Kämmerer Thore Eggert in der BürgerAkademie des Bürgerportals. Foto: Thomas Merkenich

Schon mehrfach hatte Kämmerer Thore Eggert gewarnt, nun ist der Punkt erreicht: Der Haushalt der Stadt schließt für das vergangene und das laufende Jahr mit einem hohen Millionen-Defizit ab. Das Eigenkapital schmilzt ab, an den lange geplanten Steuererhöhungen führt nun kein Weg mehr vorbei. Und werden dennoch kaum ausreichen.

Die Warnungen vor Finanzengpässen gehört zum Geschäft des Kämmerers und auch Thore Eggert hatte als Bergisch Gladbachs Finanzchef immer wieder auf die Probleme hingewiesen, die vielen Aufgaben der Stadt zu finanzieren. Seit Jahren steht in den Haushaltsplänen unter dem Strich ein dickes Minus, doch bislang war es am Ende immer anders gekommen, hatte die Stadt am Jahresende einen Überschuss erwirtschaftet. Damit sei es jetzt aber vorbei, die Stadt habe den finanziellen Kipppunkt erreicht und schreibe rote Zahlen, hatte Eggert dem Finanzausschuss mitgeteilt.

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Der Jahresabschluss 2024, so der vorläufige Stand, wird mit einem Minus von 44 Millionen Euro abschließen, für 2025 rechnet die Kämmerei im Moment mit 54 Millionen Euro Defizit. Und das, obwohl bei den Ausgaben schon pauschal neun Millionen Euro gekürzt werden und obwohl die Einnahmen aus der Gewerbesteuer nach wie vor hoch sind.

2024 – nicht ganz so schlecht wie befürchtet

Für das Jahr 2024 hat der Haushalt ein Defizit von 63,3 Millionen Euro geplant, laut vorläufigem Ergebnis wäre es dann jedoch „nur“ minus 44 Millionen. Dazu haben laut Kämmerei einige Faktoren beigetragen:

  • höhere Erträge beim Einkommenssteueranteil (ca. 8,4 Mio. Euro mehr als geplant)
  • höhere Erträge bei den Landeszuweisungen vom Land (ca. 5,5 Mio. Euro)
  • höherer Aufwand für Transferausgaben, z.B. bei der Eingliederungshilfe mit circa 3,6 Mio. Euro und für die Heimunterbringungen (ca. 1,7 Mio. Euro)
  • geringere Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen (ca. 14 Mio. Euro)
2025 – fast so schlecht wie geplant

Für das laufende Jahr sah der Haushaltsplan ein Minus von 60,4 Millionen Euro vor, jetzt werden es vorausslichtlich 54 Millionen. Auch hier gibt es entgegenlaufende Faktoren:

  • deutlich mehr Einnahmen bei der Gewerbesteuer, laut Prognose werden es 79 statt 66 Millionen Euro
  • rund drei Millionen Euro weniger für den Zinsaufwand
  • rund zwei Millionen Euro mehr für den Personal- und Versorgungsaufwand

Eine Hiobsbotschaft mit Ansage also – hinter der sich dennoch zunächst einmal eine gute Nachricht verbirgt: Zum ersten Mal seit langem schafft es die Stadt Bergisch Gladbach, ihre Stellen tatsächlich mit Personal zu besetzen und einen Großteil der Projekte, die sie sich vorgenommen hat, auch umzusetzen. Nur weil das in den vergangenen Jahren nicht der Fall war blieb am Jahresende Geld übrig. Ein paar Einmaleffekte und Buchungstricks des Landes hätten ebenfalls geholfen, ergänzt Yvonne Steidle, die Leiterin der Kämmerei.

Die Haushaltsüberschüsse der Vorjahre hatte die Stadt in ihre Rücklagen gestellt, ihr rechnerisches Eigenkapital ist damit auf immerhin 352 Millionen Euro (Ausgleichsrücklage plus Allgemeine Rücklage) angewachsen ist.

Eigentlich sollen diese Rücklagen der Kommune die Zeit verschaffen, die sie braucht, um ihre Finanzen in Ordnung zu bringen. Das ist allerdings nicht realistisch, im Gegenteil: Seit 2024 „wird das Eigenkapital verbraucht – und das ist wirklich bedenklich,“ sagt Eggert. Verwaltung und Politik seien deshalb jetzt „in der Pflicht, ab 2026 Anpassungen zu erarbeiten, damit die Stadt dauerhaft handlungsfähig ist“.  

Verlust der finanziellen Autonomie

Zwar kann eine Stadt – anders als ein Unternehmen – nicht insolvent werden. Statt dessen droht ihr der Verlust der Entscheidungsfreiheit: sollte das Eigenkapital zwei Jahre in Folge zu schnell schrumpfen greift die Kommunalaufsicht ein und verordnet ein Haushaltssicherungskonzept (HSK) – mit strikten Einschränken für die Ausgaben und auch Investitionen. Das ist aus der Vergangenheit bekannt und hatte zum massiven Sanierungsstau bei Schulen und Straßen beigetragen, den aufzuarbeiten die Stadt gerade angefangen hat.

Soweit allerdings ist es noch nicht; für den Haushalt 2026 hoffen Eggert und seine Mitarbeiter:innen, noch am HSK vorbei zu kommen. Sich darauf festlegen, dass das gelingt, wollen sie sich jedoch nicht. Und Prognosen für 2027 seien ohnehin ein Blick in die Glaskugel – weil die Finanzen der Stadt von sehr vielen externen Faktoren abhängt, die sie nicht selbst beeinflussen kann. Ihm fehle jedoch der Optimismus und die Phantasie, wie man 2027 noch am HSK vorbei kommen könne, sagt Eggert.

Ein gewisse Entlastung verspricht sich die Kämmerei von dem Anteil der Stadt am Investitionsprogramm des Bundes und der geplanten Altschuldenregelung des Landes – aber weit werde man damit nicht kommen.

Erhöhung der Grundsteuer kommt

Daher, so die Einschätzung Eggerts, wird die bereits 2022 bzw. 2023 beschlossene Erhöhung der Grundsteuer im kommenden Jahr umgesetzt werden müssen.

Der Haushaltsentwurf wird im Moment aufgestellt, soll im Dezember im neuen Stadtrat eingebracht und im März verabschiedet werden. Der Entwurf schreibt vor allem die Zahlen der Vorjahre (abzüglich der pauschalen Einsparungen) fort – über grundlegende Änderungen kann und müsste der Stadtrat entscheiden.

Viel Spielraum gibt es aber offenbar nicht. Zwar sind die Einnahmen aus der Gewerbesteuer mit voraussichtlich 79 Millionen Euro in diesem Jahr sehr hoch, aber dieses deutliche Einnahmeplus ist beim voraussichtlichen Defizit von 54 Millionen Euro (2025) bereits einkalkuliert. Sollten die Gewinne der lokalen Unternehmen geringer ausfallen (wofür es derzeit keine Anzeichen gibt), würde das Minus entsprechend größer.

Für 2026 sah die mittelfristige Planung ein Defizit von 31 Millionen Euro vor, dabei ist die Erhöhung der Grundsteuer schon eingepreist. Dennoch werde diese Zahl nicht zu halten sein, warnt Steidle.

Stetig steigende Belastung

Was bleibt? Auf das Prinzip Hoffnung oder gar eine Rettung durch Bund bzw. Land will Eggert nun endgültig nicht mehr setzen. Natürlich müsse die Stadt effektiv arbeiten, gezielt investieren und klug priorisieren. Aber, so Eggert, „am Ende fehlt uns das Geld und dann braucht es vielleicht auch die eine oder andere unangenehme Entscheidung“. Gleichzeitig frage er sich jedoch aus, wie die Bürgerinnen und Bürger die stetig steigende doppelte Belastung mit Steuern und Gebühren (Abwasser!) noch tragen sollen.

Allerdings stehe Bergisch Gladbach nicht alleine vor dieser Frage. Von den 427 Kommunen waren 2024 nur noch 16 in der Lage, ihren Haushalt auszugleichen. 240 Städte gehen nach Daten des Landes davon aus, in drei Jahren ihre Rücklagen aufgebraucht zu haben, 17 seien bereits jetzt überschuldet.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Ha,ha,ha, nun habt doch nicht solche Angst. Aus dem beschlossenen Sondervermögen werden 100 Milliarden an die Gemeinden fließen. Es wird in GL eine blühende Landschaft entstehen. Wir werden in Geld schwimmen und jeder kleine Politiker wird sein Leuchtturmprojekt bauen können.

  2. Natürlich kommt diese Ausssage über die Finanzen erst 3 Wochen nach der Kommunalwahl… richtig die war auch gerade erst.

  3. Wenn die Finanzen so schlecht stehen, warum soll dann ein sicherlich hoch kostenträchtiges Projekt, wie die geplante Umgestaltung der Altenberger Dom Straße (nach Meinung vieler betroffener völliger Unsinn) trotzdem weiter voran getrieben werden. Hier ist doch echtes Einsparpotential gegeben. Dazu hätte ich gerne mal die Stimme des Stadtkämmeres gehört…

    1. Müssen wir hier wieder die gleiche alte Diskussion aufmachen? Mit den gleichen Argumenten? Die Altenberger-Dom-Str. wird grundsätzlich nach den aktuellen Rechtsregeln umgebaut und da braucht es auch mehr Sicherheit für die nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmer. Das Ganze ist ja kein Wunschkonzept. Die Politik und die Verwaltung versuchen, möglichst viele Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen. Leider gibt es viele laute Stimmen, die den jetzigen Status Quo behalten möchten. Denn konkrete Gegenvorschläge habe ich nicht gehört. Aber bitte diese Diskussion nicht hier weiterführen…

  4. Im Grunde dient die Pressemitteilung wohl in erster Linie dazu, die Bürgerschaft auf die seit Langem geplante Steuererhöhungen im kommenden Jahr vorzubereiten, nachdem das Thema im Wahlkampf weitgehend ausgeblendet wurde.

    Ob sich der Stadtrat und die Führungsriege der Verwaltung über das rechtlich formale hinaus wirklich mit dem Thema auseinander setzen werden? “Mit Sparen erhält man keine Wählerstimmen”. So klang es all die Jahre…

    Dabei scheint die finanzielle Lage doppelt schwierig: Bereits das Tagesgeschäft läuft offenbar in Teilen auf Pump, und gleichzeitig können die gegen den Verfall notwendigen Investitionen in die Infrastruktur (Schulen, Kitas, Straßen/Wege, Kanäle) nicht getätigt werden.

    Das sind keine guten Nachrichten für die nachfolgende Generation: Eine doppelte Last, wobei sich der entsprechende Schuldendienst in den kommenden Jahren vervielfachen wird, was Handlungsspielräume zusätzlich einschränkt.

    Diese Last ist weit mehr als „nur“ eine verwaltungsrechtliche Diskussion, ob das Haushaltssicherungskonzept nun freiwillig oder verordnet sein wird!

    Sicherlich ist es kaum möglich, dass sich die Stadt Bergisch Gladbach aus eigener Kraft aus dieser Situation komplett befreit. Land und Bund sind gefragt.

    Aber was die Stadt Bergisch Gladbach tun kann, sollte sie tun. So, wie es Herr Eggert andeutet und schon oft angesprochen hat.

    Anfangen würde ich mit der Entwicklung des Zanders-Projektes: Weg vom irre kostspieligen Freilicht-Museum (wenn ich das so zugespitzt sagen darf) hin zum Ziel der schwarzen Zahlen durch eine zeitlich ambitionierte Entwicklung und baldige wirtschaftliche Nutzung.

  5. Die “frommen” CDU-Wähler werden immer mehr zum Hirngespinst, denn CDU-Wähler dürften grundsätzlich genauso kritisch und politik(un)interessiert sein wie die Wähler anderer Parteien – für “blöde unkritische fromme CDU-Wähler” bedeutet die Aussage eine Diskriminierung. Zudem – glauben Sie wirklich, dass für alle CDU-Wähler “kostenlos am Straßenrand parken” das einzige Argument für ihre Wahl ist? Das halte ich für erbärmlich absurd.

    1. Was sonst könnte @Overbeck sonst gegen Radfahrer/Radwege haben?
      Und warum kommt er mit solch absurden Aussagen daher? Nennt alle, die gerne Fahrradfahren und mehr/gute Radwege hätten “Idioti”?
      Ich wette darauf, er meint auch den “Straßenparkplatz” vor seinem Haus?

  6. „Das Problem mit dem Sozialismus ist, dass dir irgendwann das Geld anderer Leute ausgeht.“

    – Margaret Thatcher

  7. Und es wird noch enger. Durch geplante Aktivrente rechnet das Finanzministerium mit minus 890 Millionen. Davon fallen 15 % auf die Kommunen (KStA Do). Und das ist sicher nicht die einzige Auswirkung der Bundespolitik auf die Kommunen.

  8. Ob die Planung wirklich so stimmt?
    https://www.bergischgladbach.de/nachtragshaushalt-endgueltig.pdfx
    Seite 16: Bis 2035
    Personal:
    105m€ auf 131m€ (+24,8%). Stellenabbau oder wenig Erhöhung für die Belegschaft?

    Sach- und Dienstl:
    62m€ auf 68m€ (9,6%) (Nur??) Klingt schwer nach Leistungsreduzierung.

    Transferleistungen:
    227m€ auf 263m€ (15,8%) (in 10 Jahren? 22 bis 25 schon +20% )

    Wobei sich die Transferleistungen ggü. den Erträgen von 54,9% auf 47% verringern. Neues Jobwunder aber Ausweisungen von Erwerbslosen?

    Erträge erhöhen sich von 414m€ auf 559m€ (35%). Hoffen wir mal auf Wirtschaftswunder anstatt Steuerauspressen.

  9. Die “normalen” Bürger wundern sich überhaupt nicht über die tiefroten Zahlen und die leere Kasse. Wenn man jahrelang zweistellige Millionen für “Grüne”-Fahrradwege und -Fahrradstraßen (die im Jahresdurchschnitt von 0,0001% der Verkehrsteilnehmer genutzt werden) verschwendet, werden Schulen, Sportstätten, Kitas usw. unbenutztbar. Und niemand hat diese Idioti bei der Wahl am 14. Und 28.09. gestoppt.

    1. “Idioti” ist ein starkes Argument! Aber Vorsicht, es könnte jedoch leicht zum Bumerang werden…
      Dieter Richter, Bergisch Gladbach

    2. @Overbeck
      Man kann mittlerweile den Eindruck gewinnen, dass die CDU oftmals nicht von “frommen Bürgern” wegen des “C” im Namen gewählt wird/wurde, sondern allein deswegen, weil die Fahrbahnränder in B-GL unbedingt als KOSTENLOSE PKW-Abstellfläche erhalten bleiben sollen.
      UND man versucht bis heute, ganz klar, zu verhindern, dass sich an der Stelle auf der Fahrbahn die Rad fahrenden Kinder/Erwachsenen zu breit machen.

    3. “jahrelang zweistellige Millionen für “Grüne”-Fahrradwege und -Fahrradstraßen”

      Völlig absurde Zahlen jenseits jeder Realität. Manchmal einfach mal besser nichts schreiben, als so einen Unfug.

  10. Wie wärst mit einer: Verpackungssteuer : Eine faire, zukunftsorientierte örtliche Verbrauchsteuer auf Einwegverpackungen. Sie bringt nicht nur neue Einnahmen, sondern steuert das Verhalten in Richtung Mehrweg und entlastet so die Müllkosten der Stadt.

    Desweiteren:​Parkgebühren erhöhen ️: Eine direkte Maßnahme. Die Anpassung der Gebühren an die realen Kosten und die Preise in vergleichbaren Städten sorgt für Mehreinnahmen und kann gleichzeitig die Verkehrssituation in der Innenstadt entlasten.

    Zweitwohnungssteuer : Erhebt eine Abgabe auf Nebenwohnsitze in der Stadt. Ein simpler Weg, um Mehreinnahmen zu generieren, ohne die Hauptwohnsitz-Bürger zu belasten. ​
    Und zuletzt: Bettensteuer/Kulturförderabgabe: Eine geringe Abgabe auf Übernachtungen. Sie lässt Besucher und Geschäftsreisende an den Kosten für die städtische Infrastruktur teilhaben.

    Das wäre alles möglich! Nur die CDU würde das wieder einmal Blockieren, aber dann wieder rumheulen, dass sich nichts tut.

    1. Anstatt sich immer weitere Abgaben einfallen zu lassen, könnte man auch versuchen mit dem Geld auszukommen, welches man Einnimmt und sich mit seinem Kostenblock auseinandersetzen, dass ist zwar die Schmerzhaftere Seite aber die ehrlichere.

      1. #Christianlesnik. “Ehrlich” ist ein gutes Stichwort. Wäre es nicht ehrlich, wenn der Zuwachs an Steuereinnahmen, welche in der Stadt entstanden ist, nicht auch wieder in der Stadt ankommt (zumindest teilweise) , z.B. Mehrwertsteuer…?
        Ehrlich wäre es auch, wenn diejenigen, welche ein hohes Einkommen progressiv versteuern, auch im Bereich der Grundsteuer progressiv versteuert würden. Dies bedeutet, dass schwach aufgestellte Mieter durch Grundsteuererhöhungen weniger belastet würden, als gutbetuchte Hausbesitzer.
        Kann es vielleicht sogar sein, dass unser Steuersystem bereits seit Jahrzehnten einer grundlegenden und endlich sozialen Reform bedarf? Damit könnte ein Kanzler Punkten – nicht mit einem mickrigen BürgergeldNebenschauplatz, der vor allem dem Schaulaufen diente und denSchwachen der Gesellschaft in ein eher negatives Rampenlicht gestellt hat.
        Machen wir uns endlich “EHRLICH” – die Vermögensumschichtungen von Unten nach Oben sind kein Gewohnheitsrecht und sollten zum Wohle der Gesamtgesellschaft ein Ende finden. Mit Neosozialismus hat Ehrlichkeit übrigens überhaupt nichts zu tun – eher mit christlichen Werten. Oder sehe ich das falsch?
        MfG Dieter Richter

    2. Das sind gar nicht verkehrte Vorschläge, wenn es gilt die Einnahmenseite der Stadt zu erhöhen. Als Zivilgesellschaft sind wir alle gefordert, unseren Beitrag zu leisten. Es sollte aber sozial gerecht zu gehen. Eine gemeinwohlorientierte Politik hat die Bedürftigen im Blick und kann den Besser-Verdienenden mehr Lasten abverlangen, weil sie breitere Schultern haben. Eigentum verpflichtet. Im Wahlkampf war ein großes Thema die Sanierung der Schulen, Kitas und Infrastruktur. Aus der Politik kamen große Versprechen, die aber auf den Erwartungen von uns Bürgern beruhen. Alles wird besser – aber woher kommt das Geld? Der Bund und das Land haben eine Bringschuld, um die Kommunen handlungsfähig zu machen. Bei allen zukünftigen Investitionen wird es auch darauf ankommen, wie die Betriebskosten gesenkt werden können, z.B. in Schulen und Kitas. Ein wichtiger Punkt für die Stadt wird es sein, wie diese Kosten bei schon bestehenden Immobilen/Gebäuden gesenkt werden können. Der Schlüssel liegt vor der Tür. Er heißt: Ausbau der erneuerbaren Energien. Photovoltaik auf alle Gebäude. Umstellung von der fossilen Energie auf erneuerbare Energien. Die Energie- und Wärmewende wird uns eine bezahlbare, nachhaltige Zukunft bringen. Im Bereich der Kitas betragen die jährlichen Betriebskosten-Zuschüsse der Stadt ca. 600.000 Euro. Alle Träger von nicht-städtischen Kitas stehen in der Verantwortung, an dem Ziel der Klimaneutralität mitzuwirken. Also gilt es, an dem Stellrad der Betriebskosten zu drehen, um Ausgaben nachhaltig zu senken. Die Zeit, wo wir Bürger alles verlangen und von der Stadt alles fordern, ist vorbei. Es geht um meinen, um unseren Beitrag. Was bin ich bereit, zu geben? Was setzen wir für das Gemeinwohl ein? Das ständige immer mehr, immer schneller, immer weiter, ist von gestern. Jetzt geht es um ein Leben im Genug – ein Suffizienz, die eine enkeltaugliche Zukunft ermöglicht. Wenn wir Zukunft, auch für unsere gemeinsame Stadt, gewinnen möchten, dann sollten wir uns jetzt dafür einsetzen. Nicht morgen, nicht übermorgen, nicht irgendwann.

    3. Das sind ja schon mal ein paar gute Ansätze, die in anderen Kommunen schon seit langem praktiziert werden.
      @ Dieter Richter: Lösungsorientiertes Denken bedeutet nicht immer nur darauf zu schauen, wem man ggfls. auf die Füße tritt, sondern auch zu überlegen, welche Ansätze tatsächlich zum Erfolg führen. Eine Gerechtigkeitsdebatte ist sicher langfristig eine gesellschaftliche Debatte wert, bringt aber im betrachteten Zeithorizont keinen Mehrwert. Zu schnell gehen solche Vorschläge bis zum Bndesverfassungsgericht.
      @Christian Lesnik: prinzipiell stimme ich Ihnen ja zu. Man sollte nur das ausgeben, was man hat. Das Problem ist, dass Ausgaben z.T. gesetzlich verbrieft sind. Anderes wiederum wird anhand von Prioritäten entschieden. Das Dumme dabei ist, dass innerhalb einer Kommune jede Interessengruppe meint ihre Anliegen stehen ganz oben auf der Liste. Da hilft nur “weg vom Lobyissmus – hin zu objektiven Kiriterien und kreativer Ideenfindung”. Das alleine der Stadverwaltung und dem Rat zu überlassen, halte ich für zu einfach und zu bequem.
      In diesem Sinne @ AnwohnerGladbachs: guter Aufschlag, Chapeau!

  11. Wenn das Geld nicht reicht kann die Einmahmenseite verbessert werden – oder die Ausgabenseite angegangen.
    In beiden Bereichen hat eine Kommune nur begrenzt Einfluss.
    Vor allem ist aber die Aussage, eine Stadt kann nicht in Konkurs gehen bedenklich. Selbst mit Haushaltssicherung geht nicht nur die kommunale Freiheit verloren, irgendwoher muss das Geld ja auch kommen. Und Länder- und Bundesfinanzen sehen ja auch nicht besser aus.
    Ich hoffe es wird Parteien geben die primär die Ausgabenseite adressieren und dann auch hart auf Effektivität und Effizienz der Verwaltung und Vorschriften hinzuarbeiten.

    1. Bei den Wünschen, die unser neuer Bürgermeister geäußert hat, wird da nicht viel mit Ausgabeneinsparung aufkommen, denke ich.

      Ich hätte hier erwartet, dass auch angegeben wird, wie hoch der Haushalt ist, und auch welchen kleinen Teil dieses Betrages die Verwaltung überhaupt einen Einfluss hat. Die Kommunen leiden erheblich unter den Kosten, die durch Bundes- und Landespolitik verursacht werden.

      1. Ich hoffe und vertraue darauf, dass auf der Aufgabenseite mal gründlich nachgesehen wird, was nötig und erforderlich ist und womit die Wünsche einzelner Gruppen finanziert werden. Vor allem auch eine Prioritätenliste für alle Bereiche erstellt wird und auch eine “Wunschliste der Bürger” erstellt wird. Es ist in meinen Augen einer Stadt sehr unwürdig, wenn im Bereich der Jugend(sozial)arbeit die Zuschüsse für die größtenteils ehrenamtlich durchgeführten Aufgaben um 50 % gekürzt werden.

      2. Hier geht es um die Haushalte 2024 und 2025, über die Kerndaten und das Grundproblem hatten wir ausführlich und mehrfach berichtet, die Links finden sich unten im Beitrag. Der neue Haushalt wird gerade erst aufgestellt, daher können wir dazu keine Zahlen nennen.

      3. @ Helga Bernhauser – “Wünsche einzelner Gruppen”: Den Erhalt der Parkautomaten und der Bargeldzahlung bei einem recht hohen Einsparpotential meinte Sie wahrscheinlich – nicht.

        “Für Wartungen und Reparaturen hat die Stadt im vergangenen Jahr 49.000 Euro ausgegeben. Weitere 90.000 Euro für die Entleerungen und noch einmal 25.000 Euro für das Papier und Ersatzteile. 164.000 Euro pro Jahr, die ab 2026 weitgehend ersatzlos eingespart werden könnten. Und auch die einmalige Umrüstung der Automaten, die auf 265.000 Euro veranschlagt wird, kann sich die Stadt nach dem neuen Stand nun sparen.”

        https://in-gl.de/2025/05/22/werden-die-parkautomaten-bargeld-in-bergisch-gladbach-tatsachlich-abgeschafft/

  12. Kein Problem, dann schnallen wir die Gürtel noch enger und diejenigen, denen die steigenden Kosten in allen Bereichen schon jetzt Probleme bereiten, tragen dann einfach ein eng geschnürtes Korsett. Wie soll ein Normalbürger das alles noch zahlen?