Foto: Thomas Merkenich

Die diesjährige Pfingstkirmes in Bergisch Gladbach ist für Kirmes-Organisator Burkhardt Unrau aus mehreren Gründen besonders: Seit 45 Jahren organisiert er die Kirmes in seiner Heimatstadt. Erstmals ist er dabei, wenn ein Fahrgeschäft gesegnet wird. Es ist der neu gestaltete Autoscooter „Route 66“, mit dem Unrau eine sehr persönliche Geschichte verbindet.

Pfingsten in Bergisch Gladbach bedeutet immer auch Kirmeszeit. Vier Tage lang, vom 7. bis zum 10. Juni, machen die Schausteller:innen mit ihren Fahrgeschäften auf dem Konrad-Adenauer-Platz und rund um den Bergischen Löwen Station. 

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Mit dabei sind neben Klassikern wie Autoscooter, Musik-Express und dem rasanten „Break Dance“ in diesem Jahr auch ein nostalgisches, 15 Meter hohes Riesenrad sowie die „Chaosfabrik“, ein Laufgeschäft, das über drei Etagen führt. Auch für Familien mit Kindern gibt es einige Fahrschäfte, etwa die kleine Achterbahn „Ring Renner“, die Schweinchenbahn, ein Mini-Scooter und ein Kinderkarussell.

„Gerade in Zeiten von Krisen und Kriegen in der Welt bringt die Kirmes Freude, Entspannung und Abwechslung – für Erwachsene und Kinder“, sagt Burkhardt Unrau, Geschäftsführer des Schaustellerverein Bergisch Gladbach e.V., bei der Vorstellung des diesjährigen Programms. 

Unrau organisiert die Pfingst- und Laurentiuskirmes seit 45 Jahren ehrenamtlich für die Stadt Bergisch Gladbach. „Es ist jedes Mal anders und jedes Mal eine große Herausforderung. In diesem Jahr ist es wegen des Jubiläums für mich besonders. Ich hoffe, ich schaffe auch noch die 50 Jahre“, so der 73-Jährige.

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Immer das Riesenrad gedreht: Burkhardt Unrau veröffentlicht Autobiografie

Zur Pfingstkirmes legt Kirmes-Macher Burkhardt Unrau seine Autobiografie „Das Leben ist ein Rummelplatz“ vor. Darin lässt er in Wort und Bild die „70 außergewöhnliche Jahre“ seines Lebens Revue passieren, das sich auch – aber nicht nur – um die Kirmes dreht. Die kündigt er bei der Vorstellung des Buches gleich mit an – nicht nur mit guten Nachrichten: Die Schausteller spüren die Energiekrise und leiden unter Personalmangel.

Für Unrau ist die Kirmes lange gelebtes und geliebtes Brauchtum: In Bergisch Gladbach reicht ihre Geschichte bis ins Jahr 1842 zurück. Kirmes im Allgemeinen gibt es seit mehr als 1200 Jahren.

„Die Kirmes ist ein Kulturgut, schon seit dem Mittelalter. Hier begegnen sich Menschen und lassen ihren Alltag hinter sich“, sagt Bürgermeister Frank Stein. Er dankt Burkhardt Unrau und seiner Frau Ute Unrau für deren langjähriges Engagement für die Kirmes.

Der Kirmes-Macher Burkhardt Unrau

Burkhardt Unrau wurde am 10. August 1952 – an einem Kirmessonntag – während der Laurentiuskirmes geboren. Sein Vater Helmut Unrau war 40 Jahre lang beim Ordnungsamt Bergisch Gladbach für die Kirmes zuständig, bis er 1980 in den Ruhestand ging.

Schon als Kind war Burkhardt Unrau Kirmesfan und übernahm 1980 ehrenamtlich die Organisation der Pfingst- und Laurentiuskirmes.

1994 wurde der Schaustellerverein Bergisch Gladbach e.V. gegründet, damit die Stadt selbst weiterhin Veranstalterin der Kirmes bleiben kann – und kein privater Veranstalter.

2023 veröffentlichte Unrau seine Autobiografie mit dem Titel „Das Leben ist ein Rummelplatz – 70 außergewöhnliche Jahre“.

Ute Unrau leitet seit 25 Jahren die städtische Ordnungsbehörde und ist in dieser Funktion auch für die Kirmes verantwortlich. „Ich wollte mich auf diese Stelle erst gar nicht bewerben, weil ich mir nicht vorstellen konnte, mit Schaustellern und mit Burkhardt Unrau zusammen zu arbeiten“, erinnert sich Ute Unrau und muss heute darüber lachen. Denn seit 2011 sind Ute und Burkhardt Unrau miteinander verheiratet.

Ute und Burkhardt Unrau, 2011 bei der Hochzeit auf dem Autoscooter. Foto: Privat

Getraut hatte sie der damalige Bürgermeister Lutz Urbach – wie könnte es anderes sein – auf der Pfingstkirmes, genauer gesagt auf dem Autoscooter „Route 66“. Und genau dieser Autoscooter macht für Burkhardt Unrau ein Highlight der diesjährigen Pfingstkirmes aus, denn er sei aufwändig, „mit viel Geld und Fleiß“ völlig neu gestaltet und mit neuer Beleuchtung ausgestattet worden. Er verbrauche nun nur noch ein Drittel der vorherigen Strommenge.

Der Autoscooter ist 38 Jahre alt und gehörte Günter Barth, der Ende 2023 gestorben ist. Nach dessen Tod zögerte seine Tochter Bärbel Barth, ob sie das Geschäft weiterbetreiben soll. „Es war klar, dass man viel Geld in die Hand nehmen müsste, um es für die Zukunft fit zu machen. Das war schon eine riskante Investition“, berichtet die 47-Jährige. Zusammen mit ihrem Sohn habe sie sich dafür entschieden.

Pfingstsamstag (7. Juni) feiert der runderneuerte Autoscooter seine Premiere. Und nicht nur das: Vorher, um 10 Uhr wird das Fahrgeschäft auf dem Konrad-Adenauer-Platz durch den Kreisdechanten Norbert Hörter gesegnet. „Für mich ist das sehr bewegend, weil es die erste Segnung eines Kirmesfahrgeschäfts ist, bei der ich dabei bin. Und das in meiner Heimatstadt, auf der Laurentiuskirmes, vor der Laurentiuskirche“, schwärmt Burkhardt Unrau.  

Sperrungen, Busse, Wochenmarkt: Das ändert sich zur Kirmes

Damit Fahrgeschäfte, Buden und Schaustellerfahrzeuge genügend Platz finden, gibt es in diesem Zeitraum einige Änderungen für Wochenmarkt, Parkflächen und Busverkehr.

Stadthausparkplatz und Busspur werden zum Wohnwagenplatz der Schausteller. Von Sonntag, 1. Juni, ab 20 Uhr bis Donnerstag, 12. Juni, ist der Platz nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.

Die Busspur am Konrad-Adenauer-Platz ist ab Montag, 2. Juni, 7 Uhr, bis Mittwoch, 11. Juni, ganztägig gesperrt. Die Busse weichen in dieser Zeit auf die Ersatzhaltestellen am Stadthaus „An der Gohrsmühle“ aus. Entlang des Stadthauses bis zum Kreisverkehr Schnabelsmühle ist die Durchfahrt für alle Fahrzeuge einschließlich Radverkehr gesperrt; Fußgängerinnen und Fußgänger haben freien Zu- und Durchgang. 

Ab Montag, 2. Juni, wird die gegenläufige Radspur der Laurentiusstraße auf ihrem letzten Abschnitt Richtung Rathaus gesperrt. Grund dafür ist ein Hindernis auf der Fahrbahn am Kirmesplatz. Radfahrende können über den Buchmühlenparkplatz ausweichen oder im Bereich der Sperrung ist Rad auf dem Bürgersteig schieben.

Der Wochenmarkt findet während der Kirmes in der Fußgängerzone in der Hauptstraße statt. Die Verlegung gilt für die Termine Mittwoch, 4. Juni, Samstag, 7. Juni und Mittwoch, 11. Juni.

Ab Donnerstag, 12. Juni, läuft der Verkehr in der Bergisch Gladbacher Innenstadt wieder wie gewohnt.

Heike Hiebert aus der Ordnungsbehörde, Bürgermeister Frank Stein, Schaustellerin Bärbel Barth, Kirmes-Organisator Burkhardt Unrau, Ordnungsbehördenleiterin Ute Unrau. Foto: Redaktion

Unrau ist es wichtig, dass es weiter geht: „Die Tradition der Kirmes kann nur aufrecht erhalten werden, wenn die Leute auch zur Kirmes kommen“, so Unrau. Corona habe der Branche einen herben Dämpfer erteilt. Danach sei es zwar wieder aufwärts gegangen, „aber wir müssen uns um den Nachwuchs kümmern – bei den Gästen und den Schaustellern“. Der Autoscooter sei dafür ein gelungenes Beispiel, dass die nächste Generation übernimmt.

Unrau selbst kündigt an, auch künftig die Kirmessen in Bergisch Gladbach zu koordinieren, „solange es die Gesundheit zulässt. Ich mache das ehrenamtlich, für meine Stadt“. Kirmesveranstaltungen dürften „auf gar keinen Fall privatisiert“ werden, sondern müssten in städtischer Hand bleiben. Das zeige aktuell das „abschreckende Beispiel“ Köln, wo in diesem Jahr die Osterkirmes nicht stattfinden konnte. „Viele der Schausteller zittern nun, ob sie den kommenden Winter überstehen, weil ihnen die Einnahmen fehlen.“


Die Pfingstkirmes dauert von Samstag, 7. Juni, bis Dienstag, 10. Juni.

Am Samstag, 10 Uhr, segnet Kreisdechant Norbert Hörter den neu gestalteten Autoscooter auf dem Konrad-Adenauer-Platz.

Anschließend, um 12 Uhr, wird die Kirmes durch Bürgermeister Frank Stein, Landrat Stephan Santelmann, Kreisdechant Norbert Hörter und Schausteller-Sprecher Burkhardt Unrau mit Bierfassanstich eröffnet. Nach der Eröffnung verteilen die Schausteller kostenlose Fahrchips für Kinder.

Die Kirmes endet am Dienstag, 10. Juni, mit einem Feuerwerk (nach Einbruch der Dunkelheit).

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Wollte den Artikel zum Verkehrskonzept klicken. Bin hier gelandet.
    Scheint üblich zu werden, Links falsch zu setzen. Vielleicht mal nicht einfach so hinrotzen, die Artikel.

    1. Danke für Ihren freundlich dahingerotzten Kommentar. Wenn Sie die Verkehrshinweise zur Kirmes meinen (von einem Verkehrskonzept war in unserem heutigen Newsletter keine Rede) sollten Sie einfach ein wenig weiter lesen (oder auch nur scrollen), dann werden Sie fündig.