Bürgermeister Marcel Kreutz bei seiner ersten Haushaltsrede. Foto: Redaktion

Bürgermeister Marcel Kreutz (SPD) bekräftigt in seiner ersten Haushaltsrede bekannte Prioritäten (Schule, Kita, Straße), kündigt konkrete Schritte an und schlägt einige wenige neue Stellen für die Verwaltung vor. Die Stadt rechne mit einem Defizit von fast 50 Millionen Euro und müsse sich daher klar auf das Wesentliche fokussieren. Zusätzlich sei eine Erhöhung der Grund- und der Gewerbesteuer notwendig.

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Dokumentation der Rede von Marcel Kreutz:

 Sehr geehrte Damen und Herren, 

der Haushaltsentwurf 2026 liegt Ihnen heute vor. Viele Bürgerinnen und Bürger fragen sich zu Recht: Was hat dieser Haushalt mit dem Alltag in unserer Stadt zu tun? 

Es geht um ganz konkrete Fragen: Kommen Kinder morgens sicher in eine gute Schule? Wie wollen wir unsere Klimaziele ereichen? Sind Straßen und Wege verlässlich – ohne Schlaglochteppich? Und bleibt Bergisch Gladbach eine lebenswerte Stadt? 

Genau dafür setzen wir 2026 Prioritäten – und sagen offen, wie wir das finanzieren. 

Finanzrahmen & Steuern 

Die finanzielle Lage ist ernst. Viele sprechen von einem Kipppunkt der Kommunalfinanzen in Deutschland. 30 Mrd. EUR wird laut der Kommunalen Spitzenverbände das Defizit in diesem Jahr betragen. Diese Entwicklung trifft auch uns. 

Für 2026 rechnen wir mit einem Jahresergebnis der laufenden Verwaltungstätigkeit von minus 48,7 Millionen Euro. 2023 war noch ein Plus von 3,5 Millionen Euro zu verzeichnen – allerdings nur durch einmalige Isolierungseffekte aus Corona und Ukraine. Für 2024 liegt die Prognose bei rund -45 Millionen Euro, für 2025 bei -54 Millionen Euro. Hilfen von Land und Bund unterstützen zwar leicht, lösen die strukturelle Unterdeckung aber nicht. 

Steuererhöhungen 

Vor diesem Hintergrund schlagen wir Ihnen einen ehrlichen Weg vor. Bei der Grundsteuer B schlagen wir eine Erhöhung vor.  

Erstens 25 Prozentpunkte für die aufkommensneutrale Umstellung aus der Reform. 

Zweitens weitere 75 Prozentpunkte, die 2026 greifen und seit Jahren angekündigt sind. 

Zusammen ist das eine Erhöhung um 100 Prozentpunkte im kommenden Jahr. 

Die Gewerbesteuer erhöhen wir maßvoll um 25 Prozentpunkte; das ist weniger als bislang angekündigt wurde. Ich weiß: Das ist spürbar. Wir belasten niemandem leichtfertig. 

Wir tun das, um handlungsfähig zu bleiben, ein pflichtiges Haushaltssicherungskonzept zu vermeiden. Um Leistungen zu sichern, die unsere Stadt zusammenhalten: Jugendarbeit, Kultur, Sport, Ehrenamt.

Im Gegenzug priorisieren wir, was Sie im Alltag merken – Betreuung, Schulen, sichere Wege – und halten strikte Disziplin auf der Ausgabenseite. Keine unnötigen Wahlgeschenke, keine Traumschlösser, sondern sichtbare Verbesserungen und sorgfältiger Mitteleinsatz. 

Unser Prinzip ist klar: Wir handeln vor Ort. Wir richten den Blick auf das, was wir selbst steuern können. Wir warten nicht auf perfekte Rahmenbedingungen von außen, sondern nutzen unsere Spielräume: 

Schulen priorisieren, verlässliche Betreuung sichern, Straßen dauerhaft instandsetzen, Zanders Schritt für Schritt entwickeln. Wo andere Ebenen gefragt sind, reden wir Klartext – aber wir verlieren keine Zeit. 

Die Schwerpunkte

Lassen Sie mich drei Schwerpunkte nennen: 

1. Bildung 

Schule muss laufen. Das heißt für Familien: Räume, die funktionieren; Unterricht, der stattfindet; Digitalisierung, die läuft. Und die Wahrheit ist, der Zustand unserer Schulen ist oftmals weit davon entfernt. 

2026 setzen wir das erste Paket der Schulbau‑Priorisierung an – zwei weiterführende und drei Grundschulen. Wir bearbeiten die G9‑Folgen an den weiterführenden Schulen. Parallel investieren wir in Rotationsschulen, Interimslösungen und Schulhofsanierungen, damit Unterricht trotz Bauarbeiten verlässlich stattfinden kann. 

Insgesamt setzen wir im Jahr 2026 rund 73 Millionen Euro an Investitionen in unsere Schulen an – das ist der Schwerpunkt unseres Investitionsprogramms. 

1.1 Kita 

Bei der frühkindlichen Bildung gilt derselbe Maßstab: Verlässlichkeit.

Die Betriebskostenzuschüsse des Landes nach Kibiz (gemeint ist das Kinderbildungsgesetz NRW, die Red.) steigen um zehn Prozent, doch wir geben diese Mehrkosten nicht an die Eltern weiter. Rund zwei Millionen Euro trägt die Stadt – bewusst. Denn Planungssicherheit in der Betreuung ist für Familien kein „nice to have“, sondern die Voraussetzung, dass der Alltag funktioniert und Erwerbsarbeit möglich bleibt.

Zugleich treiben wir den Ausbau von Sofort‑Kitas voran und arbeiten gemeinsam mit Trägern und Verwaltung daran, die Stabilität im Alltag zu erhöhen. 

1.2 Offene Kinder- und Jugendarbeit 

Zur Jugend gehört auch die offene Kinder‑ und Jugendarbeit. Die freien Träger haben zurecht auf Finanzierungslücken hingewiesen. Wir haben deshalb die auskömmliche Finanzierung im Haushaltsentwurf 2026 abgesichert. Das ist keine Kür, sondern eine Investition in Teilhabe und Prävention – und damit in eine Stadt, die Kinder und Jugendliche nicht alleine lässt. 

2. Verkehr 

Ein zweiter Schwerpunkt ist die Straßenqualität und die Sicherheit der Wege. Bei den Straßen waren bisher Notflicken oft die einzige kurzfristige Möglichkeit. Das ist teuer und nicht nachhaltig. 

Deshalb legen wir eine Schippe drauf: Neben den Kleinstreparaturen und der Komplettsanierung nach der Prioritätenliste für Straßen setzen wir auf eine weitere Methode. 

Eine Fachfirma fräst schadhafte Abschnitte aus und trägt eine neue Asphaltdecke auf. Das hält über Jahre, geht schneller als eine Komplettsanierung und reduziert Beschwerden, Folgekosten und Risiken.

Konkret schreiben wir einen dreijährigen Rahmenvertrag aus über rund 10.000 Quadratmeter, vor allem auf Hauptverkehrsstraßen, mit einem Gesamtvolumen von etwa einer Million Euro. Das Ergebnis: glattere Hauptachsen, weniger Schäden, mehr Sicherheit – besonders auf Schul‑ und Pendelrouten. 

Zu unseren Verkehrsflächen gehört auch Sauberkeit und Ordnung. Das packen wir an. An zehn Hotspots mit Altkleidercontainern setzen wir befristet Videoaufsicht ein und koppeln jede Entleerung mit einer Umfeldreinigung. Das ist kein Selbstzweck, sondern die Antwort auf ein reales Ärgernis, das viele Menschen beschäftigt. Wir wollen, dass sich die Stadt wieder gepflegter anfühlt. Herzlichen Dank an Martin Wagner und sein Team vom Fachbereich Umwelt und Technik für diese Initiative! 

3. Zanders 

Der dritte Schwerpunkt ist die Entwicklung von Zanders und der Innenstadt. Wir sichern das Denkmalensemble Z, erschließen das Gelände, sanieren erste Gebäude und bereiten die Offenlegung der Strunde vor. Das stärkt Bildung, Kultur und Aufenthaltsqualität in der Mitte der Stadt – und kühlt die Innenstadt an Hitzetagen spürbar ab.

Parallel treiben wir den Stadtumbau im Umfeld voran; in Bensberg schließen wir zentrale InHK‑Projekte ab, in Gronau starten wir die Projektentwicklung des strategischen Entwicklungskonzepts. Das alles ist kein Selbstzweck, sondern zahlt auf eine Stadt ein, die funktioniert, atmet und Menschen zusammenbringt. 

Mit dem im Jahr 2023 beschlossenen Integrierten Klimaschutzkonzept hat sich Bergisch Gladbach klar auf den Weg zur Klimaneutralität bis 2045 gemacht. Entscheidend für den Erfolg dieses Weges ist dabei nicht allein die technische Umsetzung einzelner Maßnahmen, sondern vor allem die aktive Einbindung der Bürgerschaft, der Wirtschaft und der lokalen Akteure.

Deshalb wollen wir im kommenden Jahr einen Schwerpunkt auf die Weiterentwicklung unserer Klimaschutz- und Kommunikationsstrategie legen – denn Klimaschutz gelingt nur gemeinsam. Dabei reden wir nicht nur über Klimaschutz, sondern setzen ihn konkret weiter um und nehmen die Menschen mit. 

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Als Kämmerer ist Thore Eggert (FDP) für die Details zuständig, nimmt in seiner Haushaltsrede aber auch das große Ganze in den Blick. Er verteidigt den eingeschlagenen Sparkurs und begründet die vorgeschlagenen Erhöhungen von Grund- und Gewerbesteuer.

Das sind wichtige Punkte des Haushalts. Ihnen liegt aber auch der Entwurf des Stellenplans vor. Zum Stellenplan: 

Stellenplan 

Aus einem angemeldeten Bedarf von rund 150 neuen Stellen schlagen wir 41 Stellen vor, davon 16,5 vollständig oder überwiegend refinanziert. 6 

Das ist das Mindestmaß, das die Verwaltung benötigt, um laufende Aufgaben ordnungsgemäß zu erfüllen und bereits beschlossene Vorhaben umzusetzen. 

Gleichzeitig will ich offen sagen: Das deutliche Delta zwischen dem angemeldeten Bedarf und dieser reduzierten Stellenplananmeldung wird die Verwaltung vor erhebliche Herausforderungen stellen. 

Aber die finanziellen Rahmenbedingungen lassen uns hier keinen Spielraum. 

Bereits heute ist absehbar, dass im Haushaltsjahr 2027 praktisch kein finanzieller Spielraum für einen weiteren Stellenplanaufwuchs bestehen wird. 

Und auch der jetzt beantragte Stellenplanaufwuchs macht es erforderlich, bereits 2026 zwingend gegenzusteuern. 

Das bedeutet konkret: Nicht alle Personalbedarfe werden unmittelbar gedeckt werden können. 

Ungedeckte Bedarfe müssen wir durch interne Umschichtungen, durch klare Aufgabenkritik und Priorisierung sowie mittelfristig durch Digitalisierungsrenditen und Geschäftsprozessoptimierungen kompensieren. 

Gleichzeitig werden wir im Jahr 2026 das Personalkostencontrolling weiter intensivieren und die dezentrale Steuerung der Stellenplanbewirtschaftung stärken. 

Ziel ist dabei nicht nur, das ohnehin restriktiv geplante Personalkostenbudget einzuhalten, sondern darüber hinaus einen Konsolidierungsbeitrag durch ein schrittweises Abschmelzen der Personalkosten zu erreichen. 

Ich will das klar benennen: Das ist ein ambitioniertes Vorhaben – aber es ist alternativlos. 

Die Mitglieder des Stadtrats im Ratsaal im Rathaus Bensberg. Foto: Redaktion

Auch wenn wir als Kommune die strukturelle Unterfinanzierung nicht zu verantworten haben, werden wir unseren Beitrag leisten, die Aufwendungen im städtischen Haushalt zu begrenzen. 

Dazu zählen ausdrücklich auch die Personalkosten. 

Gleichzeitig sage ich ebenso deutlich: Dieser Weg hat seinen Preis. 

Denn bei allen Steuerungs- und Optimierungsmöglichkeiten tragen vor allem die städtischen Mitarbeitenden einen erheblichen Teil der Last – durch Arbeitsverdichtung, steigenden Leistungs- und Veränderungsdruck. 

Gerade deshalb ist es unsere gemeinsame Pflicht, diese Belastung nicht zusätzlich zu erhöhen: 

  • nicht durch unpriorisierte neue Aufgaben, 
  • nicht durch unnötigen Termindruck 
  • und nicht durch überzogene Qualitätsanforderungen. 

Und an dieser Stelle möchte ich ausdrücklich sagen: 

Ich weiß um den Einsatz, die Professionalität und die hohe Loyalität unserer Mitarbeitenden. 

Stellvertretend für viele möchte ich heute der Vorsitzenden des Personalrats, Frau Pütz, danken, die hier im Raum sitzt – und mit ihr allen Beschäftigten unserer Stadtverwaltung. Herzlichen Dank für Ihre Arbeit, auch und gerade im jetzt am Ende des Jahres!  

Wir warten nicht, wir liefern

Lassen Sie mich zum Schluss unseren Ansatz noch einmal zuspitzen. 

Dieser Haushaltsentwurf ist ehrlich finanziert und klar priorisiert. 

Er sichert Betreuung, Schulen und sichere Wege – und er vermeidet ein HSK (gemeint ist ein Haushaltssicherungskonzept, die Red). 

Er konzentriert sich auf das, was wir hier vor Ort steuern können. Wir warten nicht, wir liefern. 

Ich lade die demokratische Mitte ein, diesen Kurs mitzutragen. So bleiben wir 2026 handlungsfähig, schützen das Ehrenamt und stärken das, was zählt: eine lebenswerte, zukunftsfähige Stadt für alle. 

Vielen Dank. 

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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  1. Das klingt ja irgendwie so als wenn in GL ein paar gut betuchte VillenbesitzerInnen nur ein paar Euros mehr für ihre feudalen Besitztümer abgeben müssen, damit dann endlich für ausreichend Schulen und Kitas gesorgt werden kann.
    Das ist aber mitnichten der Fall. Die Erhöhungen der Kosten für die Abwasserentsorgung, Müll und final auch noch der Grundsteuerer, sind unsozial und höchst familienfeindlich. Denn alle Kosten erhöhen die Nebenkosten für Mietende erheblich. Was das Wohnen insgesamt deutlich verteuert.
    Die Entscheidung, die Wohnkosten zusätzlich in die Höhe zu treiben, ist ein bewusste Entscheidung. Es wurde nicht für Einsparungen oder eine Erhöhung auf der Einnahmenseite gestimmt (Abschaffung von Subentionen wie z.B. Brötchentaste für Parkende u.v.a.) sondern für eine unsozial und familienfeindliche Erhöhung der Wohnnebenkosten.
    Sehr traurig.

    1. Die Brötchentaste und die allgemein zu niedrigen Parkgebühren halte ich für unsozial. Hier sollte es Erhöhungen geben, die sich mindestens an den Erhöhungen der ÖPNV Preise orientieren.
      Nur: das Finanzierungsproblem würde die überfällige Erhöhung der Parkgebühren auch nicht lösen.

    2. Städtische Leistungen wie Abwasser- und Müllentsorgung müssen anhand der dafür anfallenden Kosten berechnet werden. Da ist kein Spielraum für eine Quersubventionierung. Und wenn die Gebühren dafür steigen, trifft das alle, nicht nur Mieter.

  2. @Hans-Peter Erdtmann
    Sie scheinen ja bestens informiert zu sein. Die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung müssen sich für die Erholung, wie der Rest der arbeitenden Bevölkerung auch, zur Erholung Urlaub nehmen. Ob Sie wollen oder nicht, ist in der freien Wirtschaft bei Betriebsschließungen / Betriebsferien auch nicht anders.

    Wenn man in der Verwaltung doch so schön und ruhig arbeiten kann, wieso fehlt überall Personal?

    Bewerben Sie sich doch, dann brauchen Sie nicht meckern. Oder geht es Ihnen bereits besser, dann hören Sie auf zu meckern…

  3. 1.) Nur wenige Monate im Amt und schon werden die Steuern (Grund- und Gewerbesteuer) erhöht. Kennt Rot-Grün eigentlich nichts anderes. Der Bürger wird weiter ausgenommen.
    2.) Die lange Weihnachtspause in der Vetwaltung dient der Erholung der Vetwaltungsmitarbeiter. Da lacht man sich doch fast tot. Ein Schlag ins Gesicht all derer die arbeiten müssen. Z.B. als Bus- oder Straßenbahnfahrer, im Krankenhaus, bei der Polizei, der Feuetwehr, usw. Hauptsache die Verwaltung kann sich ausruhen. Hoffentlich verschlafen sie den Diensbeginn im Neuen Jahr nicht.

    1. Was reden Sie von Rot-Grün? Wir haben einen CDU-geführten Stadtrat. Und eine lange Weihnachtspause machen viele Beschäftigte, auch in der freien Wirtschaft – ist das jeweils ein Schlag ins Gesicht der Menschen, die an Feiertagen arbeiten müssen? Da scheinen mir doch die Maßstäbe ziemlich verrutscht zu sein. Aber wenn man sich unbedingt empören will, dann empört man sich eben.

      1. Einen CDU-geführten Stadtrat? Das ist Quatsch; denn es gibt keine CDU-geführte Mehrheit.

        Der neue Bürgermeister scheint sich nicht um die Begründung einer stabilen Ratsmehrheit zu kümmern. Er macht lieber “Wohlfühltermine” und liest Kindern vor. Das finde ich toll, aber ein bisschen Sacharbeit würde auch nicht schaden.

        CDU-geführt ist derzeit in Bergisch Gladbach (leider) gar nichts.

      2. „Quatsch“ – Oho, gleich so freundlich … aber egal, jeder, wie er mag.

        Jedenfalls haben wir einen Stadtrat, in dem die CDU-(FDP-)Fraktion so groß ist, dass einerseits gegen sie nur dann Entscheidungen zustande kommen können, wenn auch solche politische Kräfte zusammenarbeiten, die sich sonst gegenseitig nicht die Butter auf dem Brot gönnen, andererseits aber die CDU nur einer der drei nächstkleineren Fraktionen ein schmackhaftes Angebot machen muss, um eine solide Mehrheit aufzubauen.

        Der Bürgermeister ist auch nicht für die Begründung einer Ratsmehrheit zuständig.

    2. @Herr Erdtmann
      “Man möht och jünne künne” heißt doch eine rheinische, wohlwollende Redewendung.
      Aber ja, die meinen vermutlich immer nur sich selbst, wenn sie diesen Spruch raushauen.

  4. Zur Zeit wird der Bürger von allen Seiten nur noch geschröpft . Die Lebenshaltungskosten, Krankenkasse und vieles mehr. Klar das die Stadt auch noch seine Hand aufhalten muss , wenn kein Geld mehr da ist.
    Denke das bei so manchen Familien das Geld langsam knapp wird aber dafür die Schlangen bei der Tafel immer länger.

    1. Der Grundfreibetrag wird ab 01.01.2026 um 252 € auf 12.348 € angehoben. Der Kinderfreibetrag erhöht sich für jeden Elternteil von 3.336 € auf 3.414 € (insgesamt also 6.828 €, einschließlich des Betreuungsfreibetrags von 2.928 € dann in Summe 9.756 € jährlich).

      Hat damals die Ampelregierung auf den Weg gebracht. Bei einer vierköpfigen Familie sind das ca 700 Euro Ersparnis pro Jahr.

      Nicht alles ist so schlecht. Sich informieren ist echt wichtig!

    1. Die Erhöhung von Steuern und Abgaben findet niemand sexy, oder? Ich jedenfalls auch nicht. Wenn ich aber Ihren kurzen Kommentar lese, dann frage ich mich allen Ernstes, ob Sie den Artikel dazu überhaupt vollständig gelesen haben.

      Herr Kreutz führt in seiner Rede doch aus, wo überall Hand angelegt werden muss und das Geld der Bürger reinfließen wird. Die Situation der Schulen ist schon lange bekannt, wie die der Kinderbetreuung. Ebenso der Zustand zahlreicher Straßen. Und vieles weitere auch. Wie wohl die meisten Kommunen in Deutschland, ist aber auch Bergisch GL nicht auf der Seite der Städte mit einem Einnahmeüberschuss. Und es ist auch bekannt, dass die Kommunen immer mehr Lasten schultern, deren Grundlage auf Landes- oder Bundesebene beschlossen wird. Das Stichwort Konnexitätsprinzip wird schon seit langem heftig diskutiert.

      Was also machen, wenn die Kassen nicht so voll sein wollen, wie es die Ausgabenseite verlangt? Sparen und das Geld clever ausgeben….richtig! Wenn das aber nicht reicht, dann muss die Eingabenseite erhöht werden. Man könnte ja mal bei Art 106 (5) Grundgesetz nachschauen und sich dann die Frage stellen, wer von der Prominenz unserer Stadt sein Einkommen lieber da versteuert, wo es für ihn/sie günstiger ist.

      Am Ende kommt man aber relativ schnell auf die Gewerbesteuer und Grundsteuer. Letztere wird so ziemlich von allen Einwohnern bezahlt … ob als Grundstückseigner oder Mieter über die Jahresumlage.

      Aber vielleicht sollte die Stadt ja auch mal weitere Einnahmequellen erschließen. Die schöne neue Schloßstraße böte sich für das Ordnungsamt geradzu an, um tägliche Rekorde an Verwarnungsgeldern für Wild-West-Parker zu generieren. Wer weiß?

      1. Neben der systemischen und konsequenten Kontrolle von Falschparkern würde mir auch die schon zu Beginn der letzten Ratsperiode geplante und dann wieder einmal verworfene Erhöhung der Parkgebühren einfallen.

      2. Ich nehme an, Sie meinten „systematisch“, aber bei so manchen Falschparkern scheint tatsächlich eine systemische Behandlung angebracht.

      3. Ich hätte absolut nichts gegen eine Steuererhöhung, sogar über die genannten Prozentpunkte hinaus, wenn es bedeutet, dass die Stadt moderner, grüner und lebenswerter wird.

        Denn was haben wir denn? Die Straßen sind kaputt, die Verkehrssteuerung der Ampeln schon lange. Der Nahverkehr könnte besser sein, vor allem die S11 und die Verbindung nach Thielenbruch. Moderne Glasfaser ist in Bergisch Gladbach immer noch sehr ferne Zukunftsmusik. Die Fußgängerzone eine Betonfläche mit wenig Grün, die kaum zum Verweilen einlädt und verödet. Und die ehemalige Rheinberg-Passage immer noch ein Schandfleck in bester Visitenkarten-Lage, dabei können wir weitere Supermärkte in der Innenstadt gut gebrauchen.

        Dann hätte man als Bürger das Gefühl, für die höheren Steuern auch etwas zurückzubekommen.

        Wenn ich Kreutz aktuelle Bemühungen richtig verstehe, läuft es auf eine schwarze Haushalts-Null und dem reinen Flicken der allerdringendsten Probleme heraus. Unterm Strich bleibt’s also bei “schäbbisch Gläbbisch”.

      4. In seiner Rede führt der Bürgermeister genau aus, wohin unser Steuergeld fließen soll. In Kitas, Schulen, Infrastruktur und vieles mehr. Ein großer Brocken – die absolut notwendige Abwasser-Kanalsanierung – wird mit Millionen Beträgen noch dazu kommen.

        Klar, fast alle dieser Probleme sind lange bekannt und wurden über Jahre/Jahrzehnte immer wieder aufgeschoben. Das fällt uns jetzt auf die Füße.

        Die Anforderungen an Städte und Kommunen sind in den letzten Jahren immer weiter gestiegen, sowohl bei den Pflichtaufgaben als auch bei den freiwilligen Leistungen. Dabei haben Bund und Land manche Erleichterungen auf den Weg gebracht, z.B. Rechtsanspruch auf Kita- und OGS-Platz. Doch welche finanziellen Unterstützungen erfahren die Kommunen bei der Umsetzung dafür?

        Von den Milliarden Investitionen auf Bundesebene werden es für Bergisch Gladbach ca. 23 € pro Einwohner:in sein. Da lässt sich leicht ausrechnen, wie überschaubar die nötigen Investitionen abgefedert werden. Es geht nicht nach dem Prinzip: Wer die Musik bestellt, bezahlt sie auch. Die Kommunen werden oft im Regen stehen gelassen.

        Auch wir Bürger:innen drehen kräftig an der Schraube mit: Anforderungen/Ansprüche hoch – individuelle Belastungen runter. Jetzt kommt die moderate Erhöhung der Grund- und Gewerbesteuer, vielleicht auch noch die ein oder andere Steuererhöhung. Was soll die Stadt denn auch anderes machen?

        Es ist eine solidarische Aufgabe der Zivilgesellschaft, die anstehenden Aufgaben solidarisch zu schultern. Gewiß, hier geht es oft noch nicht sozial gerecht zu. Aber stets jammern und klagen, meckern und nörgeln hilft nicht einen Deut weiter. Konstruktive Vorschläge und kritisch-wohlwollende Begleitung sind angesagt. Welchen Stellenwert hat der Begriff “Gemeinwohl-orientiert” noch?

  5. Was ist der Grund für das plötzliche, große Defizit seit 2024? Da muss sich doch etwas Grundlegendes verändert haben.

    1. Auch in den Vorjahren war bereits mit hohen Defiziten geplant worden, dazu war es bis 2023 aus verschiedenen Gründen nicht gekommen. Unter anderem, weil die Stadt zu wenig Personal hatte, um ihre (geplanten) Stellen zu besetzen und Investitionsprojekte zu starten, zudem hatte das Land einige Buchungstricks geschaffen, um z.Bsp. Corona-Lasten in die Zukunft zu verschieben. Mehr dazu in diesem Beitrag:

      https://in-gl.de/2024/12/04/haushalt-2023-und-2024-weniger-schlecht-als-erwartet/

      1. Im letzten Absatz des Berichts aus 2018 ist es doch bereits geschrieben: “Dann kommt die Stunde der Wahrheit. Für Kämmerer Frank Stein, für die Stadt und vor allem für die Bürger. Bislang ging es nur um ein Kaninchen – doch dann steht der sprichwörtliche Gorilla im Raum, in Form einer Steuererhöhung.”

      2. Anno Nym, da steht nichts von “Taschenspielertrick”.
        Das sind Betrüger, die sich selbst zum Schaden anderer bereichern.

        Das Beispiel mit der Oma und den Enkelerben finde ich etwas unglücklich gewählt.
        Aber so kann es natürlich auch gehen, genau so, wie es ist zwischen Kapitalgesellschaften und Ausschüttungen an ihre Gesellschafter, also wenn der erwirtschaftete Gewinn nicht in die Firma investiert sondern durch die Gesellschafter verkonsumiert wird und danach wirklich einfach weg ist.

        Stellen Sie sich vor, mein Haus (Mietobjekt) braucht dringend ein neues Dach. Ich als Hauseigentümer habe jedoch zur Zeit nicht genügend Geld auf dem Konto.
        Bevor ich zur Bank rennen und mich um ein Darlehn bemühen würde, gucke ich doch erst einmal, ob ich ein Darlehn bei meiner Verwandtschaft, evtl. zu einem geringeren Zinssatz, aufnehmen kann, und zahle es peu à peu zurück. Das Geld wird innerhalb der Familie klug investiert.

        Aber ich lasse mich gerne belehren, wo sehen Sie den “Taschenspielertrick” der uns jetzt auf die Füße fällt?

      3. Hallo Ulla,
        der Unterschied liegt darin, dass die Rücklagen bisher aufgebraucht wurden (ohne daran zu denken, diese je wieder in die Gesellschaften zurückfließen zu lassen). Bisher konnte man also den Haushalt noch mit den Rücklagen irgendwie schönrechnen. Nun sind die Rücklagen aufgebraucht und der Haushalt muss nun ohne die bisherigen Gelder aufgestellt werden. Somit kommen nun die Steuer- und Gebührenerhöhungen.
        Um beim Beispiel der Oma zu bleiben: wenn ich das Vermögen meiner Oma für meinen Lebensstil aufgebraucht habe, hat am Ende die Oma kein Geld mehr und ich muss auch meinen Lebensstandart herunterfahren.

      4. Klar, es gibt, glaube ich, nichts was so schnell weg ist wie Geld.

        “Somit kommen nun die Steuer- und Gebührenerhöhungen” Die wären ansonsten bereits ab 2019 notwendig / fällig gewesen, glauben Sie hierüber wird sich irgendjemand ernsthaft beschweren?

        “ich muss auch meinen Lebensstandart herunterfahren”
        Ach, Sie/viele haben in der Vergangenheit so unverschämt viel konsumiert, da wird es doch etliches an Einsparpotential geben, bis Ihnen/uns die Luft ausgeht.
        Aber die Familien in B-GL, insbesondere die mit Kindern, mit nur einem Mini-Einkommen, die von dem meisten Luxus, den wir uns hier leisten, gar nichts haben/hatten und bereits auf dem Zahnfleisch gehen, die müsste m. E. die Stadt (und nicht nur Ehrenamtler) im Blick behalten.

      5. “Taschenspielertrick”? Eher nicht. Eher ein legales Instrument.
        Aber:
        Es verschaffte Ergebnisverbesserungen, aber keine Liquidität.
        Und deswegen ist die Verschuldung der Stadt in den Stein-Jahren extrem gestiegen. Das fällt der Stadt jetzt vor die Füße.

      6. Hallo Ulla, interessant, dass Sie etwas über mich und meinen Lebensstil wissen, obwohl Sie mich nicht kennen.

        Möglicherweise habe ich in der Vergangenheit äußerst sparsam gelebt und kaum konsumiert, evtl lebe ich auch in einer Familie mit Minieinkommen und habe mehrere Kinder. Und möchte/mochte nicht, dass die nachfolgende Generation (Kinder/Enkelkinder) die Zeche dafür zahlen, dass mit legalen Buchungstricks – für mich sind und waren es Taschenspielertricks – über die wirtschaftlichen Verhältnisse gelebt wird bzw wurde.

        Auch wenn es Ihnen nicht gefällt, dass es hier als Erklärung genannt wurde. Herr Frank Stein hat als Kämmerer genau das in Bergisch Gladbach eingeführt.

      7. Hallo Lisa Klein, “Es verschaffte Ergebnisverbesserungen, aber keine Liquidität.”

        Klar, auf eine wundersame Geldvermehrung auf unseren (bescheidenen) Konten warte ich auch noch vergeblich.
        Aber es war immerhin ein geschickter Schachzug, “massive Steuererhöhungen” ab 2019 (zulasten aller Einwohner/Betriebe in GL) zunächst abzuwenden zu können und (schlimmstenfalls) auf später zu vertagen.
        Oder wie hätte Ihre (sicherlich bessere) Lösung ausgesehen?