Am Grenzübergang zur Ukraine. Fotos: Ulrich Gürster

Ein weiterer großer Hilfstransport der Humanitären Hilfe aus Overath und Bergisch Gladbach hat Kliniken in Lviv und Chmelnyzkyj mit dringend benötigten Medikamenten, Fahrzeugen und Hilfsgütern erreicht. Trotz Pannen kam der Konvoi ans Ziel und erlebte bewegende Momente. Weitere Transporte sind bereits geplant.

Wir veröffentlichen einen Beitrag der Humanitären Hilfe Overath e.V. und der Humanitären Hilfe Bergisch Gladbach e.V.

Als die Hilfstransporteure vom 17. gemeinsamen ukrainischen Hilfstransport der Humanitären Hilfe Overath e.V. und der Humanitären Hilfe Bergisch Gladbach e.V. nach dem an der Hammermühle erteilten Reisesegen durch Kaplan Michael Schiller und etwa 24 Stunden Fahrt, etwa 30 km hinter der Grenze im Hotel in der Ukraine sich zum Frühstück versammelten, wurden alle Punkt 9 Uhr wachgerüttelt.

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„Die ukrainische Warn-App meldete sich bei all unseren Handys. Zunächst dachten wir an einen Luftalarm für unsere Region. Doch dann beruhigten sich die Gemüter“, weiß Thomas Migenda aus Kürten-Waldmühle zu berichten.

In der Ukraine gibt es seit dem 24. Februar 2022 an jedem Tag um 9 Uhr eine Schweigeminute, die an den Beginn des russischen Übergriffs auf das Land erinnert. Dieser Tag markiert den Anfang eines bewaffneten Konflikts, der das Leben Tausender Menschen verändert hat und einen tiefen Einschnitt in die ukrainische Gesellschaft darstellt. Die Schweigeminute dauert genau eine Minute, in der die Menschen innehalten, um den Opfern des Krieges zu gedenken und ihre Solidarität mit den Betroffenen auszudrücken.

„Und so standen wir mit den anderen Gästen betroffen als kraftvolles Symbol des Zusammenhalts und der Hoffnung auf Frieden für die gesamte Nation für eine Minute vom Frühstückstisch auf“, ergänzten die beiden ersten Vereinsvorsitzenden Norbert Kuhl und Ulrich Gürster.

Als sich morgens der Konvoi mit zwei 40-Tonnern, zwei Fahrzeugen mit Anhängern, einem Rettungswagen, einem T5 Pritsche und zwei Transits in Richtung Lviv in Bewegung setzen wollte, sprang der Rettungswagen trotz Überbrückung nicht mehr an. Schnell war ein einheimischer „Schrauber“ mit einer nahegelegenen Autowerkstatt gefunden, welcher helfen wollte. Die handwerklich begabten Lkw-Fahrer Erik Welzel und Heiko Maslen tauschten mit den beiden Vorsitzenden ihre Fahrzeuge und unterstützten den Automechaniker.

Derweil kam der Hilfstransport mit leichter Verspätung beim Kinderkrankenhaus Lviv an. Dort machte man sich schon Sorgen, und die Freude auf ein Wiedersehen mit der stellvertretenden Krankenhausleitung Frau Dr. Zoryana Ivanyuk war umso größer. Für über 40.000 Euro wurden dringend benötigte Medikamente und Krankenhauszubehör vor Ort am neu gestalteten Haupteingang des Krankenhauses entladen.

Die beiden Neumitglieder und Ersthilfstransporteure Bernd Sucker und Dirk Löhe staunten beim fleißigen Entladen nicht schlecht. Zwischenzeitlich schleppten Dietmar Schur und Dirk Ballsieper eine große mitgebrachte, von der Schlossapotheke ausgeliehene Kühlbox in ein Medikamentenzimmer in die erste Etage. „Die Kühlkette darf auf keinen Fall unterbrochen werden“, teilten Schur und Ballsieper mit und verschwanden in einem Fahrstuhl.

Als Überraschung für Frau Dr. Zoryana Ivanyuk tauchten aus den Fahrzeugen noch 67 nett verpackte Schuhkartons mit Überraschungen für kleine Patientenkinder auf. Noch ein paar Stunden vor der Abfahrt gen Osten waren die beiden Vorstandsvorsitzenden zusammen mit Karin Fischer, Guido Wagner und Martin Gürster bei der Kita „Marienkäfer Treff“ in Marialinden. Die Kinder übergaben dort die bunt gepackten Päckchen als Zeichen des Teilens zu Sankt Martin für Kinder im Kinderkrankenhaus in Lviv.

Auf der fünfstündigen Weiterfahrt nach Osten reihten sich der reparierte Rettungswagen und die beiden 40-Tonner wieder in den Konvoi ein. Die vier Lkw-Fahrer Thomas Migenda, Michael Kuthe, Sabine Schmitz und Stefan Malczewski nutzten die Zeit am Morgen zum Ausruhen im Hotel, da sie nachts einen anderen Grenzübergang als die Pkw nehmen mussten. Die Grenzabfertigung dort dauerte etwa acht Stunden.

Zum Abendessen traf der Konvoi mit überglücklichen Fahrern im „Traumazentrum“ in Chmelnyzkyj bei Direktor Olxeander Khalayim ein, wo am nächsten Tag 34.974 kg an Hilfsgütern im Wert von 113.000 Euro entladen und übergeben wurden. Der Kommandeur Igor Liubinetskyi erhielt zwei der mitgebrachten Fahrzeuge.

Der Rettungswagen sowie ein Transit wurden an Andrej Sorokopud übergeben. Alle vier Fahrzeuge sind für die humanitäre Hilfe vor Ort von großer Bedeutung. Beide baten darum, dass der Bedarf an Krankenwagen, Feuerwehrwagen und Transportern in der Ukraine weiterhin hoch sei.

Igor Liubinetskyi ehrte zehn Hilfstransporteure stellvertretend für alle Unterstützer in den beiden Vereinen mit dem Orden „Die Würde für Patriotismus“. Bevor die Motoren für den 1.600 km langen Heimweg starteten, besuchten einige Hilfstransporteure zusammen mit der Polizistin Olena Kirilkova aus Chmelnyzkyj noch eine katholische Schule mit etwa 130 Kindern.

Kai Decker-Conradi, Jürgen Münsterteicher, Karin Fischer, Heinz-Bernd Padberg und weitere Helfer verteilten in der Schule Schokolade, Haribo und Brotboxen. Die Schulleitung bedankte sich mit den Kindern bei allen für die anhaltende Solidarität und die im letzten Jahr übergebenen iPads mit einem bewegenden Lied.

Gemeinsames Spendenkonto
Stichwort: Ukraine-Hilfe
Pax Bank Köln
IBAN: DE93 3706 0193 0032 5620 27

Norbert Kuhl und Ulrich Gürster planen auf der Rückfahrt bereits drei weitere gemeinsame Hilfstransporte in die Ukraine für 2026. Norbert Kuhl betonte: „Bei der dortigen vorherrschenden Not kann man nicht wegschauen, sondern muss die Ärmel hochkrempeln und anpacken.“

Ulrich Gürster ergänzte: „Wir benötigen natürlich Ihre finanzielle Unterstützung für den Kauf weiterer Medikamente, Lebensmittel und Hygieneartikel. 100 Prozent der Geldspenden kommen den Hilfebedürftigen zugute, das ist uns sehr wichtig, denn wir alle arbeiten ehrenamtlich.“

Die beiden Schatzmeister Karin Fischer und Heinz-Bernd Padberg stellen gerne Spendenquittungen zur Vorlage beim Finanzamt aus. Im März 2026 wird es wieder einen großen Drive-In in Bensberg für die Abgabe von Sachspenden geben. Vorab sind Informationen beider Vereine auf den Webseiten www.hhov.de und www.hh-gl.de verfügbar.

Seit 1994 engagieren wir uns in Litauen und Weißrussland bzw. Belarus. Diese Zeit ist nicht nur geprägt von materieller Hilfe, sondern auch von Freundschaft, Nächstenliebe und Solidarität mit den Menschen jenseits der auch heute zum Teil noch wenig durchlässigen Grenzen. Um auch zukünftig die...

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  1. MACHER der Humanitären Hilfe: alle HELDEN !
    (denen der allergrößte Dank und WERTSCHÄTZUNG gebührt, vor allem vor ihrem laangen Atem und Verlässlichkeit)