Alexander Felsch

Der gemeinsame Kandidat von CDU und FDP für das Bergisch Gladbacher Bürgermeister-Amt stellt sich im Bürgerclub den Fragen der Leser:innen. Alexander Felsch betont seine langjährige Erfahrung in der Kommunalpolitik, aber auch, dass Lösungen für die „jahrzehntelangen Probleme der Stadt“ erst noch erarbeitet werden müssen. Manchmal lohne dabei auch ein Blick über den Stadtrand hinaus.

Es geht erst einmal ums Kennenlernen. Der Stadt, der Bürger:innen und der Themen, die sie bewegen. Das betont Alexander Felsch immer wieder. Der gemeinsame Kandidat von CDU und FDP für die Wahl des Bürgermeisters im kommenden Jahr, war zu Gast im Bürgerclub des Bürgerportals und stellte sich den Fragen von Moderator Georg Watzlawek und der Leser:innen. 

Am Anfang des Abends wirkt Felsch etwas nervös. Seine Hände liegen ineinander gefaltet vor ihm auf dem Tisch. Im Laufe des 90 Minuten dauernden Gesprächs wird er sicherer, offensiver. Dennoch ist er keiner, der krawallig auftritt. Zumindest noch nicht. Aber bis zur Wahl im September ist es ja auch noch eine ganze Weile hin. 

Zur Begrüßung gibt er allen Gästen die Hand, bedankt sich höflich für die Einladung und die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Felsch trägt ein hellblaues Hemd, darüber ein dunkelblaues Sakko. Mit seinem Seitenscheitel und dem silbernen Füllfederhalter, mit dem er sich zwischendurch immer wieder Notizen macht, hat er etwas von einem Musterschüler. 

Der Reiz des Bürgermeister-Amtes

Der 42-Jährige wirkt gut vorbereitet, spricht strukturiert. Manchmal erweckt er den Anschein, als hätte er sich für die Antworten auf manche Fragen im Kopf eine Gliederung zurechtgelegt, die er nun präsentiert. Etwa dann, wenn er von „drei Dimensionen“ spricht, die für ihn das Amt des Bürgermeisters ausmachen. 

Erstens reize es ihn, als Chef der Verwaltung jede Menge gestalten zu können und Lösungen für Themen zu erarbeiten. Zweitens gelte es, als Chef des Rates politische Mehrheiten zu finden. Und drittens möchte er, als erster Bürger „ein Vollbad in der Stadt“ nehmen, die Menschen kennenlernen, ihre Themen aufnehmen und Lösungen anbieten. 

Was zieht Felsch nach Bergisch Gladbach? Geboren und aufgewachsen in Leipzig, nennt er das Bergische Land seit über 30 Jahren seine Heimat, genauer gesagt Solingen, wo er den überwiegenden Teil seines Lebens verbrachte. Seit 2012 lebt der Diplom-Ökonom allerdings in Düsseldorf, aus beruflichen Gründen. 

Zanders als Jahrhundertchance

Als Geschäftsführer beim Verband „Unternehmer NRW“, einem Dachverband von Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbänden, setzt er sich dafür ein, die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und damit das gesellschaftliche Wohlstandsniveau zu erhöhen.

Zwischen seinem bisherigen und dem angestrebten Job sieht Felsch Schnittmengen, etwa bei Themen wie Wärmeplanung, Nachhaltigkeit, Infrastrukturpolitik oder der Entbürokratisierung (der Verwaltung).

Bergisch Gladbach sei eine sehr attraktive und liebenswerte Stadt. Eine Besonderheit Gladbachs macht für Felsch das Zanders-Gelände aus – eine Jahrhundertchance, „vor der ich Respekt habe und die mich reizt“.


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Seit 25 Jahren CDU-Mitglied

Immer wieder betont der Bürgermeister-Kandidat seine langjährige Erfahrung in der Kommunalpolitik: Seit 25 Jahren ist er Mitglied in der CDU, zunächst engagierte er sich in der Jungen Union. Von 2005 bis 2012 war er Ratsmitglied in Solingen, „was ich mit großer Freude gemacht habe“, sagt Felsch. 

Wie kam es dann zur Auszeit von der Kommunalpolitik vor zwölf Jahren? Damals habe er den Fokus aufs Berufliche gelegt, geheiratet, eine Familie gegründet. Es sei schwierig gewesen, Beruf und Kommunalpolitik miteinander zu vereinbaren. „Alles hat seine Zeit.“

Offenbar ist die Zeit der Kommunalpolitik nun also (wieder) gekommen. Im Gespräch betont er wiederholt das Gemeinsame, das Verbindende, das Miteinander. „Ich gehe als gemeinsamer Bürgermeister-Kandidat für CDU und FDP ins Rennen“. Durch das Aufwachsen in der DDR habe das Thema Freiheit eine große Bedeutung für ihn, die FDP als liberale Kraft sei ihm nach der CDU die Partei, die ihm am nächsten stehe.

Wir stehen an der Seite der Händler vor OrtAlexander Felsch

Auch beim Thema Mobilität gelte es, nicht die Verkehrsmittel gegeneinander auszuspielen, sondern miteinander zu betrachten. Bei strittigen Themen wie der Brötchentaste und der Schlossstraße in Bensberg oder der Gestaltung der Altenberger-Dom-Straße in Schildgen müssten Bürger, Händler, Anwohner und Eigentümer an einen Tisch geholt werden. Das Gespräch suchen, im Austausch sein statt über die Köpfe hinweg entscheiden.

Bei einigen Themen bezieht Felsch Position. Er spricht sich klar für die Ausweitung der Brötchentaste auf 90 Minuten aus, um zu signalisieren: „Wir stehen an der Seite der Händler vor Ort.“ Einer generellen innerstädtischen Einführung von Tempo 30 erteilt er eine Absage. 

Bei anderen Themen betreibt der 42-Jährige Erwartungsmanagement, wie er es selbst nennt. Er befinde sich noch in der Rolle des Kennenlernens. Nach zwei Monaten als Kandidat „habe ich noch nicht die Lösungen für die jahrzehntelangen Probleme der Stadt“.

Alexander Felsch und Moderator Georg Watzlawek. Foto: Hartmut Schneider

Wahlprogramm wird noch erarbeitet 

Gemeinsam mit der CDU und FDP müssen diese Lösungsangebote – sprich: ein Wahlprogramm – noch erarbeitet werden. Und so gibt er hier und da unumwunden zu: „Das kenne ich noch nicht im Detail, das muss ich mir noch anschauen“ oder „Da traue ich mir noch keine Bewertung zu.“

Felsch tritt nicht als jemand auf, der schon auf Wahlkampfmodus geschaltet hat oder der gegen die politischen Gegner austeilt. Auch den amtierenden Bürgermeister möchte er weder kritisieren noch dessen Errungenschaften benennen. Sein Blick richtet sich nach vorn, nicht zurück. 

Erklärtes Ziel des Bürgermeisterkandidaten ist es, Bergisch Gladbach lebens- und liebenswert zu gestalten. Dazu gehöre es, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen – auch für Erzieher:innen oder Krankenpfleger:innen, und das Tempo in der Verwaltung zu erhöhen. Vieles dauere ihm zu lange.

Der Blick nach Köln in Sachen Schulbau

Dafür blickt er aber in Sachen Schulbau über Gladbachs Grenzen hinaus nach Köln: Da komme vieles schneller voran. Die Sanierung und der Ausbau von Schulen und Kitas sei eine „Riesenaufgabe“, die Betreuung von Kindern oft eine Herausforderung, wie er als Vater zweier Kinder selbst erlebe – wenn etwa die Kita wieder einmal den Betrieb einschränkt. 

Es ist einer der wenigen Momente an diesem Abend, in denen Felsch einen privaten Einblick gibt und sich als Familienvater zeigt. 

Felsch spricht viel mit seinen Händen, unterstreicht das Gesagte mit ausladenden Armbewegungen, ballt eine Hand zur Faust, verschränkt die Finger ineinander. Die Fragensteller:innen blickt er konzentriert an, hört ihnen aufmerksam zu, nickt zustimmend, kommentiert das Gesagte mit Ausdrücken wie „absolut“ oder „genau“. Und doch wirkt er unnahbar, auch wenn er Sätze einstreut wie „Die Stadt muss für die Bürger da sein“, die Nähe erzeugen sollen. 

Das Vertrauen der Menschen gewinnen

Nur einmal zeigt sich Alexander Felsch an diesem Abend hart und kämpferisch: Ein Gast des Bürgerclubs unterstellt ihm und der CDU aufgrund ihrer Haltung zur Brötchentaste im Konkreten und zur Klimaproblematik im Allgemeinen eine gewisse Nähe zur AfD, die den menschengemachten Klimawandel leugne. 

Diese Steilvorlage greift Felsch auf: „Ich habe mit diesen Leuten nichts an der Mütze. Mit denen verbindet mich nichts. Null.“ Es sei Aufgabe der Parteien der Mitte, den Menschen das Gefühl zu vermitteln, dass sie ernstgenommen und ihre Probleme gelöst werden, damit „diese selbsternannte Alternative für sie keine Option ist. Es ist unsere Aufgabe, dieses Vertrauen wiederzugewinnen“.

Nun bleiben Alexander Felsch noch rund neun Monate, um das erste Kennenlernen zu vertiefen und eigene Akzente zu setzen. Um das Vertrauen der Menschen in Bergisch Gladbach zu gewinnen und sie davon zu überzeugen, dass er der richtige Mann für das Amt des Bürgermeisters ist. 

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Ich glaube nicht, dass die Brötchentaste viel Geld in die Kassen der Händler bringen wird. Eine grobe Kalkulation ergibt vielleicht ein paar wenige Hundert Euro pro Tag und Geschäft. Und das unter Einbeziehung vieler wohlwollender Annahmen.

    Ein qualitativ gutes Geschäft lockt Kunden an. Egal, ob der Kunde dafür ein paar Euro Parkgebühren bezahlen muss, oder auch nicht. Meines Erachtens hat die Qualität und das Angebot aber deutlich abgenommen.

    Und die Durchgangsstraße raubt einfach Aufenthaltsqualität!
    Hier ist die FDP einfach wieder nur auf Stimmenfang im Mittelstand.
    “Erklärtes Ziel des Bürgermeisterkandidaten ist es, Bergisch Gladbach lebens- und liebenswert zu gestalten.” Mag sein, aber nicht in Bensberg.

  2. Ich frage mich, warum die AfD dem CDU Vorschlag, diese “Umsonst-Parken-Brötchentaste” von 1,5 Stunden aus der GEMEINSCHAFTSKASSE zu refinanzieren, beim zweiten Antrag abgelehnt hat. Kann da jemand eine Linie erkennen?
    Was könnten wir den Kindern nicht alles mit Mehreinnahmen zukommen lassen (freies Busfahren, Sport-, Spiel-, Freizeit-, Musikschulangebote, oder erforderliche Nachhilfen etc.). Wenn nur ÜBERALL ordentlich Parkgebühren erhoben würden, auch von all denen, die unsere Straßen als Parkfläche benutzen.
    Das könnte man doch auch hervorragend so kommunizieren.

    1. Auch SPD und Teile der Grünen haben im Rat nun aufgrund der fehlenden Refinanzierung den Antrag abgelehnt, der im AMV unter eben dieser Voraussetzung noch Zustimmung fand.

  3. Es ist gut zu wissen, dass Herr Felsch den Vorschlag der CDU-Ratsfraktion zur Brötchentaste unterstützt. Es geht meiner Meinung nach zu entschieden zu weit, daraus eine Nähe zur AfD zu konstruieren. Ironischerweise hat die AfD im Stadtrat diesen CDU Vorschlag anscheinend sogar abgelehnt.

    Trotzdem müsste man Herrn Felsch fragen, ob er sich der Selbstverpflichtung der CDU-Ratsfraktion zur Kenzeichnung von Änderungsanträgen anschließt (siehe Link unten). Wenn er sich dem anschließt, sollte er auch dies erklären:
    1. Warum wurde der Änderungsantrag zur Brötchentaste nicht gekennzeichnet?
    2. Welche UN-Nachhaltigkeitsziele sollen mit dem Änderungsantrag erreicht werden?

    https://in-gl.de/2023/04/14/cdu-fordert-mehr-transparenz-fuer-nachhaltigkeit-in-allen-facetten/

  4. Ich finde den Text sehr objektiv und detailliert. Er ist klar strukturiert und folgt dem Ablauf der Veranstaltung, was typisch für einen Bericht ist. Zudem bleibt die Autorin neutral und bewertet die Handlungen und Aussagen von Felsch nicht. Ein Kommentar würde stärker die Meinung und Bewertung der Autorin enthalten und weniger auf die detaillierte Beschreibung der Ereignisse fokussieren.

  5. Journalistisch gesehen ist dies eher ein Kommentar als ein Bericht. Das ist sehr schade, kommt aber an dieser Stelle nicht überraschend. Ist ja schließlich Wahlkampf, und das Bürgerportal muss Stellung beziehen und Politiker bewerten, die es genau einmal kennen gelernt hat.
    Grenzwertig.

    1. Es handelt sich hier um einen genau beobachtenden Bericht. Wo erkennen Sie eine Kommentierung? Das Bürgerportal bezieht nicht Stellung, sondern stellt vor. Die Bewertung überlassen wir unseren Leser:innen.

      1. “Dennoch ist er keiner, der krawallig auftritt. Zumindest noch nicht. Aber bis zur Wahl im September ist es ja auch noch eine ganze Weile hin.”

        Erwartet die Autorin, dass er bis September noch zum Krawallmacher wird?

        Sorry, diese Formulierung ist höchst grenzwertig.

    2. Wenn man einzelne Formulierungen auf die Goldwaage legt, könnte man bei „… keiner, der krawallig auftritt. Zumindest noch nicht“, „… hat er etwas von einem Musterschüler“ oder „wirkt er unnahbar“ spekulative oder subjektiv charakterisierende Momente erkennen. Wenn man will.

      Aber das sind m.E. doch wirklich Petitessen. Gerade für Leser, die nicht vor Ort waren, kann es auch informativ sein, Stimmungen und Eindrücke nonverbaler Natur wiederzugeben. Das unterscheidet Berichterstattung vom O-Ton-Abspulen.