Klima-Demo 2023. Foto: Philipp J. Bösel

Vor der Bundestagswahl treibt die Bürger:innen nicht nur das Thema Migration an. Auf Platz eins unserer Umfrage im Dezember lag damals noch der Klimawandel. Wir haben die Direktkandidat:innen in Rhein-Berg dazu befragt, hier kommen ihre Antworten.

Den Klimaschutz hatten unserer Leserinnen und Leser bei der Umfrage im Dezember am häufigsten als das Thema benannt, das im Wahlkampf diskutiert werden soll, deutlich vor Soziales, Bildung, Wirtschaft und Migration. Inzwischen hat sich die Welt gedreht, wir haben die rund 200 Fragen dazu dennoch gebündelt und der Kandidatin sowie den sieben Kandidaten im im Rheinisch-Bergischen Kreis eine konkrete Frage vorgelegt:

Welche  Ideen haben Sie, den Klimaschutz voranzubringen, ohne die Akzeptanz der Menschen zu verlieren?

Das waren die Fragen unserer Leser:innen

Das Thema treibt vor allem diejenigen um, denen der Kampf gegen die Klimakrise nicht weit genug geht – aber auch einige, die sich um die Kosten, soziale Folgen oder die Auswirkungen auf die Wirtschaft sorgen.

Mehrfach taucht der Begriff „Suffizienz“ (Genügsamkeit) auf, wie hier: Was unternehmen Sie, um die gegenwärtige von Wachstum geprägte Wirtschaft in eine nachhaltige, von Suffizienz geprägte zu transformieren?

Das Heizungsgesetz wird viermal erwähnt: zweimal verbunden mit der Forderung, es durchzusetzen, zweimal mit dem Verlangen, es abzuschaffen.

Typische Fragen:

Wie schaffen Sie es, dass in Städten und Ortschaften weniger Autos auf der Straße sind, damit Fahrradfahrer/Fußgänger sicherer und somit auch gesünder leben können?

Wie kann es schneller gelingen, die erneuerbaren Energien auszubauen?

Wie werden Sie sich für die Reduzierung von CO2 einsetzen?

Die Veränderungen des Klimas werden alle wichtigen Themen wie Wirtschaft, Ernährung und kriegerische Auseinandersetzungen bestimmen. Was ist ihr Konzept für diese Herausforderungen?

Wie wollen Sie den Klimaschutz mit der sozialen Gerechtigkeit überein bringen?

Wie kann die Industrie klimafreundlich umgebaut werden?

Hier sind ihre Antworten (in alphabetischer Reihenfolge):

Maik Außendorf, Grüne

Maik Außendorf (Grüne)

Der CO2-Preis sorgt dafür, dass fossile Energie (Öl, Gas, Benzin) teurer werden.

Um dies auszugleichen, wollen wir die Einnahmen aus dem CO2-Preis als Klimageld wieder an die Menschen auszahlen. So profitieren vor allem Menschen mit geringem und mittlerem Einkommen.

Alle Beiträge über Maik Außendorf

Alexander Becker, Volt

Alexander Becker (Volt)

Klimaschutz ist eine Chance für die Industrie, Volt setzt auf nachhaltige Transformation und soziale Gerechtigkeit. Wir wollen die Abschaffung aller klimaschädlichen Subventionen und den Einsatz dieser Mittel für innovative Technologien, Investitionen in grüne Arbeitsplätze und den Ausbau erneuerbarer Energien. 

Eine CO2-Bepreisung, die Haushalte per „Klimabonus“ stützt, die Senkung der Energiesteuer, Genossenschaftsmodelle für erneuerbare Energien und nachhaltige Mobilität beziehen alle ein.

Alle Beiträge über Alexander Becker

Caroline Bosbach, CDU

Caroline Bosbach (CDU)

Der Emissionshandel ist der europäische und auch deutsche Konsens im Kampf gegen den Klimawandel: Emissionsrechte für CO2 werden zunehmend verknappt, und der steigende Zertifikatepreis sorgt dafür, dass der Ersatz beispielsweise von fossil betriebenen Heizungen und Fahrzeugen durch klimaneutrale Lösungen dort beginnt, wo dies am günstigsten machbar ist. 

Grundsätzlich gilt: keine Verbote oder Zwang, sondern Anreize. Wir brauchen mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung, vor allem für die Zukunft der Kernkraft. 

Alle Beiträge über Caroline Bosbach

Mehr zum Thema

Der lokale Wahl-O-Mat hilft beim Kandidaten-Check

Nicht die Parteien und die Politik bestimmen die Themen des Wahlkampfes, sondern die Bürgerinnen und Wähler: Nach diesem Prinzip haben wir Themen und Fragen gesammelt, sie von der einen Kandidatin und den sieben Kandidaten beantworten lassen. Das Ergebnis ist ein lokaler und analoger Wahl-O-Mat, mit dem Sie die Kernpositionen rasch vergleichen können.

Marcel Liebegott bei der WahlArena des Bürgerportals. Foto: Thomas Merkenich

Marcel Liebegott, FW

Durch politische Fehlentscheidungen und unübersichtliche, wechselnde Förderprogramme haben die Menschen ihr Vertrauen verloren, für den Klimaschutz etwas zu tun. Es muss wieder Vertrauen hergestellt werden durch verlässliche Fördermaßnahmen, die sich am Markt orientieren, durch Zurückholen industrieller Fertigung nach Deutschland, durch stärkere Einbindung des ausführenden Handwerks, durch mehr staatliches Engagement bei der Forschung, und zwar im Bereich innovativer Produkte.

Alle Beiträge über Marcel Liebegott

Foto: Thomas Merkenich

Christian Lindner (FDP)

Das deutsche Klimaziel, 2045 klimaneutral zu sein, führt zu massiven wirtschaftlichen Schäden, ohne aber das Weltklima zu schützen. Wir dürfen nicht Anlagen vor der Zeit verschrotten, die wir für Wertschöpfung brauchen. Sinnvoller ist das EU-Ziel, Klimaneutralität in 2050 erreichen zu wollen, was auch schon ambitioniert ist. 

Unser Anspruch ist es, dann eine starke, dynamische Industrienation zu sein, die wirtschaftlichen Fortschritt erreicht hat und individuelle Freiheit der Lebensführung verteidigt.

Alle Beiträge über Christian Lindner

Tomás M. Santiallán in der Wahlarena. Foto: Thomas Merkenich

Tomás M. Santillán (Linke)

Ein konsequenter Klimaschutz ist ein zentrales Ziel. Wir benötigen dazu eine gerechte Verteilung von Lasten und Förderungen, um die Durchschnittsverdiener:innen zu entlasten, die unter steigenden Preisen für Energie, Lebensmittel und Mieten leiden. 

Wohlhabende dürfen nicht nur als einzige profitieren, sondern alle müssen ran und dann kann sich auch jeder den notwendigen Klimaschutz leisten.

Alle Beiträge über Tomás M. Santillán

Hinrich Schipper in der WahlArena des Bürgerportals. Foto: Thomas Merkenich

Hinrich Schipper (SPD)

Klimaschutz duldet keinen Aufschub und muss alle mitnehmen. Wir setzen auf erneuerbare Energien, bezahlbare Strompreise und klimafreundliche Technologien. Bürger:innen beteiligen wir transparent, um Vertrauen zu schaffen. 

Gleichzeitig entlasten wir Haushalte und Unternehmen finanziell, um Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen, ohne die Akzeptanz zu verlieren. Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit gehören für uns untrennbar zusammen.

Alle Beiträge über Hinrich Schipper

Harald Weyel in der WahlArena des Bürgerportals. Foto: Thomas Merkenich

Harald Weyel (AfD)

Der Klimaschutz-„Hoax“ ist klar von sinnvollem Umweltschutz zu scheiden. Während der Plastikmüll zu 100 Prozent menschengemacht ist, sind beim Co2 etc. diverse andere Logik- und Relevanz-Ebenen betroffen.

Alle Beiträge über Harald Weyel

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

12

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Ulla, die Systemkosten sind noch einmal etwas anderes als direkte Herstellungskosten – von den Kosten die ein Weiterbetrieb bestehender Anlagen gebracht hätte ganz zu schweigen.
    Fakt ist, Energiekosten sind hoch und werden zusätzlich über Subventionen verzerrt.
    Aber der Drops Atomkraft ist vorerst gelutscht. Auch unter einer neuen Regierung werden alle/viele Energieversorger die Unsicherheit einer solchen Langfristinvestition scheuen.
    Fakt ist – Energiebedarf inklusive Grundlast wird massiv steigen (solange Fossil ersetzt wird und es in D Industrie gibt). Erneuerbare Energiequellen benötigen Netze, Puffer / Regelsysteme und das muss gebaut und finanziert werden. Und solange die deutschen Kohle- (und Gas) Kraftwerke nicht vom Netz gehen, wird Delarbonisierung schwierig. Daher hätte ich mir früher einen pragmatischen Umgang mit dem Thema gewünscht- und keinen dogmatischen. So haben wir leider abwechselnd Überproduktion die zu hohen Kosten ins Ausland verkauft wird und dann Unterproduktion die aus dem Ausland auch mit Atomstrom gedeckt wird. Und alles zu hohen Kosten.

    Es gibt ja diverse gute Ansätze die Teils aber dem jetzigen System eines einheitlichen Strommarkts widersprechen. Von NIMBY und ewigen Genehmigungsverfahren gar nicht zu sprechen.

    1. Der Stromverbrauch steigt durch die Elektrifizierung von Industrie und Heizen (Verkehr spielt keine nennenswerte Rolle) – allerdings sehr viel weniger, als simple 1:1-Rechnungen glauben machen. Die Umstellung geht mit einer deutlichen Senkung des Primärenergiebedarfs einher, da Wärmepumpen sehr viel effizienter als Gas- oder Ölheizungen sind (Faktor 4-5), und besonders energieintensive Industrien massiv schrumpfen (werden). Bei Lichte betrachtet ergab es noch nie viel Sinn, eine riesige Chemieindustrie aufzubauen, die ihre Rohstoffe im- und ihre Produkte wieder exportiert. Da gibt es bessere Standorte auf der Welt.

      Dass einzelne Länder bzw. Regionen bzw. Länder mal einen Überschuss produzieren, mal importieren müssen, ist völlig normal. Deswegen gibt es ein europäisches Stromnetz und -markt: Irgendwo scheint immer Sonne und weht Wind. Je großräumiger der Ausgleich, desto weniger Speicher werden benötigt. Wobei es mit ausreichend Wasserstoff-Produktionskapazitäten eigentlich keine “Überschuss”-Produktion mehr gibt.

  2. Dass ‘Klimaschutz’ als solcher im Wahlkampf kaum vorkommt, könnte auch damit zu tun haben, dass Klima- und Wirtschaftspolitik heute dasselbe sind. ‘Modernisierung’ heißt (nicht nur, aber in erster Linie) klimaneutraler Umbau von Industrie und Infrastruktur. Wer das nicht begreift und weiter auf veraltete Produkte und Technologien setzt, hat keine Zukunft. Der Volt-Kandidat bringt das am besten auf den Punkt, bei Anderen klingt es zumindest an.
    (‘Zukunft der Kernkraft’ – lol. Bitte auch die Zukunft der Pferdedroschken erforschen!)

  3. Die eskalierende Klimakatastrophe (und andere Umweltkrisen wie Artensterben, Plastikverschutzung etc.) bedrohen den Fortbestand unserer menschlichen Zivilisation. Das sage nicht (nur) ich, sondern der BND und die Bundeswehr , – dazu die gesamte Klimawissenschafts-Community.
    https://www.geo.de/wissen/forschung-und-technik/der-bnd-warnt-vor-sicherheitsrisiken-durch-die-klimakrise–genau-zur-rechten-zeit-35463408.html
    Dieser Herausforderung wird nicht eine der Antworten unserer Politiker*innen auch nur im Ansatz gerecht. Es ist deprimierend!
    Was wirklich zu tun wäre, sagt der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU), ein kompetentes wissenschaftliches Gremium, das die Aufgabe hat, die Bundesregierung(en) in allen Umwelt-relevanten Fragen zu beraten. Aber der SRU wird von der Politik komplett ignoriert! Beschämend!
    https://klimagerecht-leben.de/suffizienz-die-strategie-des-genug-fuer-eine-politische-debatte

    1. Es ist eine “eskalierende Klimakatastrophe”, weil man damit viel Geld machen kann. Ansonsten ist es ein Klimawandel, an den man sich anpassen sollte.

      Artensterben und Umweltverschmutzung, besser -zerstörung sind viel größere Probleme unserer Menschheit. Und hier sollte DE viel mehr tun, als PV Dächer zu fördern.

      Bisher ist mir im ÖRR noch kein Bericht z.B. zum Ocean Cleanup Projekt aufgekommen. Da müssten Gelder reinfließen.

      Die Problemländer finden sie hier:
      https://theoceancleanup.com/sources/

      1. Selbst wenn Sie es anders nennen wollen – vielleicht zur Selbstberuhigung und Rechtfertigung fürs Nichtstun – können Sie doch hoffentlich wenigsten anerkennen, dass die Erwärmung des Weltklimas zu sehr negativen Effekten für Menschen, Natur und Wirtschaft führt. Da die Klimaveränderung durch menschliches Handeln verursacht ist, hat die Menschheit auch die Möglichkeit, durch eine Veränderung dieses Handels diese sehr negativen Effekte in der Zukunft abzumildern. Die Energieerzeugung ist hier eines der wichtigen Handlungsfelder, weshalb staatliche Investitionen in erneuerbare Energien sinnvoll und verantwortungsbewusst sind.

        Sie nenne ja selbst das Artensterben als großes Problem der Menschheit. Glauben Sie, das hat nichts mit den Klimaveränderungen zu tun? Was wollen Sie gegen das Artensterben tun? Ebenso hat die Umweltzerstörung, die sie auch nennen, erhebliche Auswirkungen auf das Klima (Stichwort Abholzung z.B.).

        Und nicht zuletzt wirken die Klimaveränderungen ebenfalls massiv auf ihr großes Angstthema, die Migration. Wobei ich mir Ihre Lösungsvorschläge in diesem Bereich gut vorstellen kann.

      2. Die Klimaveränderung ist nicht durch Menschen “gemacht” sondern höchstens beschleunigt.
        Klimaveränderungen gab es immer, Aussterben von Arten gab es immer.
        Die Ausrottung von Arten durch den Menschen kommt aber nicht durch den Klimawandel, sondern durch Jagd, Umweltverschmutzung und Umweltzerstörung. Und das sind die Punkte, die angegangen werden müssen.

        Wenn Sie die Klimaveränderung durch die Energieerzeugung als kritisch betrachten, warum laufen dann noch Kohlekraftwerke anstatt der Kernreaktoren?

        Wie sie selbst sagen, Umweltschutz ist Klimaschutz, aber Klimaschutz ist nicht unbedingt Umweltschutz.

      3. Ah, Sie wissen es also besser als der wissenschaftliche Konsens. Interessant. Verfügen Sie über Geheimwissen? Oder haben Sie sich einfach mal am AfD-Grundsatzprogramm (Abschnitt 12 – Energiepolitik) orientiert?

      4. “warum laufen ..noch Kohlekraftwerke anstatt der Kernreaktoren?”
        Fragen Sie doch Frau Dr. Merkel.
        Wenn Sie sich nicht mehr erinnern, warum wir dies “ein für allemal” beschlossen haben, Frau Dr. Merkel erinnert sich bestimmt.
        Wie unehrlich, verantwortungslos, selbstverliebt und rücksichtslos sind die, die dieses Fass wieder aufmachen und den vielen nachfolgenden Generationen auch noch ihren gefährlicheren Atom-Müll hinterlassen wollen?

      5. Frau Merkel hat an die Wahlen in BW gedacht, nicht an Energiepolitik, die Umwelt oder die Physik.
        Bzgl. des “Mülls” sollten sie sich nochmals einlesen. Darin steckt viel Potential.

      6. An Ulla: es gibt gute Gründe warum z.B. die finnischen Grünen ihre Position zu Atomkraft geändert haben.
        Moderne Gesellschaften benötigen Unmengen an Energie und diese wird zunehmend von fossilen Energieträgern auf (erneuerbare) Elektrizität umgestellt . Zumindest für den Übergangszeit wäre Atomstrom hilfreich – man vergleiche nur den CO2 Abdruck pro Capita Deutschland gegen Frankreich. Neben Ausbau der Netze und Speicher muss das Ganze auch irgendwie bezahlbar bleiben. Für Wirtschaft und Bürger. Und daran hapert es bislang – langfristige Sicherheit und bezahlbare Energie, besonders für produzierende Unternehmen.