In der Ausstellung „Zwischen Erde und Mond – die neue Romantik“ im Kreishaus stellt das Kreiskulturamt Werke der Künstlerin Lukrezia Krämer aus. Ein Gespräch mit der Künstlerin über Beruf und Berufung und darüber, wie man den Kopf frei bekommt.
Text: Antje Schlenker-Kortum. Fotos: Thomas Merkenich
Enge Gänge und Wartebereich des Kreishauses muss man sich schon ein bisschen wegdenken, um die romantischen Vibes der ausgestellten Kunst gänzlich zu spüren. Gestern Abend war Vernissage, noch bis Ende Oktober können die eigenen Behördenwege zum spannenden Naturerlebnis werden:
Mehr als 40 Werke hat Lukrezia Krämer in die Gänge am Rübezahlwald gehangen, schlicht und von einfachen Strahlern beleuchtet – Malereien in Öl, Eitempera und Mischformen.
Romantik und meditative Naturerlebnisse
Die Werke der Ausstellung hat die Malerin und Musikerin Lukrezia Krämer nach romantischen Themen ausgesucht; ihr Werk sei geprägt von der Romantik und vom Impressionismus, sagt sie. In ihrer künstlerischen Arbeit vertieft, sei sie in einem meditativen Zustand.
Entscheidungen treffe sie dann unbewusst. Wie in ihrer Musik, habe sie das Gefühl, als gäbe es diese Bilder schon und „Ich bin dafür da, die in die Realität zu bringen“, sagt die Künstlerin. Sie fühle sich wie „ein Gefäß, wie eine Kanne“– sinnbildlich für die Innen- und Außenwelt und „dann entsteht dieses Bild“.

Die Künstlerin: Lukrezia Krämer wurde 1993 in Bergisch Gladbach geboren. Sie absolvierte ihr Studium an der Kunstakademie Düsseldorf, wo sie von 2013 bis 2014 unter der Leitung von Prof. Udo Dziersk und von 2014 bis 2019 bei Prof. Siegfried Anzinger studierte. Im Jahr 2019 wurde sie zur Meisterschülerin von Prof. Siegfried Anzinger ernannt und schloss ihr Studium mit dem Erhalt des Akademiebriefs ab.
Lukrezia Krämers Werke wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland präsentiert. Ihre künstlerische Arbeit wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Sie lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Rösrath.
„Was wäre wenn? Ich könnte den Weg gehen oder die Entscheidung treffen. So entstehen neue Bilder und ich versuche andere Wege zu gehen.“ Ihre Serien tragen Titel wie „Lichtspiel“, „Memory“, „der geheime Garten“ – oft mit Untertiteln wie beispielsweise „Dämmerung“, „Der Weg des Kaninchens“, “Als der Westwind sich in den Norden verliebt hat“ oder „Wenn der Wind den Regen holt“ – der auch einer ihrer Songtitel ist. Das Malen und Musik machen sei für sie ein ähnlicher Zustand; „Es sind die gleichen Vibes“.
Malen sei für sie schon immer schon ihre Sprache. „Malen und Musik – alles Kulturelle und Kreative sind mein Zuhause – das wo ich mich am wohlsten fühle, das wo ich in dieser Welt bestehen kann.”
Das war nicht immer so, fügt sie hinzu: „Ich musste mich vom Kopf befreien, um zu malen, um mich öffnen zu können. Im Studium muss man planen, alles perfekt machen, umsetzen. Und am Ende hat man gute Illustrationen, aber nicht Kunst, die lebt. Ich musste lernen, den Kopf abzuschalten, um dem Bild den Freiraum zu geben, um zu reden.“
Herzensentscheidungen und Experimente
Sie strebe danach, gegensätzliche Parameter auszureizen. Was für ein Ausdruck kommt damit zustande? Solche Experimente muss man sich erlauben. “Ich fand das immer blöd, ein Stil sich aufzudrücken und dem ‚treu zu sein‘. Das ist eine Einschränkung. Die Kunst soll ja frei sein.“
Sie wurde oft gefragt: Warum musst du denn Kunst studieren– das ist so ein schwerer Weg. Das Kunststudium sei eine Herzensentscheidung für sie. „Ich kann nicht anders. Ich glaube, das ist der Unterschied zwischen Beruf und Berufung.“
„Zwischen Erde und Mond – die neue Romantik“
Die Ausstellung ist vom 1. Oktober bis einschließlich 31. Oktober montags bis donnerstags von 8.30 bis 18.00 Uhr und freitags von 8.30 bis 14.00 Uhr im Kreishaus, Am Rübezahlwald 7, 51469 Bergisch Gladbach, zu sehen.
Lukrezia Krämer hat bereits namhafte Preise und Stipendien. Sie stammt aus dem Bergischen; ist in Rösrath aufgewachsen und nach dem Studium der freien Malerei in Düsseldorf zurückgezogen. „Düsseldorf ist mir zu städtisch. Aber das Meer und der Wald. Da sind einfach Ur-Gefühle von Landschaften, Gefühle, die ich brauche.“
Bis vor kurzem wurde sie von der Galerie Ulli Dörr vertreten – doch leider wurde die Galerie nun aufgelöst. Seit fünf Jahren ist sie selbständig – mit Verkauf, Stipendien; sie gibt Privatunterricht und in Siegburg leitet sie den Malkurs von Martina Clasen, in der „Zukunftswerkstatt“.
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„Das Schulische ist in den Köpfen.“
Die Arbeit mit Kindern sei nichts anderes als die künstlerische Arbeit mit Erwachsenen. „Ich versuche, auf die Kinder einzugehen; in einen künstlerischen Dialog einzutreten und die Freiheit zu geben, die sie in der Schule eher weniger ausleben können, denn das Schulische ist in den Köpfen“. Der menschliche Austausch mit Kindern, Erwachsenen und Senioren sei bereichernd für die eigene Arbeit; „Ich mag die Herausforderung und etwas Neues zu probieren.“
Sie malt vor allem Landschaften – eher Seelenlandschaften, so wie sie es auch musikalisch zelebriert – für sich und auch gern für ein Publikum, denn auch ihre Malerei braucht eine Bestimmung. Ein Blick auf die Homepage offenbart ihre eigene Bilder-Klang-Welt aus surrealen, träumerischen und fein nuancierten Seelenwelten. Einen Behördengang im Kreishaus kann man genüsslich mit Warten verbringen.

























