Die Galerie Basement 16 eröffnet in Bensberg eine Kunstmesse, die mehr sein möchte als eine reine Verkaufsausstellung. Welche Erwartungen hegen die teilnehmenden Kunstschaffenden, und was hat die Messe unter dem Titel „Eine Zeitreise“für das Publikum der Region zu bieten? Ein Gespräch mit den Organisatorinnen Marlis Sauer und Gabriela Hain sowie den Kunstschaffenden über Kunst und wovon sie lebt.
Antje Schlenker-Kortum (Text), Thomas Merkenich (Fotos)
Ab dem 23. August präsentieren sechs namhafte Galerien aus der weiteren Region zehn Künstlerinnen und Künstler in der Bensberger Galerie Basement 16. Hinzu kommen 13 einzelne Kunstschaffende. Alle zusammen präsentieren den Besuchern ein Breitband, „die ganze Wucht“, sagt Marlis Sauer lachend über die Intention der Ausstellung. Diese Messe wolle persönlicher, familiärer sein als die großen Kunstmessen; sie solle zum geselligen Austausch anregen, sagt die Bensberger Galeristin und Gastgeberin.
Sauer hat im Basement 16 bereits viele Erfahrungen mit der Kunstbörse l’art privé in Bensberg gesammelt, einer Art Messe für Kunstverkauf von privat an privat. Ihr sei es aber wichtig, auch junge, unbekannte Künstler vorzustellen.
Die Besucher der Ausstellung unter dem Titel „Eine Zeitreise“ sollen direkt mit den Kunstschaffenden ins Gespräch kommen, und auch die Künstler und Galerien könnten sich in lockerer Atmosphäre untereinander kennenlernen, betont Sauer. Aber natürlich gehe es auch um den Verkauf. Die Preise stehen direkt am Werk; bei Interesse können sie über ihre Firma Kunstgenuss erworben werden.
Unter den ausgestellten Werken finden sich vielfältige Techniken und Stilrichtungen: Drucktechniken, Fotografie, Aquarell-, Acryl- und Ölmalerei, Objektkunst, Installation, 3D-Druck sowie Enkaustik- und Linsenrasterbild-Technik, die als „Wackelbilder“ bekannt ist.
Die „Zeitreise“ lässt viele aktuelle gesellschaftliche Themen anklingen – beispielsweise Migration, Klimawandel und künstliche Intelligenz.
Kunstmesse 2025 „Eine Zeitreise“
23. August bis 07. September 2025
Galerie Basement 16, Schlossstraße 16, Bensberg
Eine Liste der beteiligten Galerien und Künstler:innen finden Sie weiter unten
Vernissage: 22. August, 18.30 Uhr
Einführung von Prof. Dr. Dieter Ronte
Musikalische Begleitung: Frank Muschik
Geöffnet: Di bis Fr 15 bis 18 Uhr, Sa und So 11 bis 15 Uhr und nach Vereinbarung
Finissage: 7. September ab 12.00 Uhr – mit Rahmenprogramm des Stardust Ensembles Eine musikalische Zeitreise mit Swing, Oldtime Jazz, Latin, Balladen & Chansons aller Art
Special Event: 31. August ab 13.00 Uhr – mit Führung und Artist-Talk – musikalisch begleitet von Jean Baril mit Gitarrenchansons
Weitere Infos: Basement16.de
Es sei nicht leicht gefallen, aus den vielen Interessenten auszuwählen; denn der Platz sei begrenzt, sagt Mit-Organisatorin Gabriela Hain. Also habe man nach einer gewissen „Chemie“ ausgesucht – denn die müsse stimmen; die Kunst müsse ins Konzept passen. Schon jetzt plane man im nächsten Jahr eine Fortsetzung, mit dem Ziel, ein regelmäßiges Format für die Messe zu konzipieren.
Nachlässe und junge Kunst
Diese Messe, die in Bensberg ihre Premiere feiert, „gibt es so nirgends“, betont Hain. Der Titel „Zeitreise“ deute auf das Spektrum aus sechs Jahrzehnten hin, mit jungen und älteren Künstlern – darunter zwei aus Nachlässen.
Hain verwaltet den Nachlass ihres Vaters, des Kölner Künstlers Erhard Hain (1925–2010), den sie auf der Messe präsentiert. Die Galerie Gabriele Paqué aus Bonn zeigt unter anderem Werke von Otto von Kotzebue (1936–2022).

Das künstlerische Erbe sei ein Thema, das in Ausstellungen nicht genug präsent ist, wie Hain findet. Künstler altern, und mit ihrem Verschwinden verschwindet auch ihr Werk aus der öffentlichen Sichtbarkeit, erklärt sie. Ihr Vater Erhard Hain war Fachleiter für Kunsterziehung in Köln und hatte immer einen besonderen Draht zu jungen Menschen, von denen er viele für die Kunst begeistern konnte.
Gabriela Hain ist überzeugt davon, dass Künstler Seismografen ihrer Zeit sind und damit auch für wichtige gesellschaftliche Themen stehen. Das habe sie ermutigt, eine solche Ausstellung anzugehen, sagt Hain.
Künstler brauchen Publikum und Käufer
Die Künstlerin Manuele Klein fügt hinzu, dass Künstler auf den Verkauf ihrer Werke angewiesen seien. Auf der Messe zeigt sie Miniaturwelten, denen sie teils KI-generierte Bilder hinzugefügt: Sie habe ChatGPT gefragt, wie „das Nichts“ aussieht, und resultierende Bilder in ihre Objektserie „Hoffnung“ eingearbeitet.

Detlef Weigand aus Königswinter ist von der Vielfalt der Messe überzeugt. Er selbst provoziert gern mit seinen Arbeiten; in der gezeigten Serie „Dialektischer Sozialdadaismus“ arbeitet er mit morbiden Fundstücken und Textfragmenten, deren suggestive Geschichte er kontrastreich und vieldeutig in den Objekten weitererzählt.
Detlev Weigant, Foto: Thomas Merkenich
Lars-Ulrich Schnackenberg sagt, bei einer guten Messe käme es darauf an, was im Vordergrund steht: die Ware oder die Kunst. Und er fügt hinzu, dass er eigentlich seine Kunst nicht verkaufen will; aber er müsse das nun mal, sagt er lachend. Der Künstler aus Unkel zeigt surreal wirkende Fotografien auf Leinwand, die er mit einer experimentellen Wachstechnik bemalt hat.

Kreativer Austausch für die Kunstszene
Die Messe sei eine gute Gelegenheit für Kreative und Kunstliebhaber, um in einen kreativen Austausch zu kommen, sagt Martine Seibert-Raken, denn ihre künstlerische Arbeit lebe davon. Auf Messen finde man eine besondere Mixtur von Künstlern verschiedener Länder – hier freue sie sich beispielsweise auf den chinesischen Künstler Ren Rong.

Die Installationskünstlerin selbst lebt in Unkel und zeigt auf der Messe einen Teil ihrer Serie „once upon a time“: Dafür hat sie eine Wolke aus pink gefärbtem Draht aufgebaut. In Ausstellungen ist die Installation größer, raumgreifender. Für die Künstlerin steht sie sinnbildlich für eine positive Zukunftsvision und für den Austausch.
Hain verweist auf den Ausstellungscharakter, der für eine Messe ungewöhnlich ist: Es wird eine Laudatio geben, von Prof. Dr. Dieter Ronte, und eine musikalische Begleitung von Frank Muschik am Piano. Während des Artist Talks gibt es eine Führung; acht Künstler werden anwesend sein und mit dem Publikum über ihre Kunst reden.
Ausstellende
Teilnehmende Galerien und ihre Künster:innen
Rosemarie Bassi, Remagen
Erhard Hain (1925 – 2010)
Samuelis Baumgarte, Bielefeld
Astrid Lowack
Gabriele Paqué, Bonn
Otto von Kotzebue (1936 – 2022)
Victor Shtivelberg
Natalia Simonenko
Monica Ruppert, Frankfurt
Stephanie Pech
Maximilian Siegenbruk
Susanne Zuehlke
Jutta Radicke, Sankt Augustin
Julius-Hendrik Heims
Kunstraum Villa Friede, Bonn
Ren Rong
Einzelausstellende Künstlerinnen und Künstler
• Ramiz Aghayev, Kunstforum Weilheim
• Alessandro Cogotti Essen
• Reinhard Gedack, Hamburg
• Waltraud Hackenberg, Köln
• Nadine Jork, Bergisch-Gladbach
• Hendrina Krawinkel, Gummersbach
• Livia Pápay, Rostock
• Andreas Reuther, Bonn
• Lars-Ulrich Schnackenberg, Unkel
• Wioleta Salo, Mainz
• Martine Seibert-Raken, Unkel
• Vera Stein, Kunstverein Bad Nauheim
• S. Ines Bongard Deeters, Köln
• Manuele Klein und Detlev Weigand, Engelskirchen
Dokumentation: Weitere Fotos
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