Kurze Einsatzbesprechung mit dem Lehrer, dann legen die Schüler:innen los. Fotos: Annette Voigt

Die Verbundschule Mitte in Refrath betreibt eine ganze Reihe von Schülerfirmen, in denen die Jugendlichen sich selbst erproben können und auf die Berufswelt vorbereitet werden. In der Firma „Easy Gardening“ sind die Schülerinnen und Schüler freitags unterwegs, um private Gärten vor dem Verwildern zu retten. Mit einem Besuch der Truppe setzen wir unsere Serie MehrGrün fort.

Sieben Schüler:innen der Klassen 8 bis 9 engagieren sich im Gartenbauprojekt „Easy Gardening“ der Verbundschule Mitte in Refrath. Die 14- bis 16-Jährigen helfen Gartenliebhabern, denen die Gartenarbeit zu schwer und zu viel ist oder die Zeit fehlt. Diese jungen Gärtner:innen mähen, schneiden, rechen, graben und pflanzen um, räumen auf und jäten Unkraut, entsorgen Gartenabfälle. Also alles, was zur Pflege eines Gartens dazu gehört, außer sehr hohe Gehölze schneiden oder Bäume fällen, 

Immer freitags zwischen 8.30 und 11 Uhr fahren sie mit ihrem Transporter samt Anhänger bei ihren Kunden vor, laden ihre Geräte ab und bringen mit Eifer und Elan deren Gärten in Ordnung. Ihr Einsatz ermöglicht es, Gärten zu erhalten, die sonst verwildern oder beseitigt würden. Jede dieser Gartenflächen, die somit bewahrt werden, tragen mit zum Grün in der Stadt bei. 

Vorbereitung auf das Arbeitsleben

„Easy Gardening“ ist eine Schülerfirma der Verbundschule Mitte, einer Förderschule des Rheinisch-Bergischen Kreises mit den Förderschwerpunkten Lernen, emotionale und soziale Entwicklung. Das grüne Schülerprojekt passt gut in das Konzept der Schule und ihrer Naturverbundenheit. Im Unterricht setzen sich die Schüler:innen mit dem Leben der Bienen auseinander, andere bauen auf dem Schulgelände Hochbeete, um Gemüse und Obst anzupflanzen oder entdecken regelmäßig in Kooperation mit dem Forsthaus Steinhaus die Welt des Waldes.

Hintergrund: Mit der Serie „Mehr Grün für die Stadt“ …

… will unsere Autorin Annette Voigt auf Musterbeispiele für grünes Engagement in Bergisch Gladbach und im Rheinisch-Bergischen Kreis aufmerksam machen. 

Angesichts der zunehmenden Negativauswirkungen des Klimawandels wie Hitze -und Trockenperioden, Starkregen und Hochwasser ist der Erhalt von Grünflächen und die Neuanpflanzung klimaresistenter und schattenspendender Pflanzen, Bäume und Gehölze notwendiger denn je. In Zeiten knapper werdenden Wasserressourcen gilt es auch hier umzudenken und einzusparen, z. B. indem Rasenflächen zu blühenden Blumenwiesen umgewandelt werden. Möglichst viel Grün gehört in die Stadt, denn das sind die grünen Lungen der Bergisch Gladbacher Bevölkerung, unsere Sauerstoffproduzenten.

Doch statt dessen ersetzen Schottergärten und durchgeflieste Flächen ehemals grüne Vorgärten. Sie wirken der Biodiversität entgegen und berauben den Insekten und Kleingetier ihren Lebensraum. Da es von der Stadt keine Verfügungen gibt, die diese grauen „Steinwüsten“ verbieten oder zumindest reglementieren, können diese Beispiele dazu beitragen, an die grüne Vernunft zu appellieren.

Eine Reihe von Gartenprojekten haben wir bereits vorgestellt; Sie finden sie unter diesem Artikel.

Kennen Sie weitere Projekte dieser Art? Melden Sie sich gerne bei der Autorin.

Die Verbundschule bereitet ihre Schüler:innen intensiv auf die Berufswelt vor. Neben „Easy Gardening“ existieren weitere Schülerfirmen wie „Hobel und Späne“ (Schreiner- und Tischlerarbeiten), „Bike Doctors“ (Reparatur von Fahrrädern) und „Sterncafe“ (Schülercafeteria und Catering). 

Die Kunden von „Easy Gardening“ beauftragen ihre Gartenhelfer:innen und bezahlen für ihre Leistung. Derzeit gibt es fünf bis acht Stammkunden. Zur Mitarbeit in dieser Schülerfirma gehört es auch, Rechnungen zu erstellen, jeden Auftrag ordnungsgemäß abzurechnen und darüber Buch zu führen. Für die Kunden ist es gut zu wissen, dass ihre Gartenhelfer:innen während des Einsatzes über die Schule versichert sind. 

Dieses Projekt existiert bereits seit über 20 Jahren und in der Regel arbeiten die jungen Leute mindestens ein Jahr mit. Wie es zum Titel ihrer Firma kam, weiß heute niemand mehr. In der Fachwelt wird der Begriff „Easy Gardening“ für einfaches Gärtnern für Einsteiger verwendet oder damit nützliche Hinweise bezeichnet, die Neulinge erfolgreiches Gärtnern versprechen.

Bei (fast) jedem Wind und Wetter raus

Den Jugendlichen macht die Gartenarbeit Spaß und sie arbeiten das ganze Jahr hindurch bei jedem Wetter. Regen und Kälte stellen die jungen Gärtner:innen vor eine Herausforderung, der sie sich aber stellen. Eine wichtige Erfahrung für ihr späteres Berufsleben.

„Ich musste mich erst daran gewöhnen, auch bei miesem Wetter draußen zu arbeiten, obwohl ich keine Lust hatte,“ sagt ein Schüler. Bei Schnee und Frost fällt die Gartenarbeit auch manchmal aus. Dann wird die wetterbedingte Pause für Grundlagenwissen der Gartenarbeit genutzt. 

Einsteiger:innen ohne Fachkenntnisse sind sie alle und kaum jemand aus der Gruppe hat zu Hause einen eigenen Garten. „Das Meiste lernen sie ohnehin durch ihr praktisches Tun“, erläutert Uli Stock, der Lehrer, der das Projekt bis zu den Schulferien begleitet hat. 

Am liebsten, so erzählen die Jugendlichen, erledigen sie „grobe“ Gartenarbeiten wie Gehölze oder Hecken schneiden oder Buschwerk ausdünnen. „Unkraut jäten ist bei uns weniger beliebt, gehört aber dazu und muss erledigt werden,“ sagt Lydia.

Sie ist derzeit das einzige Mädchen in der Gartentruppe, komme aber mit den Jungs gut klar. Den Beruf des Gärtners möchte jedoch niemand aus der Gruppe erlernen. „Es macht uns allerdings großen Spaß, hier im Grünen zu ackern,“ bestätigen alle.                                                                                              

Die gemeinsame Frühstückspause gehört dazu. Hier wird gelacht, geplaudert und miteinander Käsebrote verzehrt, die die Kundin, eine ältere Dame am Tag meines Besuches für alle liebevoll schmierte.

Es ist nicht nötig, dass der Lehrer an das Ende der Pause erinnert. Alle kennen ihre Aufgabe und wissen, was bis zum Arbeitschluss noch erledigt werden muss. Heute zum Beispiel Schachtelhalm von der Terrasse entfernen, Brombeeren ziehen, Totholz entsorgen und einen duftenden Schneeball umsetzen.

Dieses Gehölz entpuppt sich als hartnäckig und viele Arbeitsschritte sind zum Umsetzen nötig, ein Loch graben, auf die Größe der Wurzel anpassen und bewässern. Das Loch ist zu tief, also muss die Erde wieder rein, die vorher mühevoll ausgegraben wurde. „Der Baum darf nicht zu tief im Loch stehen“, erklärt Uli Stock.

Teamarbeit ist angesagt

„In der Schule ist die Teamarbeit oft konstruiert, hier ist es real, denn dieser Baum lässt sich nur gemeinsam einpflanzen“, meint Stock. Ganz nebenbei erklärt er den drei Schülern, warum das Bewässern so wichtig ist: „Der Baum muss ich wohlfühlen und dazu benötigt er ausreichend Wasser“. Nikita bestätigt „Wir sind ein eingespieltes Trio und arbeiten öfters zusammen.“

Darren arbeitet dagegen gerne allein. Innerhalb einer Stunde füllt er drei Eimer mit Schachtelhalm. Dafür erhält er viel Lob von Uli Stock und Frau A., der Kundin. Den Einsatz an diesem Arbeitstag hat die Kundin gut vorbereitet: silbernes und goldenes Band am Gehölz bedeutet „alles muss raus“, ein rotes Band „zurückschneiden“.              

Bei Neukunden führen die projektbegleitenden Lehrer vor dem ersten Arbeitseinsatz ein Vorgespräch, um den Garten und die anfallenden Arbeiten auszuloten. Es gibt auch „saisonbedingte“ Kunden. Ein Herr beispielsweise ruft die jungen Gärtner nur, wenn seine Laubbäume Laub verlieren und es geharkt werden muss. Andere Kunden wiederum benötigen die Gartenhilfe regelmäßig, um die Hecke in ihrem Garten zu schneiden.

Stock und seine Kollegen:innen sind stolz, sich auf alle in der Gruppe verlassen und ihnen vertrauen zu können: „Ich bin mir sicher, dass meine Schüler ihre Aufgaben in Eigenregie erledigen.“ „Manche brauchen mal eine Pause mehr zwischendurch, das ist aber okay, solange sie ihre Aufgabe bewerkstelligen. Mein Team ist sich bewusst, dass sie mit ihrer Arbeit die Schule vertreten“, sagt Stock. 

Der Lehrer nimmt sich die Zeit und erkundigen sich bei jedem der jungen Gärtner:innen, ob er helfen kann. Viele aus der Gruppe wollen ihre Aufgabe aber eigenständig aus eigenem Antrieb schaffen. Das spornt sie an.

„Die Gartenarbeit fördert die Gemeinschaft, den Zusammenhalt und stärkt das Selbstvertrauen, besonders wenn die Kunden zufrieden sind und loben,“ berichtet die Kundin: „Ich freue mich jedes Mal, wenn sie kommen, denn in meinem grünen Refugium gibt es immer etwas zu tun. Hier begegnen sich Jung und Alt und das ist schön. Das klappt gut. Ein generationsübergreifendes Projekt also.“   

Nach den Sommerferien freut sich „Easy Gardening“ über weitere Aufträge. Ansprechpartner ist Herr Wittenbecher (verbundschule-mitte@rbk-online.de), der das Projekt im neuen Schuljahr begleitet.

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  1. Tolle Sache dieses Projekt :) Ich denke das ist auch das was in den Schulen so ein bisschen fehlt. Die Praxis. Das Erlebnis, dass wirklich etwas bewirkt wurde. Und hier weiß man das man viel getan hat.

    Wenn man unterm Strich guckt: Arbeitsblätter voller Aufgaben sind ausgefüllt auch nicht mehr wert als vorher. Nur das sie eben nun beschrieben sind. Die Tatsache, dass Schüler und Schülerinnen so wenig Motivation haben ist auch oft deswegen. Sie wollen nicht Tag ein Tag aus Aufgaben erledigen, die es nur auf dem Papier gibt.
    Viele wollen auch wirklich was verändern und erschaffen.

    Sollte mehr so Projekte geben. Das bürokratische ist oft ein Hindernis in Deutschland. Praktikas und praktische Arbeit sollten selbstverständlich sein. Auch schon zu Schulzeiten. Ohne viel Formulare oder Papierkram.
    Wenn einer mal ne Woche an der UNI schnuppern möchte dann sollte er es auch können.
    Oder wenn eine mal in einer Autowerkstatt vorbeischauen will.

    Nette Grüße
    Fabian Flosbach