Merkenich

Michael Freiherr von Maltzahn (46) lebt mit Frau und drei Kindern in Burscheid, ist Oberst und Kommandeur an der Offiziersschule der Luftwaffe. Auch er nimmt auf die Landtagswahlen in Ostdeutschland Bezug, sorgt sich, dass die „rechtsextreme Welle“ bei der Bundestagswahl auch über den Westen hereinbrechen könne.

Die Ampel habe die Gesellschaft gespalten, die junge Generation sei überproportional belastet worden – nun gelte es dafür zu sorgen, dass der Wohlstand für Rentner und Berufsstarter gleichermaßen erhalten bleibe, sagt von Maltzahn. Er berichtet, wie aktiv seine Familie während eines Einsatzes in der deutschen Botschaft in Washington in das amerikanische Bildungssystem integriert worden sei, plädiert für eine gesteuerte Einwanderung und fordert, die irreguläre Zuwanderung zu stoppen.

Die drei Konkurrent:innen um das CDU-Ticket für den Wahlkampf treten wortgewandt und selbstsicher auf, alle drei nutzen das Privileg der Opposition, die Regierung frontal anzugreifen, unterscheiden sich aber in der Tonlage.

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Wie Vertrauen zurück gewinnen?

Migration, Integration und innere Sicherheit spielen dann auch bei der Fragerunde eine große Rolle, die Maximilian Rhode (JU) und Manfred Klein (SU) moderieren. Eine der Kernfragen: Wie kann es gelingen, das Vertrauen der Menschen in die Politik zurück zu gewinnen – dass, so die einhellige Meinung, vor allem die Ampel, aber eben auch die Merkel-Regierung, verspielt habe.

„Mit Anlauf“, so Bosbach, habe die Ampel die Wirtschaft ebenso wie die Themen Sicherheit und Migration „gegen die Wand gefahren“. Daher hätten die Menschen das Gefühl, dass sich niemand mehr um die einfach und dennoch wichtigen Dinge kümmere. Friedrich Merz habe als Parteivorsitzender gezeigt, dass es „auch eine andere Union gibt“, mit einem geschärften Profil.

Felder fordert, die Jugend und ihre Interessen bei allen Diskussionen und Reformprozessen – nicht zuletzt bei der Rente – stärker zu beteiligen. Das gelte auch für die CDU. Womit er sich Widerspruch von Bosbach einhandelt: Das Grundsatzprogramm der Union sei sehr breit erarbeitet worden, das Image der CDU bei der Jugend nicht schlecht. Und von Maltzahn mahnt sie, die Wähler der AfD im Osten nicht als Nazis darzustellen.

Alle drei fordern eine Begrenzung der Einwanderung, den Schutz der Grenzen und der Ausweisung von Straftätern. Dabei geht Maltzahn das Thema betont sachlich an: Migration sei gut, aber können nur innerhalb der finanziellen und personellen Grenzen funktionieren. Das Dublin-System müsse wieder funktionsfähig gemacht und die Fluchtursachen bekämpft werden. Und fragt, warum geduldete Menschen ohne Aufenthaltsrecht „hier frei herum laufen“.

Bosbach verlangt, endlich die Zahlkarte („Sach- statt Geldleistungen, das ist der größte Pullfaktor schlechthin“) einzuführen und bringt die Diskussion immer wieder zurück zur Wirtschaft. Die junge Generation habe „Lust auf Leistung“ – die hohe Steuer- und Abgabenlast treibe aber jedes Jahr Hunderttausende unter 40 in die Auswanderung. Der Bürokratieabbau müsse endlich ernsthaft angefasst, Visionen zugelassen werden. Den Ausstieg aus der Atomenergie halten sie alle für einen Irrsinn.

Aus dem Publikum kommen Fragen zur Ukraine. Die drei Diskutanten sind sich einig, dass ein Einsatz deutscher Soldaten auch nach Ende des Krieges zur Friedenssicherung kaum vorstellbar seien. Hier können von Maltzahn und Felder mit ihren Spezial-Kenntnissen punkten; beide halten die Einschränkungen beim Einsatz von aus Deutschland gelieferten Waffen gegen Russland für falsch, Bosbach widerspricht nicht.

Weitere Stationen der Roadshow:

  • 29.10., 19 Uhr: Restaurant Kalyva, Kürten-Bechen
  • 8.11., 19 Uhr: Rathaus Wermelskirchen
  • 12.11. 19 Uhr, Online-Termin über Zoom

Aufstellungsversammlung:
22.11., 19 Uhr, Bürgerzentrum Steinbreche in Refrath

Foto: Thomas Merkenich

Und wie bringt man die Gesellschaft nun wieder zusammen? Felder berichtet, wie die Schulkonferenz der IGP gemeinsam eine Corona-Strategie entwickelt und umgesetzt hatte, unter voller Einbindung der Schülervertretung. So schaffe man Vertrauen – während die Ampel von oben nach unten durchreguliere und die Ränder stärke.

Foto: Thomas Merkenich

Von Maltzahn plädiert für eine allgemeine Dienstpflicht (bei der Bundeswehr, im sozialen Bereich oder in der Entwicklungshilfe), um Menschen zusammen zu bringen, die sonst in unterschiedlichen Welten lebten.

Foto: Thomas Merkenich

Bosbach sieht die Verantwortung vor allem bei der Politik von SPD und Grünen – die sich „kilometerweit vom Alltag entfernt“ habe, zentrale Bereiche wie Migration und Wirtschaft „sehenden Auges vor die Wand fahre“. Politik werde als Selbstbedienungsladen gesehen, „jeder zweite Euro versickert irgendwo“.

Beim Schlussstatement liegt das Feld dann wieder eng beisammen: Wenn die CDU selbstbewusst die Themen setze (von Maltzahn), den abgesteckte Kurs gemeinsam abfahre (Felder) und Mut beim Anpacken unangenehmer Themen beweise (Bosbach), sei sie nicht zu schlagen.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. “Die junge Generation habe „Lust auf Leistung” ist wohl eher Wunschdenken von Frau Bosbach als den Tatsachen entsprechend.
    Die jungen Leute wollen, verständlicherweise, weniger, gesünder arbeiten.
    Der bereits angespannte Arbeitsmarkt macht es möglich, dass Arbeitgeber auf die Bedingungen der jungen Arbeitnehmer eingehen müssen.
    Es führt kein Weg an “Zuwanderung” vorbei. Wirtschaftsflüchtlinge aus Afrika wollen/können Arbeiten!
    Spätestens wenn die Babyboomer anfangen in Rente zu gehen, werden wir ein Riesenproblem bekommen.
    https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama/archiv/2023/Arbeitsmoral-Sind-Junge-faul,generationz100.html

    1. „Die junge Generation habe „Lust auf Leistung“ ist vielleicht eine Botschaft an die älteren Wähler als an die junge Generation. Also vielleicht etwa so: “wählt CDU, freut euch auf euren wohlverdienten (vorzugsweise vorgezogenen) Ruhestand, die junge Generation macht das schon irgendwie mit der Rente und zwar sogar gerne”.

      In dieser Gesamtheit gehe ich auch davon aus, dass die Aussage falsch ist. Vielleicht haben die 17 % der 16-24 jährigen, die bei der letzten Europawahl CDU gewält haben, “Lust auf Leistung”. Aber in der Gesamtheit mit der Annahme “einer” jungen Generation gehe ich auch von Wunschdenken aus.

    1. Ich schätze mal, der Satz klang einfach gut und passte prima in Frau Bosbachs Argumentation, da hat sie ihn eben mal ausgesprochen. Wenn er dann irgendwann einen Faktencheck nicht besteht … drauf gepfiffen, denn die Wirkung im Saal wurde ja schon erzielt.

    2. Zumal ja insgesamt jährlich in den letzten Jahren ca. 250.000 deutsche Staatsbürger*innen ihren Wohnsitz ins Ausland verlegt haben, wobei Kinder und Rentner*innen in dieser Zahl auch enthalten sind. Es ist einfach faktenfreier Populismus, in der Merz-CDU kommt man damit aber nicht nur durch, sondern auch gut an.

      1. Und man hätte auch bedenken müssen, dass trotz der angeblich so hohen Lasten durch Steuern und Abgaben auch ausgewanderte Deutsche wieder zurückkommen. Die Saldo-Auswanderung ist seit Jahren geringer als 100.000. Man könnte natürlich unterstellen, dass junge Fachkräfte gehen und Rentner zurückkommen. Dafür finden sich nur keine Belege. Ebensowenig wie sich Belege für die Motivation jüngerer deutscher Auswanderer finden lassen.

    3. In meiner jahrzehntelangen Tätigkeit als Informatik-Professor habe ich von keinem meiner deutschen Absolventen gehört, dass er/sie auf Dauer ins Ausland gehen wolle oder gegangen wäre – die können also schon mal nicht unter diesen ominösen Hunderttausenden sein.

  2. Wir haben hier viele Menschen mit Migrationshintergrund, auch in unserer Stadt, mit und ohne deutschen Paß. Trotzdem wird bei jeder Gelegenheit die Karte ‘Angst um den sozialen Abstieg’ und um ‘gefühlte Unsicherheit’ gezogen, um von den tatsächlichen Problemen Klima und Klimagerechtigkeit abzulenken. Vielleicht sollten wir, Menschen mit gutem Einkommen/Rente, wohnhaft in Eigentum und mehrmals im Jahr im Urlaub, über unseren eigenen Konsum und Anspruch nachdenken.
    Leider sehe ich weder bei der BundesCDU noch hier ein Bewußtsein dafür

    1. Die Aussage mit dem “Selbstbedienungsladen” könnte man beispielsweise als Populismus interpretieren. Nun ist es aber so, dass bei Nebentätigkeiten die typischen Parlamentarier von Grünen und SPD vom Grundsatz her den typischen Unionsabgeordneten nicht das Wasser reichen können. Typische Abgeordnete der FDP könnten das sehr wohl, obwohl die FDP hier komischerweise nicht genannt wurde. Eine typische Nebentätigkeit ist dabei Rechtsanwalt oder Berater. In “Brüssel sehen und sterben” gibt Nico Semsrott ein paar naheliegende Vermutungen, welchen Charakter die Anwalts- oder Beratertätigkeiten haben könnten. Und da wir gerade beim Thema Selbstbedienung sind: auch im Hinblick auf Abrechnung von Dienstreisen von Abgeordnete gewisser Parteien (nicht die Grünen oder die SPD) im Europaparlament ist dieses Buch lesenswert.

  3. Klimapolitik war hier kein Thema, nehme ich an? Kommt das noch bei Folgeveranstaltungen?

    Bei der Energiepolitik kommt der Verweis auf den durch eine CDU-geführte Bundesregierung beschlossenen Atomausstieg (“Irrsin”). Aber was folgt konkret daraus?

    Die Aussage mit dem Image der CDU bei der Jugend (“nicht schlecht”) kann ich aufgrund des Ergebnisses der letzten bundesweiten Wahl nicht nachvollziehen:

    https://images.tagesschau.de/image/eda36ba7-377d-449e-8cc8-ed3caf407835/AAABkAMUKxw/AAABkZLk4K0/16×9-768/uvchart-ayfxsupboiug-100.webp

  4. Ja jetzt haben wir wieder den Fall wie vor 5 Jahren die CDU und FDP holen einen Bürgermeister aus Düsseldorf/ Solingen das sie einen oder eine von die in Bergisch Gladbach geboren sind und die Stadt kennen und wissen was hier im Argen ist da wäre ZB . Caroline Bosbach oder Christian Buchen solche Persönlichkeiten müssen das Amt als Bürgermeister vertreten und was macht die SPD und Grünen genau das richtige einen aus unserer Stadt als Bügermeister auf zu stellen .
    Wir waren mal eine reiche und schöne Stadt heute sind wir eine arme und unsaubere Stadt siehe Obere Hauptstraße da muss man was ändern und das kann nur einer oder eine die unser Stadt Bergisch Gladbach liebt und was ändern will.

    Herr Hartmann und Herr Metten haben nichts gelernt was vor 5 Jahren Passiert ist da war das Bürgermeister Amt weg

    1. Vor fünf Jahren hatte die CDU einen Gladbacher Einwohner als Kandidaten. Anders als die SPD/Grünen. (Nach meinem Wissensstand war Herr Stein damals mit Hauptwohnsitz in Leverkusen wohnhaft. Ob er ihn heute in BGL hat ist mir nicht bekannt.)