Das Basement 16 in Bensberg zeigt „Die Natur der Dinge“ – eine farbenfrohe Ausstellung mit Malerei von der sri-lankischen Künstlerin Nirma Siesenop und Skulpturen von Otto Reinebeck. Ein poetischer Dialog zwischen Naturrealismus und Abstraktion.

Text: Antje Schlenker-Kortum. Fotos: Thomas Merkenich

Der erste Blick in die hell beleuchteten Räume der Galerie in der Schlossstraße in Bensberg zeigt: Hier wurde gekonnt, aber mit viel Experimentierfreude kombiniert.

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Die überwiegend großformatigen Leinwände von Nirma Siesenop strahlen mit kräftigen Farben und temperamentvollen Pinselstrichen in klassisch-abstrakter Manier. Daneben posieren – teils sehr humorvoll – die figürlichen Darstellungen des Hannoveraner Künstlers Otto Reinebeck.

Doch es formt sich kein Kontrast zwischen Naturalistischem und Abstraktem, wie man gemeinhin meinen könnte. Vielmehr passiert ein ästhetisch anregender, visueller Dialog zwischen beiden Positionen – das Thema: die Natur der Dinge.

Foto: Thomas Merkenich

Weiches Wasser bricht den Stein

Nirma Siesenop liebt Farben, Bewegung und die Natur; sie reist viel und sie tanzt gern – sie lebt und vermittelt ein positives Lebensgefühl, das sich auch in ihren Arbeiten widerspiegelt. Schon deshalb liegen ihr Themen wie die Zerstörung der Umwelt und die Gleichgültigkeit, mit der sie behandelt wird, am Herzen. „Die Natur ist nicht berechnend, sondern reine Poesie“, sagt sie über ihre Intention.

Daher malt sie vor allem Fantasielandschaften, das Meer mit seinen Korallen, Flora und Fauna ihrer Heimat. Sie werden zu abstrakten, künstlerischen Elementen, die vor allem durch ihre charakteristische Farbigkeit von Sri Lanka erzählen. Die Künstlerin verschmilzt dabei ihre Eindrücke von der Natur mit abstrakten Formen und experimentellen Techniken, um so die Schönheit des Planeten zu zeigen.

In ihrer Malerei lassen sich aber auch figürliche Elemente entdecken – zunehmend. Auch Druckgrafik mit digitaler Verfremdung interessiert sie seit einiger Zeit. In der Ausstellung sind sind zahlreiche neue Arbeiten von ihr zu sehen, die sie in ihrem Atelier in Lohmar erschafft. Innerhalb des kreativen Prozesses arbeitet sie vornehmlich mit Erinnerungen an ihre Heimat. „Mit jedem Bild öffne ich die Schublade zur Vergangenheit“, sagt die Künstlerin.

Doch Siesenop betont, dass ihre Werke „positiv“ sind, nicht obwohl, sondern weil sie ein ernsthaftes Anliegen haben. Die Deutung überlässt sie dennoch bewusst dem Betrachter: „Muss eine Mahnung immer negativ formuliert werden? Nur weiches Wasser bricht den Stein.“

Aus anderem Holz geschnitzt

Der Hannoveraner Otto Reinebeck konnte sich erst spät der Kunst zuwenden. Als Zimmerer im familiären Betrieb wuchs er mit Holz und dessen Materialeigenschaften auf. Zwar war er schon früh künstlerisch aktiv, doch lange Zeit stand die Kunst hintenan. 1991 wurde der holzverarbeitende Familienbetrieb schließlich aufgegeben.

Die alte Werkstatt inspirierte ihn künstlerisch, denn sie war voll mit Spezialwerkzeugen und gelagertem Holz. Seitdem steht er abends, nachts und am Wochenende in seiner Werkstatt in Hannover.

„Die Natur der Dinge“ 
Ausstellung mit Werken von Nirma Siesenop und Otto Reinebeck
Galerie Basement 16, Schloßstraße 16, Bensberg
Vernissage: 3. Oktober 2024, 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 04.10.- 20.10.2024
Geöffnet Do und Fr 15 bis 18 Uhr, Sa und So 11 bis 16 Uhr

Heute behauptet sich Reinebeck erfolgreich als Bildhauer in der Kunstszene. Er erschafft naturalistisch gearbeitete Skulpturen aus Holz. Interessant dabei: Er arbeitet mit einfachen Fotos – also mit zweidimensionalen Vorlagen.

Nicht nur das ist ungewöhnlich: Auch das verwendete Holz hat eine eigene Geschichte. Hier verarbeitet er einen Rest Eichenstämme aus dem Familienunternehmen, dort ein Stück von einem ausgedienten Pfeiler, hier Mahagoni, dort Douglasie; viele seine Materialien sind Holzgeschenke von Bekannten.

Dadurch ist jede Skulptur sprichwörtlich aus einem anderen Holz geschnitzt; jede von ihnen hat individuelle Eigenheiten wie Wurmlöcher oder Risse. Und so erzählt jede Skulptur eine andere Geschichte. Aus zweidimensionalen, gewöhnlichen Abbildungen von bekannten Persönlichkeiten wie beispielsweise der Tänzerin und Choreografin Pina Bausch wird ein dreidimensionales Objekt, ein greifbares Porträt, das präsent im Raum steht und sich in Bezug setzen lässt.

Porträts mit Kettensäge

Reinebeck erschuf dutzende Reliefs von bekannten Persönlichkeiten, Architekten, Politikern und Künstlern – alle größtenteils mit Kettensäge bearbeitet. Das ermöglicht ihm eine zügige Arbeitsweise und eine besonders kontrastreiche Ästhetik. „Die Köpfe sollen echt aussehen, aber nicht zu glatt. Sonst bekommen sie schnell den Ausdruck von Schaufensterpuppen“, sagt Reinebeck. Abschließend hat der Künstler seine Skulpturen mit klassischen Schnitztechniken nachbearbeitet und farbenfroh bemalt – oft mit einer Prise Humor.

Foto: Thomas Merkenich

Die Skulptur, die den amerikanischen Künstler Andrew Wyeth darstellt, ziert eine handgestrickte Mütze. Sie wurde von seiner Frau Monika Reinebeck gefertigt, die auch Künstlerin ist und mit einer kleinen, feinen Reihe kunstfertiger Stickobjekte in der Ausstellung vertreten ist.

Special: Kunstprobe – Wein, Jazz und Kunst
10. Okt. 2024, 19 Uhr
Im Rahmen der Ausstellung “O3o Reinebeck und Nirma Siesenop” . Ein Abend mit Wein, Jazz und Kunst. Mit Weinexperte Klaus Rüsing und Regina Mester am Piano. (Anmeldung erforderlich auf Basement16.de)

Vom 4. bis 20. Oktober 2024 sind die Werke der beiden Künstler im Basement 16 in der Schlossstraße 16, Bergisch Gladbach-Bensberg zu sehen.

Dokumentation: Alle Fotos

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Medienkünstlerin und Kulturjournalistin

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