Was macht die aktuelle politische Debatte mit Menschen, die eine Migrationsgeschichte haben? Wie fühlen sie sich, wenn Bundeskanzler Friedrich Merz von „diesem Problem im Stadtbild“ spricht? Hat das einen Einfluss auf ihr Leben hier vor Ort?
Das und mehr haben wir drei Eltern(teile) gefragt, aus dem Iran, aus Peru und aus Deutschland.
Niloofar (Iran, zwei Kinder, 7 und 14 Jahre)

Ich lebe seit 15 Jahren in Bensberg. Seit den Aussagen über ein „Problem im Stadtbild“ merke ich, dass mich die Menschen anders ansehen. Ein Beispiel: Ich kaufe jede Woche auf dem Markt Eier bei demselben Stand. Die Frau dort war immer freundlich. Vorletzte Woche aber wurde ich beim Bezahlen plötzlich schroff abgewiesen, als hätte ich etwas falsch gemacht oder wäre eine Fremde.
Ich habe aber auch schon früher schlechte Erfahrungen gemacht. Ich habe mehrmals als Wahlhelferin gearbeitet. Bei der Bundestagswahl letztes Jahr war ich die einzige Ausländerin im Raum, die einzige mit Kopftuch. Manche Wähler wollten mir ihren Ausweis nicht geben, die wollten überhaupt nicht zu mir kommen.
Da habe ich gedacht: Was erwarten die Menschen von mir? Ich habe im Iran Wirtschaftsingenieurwesen studiert und zehn Jahre in der Systemanalyse gearbeitet. Meine beiden Kinder sind hier geboren, wir haben alle die deutsche Staatsbürgerschaft. Ich arbeite, engagiere mich ehrenamtlich, ich bin auch seit 2020 im Integrationsrat. Aber ich werde trotzdem nicht als jemand gesehen, der hier dazugehört.
Wie soll Integration funktionieren, wenn man nicht willkommen ist?
Fast jeder Mensch mit Migrationsgeschichte, den ich kenne, hat mindestens eine Erfahrung, die weh getan hat. Viele Menschen kommen aus Kriegs- oder Krisengebieten. Und hier kämpfen sie dann weiter – mit der Sprache, mit dem System, mit Vorurteilen. Und wenn sie scheitern, heißt es: Sie wollen sich nicht integrieren.
Aber wie soll Integration funktionieren, wenn man nicht willkommen ist? Wenn man selbst dann nicht willkommen ist, wenn man längst integriert ist wie ich?
Die Menschen glauben, was die Politiker sagen. Wenn die Regierung einer Gruppe Vertrauen schenkt und Türen öffnet wie den Ukrainern, machen es die Menschen nach.
Ich habe nichts gegen die Ukrainer. Aber ich habe ein Problem damit, dass die Politiker bei anderen Gruppen nur davon sprechen, was sie falsch machen. Dann machen die Menschen auch die Tür zu. So wie meine Tochter, wenn ich ihr sage, sie darf nur bestimmten Leuten die Tür öffnen, wenn ich nicht da bin.
Meine Tochter war in der Grundschule die einzige Migrantin in ihrer Klasse. Sie wurde gemobbt. Jetzt ist sie 14, auf der weiterführenden Schule ist es viel besser. Aber als in den Nachrichten viel über Abschiebungen war, hat ein Junge zu ihr gesagt: „Du wirst sowieso bald abgeschoben“. Die Schule hat zum Glück hinter ihr gestanden. Aber der Schmerz bleibt.
Ich mache mir Sorgen um die Zukunft meiner Kinder
Mein Sohn, mittlerweile sieben, hat einmal im Kindergarten zu mir gesagt: „Mama, ihr seid Iraner, aber ich bin Deutscher.“ Aber einige Zeit später sagte er: „Ich gehöre doch zu euch. Ich habe keine hellen Augen und keine hellen Haare.“ Ein so kleines Kind! In einem Kindergarten mit ganz vielen Kulturen!
Ich mache mir Sorgen um die Zukunft meiner Kinder. Ob sie später eine Ausbildung bekommen, einen guten Platz im Leben. Als ich mit meiner Tochter schwanger war, habe ich monatelang nach einem Namen gesucht, den Deutsche gut aussprechen können. Ich wollte verhindern, dass meine Tochter wegen ihres Namens leidet.
Trotz allem gehe ich nicht weg. Mein Leben ist hier. Meine Kinder sind hier geboren. Für sie ist der Iran die Heimat ihrer Eltern, nicht ihre Heimat. Ich wünsche mir, dass dieses Land das auch so sieht. Dass es versteht: Wir sind schon Teil dieses Stadtbildes. Wir sind hier.
Bei all dem möchte ich auch sagen: Ich habe nicht nur Schmerz erlebt. Ich habe Menschen getroffen, die mich von Herzen aufgenommen haben. Die mir mit offenen Armen, mit Wärme und echtem Interesse begegnet sind. Menschen, die mir gezeigt haben, dass ich nicht fremd bin, sondern ein Mensch unter Menschen. Dafür bin ich von Herzen dankbar.
Brenda (Peru), und Niklas (Deutschland, ein Kind, 1 Jahr)

Niklas: Ich komme aus Bergisch Gladbach und lebe mit meiner Frau Brenda und unserer 13 Monate alten Tochter in Refrath. Ich unterrichte freiberuflich Deutsch als Fremdsprache, in meinen Kursen sitzen Teilnehmer aus der ganzen Welt. Für mich ist die Situation schon seit einer Weile problematisch, nicht erst seit dieser Aussage von Merz.
Die Budgets für Integrationskurse wurden schon vorher gekürzt, das hat mich damals schon beunruhigt. Ich persönlich finde dadurch weniger Jobs. Vor allem aber sehe ich das als Kurswechsel – und als großen Rückschritt für uns als Gesellschaft. Wenn es weniger Deutschkurse gibt, wird Integration erschwert. Integration findet ja auch über Beteiligung statt, über Kurse, über Vereine, über Gemeinden. Und genau das steht aus meiner Sicht gerade auf der Kippe.
Ich mache mir Sorgen, wie es weitergeht – für mich beruflich, für uns als Familie. Ich sehe die Gefahr, dass Aussagen wie die von Merz ein Bild erzeugen, das mehr und mehr Leute glauben: „Diese Menschen passen nicht zu uns.“ Das erzeugt einen Bruch in der Gesellschaft.
Ich glaube, dass es genug Leute gibt, die anders denken
Aber ich bin eigentlich Optimist und sehe die Entwicklung immer noch mit Hoffnung. Ich glaube, dass es genug Leute gibt, die anders denken. Die den Menschenverstand besitzen, solche Aussagen als kränkend, falsch und nicht angebracht zu sehen.
In meinem Umfeld sind natürlich viele Menschen, die mit Leuten mit Migrationshintergrund zusammenarbeiten, viele junge Familien. Und die sind eigentlich alle ziemlich offen gegenüber Menschen aus dem Ausland. In Bergisch Gladbach leben ja auch viele Menschen und Familien mit unterschiedlichen Hintergründen. So wie wir.
Meine Frau ist vor vier Jahren nach Deutschland gekommen und hat sich so toll integriert. Sie hat ein B2-Deutschniveau erreicht, das schafft nicht jeder. Sie ist jetzt Mutter geworden, will gerne arbeiten. Deshalb hoffe ich, dass man auch von außen sieht, dass sie hier lebt, nicht um von irgendetwas zu profitieren, sondern dass sie hier schon ein bisschen ihre Wurzeln ausgebreitet hat.
Brenda: Wir Ausländer sind erstmal eine Gruppe. Aber eigentlich denke ich, dass wir zwei Gruppen sind. Einige Ausländer haben zum Beispiel Attentate verübt, das ist traurig und nicht gut. Aber es gibt andere, die wir arbeiten und uns gerne hier integrieren möchten. In meinem Kopf bezieht sich das, was der Kanzler gesagt hat, nicht auf meine Gruppe.
Ich als Ausländerin fühle mich in Deutschland gut integriert. Ich bin vor vier Jahren als Au-Pair nach Ulm gekommen. Dann habe ich einen Freiwilligendienst gemacht und bin über Neunkirchen nach Bergisch Gladbach gekommen.
Ich hatte von Anfang an gute Erfahrungen mit den Menschen hier: Nachbarn, Gastfamilie, in der Sprachschule, im Kindergarten, bei der Arbeitsagentur. Ich habe in Peru BWL studiert und meine Abschlüsse anerkennen lassen. Ich konnte Deutsch lernen und mich integrieren, arbeiten.
Ich bin sehr dankbar, dass ich in Deutschland sein darf
Wir hoffen, dass unsere Tochter nächstes Jahr in den Kindergarten gehen kann. Sie hat Down-Syndrom, das war für uns eine Überraschung. Wir haben viele Therapien und Termine. Ich bin sehr dankbar, dass es hier so viel Hilfe gibt. In Peru wäre das sehr teuer oder kaum möglich.
Wenn sie im Kindergarten ist, möchte ich wieder arbeiten. Und später möchte ich mich weiterbilden. Ich möchte ins Personalwesen, das ist mein Traum.
Ich weiß, dass viele Menschen Angst haben. Was passiert bei den nächsten Wahlen, müssen wir Ausländer alle weggehen? Ich habe eigentlich keine Angst. Ich fühle mich optimistisch. Ich bin sehr dankbar, dass ich in Deutschland sein darf, dass mir Türen geöffnet wurden. Und ich möchte gerne hier bleiben, wenn ich darf.
Negin (Iran) und Güngör (Deutschland, zwei Kinder, 5 und 8 Jahre)

Negin: Ich muss sagen, ich fühle mich persönlich von Merz’ Aussagen zum „Problem im Stadtbild“ gar nicht angesprochen. Ich bin mit vier Jahren nach Deutschland gekommen. Unsere Eltern waren der deutschen Sprache nicht mächtig, meine Zwillingsschwester, mein großer Bruder und ich habe deshalb diverse Sticheleien erfahren. Aber jetzt sind wir dazu imstande, uns zu wehren, wir kennen die Klischees. Mein Mann und ich leben vielleicht deutscher als viele Deutsche und fühlen uns hier zu Hause. Wir haben beide Wirtschaftsingenieurwesen studiert, ich habe eine eigene IT-Beratung gegründet.
Güngör: Ich sehe das genauso. Ich habe türkischen Hintergrund, aber bin in Deutschland geboren. Wir fühlen uns nicht angesprochen – aber natürlich betrifft es uns trotzdem.
Vor allem, weil Kinder im Spiel sind: Wir haben zwei Söhne, acht und fünf, die die Probleme, die wir hatten, bislang nicht kannten. Sie wachsen ganz anders auf als wir aufgewachsen sind. Meine Mutter ist konservativ, trägt Kopftuch, spricht wenig Deutsch. Als Kind und auch später war ich immer wieder mit Äußerungen dazu konfrontiert. Ich habe über die Jahre gelernt, damit zu leben, aber es hat etwas mit mir gemacht.
Also, Äußerungen gegen Migranten gab es schon immer, das ist nichts Außergewöhnliches. Außergewöhnlich war aber die Aussage von Friedrich Merz. Ich wollte glauben, dass er es nicht so gemeint hat, aber das war schwer. Vor allem, nachdem er es auf Nachfrage noch bekräftigt und die „Töchter“ mit reingezogen hat. Leider werden Mädchen und Frauen von Männern aller Nationen und aller Hautfarben belästigt. Das nur auf Ausländer zu reduzieren ist unfair.
Anscheinend werden nun auch unsere Kinder wieder anders gesehen
So etwas von der obersten politischen Instanz zu hören, von dem Kanzler, der uns alle repräsentieren sollte, hat uns geschockt. Ich sehe jetzt schon, dass es gespaltet hat.
Zum Beispiel bei mir auf der Arbeit. Ich bin schon jahrelang dort beschäftigt und kenne die Kollegen, aber in letzter Zeit werde ich immer wieder in Diskussionen über das Thema verwickelt. Und leider stimmen viele Kollegen solchen Aussagen zu. Das alles macht mir Sorge. Wohin führt das?
Negin: In der Grundschule ist es wohl auch Thema. Unser achtjähriger Sohn kam neulich nach Hause und hat gefragt: „Was hat er mit Stadtbild gemeint?“ Da mussten wir reagieren und es den Kindern erklären. Es macht uns Sorgen, wie wir sie davor schützen können.
Wir sind nicht wie damals unsere Eltern, die sich schwer getan haben, in die Sprache und ins System zu finden, die aber versucht haben, klarzukommen. Im Gegenteil, wir fühlen uns sehr wohl, wir leben ein sehr schönes Leben. Aber anscheinend werden nun auch unsere Kinder wieder anders gesehen.
Mein Sohn hat nichts Türkisches und nichts Persisches außer sein Aussehen
Güngör: Mir graut es vor der ersten Konfrontation, wahrscheinlich erstmal meines älteren Sohnes. Die wird kommen, da bin ich sicher, weil er absolut nicht „deutsch“ aussieht. Er hat nichts Türkisches und nichts Persisches außer sein Aussehen, aber genau das macht Merz‘ Aussage ja zum Problem. Wir selbst werden damit klar kommen, aber meine Sorge ist, wie wir den Kindern die richtige Basis vermitteln, mit so etwas umzugehen.
Negin: Meine Sorge gilt auch den Familien, die in den letzten Jahren nach Deutschland geflüchtet und der Sprache nicht so mächtig sind wie wir. Wie meine Eltern damals. Beide sind Akademiker. Sie sind geflüchtet, um uns Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. Mein Papa hatte in Amerika Maschinenbau studiert. Als wir nach Deutschland kamen, musste er schnell einen Job finden. Aufgrund der fehlenden Sprache hat er sich dann entschieden, nachts Taxi zu fahren.
Er hat einfach alles, wofür er gearbeitet hatte, stehen gelassen. Und das einzige, was die Leute hier gesehen haben, war ein Taxifahrer, der schlecht Deutsch sprach.
Genauso erlebe ich das jetzt wieder. Letzte Woche wurden wir in den Kindergarten bestellt. Unserer fünfjähriger Sohn geht ins ZAK im Wohnpark Bensberg, dort gibt es einen extrem hohen Migrationsanteil. Es hieß, eine Polizistin würde den Kindern die Verkehrspässe erst dann übergeben, wenn die Eltern erscheinen.
Ihr einziges Manko ist die Sprache. Und das ist oft das einzige, was von ihnen gesehen wird
Anstatt die Verkehrspässe zu übergeben, hat die Polizistin dann aber erstmal eine Stunde lang darüber gesprochen, dass sich die Kinder nicht richtig konzentrieren können. Dass sie deshalb Verkehrsübungen hätten verkürzen müssen. Und dass das auch erklären würde, warum so viele Kinder in der Grundschule mit der Diagnose ADHS zu kämpfen hätten.
Nur, in dieser Runde von zehn Elternteilen war ich eines von zwei, das Deutsch sprach. Der Rest hat gar nicht verstanden, was diese Polizistin erzählt hat! Warum belehrt sie die Eltern über Konzentration und ADHS? Warum übergibt sie die Pässe am Ende doch, obwohl sie Übungen verkürzen oder weglassen musste? Warum wurden keine Dolmetscher hinzugezogen, wenn es doch scheinbar so wichtig ist?
Diese Menschen haben alle eine Geschichte, genau wie meine Eltern. Viele haben eine gute Ausbildung, sie hatten ein Leben, einen Job. Sie sind nicht hierhergekommen, um Geld vom Sozialamt zu nehmen und nicht zu arbeiten. Sie sind hierhergekommen, um sich und ihre Familien zu schützen. Ihr einziges Manko ist die Sprache. Und das ist oft das einzige, was von ihnen gesehen wird. Aber ein belehrender Vortrag auf Deutsch hilft da halt gar nichts.
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Uff, was muss man hier alles für Kommentare lesen. Deutschlands Wirtschaft oder auch das Gesundheitssystem würde sofort zusammenbrechen, ohne die vielen integrierten Menschen in unserem Land. Selbst die Arbeitgeberverbände warnen schon vor einem vergifteten Klima und pfeifen Merz zurück. Sie benötigen nämlich die Arbeitskräfte, denn die Deutschen haben einfach zu wenig Nachwuchs gezeugt. Dafür braucht man keine Statistiken. Einfach mal in ein Krankenhaus oder in ein Seniorenheim gehen. Ohne Menschen mit Migrationshintergrund wäre ein Betrieb nicht mehr möglich. Notstand, sofort und überall. Deutschland würde in eine Katastrophe schlittern. Dies Menschen gehören zu unserem Stadtbild. Und sind ausdrücklich nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht willkommen. Das Fischen von Merz am rechten Rand ist unerträglich.
Liebe Sandra L. Danke für diesen Beitrag. Ohne Polemik die Tatsachen beschrieben. Erfreulich!
Noch einmal, in diesem Artikel geht es um ausländische Mitbürger, die auf sehr persönliche Weise vorgestellt wurden. Es zeigt positive Beispiele von Integration mit unterschiedlichen Problemen.
Menschen, die diese Kontakte nicht haben, könnten neue Einsichten bekommen. Stattdessen gibt es hier in den Kommentaren unschöne Diskussionen über Stadtbild und Kriminalitätsrate bei Ausländern.
Das ist eine ganz unwürdige, beschämende Diskussion.
Herr/Frau G. Apicella, berichtigen Sie mich gerne, aber meines Erachtens wurden diese ausländischen Mitbürger bezogen auf die Stadtbild-Debatte vorgestellt. Sie können sich sicher sein, dass ich mich von Herzen über jede gelungene Integration freue und ich glaube, dass ich dieses Ziel auch als wünschenswert zum Ausdruck gebracht habe. Leider gelingt dieses aber in vielen Fällen nicht und die Geschichte derer Menschen wird hier ja nicht vorgestellt oder beleuchtet. Diese Menschen gehören aber genauso zu uns.
Ich weiß nicht, ob das schon geschrieben wurde oder es im Bewusstsein aller steckt, auch der hier Schreibenden:
Jeder Deutsche ist auf der Welt überall Ausländer außer in Deutschland.
Die hier Streitenden um Wortwahl und Satzbildung tuen mir leid.
Ja, L. Donner, hab ich verstanden. Sie sind von der Sprachpolizei, ich gehöre zum rechten Rand und der Kanzler ist auch ein Nazi.
“When I see a bird that walks like a duck and swims like a duck and quacks like a duck, I call that bird a duck.”
(James Whitcomb Riley)
@Sandra L.: Es ging mir darum, darauf hinzuweisen, dass die Wortwahl Stimmung erzeugt. Wenn ich von “Flut” spreche, suggeriere ich das Bild von Katastrophe und Gefahr und nicht von Menschen. Dabei ist es egal, ob das bewusst geschieht oder eine gedankenlose “unglückliche Formulierung” (bei Ihnen ja angeblich beides nicht). Das ist die gern genutzte Rhetorik vom rechten Rand und wird vielfach ohne Nachzudenken wiederholt, was rechte Standpunkte gesellschaftsfähig macht.
Die undifferenzierte Stadtbildaussage des Kanzlers trifft im Übrigen alle, die optisch als fremd wahrgenommen werden. Da unterscheiden die, die sowieso Vorbehalte haben, nicht nach Aufenthaltsstatus oder Staatsangehörigkeit. Die kann man den Menschen nämlich nicht ansehen.
Hallo miteinander,
einige Kommentare zum Thema Straßenbild scheinen mir doch arg gekünstelt, vielleicht um einmal mehr die Betroffenheitskarte auszuspielen, oder die allgemein gültigen Meinungen zur deutschen Ausländerfeindlichkeit zu unterstützen.
Zum Thema anstarren in der Öffentlichkeit wegen Kopftuch kann ich nur anmerken das Sie einmal, als erkennbar deutsch in einen türkischen Supermarkt gehen sollten. Hier werden Sie als Fremdkörper wahrgenommen, angestarrt und die unausgesprochene Frage: “Was will der denn hier” schwebt im Raum.
Zur Schule und dem Kindergarten möchte ich nur anmerken, dass die sogenannten deutschstämmigen inzwischen oft in der Minderheit sind, es diese Kinder sind die wegen Glauben, oder Sprache ausgegrenzt, zum Teil auch psychisch oder körperlich angegriffen werden, eben weil weder die Betreuer/innen noch die Lehrer/innen die Beleidigungen verstehen, oder falls doch, nicht dagegen vorgegangen wird.
Respekt und Toleranz ist immer ein zweiseitiges Spiel von geben und nehmen, nur zu fordern kann auch keine Lösung sein, im Gegenteil, dies fördert Vorurteile und gegenseitiges Misstrauen.
Hallo Lisa Stein, ich finde es toll, dass Sie sich getraut haben, hier Ihre Meinung zu veröffentlichen, die ich vollumfänglich teile. Meines Erachtens wird hier ein Thema künstlich am Leben gehalten, wodurch ein größerer Schaden angerichtet wird, als es Herrn Merz vorgeworfen wird. Jeder weiss doch ganz genau, dass es bei der Stadtbild-Aussage weder um Kopftücher, noch Hautfarbe ging. Auch nicht um ausländische Fachkräfte, die unser System anerkennen und unterstützen. Diese findet man nicht am Busbahnhof in Gruppen und führen auch keine Bandenkriege. Ein Nicht-Anerkennen der Tatsache, dass wir in Deutschland ein unlösbares Problem einer Flut von zugewanderten Intensiv-Straftätern haben, wird uns zusammen mit vielen weiteren ungelösten Problemen durch sämtliche Bevölkerungsschichten und die hiesigen verschiedenen Kulturen weiter extrem schädigen. Wir schauen unkonstruktiv an der Wahrheit vorbei. Denn wir haben ein massives Integrationsproblem, das beharrlich nicht in Angriff genommen wird. Wenn wir Menschen aus anderen Kulturkreisen aufnehmen, müssen wir aus meiner Sicht zunächst dafür sorgen, dass sie hier würdig unterkommen können, statt in Unterkünfte gequetscht zu werden, in denen die Konflikte, die sie mitbringen nur noch angeheizt werden. Viele Menschen, die hierher kommen, müssten aufgrund ihrer Erlebnisse dringend therapeutisch aufgefangen u unterstützt werden. Niemand erklärt ihnen, was unser Land von ihnen erwartet u wie unsere Regeln sind. Umständehalber bleiben diese Menschen mit dem, wie sie aufgewachsen sind und was sie erlernt haben, allein gelassen und eine Ghettoisierung ist die logische Folge. Sie kommen in ein Land, wo von vorneherein die Kapazitäten für die eigene Bevölkerung als nicht ausreichend bezeichnet werden dürfen. Es gibt zu wenig Wohnraum, zu wenig Kitaplätze, zu wenig Lehrer, zu wenig psychologisches Fachpersonal, zu wenig Plätze im Strafvollzug und vor allem zu wenig Unterstützung in der Integrationsförderung. Für mein Empfinden ließe sich eine gute Zukunftsprognose nur mit Augenmaß dafür herstellen, zu sortieren, welcher einzelne Mensch oder Familie sich überhaupt in die Gesellschaft integrieren lässt und die Voraussetzung und den Willen dazu mitbringt. Hierfür müssten Gesellschaft, Politik und Behörden die Rahmenbedingungen leisten (können), damit ein Gewinn auf allen Seiten entstünde. Aber hiervon sind wir leider weit entfernt und einzelne Aussagen über bestehende Mißstände bewusst weiter zu polarisieren, schadet allen Seiten aufs Äußerste.
#Sandra L. Faktisch liegen Sie in den meisten Punkten richtig. Migranten jedoch die Mitverantwortung am Politikversagen, Infrastrukturen zu erhalten, zu geben, halte ich für absolut verfehlt.
Auch übersehen Sie die Vorgehensweise, wie sich die hohen Erfolgsquoten in der Rückführungsstatistik erklären lassen. Dazu werden unbescholtene, sprachlich voll integrierte und im Berufsleben sich bewährende Asylbewerber auf perfide Weise abgeschoben, wie im August 2024 in Gummersbach geschehen. Ein Iraner, bereits sieben Jahre integriert, mit fester Anstellung, festem Wohnsitz und absolut unbescholten, wurde mit einem Vorwand ins Ausländeramt einbestellt, dort von der Polizei verhaftet und im Schnellverfahren abgeschoben. Er hatte keine Chance, Hilfe zu erhalten. Eigentlich ein skandalöser Menschenrechtsverstoß – jedoch durch die Gesetzeslage gedeckt.
Sein Arbeitgeber versucht übrigens, diesen unverzichtbaren Mitarbeiter zurück zu gewinnen – ein steiniger Weg.
Auf ähnlicher Schiene läuft m.E. die aktuelle Weigerung, ehemalige Hilfskräfte aus Afghanistan entgegen der Versprechen, vor Verfolgung zu retten und aufzunehmen…
In Ausübung von Regierungsarbeit scheint die AfD in der Regierung angekommen zu sein und die s.g. “Brandmauer” existiert nur noch in der Rethorik.
MfG Dieter Richter, Bergisch Gladbach
Na, ob “dass wir in Deutschland ein unlösbares Problem einer Flut von zugewanderten Intensiv-Straftätern haben” richtig ist, möchte ich mal bezweifeln. Es hört sich eher nach rechter Parole an.
Sehr geehrter Herr Richter,
meines Erachtens habe ich mit meinen Worten keineswegs den Migranten eine Mitverantwortung am Politikversagen gegeben. Wenn Sie mir erklären, woraus Sie diesen Schluss ziehen, geben Sie mir bitte die Möglichkeit, dieses gerade zu rücken.
Weiter bin ich auf die Rückführungspraxis nicht zusätzlich eingegangen, nicht weil ich diese übersehen habe, sondern weil dieses aus meiner Sicht ein gesondertes (weiteres, eigenständiges und problematisches) Thema darstellt.
Mir ging es lediglich um die “Stadtbild-Debatte” und den Umgang damit. Sicherlich kann man die anderen mit der Asylpolitik verbundenen Themen endlos weiter diskutieren und ich bin mit Ihnen absolut auf einer Wellenlänge, was die Praxis in Einzelfällen angeht, jedoch zielte mein Beitrag auf ein, wie ich finde, entscheidendes Manko in der Grundsätzlichkeit ab. Ohne überhaupt die Voraussetzungen zu besitzen, Menschen aus Kriegsgebieten und anderen Kulturkreisen zu uns zu nehmen, um ihnen dann nur äußerst begrenzte Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen, dass sie Bedingungen vorfinden, in denen sie sich zurecht finden können, hat für mich schon an dieser Stelle nichts mit Willkommenskultur zu tun. Zumal wir, wie ich aus meiner beruflichen Tätigkeit her sagen kann, überhaupt keinen Überblick darüber haben, wer genau sich unter uns aufhält. Wir haben Straftäter mit mehr Alias-Namen unter uns, als jeder einzelne an Lebensjahren erreichen kann. Das ist kein Populismus, sondern harte Realität bei sämtlichen Strafverfolgungs-Institutionen. Von Einschätzungen, wer sich integrieren könnte und wer nicht, sind wir in unserem Behörden-Djungel Lichtjahre entfernt. Es macht einfach keinen Sinn, an diesen Umständen beharrlich vorbei zu schauen. Wenn wir es weiter tun, öffnen wir die Politik immer weiter für rechtes Gedankengut. Und genau dieses möchte ich zu bedenken geben.
„dass Sie sich getraut haben, hier Ihre Meinung zu veröffentlichen“ – Was hat das mit „trauen“ zu tun? Schlimmstenfalls erntet man Widerspruch, aber damit hat es sich auch schon und das sollte jeder aushalten können.
Drucker, das stimmt wohl nicht so ganz. Wie zu erwarten, wurden mir von L. Donner soeben “rechte Parolen” unterstellt. Ein sachlicher Austausch ist mittlerweile nirgendwo mehr möglich, ohne dass sofort jemand die Nazi-Keule auspackt. Das hat mit Widerspruch wenig zu tun, dieses gesellschaftliche Phänomen führt unweigerlich dazu, dass viele Menschen ihre Meinung eben nicht mehr öffentlich äußern, sondern über den Wahlzettel kundtun. Das Ergebnis sehen wir an den Umfrageergebnissen.
Doch, das ist Widerspruch. Damit kann man sich auseinandersetzen, man kann z.B. versuchen ihn zu widerlegen oder die eigene Position mit belegbaren Fakten zu stützen. Künftig nur noch in der eigenen Echokammer zu kommunizieren, bringt niemanden weiter.
Und wenn tatsächlich die Tatsache, dass die eigene Meinung nicht widerspruchlos hingenommen wird, die Leute zur AfD treibt, dann sagt das eher etwas über diese Leute aus. Das ist so, wie wenn ein Kind im Streit die Schaufel in den Sand schmeißt, davonmarschiert und sich am Rand des Spielplatzes vom „netten“ Onkel mit den Bonbons trösten lässt.
“eine Flut von zugewanderten Intensiv-Straftätern haben” -ist das eine unglückliche Formulierung oder beabsichtigt? Es gibt für diese Behauptung keine Grundlage und sollte deshalb in einer sachlichen Debatte unterlassen werden.
Der Beitrag stellt drei gut integrierte Familien vor, zeigt aber auch, welche berechtigte Befürchtungen bei den Menschen ausgelöst werden durch unscharfe Äußerungen des Bundeskanzlers.
Ich stimme Frau Apicella zu.
Häufig wird so vorgegangen, dass erst einmal Formulierungen benutzt werden, die ein bestimmtes Bild heraufbeschwörenund Angst machen sollen. Kommt Kritik, wird zurückgerudert und/oder sich selbst als Opfer dargestellt, das seine Meinung nicht mehr frei äußern darf. Den Kritikern wird Unsachlichkeit vorgeworfen und sie sind es dann auch noch Schuld, wenn jemand rechts wählt.
Herr/Frau Apicella, es ist von mir weder eine unglückliche Formulierung, noch beabsichtigt diese etwas. Die Grundlage mit sämtlichen genauen Zahlen kann ein jeder, den es interessiert, in der Statistik des Bundeskriminalamtes unter “Kriminalität im Kontext von
Zuwanderung” einsehen.
Eine sachliche Debatte sollte im vorliegenden Kontext “Stadtbild” meines Erachtens nicht nur gut integrierte Familien beleuchten, sondern auch die Fakten zugrunde legen, mit denen wir (und damit meine ich AUCH genau die gut integrierten Zuwanderer !!!) konfrontiert sind.
Ich habe mich über Straftäter geäußert. Warum werfen SIE diese eigentlich mit Zuwanderern in einen Topf, von denen gar nicht die Rede ist? Ich habe mich für bessere Integrationsleistungen und Migrationsbedingungen ausgesprochen, um Kriminalität entgegenzuwirken. Damit die Menschen, die aus einem anderen Land zu uns kommen, bessere Chancen und ein gutes Ansehen bekommen können.
Es ist sehr schade, dass fortlaufend bewusst Missverständnisse provoziert werden, um ein erwünschtes Bild zu erzeugen.
Ich kann mich nur wiederholen. Wenn dieses Thema nur schöngeredet wird und wir es nicht schaffen, einen Konsens auf der Grundlage der Vor- UND Nachteile zu führen, wird uns das eine bestimmte Partei aus der Hand nehmen. Und diese ist bereits dabei. Ich würde mir wünschen, dass das auch diejenigen realisieren würden, die ausschließlich Zugewanderte betrachten, die überhaupt nie gemeint waren. Ich empfinde diese Entwicklung als extrem bedrohlich und sie löst wahrscheinlich nicht nur bei mir persönlich eine “berechtigte Befürchtung” aus. Nämlich vor der nächsten Wahl.
„Die Grundlage mit sämtlichen genauen Zahlen kann ein jeder, den es interessiert, in der Statistik des Bundeskriminalamtes unter ,Kriminalität im Kontext von Zuwanderung‘ einsehen.“
Ja, kann man. Und der erste Leitsatz im letzten entsprechenden (auf 2023 bezogenen) Bundeslagebild lautet „8,9 % aller registrierten Tatverdächtigen waren Zuwanderinnen/Zuwanderer“. In dem betrachteten Jahr lag der Ausländeranteil in Deutschland bei 13,8%. Ergo liegt die Kriminalitätsrate bei Deutschen höher als bei Ausländern.
@Drucker: Und wieder wird alles in einen Topf geschmissen und Zahlen miteinander verglichen, die überhaupt nicht zusammen passen.
Bei den 8,9 % handelt es sich nur um die Zuwanderer und eben nicht alle Ausländer (Ihre 13,8 %).
Von etwa 2 Millionen Tatverdächtigen sind 34,4 % nichtdeutsche Tatverdächtige (Ihre Ausländer, also deutlich überrepräsentiert) und 8,9 % Zuwanderer („Asylbewer-
ber/-in“, „Schutzberechtigte/-r und Asylberech-
tigte/-r, Kontingentflüchtling“, „Duldung“ oder
„unerlaubter Aufenthalt“).
Quelle: Bundeslagebild Kriminalität im Kontext von Zuwanderung 2023
@P.öblerin: Ausländer sind hier, weil sie zugewandert sind. Wo ziehen Sie denn die Grenze zwischen „Zuwanderern“ und „guten“ Ausländern?
Abgesehen davon ist das Zustandekommen der Zahlen komplexer, als Sie vermuten (unter anderem, weil das BKA nur Verdächtigung auswertet und nicht festgestellte Täterschaft). Das ifo-Institut hat das ausführlich untersucht und beantwortet anhand der statistischen Daten die Frage, ob Migration wirklich die Kriminalität steigert. Nachzulesen hier:
https://www.ifo.de/DocDL/sd-2025-digital-03-adema-alipour-migration-kriminalitaet.pdf
@Drucker: Sie haben auf das “Bundeslagebild” des BKA hingewiesen, wovon Sie offensichtlich nur den Aufriss gelesen haben. Sonst würden Sie nicht so eine sinnlose Antwort geben.
Mit dem Link zur ifo-Studie schmeißen Sie wieder alle in einen Topf. Da geht es um Migration.
Sie wollen es nicht differenziert sehen und da frage ich mich, ob Sie das nicht können oder nicht wollen.
Glauben Sie wirklich, Sie könnten mit Ihrer Rabuilistik darüber hinwegtäuschen, dass Sie über keinerlei Substanz zur Untermauerung Ihrer Behauptungen verfügen?
Drucker, auch ich habe, genauso wie P.Öblerin, den Eindruck, dass Sie sich die sehr umfassenden Ausführungen des Bundeskriminalamtes nicht wirklich angesehen haben.
Hallo Drucker, es gibt einen Unterschied zwischen Ausländern und “Zugereisten”. Wenn meine Vorfahren vor vielen Jahrzehnten mal aus dem Ausland nach Deutschland eingereist sind und ich als Nachkomme nicht die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen habe bin ich Ausländer jedoch nicht “Zugereister”.
Andersrum gibt es Personen die sind in einem anderen Land aufgewachsen und dann nach Deutschland zugereist. Die Vorfahren hatten die deutsche Staatsangehörigkeit und man als Nachkomme dann auch. Somit ist man “Zugereister”, jedoch kein Ausländer.
@Sandra L.: „auch ich habe, genauso wie P.Öblerin, den Eindruck (…)“ – Ja, natürlich, da Sie sich die Bälle zuspielen, haben Sie denselben Eindruck. Sie verweisen jedoch immer nur mit großer Geste auf das Bundeslagebild, ohne wirklich substantiiert daraus belegen zu können, wie es Ihre Behauptung stützt, es gäbe ein „unlösbares Problem einer Flut von zugewanderten Intensiv-Straftätern“. Stattdessen betreiben Sie Wortklauberei und behaupten faktenwidrig, jeder könne daraus Ihre steile These selbst belegen. Die bleibt aber Unsinn.
@Anno Nüm: Diese Fälle gibt es, jedoch sind die Fallzahlen nicht so hoch, dass es nicht eine weitgehende Überschneidung zwischen „Ausländern“ und „Zugewanderten“ gäbe.
Hallo, alle im Artikel getroffenen Aussagen und Meinung sind wichtig und tragen dazu bei, sich ein Bild von der Stadtbilddebatte zu schaffen.
Um jedoch ein umfassenderes Bild zum Thema “Stadtbild” zu bekommen, fehlt mir hier die Beleuchtung der Ursache, wie es überhaupt zu einer Stadtbilddebatte kommen kann.
#SW. Gute Nachfrage und für alle, die es noch nicht so genau erfasst haben, Zitat aus:
https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/merz-stadtbild-migration-100.html
“Bei einem Termin in Brandenburg sagte er (Friedrich Merz) am Dienstag, bei der Migration habe seine Regierung viel erreicht und die Zahlen der neuen Asylanträge von August 2024 auf August 2025 um 60 Prozent reduziert. Dann fügte er hinzu: “Aber wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem und deswegen ist der Bundesinnenminister ja auch dabei, jetzt in sehr großem Umfang auch Rückführungen zu ermöglichen und durchzuführen.”
MfG Dieter Richter, Bergisch Gladbach
Wir haben in Deutschland Religionsfreiheit, jeder kann glauben, woran er will. Der Glaube findet allerdings im Privatleben statt, es braucht keine äusseren Zeichen.
Viele Mulima haben das Kopftuch abgelegt, teilweise sehr zum Ärger ihrer Familien oder Ehemänner, aber viele tragen es nach wie vor auch nach Jahren oder Jahrzehnten in Deutschland und senden damit ein Zeichen: Ich bin gläubige Mulimin und ich halte an der Tradition in meinem Heimatland fest! Für diese Frauen wird eine vollständige Integration nie gelingen, denn das Kopftuch ist nicht nur Zeichen von Gläubigkeit sondern auch ein Zeichen von der Akzeptanz der Überlegenheit des Mannes.
Wir haben in der Vergangenheit sehr um Gleichstellung gekämpft und jetzt kommen immer mehr Muslima, für die diese Gleichberechtigung kein Thema ist und das Zeichen dafür ist das Tragen eines Kopftuches. Die meisten Arbeitgeber, insbesondere bei Bürojobs, lehnen das Kopftuch ab, denn es gehört nicht zu unserem Kulturkreis. Wer sich wirklich integrieren möchte, passt sich der Kultur des Gastlandes an, welches ja nicht nur Gast- sondern auch Heimatland werden soll. So lange das nicht geschieht, ist man weiterhin “Ausländer” und darf sich deswegen nicht beklagen!
#M.Weissig. Kulturkritik sollte immer auf dem Hintergrund ihrer jeweiligen Geschichte erfolgen. Menschen auszugrenzen, weil sie in einer eigenen Kultur aufgewachsen sind, sich dazu bekennen oder sich nicht im westlichen Sinne aufgeklärt verhalten, lässt auf eine Mangel an Toleranz schließen.
Was im Umgang mit anderen Menschen unwürdig ist, ist sich wegen deren Hautfarbe, Kleidung, körperlicher Versehrtheit und anderer äußerlicher Unterschiedlichkeiten – mit Ausnahme von faschistoiden Merkmalen -, zu mokieren. Ist es denn so schwer, den Gleichheitsgrundsatz zu akzepieren, ohne ihn mit Gleichmacherei zu verwechseln?
Ihrer Ansicht nach müssten dann auch Menschen, die ein Kreuz oder Davidstern um den Hals tragen, dieses künftig unter das T-Shirt schieben, weil ist ja privat! Abgesehen davon: solange es Kirchensteuer gibt und der Staat nicht unwesentlich Religion finanziert können wir es nicht unbedingt Privat nennen
Zitat: “Der Glaube findet allerdings im Privatleben statt, es braucht keine äusseren Zeichen.”
Merkwürdig- in Artikel 4 des Grundgesetzes habe ich diese Einschränkung trotz mehrfachen gründlichen Lesens nicht entdecken können.
Und als ich neulich in Bergisch Gladbach auf dem Markt flanierte, stand die wunderschöne, frisch sanierte Laurentiuskirche an dem selben Platz, wie immer.
Der als Gegenentwurf zu einem Kanzler namens Scholz angetretene CDU-Kanzler ist eine einzige Enttäuschung. CDU-like versprach er Vieles, um nur sehr wenig umzusetzen. Sein Süddeutscher Klotz am Bein tut das seinige dazu.
Besonders schlimm sind eine Äußerungen mit dem Schlagwort “Stadtbild”. Der Mann ist nicht nur unverschämt, er nimmt auch in Kauf, dass noch mehr Wähler die Union verlassen, nämlich die, die das Wort “Integration” begriffen haben.
Natürlich ist das Bild der Clans, der Terroristen, der muslimischen Hasser und der Politiker mit “afd”-Nähe in den Köpfen der Menschen, meist der Älteren. Es ist für zu viele auch zu bequem, zu differenzieren, man folgt den Stammtischparolen (um nicht für “Stammtisch” ein Schimpfwort zu benutzen), fühlt sich in Gruppen – z.B. denen der “afd” stark, läuft nur hinterher und knickt, einzeln befragt, ein: Ich habe nie “afd” gewählt oder so.
Die hier für Hundertausende zu Wort gekommenen Beispiele sollten jedem Deutschen eine Ohrfeige sein. So froh Deutschland in den 50ern ff über die damals sogenannten “Gastarbeiter” war, so wenig hat sich in dieser Hinsicht in den deutschen Köpfen geändert. Im Gegenteil, geändert haben sich zig Tausende Migranten, um sich zu integrieren und die Vorteile, hier zu leben, annehmen und genießen zu können.
Merz ist ein Brandstifter an den Gebäude, die mühsam mit und für Migranten aufgebaut wurden. Eins steht schon jetzt fest: Wenn der Kanzler, die CDU und ihre “Schwester” sich nicht um etliche Grade drehen, ist schon jetzt die nächste Bundestagswahl verloren. Mir wird Angst, wenn ich über die Konsequenzen nachdenke.
Sehen wir diese Stadtbilddebatte einmal positiv. Gibt sie nicht Gelegenheit, diese unterschwellige Meinungsmache, welche ja vor allem ein schlechtes Allgemeingefühl hervorrufen will und in keiner Weise sachlich fundiert ist, jetzt ans “Tageslicht” des allgemeinen Bewusstseins zu heben? Dass jetzt in der Tat offene Bekenntnisse gefordert sind? Ja, wie wir lesen können, finden diese im negativen Sinne bereits statt und es wird im alltäglichen Wahrgenommenwerden härter für migrante Bevölkerungsgruppen. Sie geraten stärker in den Fokus.
Aber, bietet sich nicht auch die Perspektive, dass die unübersehbare Mehrheit der Bevölkerung an die betroffenen Menschen gewandt, ebenfalls ein klares Bekenntnis ausspricht: “Gut, dass Sie hier sind!”? Davon sollten wir in persönlichen Begegnungen – mit z.B. BusfahrerInnen oder Paketzustellern – viel mehr Gebrauch machen.
Entwickeln wir doch einfach so etwas, wie eine Willkommenskultur. Das hilft evtl. sogar, dem Bedenkenstau der latent Unentschiedenen (… vielleicht haben die Rechten ja doch Recht?) entgegen zu wirken. Zeigen wir doch das “Herz für Gladbach” und seien wir auch Gestalter von “Stadtansichten”. Im günstigsten Fall wirkt es sich am Ende des Tages sogar auf den Politsprech vom Stadtbildprediger der obersten Regierungsebene aus. Unvermeidlich wird es sein, dass auch dieser positive Wandel in der Bevölkerung dann als eigener Erfolg verbucht wird ;O)
Aber bleiben wir ernst. Was hindert uns daran, die Bedeutung von Weihnachten einfach mal für das “Eigentliche” zu denken und in “vollem Bewusstsein” selber Herberge zu sein?
Dieter Richter, Bergisch Gladbach
Wer sagt eigentlich, dass Merz die gut integrierten Menschen meinte?
Diese sind doch herzlich willkommen.
Es geht um die Straftäter, faulen, Schmarotzer etc., die die Gastfreundschaft ausnutzen und nicht zum Allgemeinwohl beitragen. Und die sollten ganz schnell wieder verschwinden.
Dann ist es auch für die gut integrierten wieder besser. Würde mir da auch mehr Forderungen der migrantischen Community wünschen. Die halten sich aber sehr bedeckt. Wollt ihr wirklich die Menschen hier halten, die euch leider mit in ein schlechtes Licht ziehen?
Wir schämen uns ja auch für manch Sauf-Touristen oder Fußball-Hooligan.
Es geht hier nicht um das, was Merz meint, sondern das, was er gesagt hat! Und Menschen, die nicht in unsere Gesellschaft passen wird es immer geben. Die Hautfarbe ist dabei irrelevant. Und Gastfreundschaft ist nicht gerade Deutschlands Stärke! Wer entscheidet denn wer gut integriert ist? Und was machen wir mit den Deutschen, die aus dem Rahmen fallen? schicken wir die auch weg oder müssen wir die behalten?
„Wer entscheidet denn wer gut integriert ist?“ – Exakt. Und man muss gleich noch eine Frage hinterherschieben: Wie und von wem wird denn integriert? Das ist doch eine Aufgabe für alle Seiten.
Ein Einwanderer kann zwar Deutsch lernen, sich soweit sinnvoll und notwendig an die hiesigen Gepflogenheiten anpassen, seinen Lebensunterhalt verdienen und all das. Dafür muss er aber auch soweit angenommen werden, dass ihm das ermöglicht wird.
Er muss die Gelegenheit zum Deutschlernen erhalten, man muss mit ihm interagieren, um die hiesige Kultur zu vermitteln und man muss ihm erlauben zu arbeiten. Menschen müssen sich eben nicht nur selbst integrieren, sie müsssen auch von der Gesellschaft integriert werden.
Danke für den Artikel. Hoffen wir, dass sich die Akzeptierung und Integration der eingewanderten Menschen in dieses Land positiv entwickelt, trotz der Engstirnigkeit Einzelner.
Jede/r von uns kann in ihrem oder seinem Umfeld viel dafür tun (ein Lächeln, freundlicher Umgang, Hilfsbereitschaft, gemeinsame Veranstaltungen, Straßenfeste – wir hatten gerade damit in unserer kleinen Straße gute Erfahrungen -, Begegnungsstätten etc.), dass sich niemand unerwünscht oder sogar ausgegrenzt fühlen muss.
Vielen Dank für diesen Artikel. Meine Hoffnung ist, dass so manchen, die leichtfertig daherreden vielleicht doch merken, dass davon Menschen konkret betroffen sind. Die darunter leiden und denen ihre Zugehörigkeit abgesprochen wird. Ich befürchte, die nächsten Jahre werden sehr kalt und es wird sehr konkrete Solidarität mit den Angegriffenen brauchen.
Leider hat Friedrich Merz ausgesprochen, was viele Deutsche denken. Angst vor Fremden, sie wollen “ihre Ruhe” haben. Wie langweilig!
Fast schon vergessen: Nach dem Krieg wurden die DEUTSCHEN Flüchtlinge, die überlebt haben und arm und abgerissen meist aus den Ostgebieten hier ankamen, auch so behandelt! Als Deutsche unerwünscht, gemobbt und schikaniert! Nachkommen von Schlesiern, Ostpreußen etc. können die gleichen Geschichten ihrer Eltern erzählen, oder, wenn man wie ich, im Altenheim täglich so etwas erzählt bekommen hat. Trotzdem haben sich die gleichen Menschen manchmal nicht von “Ausländern” pflegen lassen wollen. Anerzogene Nazigesinnung? Wer soll die Arbeit denn sonst tun???
Ich bin dankbar für jeden, der hier lebt, Farbe mit seinen Wurzeln in den Alltag bringt und “anders” ist. Ich habe keine Angst, bin neugierig, lerne viel beim Reisen, von anderen Menschen und Kulturen!
Das macht schon betroffen, wenn man den Beitrag liest. Niloofar haben wir als eine tolle und aufgeschlossene Frau kennengelernt, die uns mit viel Engagement und Spaß einen Einblick in die persische Küche gegeben hat.
Letztes Jahr Weihnachten haben wir uns mit Freunden getroffen, jeder trug etwas bei, und wir haben Niloofars Rezepte nachgekocht. Das war ein gelungener Weihnachtsabend, der ohne diese großartige Frau so nicht statt gefunden hätte.
Die Reaktionen auf Niloofar machen mich genauso betroffen, wie die Reaktion auf unsere Freunde, die aufgrund der zunehmenden Ausländerfeindlichkeit nach Norwegen ausgewandert sind.
Die Norweger fragen nicht “Wo kommst du her?” Die Norweger fragen eher “Wie kannst Du unser Leben bereichern”
Unsere Freund betreiben inzwischen ein sehr gut laufendes Café, der Bürgermeister macht kostenlos Werbung und lässt sich mit Ihnen in der öffentlichen Presse ablichten. Er ist stolz solche Einwanderer in seiner Gemeinde zu haben.
Letztes Jahr erzählten Sie, dass sie wohl nicht mehr nach Deutschland zurückkehren wollen und die norwegische Staatsbürgerschaft annehmen werden.
Als Grund nannten sie das Erstarken der AfD und deren Mitläufer.
Gleichzeitig macht es mich betroffen, dass der dunkelhäutige Vater meiner kleinen Grossnichte inzwischen ständig über die Schulter guckt, wenn er mit der Kleinen über die Straße geht. Er ist selber im Osten geboren und aufgewachsen, hat aufgrund seiner Hautfarbe viel Rassismus erlebt und gedacht im Westen wird es einfacher. Leider wird es nicht einfacher, sondern immer gefährlicher für ihn.
Er ist Deutscher, er hat studiert und einen Beruf aber er hat eine dunkle Hautfarbe und Angst um seine dunkelhäutige kleine Tochter.
Zu diesem vergifteten Klima mögen m.E. solche Äußerungen von Politikern wie Herrn Merz beitragen, die vermutlich meinen, damit Stimmen von der AfD zurück zu erobern. Tun Sie nicht. Im Gegenteil. Sie vergiften immer mehr unser gesellschaftliches Klima.
Ich habe selber die schöne Zeit der Hippies und Multikulti erlebt, obwohl ich als Jugendlicher eher zu den Rockern gehörte ;-) Das war eine schöne bunte und wilde Zeit.
So langsam habe ich aber das Gefühl in Deutschland wird es blau und trist.
Danke, Laura Geyer! Den Betroffenen eine Stimme zu geben, ihnen Gehör zu verschaffen ist das Sinvollste, was man in dieser Situation machen kann.
Danke auch, Nikoofar, Brenda, Niklas, Negin und Güngör, dass Ihr offen eure Geschichten und Emotionen teilt. Ihr gehört alle dazu!