Kinderärztin Uta Römer. Foto: privat

Meningokokken-Erkrankungen sind selten – können aber innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich verlaufen. Die STIKO empfiehlt deshalb seit Ende 2025 eine neue Impfung für Jugendliche. Dr. med Uta Römer erklärt die Details.

Meningokokken sind Bakterien, die im Nasen-Rachen-Raum vieler Menschen vorkommen, ohne Krankheit zu verursachen. In seltenen Fällen können sie jedoch in Blutbahn oder Gehirnhäute eindringen und dann zu Hirnhautentzündung (Meningitis) und Blutvergiftung (Sepsis) führen.

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Invasive Meningokokken-Erkrankungen sind in Deutschland selten, verlaufen aber häufig schwer: Die Sterblichkeit liegt bei etwa zehn bis 15 Prozent; bei zehn bis 20 Prozent der Überlebenden bleiben schwere Langzeitfolgen wie Hörstörungen, neurologische Defizite oder Amputationen zurück.

Übertragen werden Meningokokken per Tröpfchen, also beim engen Kontakt, Husten, Niesen oder Küssen.

Es gibt verschiedene Untergruppen (Serogruppen) von Meningokokken, wobei in Deutschland vor allem B, C, W und Y relevant sind. In Deutschland macht Serogruppe B den größten Teil der Erkrankungen im ersten Lebensjahr aus, hier gibt es seit 2024 eine Standardimpfung im Säuglingsalter (MenB).

Für ältere Kinder und Jugendliche spielen A, C, W, Y eine wichtige Rolle. Gegen diese vier Gruppen schützt der MenACWY-Impfstoff.

Symbolbild: Römer/DALL-E

Was hat sich geändert?

Ende Oktober 2025 hat die STIKO ihre Empfehlungen zu Meningokokken grundlegend überarbeitet.

Neu:

  1. Neue Standardimpfung MenACWY für 12- bis 14-Jährige: Alle Kinder und Jugendlichen im Alter von zwölf bis 14 Jahren sollen eine Dosis MenACWY als Standardimpfung erhalten – unabhängig davon, ob sie früher bereits gegen Meningokokken C geimpft wurden.
    Nachholimpfungen werden bis zum 25. Geburtstag empfohlen, falls die Impfung im Alter von zwölf bis 14 Jahren verpasst wurde. Ziel ist es zum einen, das individuelle Erkrankungsrisiko im Jugendalter zu senken und gleichzeitig die Verbreitung der Erreger in der Bevölkerung (und damit zu den Kleinsten) zu reduzieren.
  2. Wegfall der C-Impfung mit 12 Monaten: Da die Fallzahlen für Meningokokken C bei Kleinkindern dank der hohen Impfquoten der letzten Jahrzehnte extrem niedrig sind, ist diese Einzelimpfung nicht mehr Teil des Standardprogramms.

Unverändert bleibt:

Säuglinge ab zwei Monaten sollen eine Standardimpfung gegen Meningokokken B erhalten (2–4–12-Monate-Schema mit drei Dosen, Nachholen bis zum fünften Geburtstag möglich).


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Warum der Wechsel auf ACWY?

Während Meningokokken C seltener geworden ist, beobachten wir einen Anstieg anderer Stämme wie Y und W. Die neue ACWY-Impfung schließt diese Lücke und bietet einen deutlich umfassenderen Schutz für die kommenden Lebensjahre.

Der Meningokokken-Check: Ein Überblick

Damit Sie den Überblick behalten, hier die aktuelle Empfehlung im Vergleich:

BakterientypWer sollte geimpft werden?Zeitpunkt
Meningokokken BAlle Säuglinge (Standard seit 2024)Ab 2 Monaten (3 Dosen)
Meningokokken ACWYNeu: Alle Jugendlichen (Standard)12 bis 14 Jahre (1 Dosis)
Meningokokken ACWYRisikogruppen/ ReisendeNach individueller Indikation (auf Anfrage)

Checkliste für das Jahr 2026

Was können Sie als Eltern jetzt tun?

  1. Impfpass prüfen: Schauen Sie nach, ob Ihr Kind im Jugendalter (ab 12 Jahren) bereits die neue ACWY-Impfung erhalten hat.
  2. Nachholtermine nutzen: Sollte Ihr Kind älter als 14 sein und die ACWY-Impfung noch nicht haben, kann diese bis zum 25. Geburtstag nachgeholt werden.
  3. Reiseplanung: Planen Sie einen Urlaub oder ein Auslandsjahr? In vielen Ländern (z.B. USA, Großbritannien oder bei Pilgerreisen) gelten andere Empfehlungen. Sprechen Sie uns rechtzeitig an.
  4. U-Untersuchungen: Verbinden Sie den Impfcheck mit der nächsten fälligen Vorsorge.

Wir freuen uns darauf, Sie und Ihre Kinder auch in diesem Jahr gesundheitlich zu begleiten!

Ihre Dr. Uta Römer und Praxisteam

Hier geht es zur Webseite meiner Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendmedizin in Refrath.


Haben Sie selbst eine Frage an unsere Expertinnen im Familienrat? Dann schreiben Sie uns bitte: redaktion@in-gl.de

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ist freie Reporterin des Bürgerportals. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg. Nach einem Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro glücklich zurück in Schildgen.

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