Burkhardt Unrau. Foto: Thomas Merkenich

Zur Pfingstkirmes legt Kirmes-Macher Burkhardt Unrau seine Autobiografie „Das Leben ist ein Rummelplatz“ vor. Darin lässt er in Wort und Bild die „70 außergewöhnliche Jahre“ seines Lebens Revue passieren, das sich auch – aber nicht nur – um die Kirmes dreht. Die kündigt er bei der Vorstellung des Buches gleich mit an – nicht nur mit guten Nachrichten: Die Schausteller spüren die Energiekrise und leiden unter Personalmangel.

Burkhardt Unrau, Geschäftsführer des Schaustellerverein Bergisch Gladbach e.V., zieht Bilanz und berichtet aus seinem Leben. „Das Leben ist ein Rummelplatz“, so der Titel seiner Autobiografie, die er zur Pfingstkirmes vorlegt. Erschienen im Heider Verlag, fügt das Buch der Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte 265 Seiten mit Anekdoten und Berichten von Benefiz-Aktionen eines umtriebigen, vernetzten Machers hinzu, der „gemeinsam was bewegen!“ will.

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Läutet da jemand seinen Rückzug ein? Nein, aufs Altenteil wolle er nicht, er mache weiter, solange die Gesundheit es erlaube, macht Unrau bei der Buchvorstellung auf dem Konrad-Adenauer-Platz (seinem Wohnzimmer!) am Rande des Aufbaus der Pfingstkirmes klar. Die Biografie habe er einfach jetzt geschrieben, weil er sich noch gut erinnern könne und die Geschichten parat habe.

Sein Verleger Hans-Martin Heider habe gleich zugesagt, auch wenn dieser nach eigenen Angaben aufgrund des lokalen Charakters der Autobiografie maximal eine Kostendeckung bei der Vermarktung sehe. Daher habe man sich die Kosten geteilt, sagt Unrau.

Burkhardt Unrau: Das Leben ist ein Rummelplatz – 70 außergewöhnliche Jahre
Heider Verlag, 2023, Auflage: 1.000 Stück
ISBN 978-3-947779-44-4
265 Seiten, 200 Fotos, Hardcover
Preis: 24,80
Erhältlich im Heider Verlag (mit Originalsignatur), im Buchhandel und zur Pfingstkirmes

Burkhardt Unrau mit Bürgermeister Frank Stein sowie den Verlegern Hans-Martin und Claudio Heider

XXL-Fassung

Das Buch ist in etwa die XXL-Version eines fünfseitigen Beitrags, der in der Anekdotensammlung „Kröten, Kult und Kaffeekrieg“ (Heider Verlag, 2012) über Unrau erschienen ist. Ein Aussteiger, der wieder einstieg – hieß der Text der Journalistin Karin Grunewald seinerzeit über Unrau.

Nun schreibt Unrau über Unrau. So wie er redet, direkt, schnörkellos, offen. Lässt seine jungen Jahre Revue passieren, streift seine vielen Jobs und teils spezielle Branchen, in denen er aktiv ist. Unterstützt und lektoriert wurde Unrau dabei von Karin Grunewald.

Immer im Fokus: Der Junge Unternehmer Club JUC, der mit Benefiz-Veranstaltungen hohe Summen an Spenden sammelt. Gemeinsam mit einer großen Clique an Freunden dreht Unrau scheinbar ein Riesenrad nach dem anderen.

Natürlich auch bei der Kirmes und ihren Schaustellern, die der Kirmes-Macher meinungsstark durch die Konkurrenz von Landesturnfesten oder Gourmet-Meilen lotst. Und die er mit zeilenreichen, offenen Briefen, Aktionen und der Mobilisierung von Polit-Prominenz durch die Pandemie begleitet.

Fast im Stile eines Rekommandeurs

„Talente und Fähigkeiten in Zeiten von zunehmendem Egoismus für die gute Sache einsetzen“, das sei der Impuls der von diesem Buch ausgehe, sagt Verleger Hans-Martin Heider. Das Buch möge anregen, sich für die gute Sache einzuetzen.

Über das Wie lässt sich indes streiten, und es ist im Vorwort ein Thema. Man kennt Unrau nunmal. Mit dem Kopf durch die Wand, das gehört ein Stück weit zur Bergisch Gladbacher Kirmes-Folklore.

Und so kommt das Buch gerne etwas dick aufgetragen daher, fast im Stile eines Kirmes-Rekommandeurs („Sprecher“ der Fahrgeschäfte welche die Besucher anlocken und animieren, was Unrau auch mal war): Etwa wenn Autor Unrau 22 Verantwortliche aufzählt, die in seiner Ära zum Erfolg der Kirmessen beigetragen hätten.

Gemeint sind Bürgermeister, Leiter:innen des Ordnungsamtes, Landräte und Politiker. „Sie kamen und gingen – ich blieb“, schreibt Unrau.

Redaktions-Checkzum Buch: Amüsant und kurzweilig. Wer auf den schnoddrigen Schreibstil, die zahlreichen Anekdoten zur Stadtgeschichte, das gehäufte Namedropping und die schillernden Storys der Benefiz-Aktionen einer städtischen Clique steht und dabei kein Problem mit dem Macho-Gestus der 1970er und 1980er Jahre hat, der wird seinen Spaß haben.

Verkauf auf der Kirmes

Das Buch wird – handsigniert – auf der Kirmes zu kaufen sein. Unrau plant einen Verkaufsstand „wie 1984, als ich hier meine LP verkauft habe“.

Starten wird die Kirmes zum Buch am kommenden Samstag, 27. Mai, um 12 Uhr am Fahrgeschäft namens Frisbee, inklusive Fassbieranstich und Freifahrt-Chips für Kinder. Im Beisein des Bürgermeisters Frank Stein, Landrat Stefan Santelmann, Kreisdechant Norbert Hörter und MdB Hermann-Josef Tebroke.

13 Fahrgeschäfte und rund 40 Erlebnisbuden bietet die Kirmes in diesem Jahr auf. Wie gehabt eine Mischung aus Action für die Großen, Fahrgeschäften für die Kleinsten und Angeboten für die ganze Familie.

Pfingstkirmes in Bergisch Gladbach – seit 181 Jahren
Wann: 27. bis 30. Mai 2023
Eröffnung: Samstag 27. Mai um 12 Uhr
Feuerwerk: 30. Mai zum Einbruch der Dunkelheit (ca. 22.30 Uhr)
Wo: Konrad-Adenauer-Platz
Was: 13 Fahrgeschäfte, rund 40 Verkaufs- und Spielstände, u.a. mit Frisbee, Auto-Scooter Route 66, Berg- und Talbahn Musik Express, Familienachterbahn Ring-Renner, Laufgeschäft Chaos-Fabrik, Schweinchenbahn, Kinderkarussell, Süßwaren-, Imbiss- und Getränkeständen
Weitere Infos hier

Moderater Preisanstieg

Nach überstandener Pandemie seien die Schausteller froh, wieder Kirmessen zu veranstalten. Und profitierten – als Folge der Erleichterungen während der Pandemie – auch in diesem Jahr vom Wegfall der Standgebühren.

Doch die aktuellen Krisen würden an dem Geschäft nicht vorüber gehen, berichtet Unrau. So litten viele Betriebe unter Personalmangel, wodurch manche nicht jede Kirmes bespielen könnten.

Problem seien überdies die Energiekosten. Da die Fahrgeschäfte und Imbissbuden mit Strom betrieben würden, stünden auch die Schausteller unter Kostendruck. „Sie versuchen das Preisniveau zu halten“, sagt Unrau. Gleichwohl werde es – wie in 2022 – einen moderaten Preisanstieg für den Kirmesbesuch geben.

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ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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