Die Erweiterung der GGS Hebborn ist in Rekordzeit gebaut worden und soll auch weiterhin zusätzliche OGS-Plätze bieten Foto: Thomas Merkenich

Die Stadt Bergisch Gladbach plant für das kommende Schuljahr 200 zusätzliche OGS-Plätze an den Grundschulen. Diese sollen unter anderem an den Sofortschulen in Hebborn und Refrath entstehen. Ob es tatsächlich so viele werden, bleibt allerdings fraglich. Die Zeit für den Ausbau drängt, denn der Rechtsanspruch auf einen Platz naht.

Nicht nur bei den Kita-Plätzen gibt es in Bergisch Gladbach einen Engpass, bei den Plätzen für die Offene Ganztagsschule (OGS) bleibt die Lage ebenfalls angespannt. Auch im kommenden Schuljahr werden die Plätze längst nicht für alle Kinder ausreichen.

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Die Pläne für das Schuljahr 2025/26 sehen maximal 3472 Plätze vor – das wären 200 mehr als im laufenden Jahr (aktuell sind es 3272). Die Versorgungsquote würde, wenn auch tatsächlich alle OGS-Plätze so belegt werden können, stadtweit bei 81 Prozent liegen. Zum Vergleich: Im aktuellen Schuljahr beträgt die Quote 77,7 Prozent. 

94 Prozent der Eltern wünschen OGS-Platz

Eine Elternbefragung im Herbst 2023 hatte allerdings ergeben, dass sich 94 Prozent einen Betreuungsplatz für ihre Grundschulkinder wünschen. Bis sich diese Lücke von mehr als 16 Prozentpunkte schließt, ist also noch einiges an Ausbau zu erledigen. 

Die Pläne für die Aufstockung der Plätze stellt die Verwaltung im kommenden Jugendhilfeausschuss vor. Dass die Pläne und die Realität mitunter auseinanderklaffen, zeigt ein Blick zurück: Vor einem Jahr hatte die Verwaltung für das laufende Schuljahr angekündigt, es sollten bis zu 3351 OGS-Plätze angeboten werden. Doch es wurden nur 3272. Das bedeutet: Statt 141 zusätzlicher Plätze wurden es tatsächlich nur 62.

Es geht aber nicht nur um einen Wunsch der Eltern. Die Stadt steht in der Pflicht und muss das Angebot dringend ausbauen: Denn ab 2026 gibt es einen Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz für alle Erstklässler. Die anderen Jahrgangsstufen folgen in den Jahren darauf, ab 2029 gilt er für alle Klassen. Wenn dieser nicht erfüllt wird, drohen laut Stadtverwaltung Klagen der Eltern oder Ausgleichszahlungen. 

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Was es bedeutet, keinen OGS-Platz zu bekommen

Jule Roßberg würde gerne mehr arbeiten und sich beruflich weiterentwickeln. Kann es aber nicht, weil die Familie, nun zum zweiten Mal, keinen OGS-Platz bekommen hat. Sie hat für uns aufgeschrieben, was das für sie bedeutet. Vom Arbeitsbeginn um 6 Uhr morgens bis hin zur Höhe der Rente, die sie einmal beziehen wird.

Nach Einschätzung der Verwaltung gibt es „große Erweiterungsbedarfe an allen OGS-Standorten in Bergisch Gladbach“. Hauptproblem dabei sind die fehlenden Räume, dadurch müssen auch die Grundschulen ihre Aufnahmekapazitäten beschränken. Daher werden „weitere bauliche Veränderungen an den Schulen unumgänglich sein“.

Wo das nicht möglich ist, müsse „über die optimierte Nutzung der vorhandenen Räumlichkeiten nachgedacht werden“. An zwei Grundschulen wird dafür eine Beratung mit einem externen Berater durchgeführt.

Die Verwaltung betont im Zusammenhang mit dem OGS-Ausbau die beiden „Sofortschulen“ an der GGS Hebborn und der KGS In der Auen, die im Schuljahr 2023/24 eröffnet wurden. Dazu lohnt sich ein Blick auf die Zahlen der OGS-Schüler:innen seit der Eröffnung:

An der KGS in Refrath gab es im Schuljahr vor dem Neubau 124 OGS-Plätze, ein Jahr später waren es 138 und im aktuellen Schuljahr sind es 147. Die Versorgungsquote beträgt dort aktuell 88 Prozent.

Etwas anders sieht es an der GGS Hebborn aus: Vor der Eröffnung des neuen Gebäudes gab es 237 OGS-Plätze, ein Jahr später waren es 253 und im aktuellen Schuljahr sank die Zahl wieder auf 242 OGS-Plätze. Die Versorgungsquote liegt nun bei 83,4 Prozent. 


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Bei den aktuellen Versorgungsquoten unterscheiden sich die einzelnen Stadtbezirke stark: Spitzenreiter ist der Bezirk 6 (dazu gehören unter anderem Refrath und Frankenforst) mit einer Versorgungsquote von 82,7 Prozent. Schlusslichter sind die Bezirke 3 (Sand, Herrenstrunden, Romaney) mit 61,0 Prozent und Bezirk 4 mit 61,2 Prozent. In den Bezirken gibt es jeweils nur eine Grundschule in Sand und eine in Herkenrath.

Die Pläne für das kommende Schuljahr sehen insgesamt 200 zusätzliche OGS-Plätze vor. Die meisten Plätze, nämlich 65, sollen im Bezirk 5 (Bensberg, Moitzfeld) entstehen. 54 weitere Plätze sind für den Bezirk 2 (Hebborn, Stadtmitte, Gronau, Heidkamp) geplant, 44 für den Bezirk 6 (Refrath, Frankenforst).

Betrachtet man die einzelnen Grundschulen ist stadtweit die GGS Bensberg mit 93 Prozent Spitzenreiter bei der Versorgungsquote, gefolgt von der GGS Gronau (92 Prozent) und der KGS In der Auen (88 Prozent). Schlusslichter sind die GGS Schildgen (60 Prozent), die KGS Sand und die GGS Herkenrath (jeweils 61 Prozent).

Noch ein Problem: Fachkräftemangel

Zu dem Platzproblem gesellt sich der Fachkräftemangel: Für die OGS-Träger wird es immer schwieriger, Personal zu finden. Auch das stellt eine große Herausforderung für den Ausbau und Betrieb der Ganztagsangebote dar.

In der langfristigen Planung bis zum Schuljahr 2029/30, wenn es den Rechtsanspruch für alle Grundschulkinder gibt, plant die Verwaltung mit insgesamt 3700 OGS-Plätzen.

Für das Schuljahr 2026/27 sehen diese Pläne 50 zusätzliche Plätze im Vergleich zum Vorjahr vor. Die sollen unter anderem durch den Erweiterungsbau KGS Frankenforst entstehen. Allerdings soll dieser Erweiterungsbau laut Schulbau GmbH erst Ende 2028 in Betrieb genommen werden – also zwei Schuljahre später. Und ohne das Gebäude können die geplanten OGS-Plätze wohl kaum belegt werden.


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ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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