In der heutigen hektischen Zeit fühlen sich viele Menschen überfordert, auch junge Menschen. Ihnen zu zeigen, dass sie die Gesellschaft positiv verändern, dass sie ihr Leben und Miteinander aktiv mitgestalten können, hat sich der Krea-Jugendclub vorgenommen: In den Herbstferien setzen sich Jugendliche und junge Erwachsene mit dem Motto „Create!“ auseinander und entdecken dabei ihre Kreativität. Die Ergebnisse werden am Samstag präsentiert.

„Linkes Bein, linker Arm und Turn“, „hier drehe ich mich in den Krieger“, „schnell, schnell, schnell“ schallt es durch den Tanzraum im Krea-Jugendclub in Refrath. Tanzcoach Linda Willutzki erprobt mit ihren Tanzschülerinnen eine Old-School-HipHop-Choreographie. Gekonnt machen die Tänzerinnen ihrer Trainerin die Tanzschritte und Bewegungen nach.

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„Es macht Spaß, seine eigene Passion einzubringen und dieser nachzugehen“, erklärt Pia, eine der Tänzerinnen in der HipHop-Gruppe. Sie tanzen HipHop im Lady Style: „Wenn man Lady Style hört, dann denkt man direkt an sexy und sehr weiblich, was es auch ist. Wir machen das halt so, dass jeder seine Art und Weise einbringt“, erklärt sie. 

„Für manche ist Lady Style mehr feminin, manche machen es aber auch maskulin. Jeder kann dabei seine eigene Persönlichkeit einbringen und niemand muss sich einem bestimmten Bild anpassen“, fügt sie hinzu.

Für Pia ist es wichtig, an solchen Projekten im Krea-Jugendclub teilzunehmen, denn die erste Teilnahme vor zwei Jahren zum Thema „Scheitern“ habe ihr Mindset komplett verändert. Auch zukünftig möchte sie daher ein Teil solcher Projekte sein. Eines betont sie dabei aber besonders: „Ich finde es toll, dass jeder, egal woher er kommt oder wie alt er ist, hier willkommen ist“. 

Beim Verlassen des Tanzraumes herrscht auf dem Flur ein reges Treiben, hinter allen Türen verbirgt sich eine andere Gruppe. So auch auf der ersten Etage des Jugendclubs – dort arbeitet die Break Dance-Gruppe mit ihrem Coach Daniel Richartz an einer Choreographie, die sie direkt zum Besten geben. Aus dem Lautsprecher ertönt Musik. Der Liedtext beginnt mit den Worten: „To create is to live, to stop is to die inside“.

Ein Spruch, der auch für das Leben der jungen Menschen von Bedeutung ist: „Gerade als Jugendliche und junge Erwachsene kann man das Leben auf seine eigene Art gestalten“, gibt Carlota zu verstehen – sie tanzt in der Break Dance Gruppe.

Der Break Dance, den sie lernen, ist „sehr weit weg vom klassischen Break Dance“, erklärt Richartz. „Aber ich finde, besonders in so Projekten ist es immer schön, eine andere Perspektive zu zeigen. Ich bin sehr froh, dass sich die Gruppe darauf einlässt“, ergänzt er.

Die Treppen hinunter, den Musikklängen folgend, geht es in den Raum der Musikgruppe. Dort werden eigene Songs geschrieben, aufgenommen und bearbeitet. Die Musikgruppe zeichnet sich durch ihre Heterogenität aus: „Italien, England, Amerika, Tunesien, Mazedonien, Kongo“, zählt JJ auf und sagt lachend „das macht es halt aus, das Buntgemischte“. Auch Sigrid Brenner, Leiterin der Kreativitätsschule zeigt sich begeistert und ergänzt „es funktioniert total gut“.

Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, wie viel Arbeit mit der Musikproduktion einhergeht. Yasmin erklärt, wie der Prozess abläuft: Am Anfang gehe es vor allem darum, sich Melodien und Wörter einfallen zu lassen und sich einen Hook, den Refrain, auszudenken. Ist dies geschehen, so werden Texte geschrieben und sich darüber ausgetauscht, damit ein Zusammenhang entsteht. Auch auf die richtige Auswahl der Gruppe komme es an: „Wir wussten, dass wir zusammenarbeiten wollen, weil wir den gleichen Vibe haben“, erklärt sie.

„Filmen, schneiden, filmen, schneiden“

Auf dem Weg zur Graffiti-Gruppe begegnet mir Mats. Er ist der jüngste Teilnehmer der Projektwoche und ihn begeistert die Gemeinschaft in der Krea. „Es macht super Bock mit den Coaches“, sagt er freudestrahlend. Er ist in der Mediengruppe tätig und erstellt dort Social Media-Content und eine kleine Dokumentation.

„Ich sitze gerade an der Break Dance-Szene von unserer Gruppe. Die habe ich gerade fertig geschnitten. Wir sind zu zweit in der Gruppe. Wir arbeiten eigentlich alleine, aber es ist trotzdem am Ende für ein großes Video. Es ist immer ein Wechsel aus filmen, schneiden, filmen, schneiden“, sagt Mats.

Draußen – vor dem Eingang der Kreativitätsschule – arbeitet die Graffiti-Gruppe an einem Bühnenbild für die Abendshow am Samstag. Die beiden Coaches Nermin und Erem zeigen ihren „Lehrlingen“ Anna und Maja, die Basics der Arbeit mit Graffiti.

Erem erklärt, dass sie auch mit der HipHop-Gruppe zusammenarbeiten und ein Teil der Choreographie sein werden. Die beiden Coaches machen schon seit neun Jahren Graffiti und sind immer wieder in der Kreativitätsschule aktiv.

Abschluss-Show am Samstag

Neben dem kreativen Schaffen geht es bei dem vielfach ausgezeichneten Projekt „Hip-Hop für Demokratie“ vor allem darum, die Bedeutung der Selbstwirksamkeit zu betonen. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen zehn und vierundzwanzig Jahren sollen erkennen, was sie mit ihrem Schaffen und Handeln erreichen können. Auch der Aufbau eines Gemeinschaftsgefühls ist von besonderer Bedeutung, ebenso, wie den jungen Menschen zu zeigen, wie wichtig es ist, selbst Verantwortung zu übernehmen.

Auch wenn es in der Projektwoche nicht darum geht, einen gelungenen Song oder eine perfekte Tanzchoreographie zu kreieren, so können sich die Ergebnisse dennoch sehen lassen. Erleben Sie die kreative Energie der Jugendlichen und ihre geschaffenen Werke selbst:

Am Samstag, 26. Oktober 2024 findet die Abschluss-Show in der Aula der Freien Waldorfschule Bergisch Gladbach (Mohnweg 13) statt. Ab 19 Uhr präsentieren die Jugendlichen ihre eigene Musik- und Tanzshow. Der Einlass beginnt um 18:30 Uhr, der Eintritt ist kostenlos.

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