In der Kinderklinik St. Nicholas wurden Medikamente, 200 Kartons mit medizinischem Zubehör und 501 Weihnachtspäckchen überreicht. Die Realschule Herkenrath hat eine Patenschaft für das Krankenhaus übernommen. Fotos: Humanitäre Hilfe GL

Die Vereine der Humanitären Hilfe Overath sowie Bergisch Gladbach hatten im September einen Hilfstransport nach Litauen durch die Überführung eines Feuerwehrwagens in die Ukraine erweitert. Nun schloss sich der bereits elfte Transport in das von Russland angegriffene Land an. Insgesamt 362 Tonnen haben die Helfer bereits in die Ukraine gebracht – und erleben immer wieder, wie sehr die Menschen dort leiden.

Wir veröffentlichen einen Beitrag der Humanitären Hilfe Overath e.V. und der Humanitäre Hilfe Bergisch Gladbach e.V.

Bereits im Sommer waren viele Hilfstransporteure und Unterstützer der beiden Vereine „Humanitäre Hilfe Overath e.V.“ und „Humanitäre Hilfe Bergisch Gladbach e.V.“ eifrig, bei Kleidersammelterminen, Spendern und auch Firmen sammelten sie zahlreiche Hilfsgüter für einen Hilfstransport im November in die Ukraine ein. 

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Unerwartet konnte die Humanitäre Hilfe einen ausgedienten Feuerwehrwagen aus der Gemeinde Kürten bekommen. Den Kauf machte Joachim Nix möglich: „Mir liegen die notleidenden Menschen in der Ukraine sehr am Herzen und so sammelte ich an meinem 69. Geburtstag Geld- spenden für den Kauf des Feuerwehrwagens“. 

Damit der Feuerwehrwagen in der Ostukraine rasch Menschenleben retten kann, schloss sich dieser unerwartete 10. ukrainische Hilfstransport dem 30. Jubiläumshilfstransport nach Marijampole an.

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Vor 35 Jahren ist Bergisch Gladbach eine Städtepartnerschaft mit der Stadt Marijampole in Litauen eingegangen, damals noch hinter dem Eisernen Vorhang. Und seit mittlerweile 30 Jahre gehen Hilfstransporte in die Partnerstadt. Und sind wichtiger denn je.

Pastor Norbert Hörter erteilte auf dem Konrad-Adenauer-Platz, vor der Sankt Laurentiuskirche, nicht nur den Hilfstransporteuren den Reisesegen, sondern segnete feierlich auch den Feuerwehrwagen. Der Kürtener Bürgermeister Willi Heider freute sich vor Ort, dass ihr Fahrzeug doch noch nicht in den wohlverdienten Ruhestand ging. 

Nachdem in Litauen alle Hilfsgüter verteilt wurden, ging es mit dem Feuerwehrwagen über Warschau in die Ukraine. In Chmelnyzkyi angekommen, machte sich der Kürtener Feuerwehrmann Thomas Migenda sofort an die Arbeit, seinen ukrainische Feuerwehrkollegen die Vielzahl der Funktionen in der Praxis am Feuerwehrwagen zu erklären.

Die Begeisterung war groß, denn zusätzlich im Gepäck hatte die Humanitäre Hilfe auch zahlreiche feuerwehrspezifische Gegenstände sowie auch vier Stromgeneratoren dabei. Der Kommandeur Igor sagte einen raschen Einsatzbeginn des Fahrzeuges in einem der Dörfer im Dombas zu. 

Zum 11. Mal in die Ukraine

Durch diese spontane Septemberaktion wurde aus dem 10. Novemberhilfstransport der 11. Hilfstransport. Dieser kostete allen Beteiligten sehr viel Schweiß und Ausdauer. Die beiden ersten Vereinsvorsitzenden, Norbert Kuhl und Ulrich Gürster, organisierten mit ihrem Team die bisher umfangreichste Ukrainehilfe. 

Einen Tag nach dem Karnevalauftakt ertönten in Overath-Hammermühle nach und nach die Motoren von sechs 40-Tonnern. Kaplan Michael Schiller aus Overath erteilte an dem Morgen für 21 Hilfstransporteure den Reisesegen und danach starteten Norbert Kuhl und Ulrich Gürster mit dem Führungsfahrzeug „Overath1“ mit Anhänger, gefolgt von Guidos Lkw-Konvoi und weiteren drei Pkw mit Anhängern in Richtung der 1.300 km entfernten ukrainischen Grenze.

Am Schlussanhänger von „Overath 10“ war ein großes Hinweisschild „Achtung Konvoi“ angebracht. Norbert Kuhl erklärt: „Uns ist die Sicherheit der Hilfstransporteure und somit auch das Ankommen dieses Transportes ganz wichtig. So legen wir auch regelmäßig Pausen zum Fahrerwechsel ein und kontrollieren immer wieder die Fahrzeuge.“ Und doch ereigneten sich in Polen auf der Autobahn zwei Reifenplatzer, welche schnell und professionell ausgewechselt wurden. 

Bis zum 31.12.24 werden noch noch Geldspenden zur Verdopplungsaktion der Bethe-Stiftung gesammelt. Bis zu 10.000 Euro werden durch die Stiftung verdoppelt.

Spendenkonto
DE93 3706 0193 0032 5620 27 

Verwendungszweck:
Bethe Stiftung Ukraine

Vor der Grenze Polen / Ukraine musste sich der Hilfstransport entzweien. Lkw über 7,5 Tonnen müssen einen anderen Grenzübergang nehmen als die Pkw mit Anhänger. Bereits nach einem Grenzrekord von einer Stunde rollten die Räder der Pkw in der Ukraine in Richtung Kinderkrankenhaus Lviv weiter. 

Medizinische Ausrüstung für Kinderkrankenhaus

Nach 26 Stunden Fahrt wurde die Gruppe von Frau Dr. Zoryana Ivanyuk, stellvertretende Leiterin des „Hospital of Saint Nicholas“, und ihrem Team empfangen. Allerdings war an Pause nicht zu denken. Die Klappen und Türen der Fahrzeuge mit Anhängern öffneten sich und das Krankenhausteam staunte nicht schlecht über die Anzahl der Hilfsgüter.

Für über 20.000 Euro Medikamente, über 200 Kartons mit medizinischem Zubehör, 501 gepackte Schuhkartons zu Weihnachten, für die kleinen Patienten im Kinderkrankenhaus, wurden abgeladen. Zu einem späteren Zeitpunkt lieferten die Lkw auch noch 26 elektrische Betten mit Matratzen und einige Beistelltische an. 

Realschule Herkenrath übernimmt Patenschaft

Frau Susann Meurer, stellvertretende Schulleiterin der Realschule Herkenrath, übergab Frau Dr. Zoryana Ivanyuk von den weihnachtlich verpackten Schuhkartons 443 Stück. Die kleinen Pakete wurden von den Kindern der Realschule mit Süßigkeiten und weiteren netten Dingen gepackt und gesammelt.

„Diese Aktion ist unser Auftakt zu einer Patenschaft der Realschule Herkenrath mit dem Kinderkrankenhaus Saint Nicholas. Unter dem Motto Kinder helfen Kindern möchten wir zukünftig in vielfältiger Weise das Kinderkrankenhaus unterstützen“, so die extra mitgefahrene Susann Meurer. Weiterhin übergab Frau Meurer zahlreiche gemalte Bilder der 5. und 6. Schulklasse, welche vorher zum Auftakt der Patenschaft als Ausstellung in der Realschule hingen.

Vorstandsmitglied Dietmar Schur übergab dann noch einen großen, eigens gedrechselten, Engel in den Farben blau/gelb. Sichtlich gerührt von alldem kämpfte Frau Dr. Zoryana Ivanyuk mit den Tränen und dankte allen voll des Lobes und endete mit den Worten:

„Anfangs kamen viele und halfen. Es wurde dann schnell weniger. Aber durch die nicht aufhörende Hilfe der Humanitären Hilfe Bergisch Gladbach und Overath sind wir nicht nur auf uns gestellt. Das gibt uns immer wieder Hoffnung, um weiterzumachen. Aus dieser Hilfe entstand Freundschaft und dafür sind wir sehr dankbar.“

Zum Abschluss besuchten die Hilfstransporteure noch zahlreiche Kinder in den Patientenzimmern, welche sich über die mitgebrachten Prinzenrollen und Geschenke sehr freuten. 

Tablets für Schulkinder in Chmelnyzkyj

Und weiter ging es für das Humanitäre Hilfe Team in Richtung Osten. Nach weiteren fünf Stunden Fahrt wurde die etwa 400.000 große Einwohnerstadt Chmelnyzkyj erreicht. Der Bistumsökonom Pfarrer Wiktor begrüßte abends die nun doch übermüdeten Hilfstransporteure in dem „Traumazentrum und Priesterseminar“ mit einem einheimischen Abendessen. 

Die Lkw-Fahrer verbrachten derweilen eine längere Zeit bei den Grenzkontrollen und übernachteten teilweise in Grenznähe in einem ukrainischen Hotel. An zwei Tagen kamen dann jeweils drei Lkw nach Chmelnyzkyj zum Abladeort. Dorfbewohner, Kinder und Soldaten halfen Hand in Hand die zahlreichen Hilfsgüter sortiert in drei Lager zu verteilen. 

An drei Schulen wurden mitgebrachte iPads verteilt. „Dieses ist für die Kinder besonders wichtig“ so eine dankbar lächelnde Lehrerin, „wenn nämlich Luftalarm ausgelöst wird, sollen die Kinder nicht in der Schule sein und müssen zu Hause lernen. Mit diesen iPads ist die Verbindung zur Lehrerin und zum Lernen möglich.“ Trotz des Krieges ist die digitale Infrastruktur in der Ukraine viel besser als in Deutschland ausgebaut. 

Kriegszustand direkt erlebt

Die Hilfstransporteure erlebten vor Ort hautnah den Kriegszustand. Nachts warnten die Sirenen und die Warn-App „Air Alert“ vor Luftalarm, durch die Polizei begleitende Lkw-Konvois mit Panzern, Waffen und Munition verschafften sich Vorrang auf den Hauptverkehrsstraßen und ein Trauerzug mit einem gefallenen Soldaten fuhr zum Friedhof.

Der Besuch in einem Lazarett mit angeschlossener Reha-Klinik trieb jedem von uns die Tränen in die Augen. Der Friedhof Chmelnyzkyj war übersäht von blaugelben Fahnen. Jede Fahne an einem Grab steht für einen gefallenen Soldaten.

Unser 22-jähriger Dolmetscher Paul Sova blieb an einem Grab stehen und berichtet unter Tränen:

„Hier liegt der Klassenkamerad von meinem Cousin, welcher auch ein Freund von mir war. Er wurde nur 21 Jahre alt und fiel am dritten Kriegstag. Daneben liegt ein Junge im Alter von fast 23 Jahren und starb bereits am ersten Kriegstag, dem 24.02.2022.“ 

Empfang im Regionalrat

Empfang und Auszeichnung im Regionalrat

Pfarrer Wiktor und der staatliche Anwalt Andrej Sorokopud überraschten die Hilfstransporteure mit einer Einladung bei der Vorsitzenden des Regionalrats von der Region (Oblaste) Chmelnyzkyj, Frau Violeta Labazyuk.

Statt Bundesländer in Deutschland gibt es in der fast doppelt so großen Ukraine 24 Oblaste. Das Amt von Frau Labazyuk ist mit einer Ministerpräsidentin zu vergleichen. In der Innenstadt Chmelnyzkyj wurde die Delegation in dem Palast von Frau Labazyuk mit Herzlichkeit empfangen. Die beiden ersten Vereinsvorsitzenden Norbert Kuhl und Ulrich Gürster erhielten von Frau Violetta Labazyuk, stellvertretend für alle Helfer, jeweils eine Urkunde als Auszeichnung für den freiwilligen selbstlosen Dienst am ukrainischen Volk.

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Beide Vorsitzenden erhielten in einem Kasten die „ukrainische Siegesfahne“, welche erst bei einem Sieg der Ukraine ausgepackt werden darf. Kuhl und Gürster: „Wir werden nicht müde zu helfen. Mit weiteren Hilfsgütern werden wir auch 2025 in die Ukraine fahren und weiter unterstützen, das versprechen wir!“ Abgerundet wurde dieser einmalige Empfang mit einem Gruppenfoto. 

Auf der Rückfahrt musste sich der 11. Hilfstransport vor dem Grenzübertritt erneut trennen. Die leeren Lkw müssen für die Ausreise online bei der ukrainischen Lkw-Grenze angemeldet werden. Dabei gab es ein erhebliches Zeitproblem. Die Lkw sollten etwa 36 Stunden später ausreisen dürfen. Nach zahlreichen Telefonaten fuhren die Lkw gen Norden bis kurz vor die belarussische Grenze, um dort unkompliziert nach Polen in Richtung Warschau ausreisen zu können. 

Alle 21 Hilfstransporteure kamen unversehrt zurück und waren sich einig, es muss in der Ukraine weitergeholfen werden! 

362 Tonnen Hilfsgüter bereits geliefert

Mit diesem 11. Hilfstransport brachte die Humanitäre Hilfe Overath und Bergisch Gladbach 80.790 kg Hilfsgüter im Wert von mindestens 344.351 Euro in die Ukraine. Alle Hilfstransporte zusammengenommen erhielt die Ukraine bereits 362 Tonnen Hilfsgüter im Wert von etwa 1.524.083 Euro. 

„Wir danken allen Spendern und Helfern für dieses unfassbare tolle Engagement – gemeinsam sind wir stark und können etwas Gutes bewegen,“ so Gürster und Kuhl. 

Weitere Informationen erwartet Sie auf unserer Homepage: www.hhov.de und www.hh-gl.de 

Seit 1994 engagieren wir uns in Litauen und Weißrussland bzw. Belarus. Diese Zeit ist nicht nur geprägt von materieller Hilfe, sondern auch von Freundschaft, Nächstenliebe und Solidarität mit den Menschen jenseits der auch heute zum Teil noch wenig durchlässigen Grenzen. Um auch zukünftig die...

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