Ayad Al-Rubaiee. Foto: Philipp J. Bösel

Ayad Al-Rubaiee war 18 Jahre alt, als er 2015 nach Deutschland flüchtete. Alleine. Er ist einer von mehr als 1000 Flüchtlingen, die seit diesem prägnanten Jahr nach Bergisch Gladbach kamen. In Schildgen gründeten damals rund 100 Einheimische eine Willkommens-Initiative, die Unglaubliches geleistet hat. Zum 10. Jubiläum erzählen fünf ehemalige Flüchtlinge, wie es ihnen ergangen ist.

In einer kleinen Serie lassen wir fünf Flüchtlinge zu Wort kommen. Sie berichten von ihrer Flucht, ihrer Aufnahme in Schildgen, den Schwierigkeiten und Erfolgen ihrer Integration – und wie sie sich heute in Deutschland fühlen.

Hier berichtet Ayad Al-Rubaiee (28, aus Bagdad, Irak)

Ayad Al-Rubaiee. Foto: Philipp J. Bösel

„Ich bin 2015 alleine nach Deutschland gekommen, mit 18 Jahren. Ich habe Deutsch gelernt und danach viel gemacht: Ich habe eine Ausbildung als Verkäufer angefangen, aber nicht zu Ende gebracht. Ich habe einen Studienvorbereitungskurs gemacht, das Studienkolleg an der TH Köln.

Letztes Jahr im Januar habe ich eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker abgeschlossen. Ich habe ein Jahr BWL im Ausland studiert. Und jetzt studiere ich BWL an der TH Köln.

Nebenbei habe ich eigentlich immer gearbeitet, in der Gastronomie, als Lieferant, Paketzusteller und und und.

Hintergrund: Willkommen in Schildgen

Zehn Jahre ist es her, dass die ersten Flüchtlinge nach Schildgen kamen. Über 100 Menschen gründeten damals die ökumenische Initiative „Willkommen in Schildgen“. Sie begleiteten die Syrer, Eritreer und Iraker, die in Schildgen landeten, bei Amts- und Arztbesuchen, brachten ihnen Deutsch bei, halfen ihnen in Rechts- und in Berufsfragen, um nur eine kleine Auswahl zu nennen.

Nach zehn Jahren sind 72 Prozent der Flüchtlinge von damals in Arbeit, 15 Prozent in Ausbildung oder Studium. (Zu den restlichen 13 Prozent besteht kein Kontakt mehr.) Die meisten sprechen fließend Deutsch, viele habe deutsche Freunde. Eine Erfolgsstory der Integration.

Denn bei der Bewältigung der Krise ist in Schildgen etwas Besonderes passiert: Die Menschen, die sich zusammengeschlossen hatten, um zu helfen, sind zusammengewachsen. Eine neue Gemeinschaft ist entstanden. Darüber habe ich schon 2018 ausführlich geschrieben: „Was die Flüchtlinge mit Schildgen gemacht haben“.

„Angekommen“: Die Fotos der Geflüchteten stammen aus der Jubiläums-Ausstellung von Philipp J. Bösel im Himmel un Ääd. Die 21 farbigen Porträts sind bis 6. Dezember im Café zu sehen (Altenberger-Dom-Str. 125).

Eine weitere Veranstaltung findet am 28. November im Himmel un Ääd statt: „Angekommen – Erfahrungen und Leben in Deutschland/Schildgen“. Im Talk-Format „Auf dem Sofa“ berichten zwei der Flüchtlinge über ihre persönlichen Erfahrungen. Moderation: Margret Grunwald-Nonte, Online-Anmeldung über Himmel un Ääd

Ich mache auch viele ehrenamtliche Arbeiten. Zum Beispiel habe ich in den letzten zwei Jahren die Internationale Jugendbegegnung der Andreaskirche Schildgen geleitet. Das sind Jugendgruppen zwischen 13 und 26 Jahren aus dem Balkan und aus Schildgen. Wir treffen uns jedes Jahr, mal auf dem Balkan und mal hier in der Stadt.

Mit meiner Aufenthaltserlaubnis war es lange unklar. Aber jetzt habe ich unbefristeten Aufenthalt. Und meine Einbürgerung ist seit 13 Monaten in Bearbeitung, es dauert wohl 20 bis 24 Monate.“

ist freie Reporterin des Bürgerportals. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg. Nach einem Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro glücklich zurück in Schildgen.

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