Kinderärztin Dr. med Uta Römer. Foto: privat

Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) ist mittlerweile auch in Deutschland heimisch. Das Insekt sieht harmlos aus, kann aber gefährliche Tropenviren wie Dengue, Chikungunya, Zika oder West-Nil-Virus übertragen. Dr. med Uta Römer erklärt, wie groß das Risiko aktuell ist, welche Symptome auf eine Infektion hindeuten und wie Eltern sich und ihr Kind schützen können – besonders nach Reisen innerhalb und außerhalb Europas.

Die Asiatische Tigermücke breitet sich rasant aus. Inzwischen ist sie in über 20 Ländern Europas nachgewiesen – darunter Italien, Frankreich, Spanien, Griechenland, Österreich und zunehmend auch Deutschland: Nachdem 2023 bereits stabile Populationen in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Berlin bestanden, gab es 2024 erste Nachweise auch in NRW, Rheinland-Pfalz und Brandenburg.

Begünstigt wird die Verbreitung der Mücke durch den Klimawandel (milde Winter und feuchte Sommer), den globalen Warenverkehr (z. B. Altreifen oder Pflanzen) sowie ihre Anpassungsfähigkeit an städtische Lebensräume.

Wie erkennt man die Tigermücke?

  • Kleiner als unsere heimischen Stechmücken
  • Deutliches schwarz-weißes Streifenmuster auf Beinen und Körper
  • Sticht auch tagsüber, besonders in Knie- und Fußnähe
  • Sticht auch mehrfach hintereinander
  • Fliegt leise, ohne das typische Summen

Welche Krankheiten kann sie übertragen?

Die Tigermücke kann über 20 Viren übertragen. Die für Europa wichtigsten sind:

KrankheitSymptome (bei Kindern & Erwachsenen)InkubationszeitRisiko in Europa / DE
Dengue-FieberFieber, Gliederschmerzen, Hautausschlag, Übelkeit, kann Blutungen auslösen4–10 TageIn Europa bereits lokal übertragen; in DE nur Reise-Rückkehrer
ChikungunyaSehr starke Gelenkschmerzen, Fieber, Ausschlag2–8 TageIn Südfrankreich & Italien lokal übertragen
Zika-VirusMeist mild; evtl. Fieber, Ausschlag, Bindehautentzündung3–14 TageSelten – v. a. Risiko in Schwangerschaft
West-Nil-VirusMeist symptomlos; evtl. Fieber, Kopfschmerzen, selten Meningitis2–6 TageIn Italien, Griechenland etabliert; in DE v. a. durch heimische Mücken (nicht Tigermücke)

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Wurde schon jemand in Deutschland angesteckt?

Nein – bisher (Stand: September 2025) gab es in Deutschland keine lokal durch Tigermücken übertragenen Fälle. Alle dokumentierten Erkrankungen in Deutschland wurden bei Reiserückkehrern festgestellt, vor allem aus Süd- und Südosteuropa, aber auch aus Asien und Afrika. Allerdings gab es in den letzten Jahren zunehmend lokale Ausbrüche in Frankreich, Italien und Spanien – teilweise nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt:

  • Frankreich: Mehrere Dengue- und Chikungunya-Ausbrüche in Südfrankreich
  • Italien: West-Nil-Virus jährlich in Norditalien, teils auch Chikungunya
  • Spanien, Griechenland, Kroatien: ebenfalls wiederkehrende Fälle

Diese Entwicklung bereitet Fachleuten Sorgen, denn mit steigender Tigermücken-Population in Deutschland und mehr Reiserückkehrern mit Viren im Blut wächst das Risiko für erste einheimische Übertragungen.

Wer ist besonders gefährdet?

Die Viruserkrankungen verlaufen bei den meisten Menschen mild bis moderat. Aber bestimmte Gruppen haben ein erhöhtes Risiko für schwerere Verläufe:

  • Kinder unter 5 Jahren (insbesondere bei Dengue, Zika)
  • Schwangere Frauen (v. a. Zika – Risiko für Fehlbildungen)
  • Ältere Menschen (v. a. West-Nil → Gefahr für Hirnentzündung)
  • Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder chronischen Erkrankungen

Wichtige Hinweise für Reiserückkehrer

Auch wer nicht in den Tropen, sondern in Italien, Spanien oder Südfrankreich Urlaub gemacht hat, sollte wachsam sein. Das sollten Sie beachten:

  • Symptome nach der Reise beobachten (Fieber, Ausschlag, Kopf-/Gelenkschmerzen)
  • Bei Verdacht: Arztbesuch und Hinweis auf Auslandsaufenthalt
  • Kein weiteres Mückenstich-Risiko eingehen (lange Kleidung, Mückenspray, Moskitonetz), um Übertragung zu vermeiden

Wichtig: Symptome können auch verzögert auftreten – in den ersten 2 Wochen nach der Reise sollte man besonders aufmerksam sein.

Wie kann ich mein Kind und mich schützen?

A. Zuhause – Tigermücken fernhalten

  • Kein stehendes Wasser: Blumentopfuntersetzer, Gießkannen, Regentonnen regelmäßig entleeren
  • Mückengitter an Fenstern und Türen
  • Mückennetze über Babybett / Kinderwagen
  • Lange, helle Kleidung, besonders morgens & abends
  • Repellents – speziell für Kinder geeignete auswählen

B. Auf Reisen – konsequenter Schutz

  • Auch tagsüber Schutzmaßnahmen ergreifen, da Tigermücken tagaktiv sind
  • In Risikogebieten: Moskitonetz auch tagsüber beim Mittagsschlaf
  • Hotelzimmer klimatisieren oder mit Ventilatoren kühlen (Mücken mögen keine Luftbewegung)
  • Aktuelle Reisewarnungen und Empfehlungen z. B. über das RKI oder Tropeninstitute prüfen
  • In der Schwangerschaft: Reiseziel besonders sorgfältig wählen (Zika!)

C. Impfung

  • Bei Aufenthalt in Deutschland → bisher keine Impfung empfohlen
  • Reisende nach Italien, Spanien etc. → Chikungunya-Impfung nur bei Ausbruch und Risikoprofil sinnvoll
  • Langzeitreisende in den Tropen → Individuelle Impfberatung (Dengue/Chikungunya)

Fazit – kleine Mücke, große Wirkung

Die Asiatische Tigermücke ist auf dem Vormarsch – auch in Deutschland. Zwar besteht aktuell keine akute Gefahr, doch mit steigender Verbreitung und globalem Reiseverkehr kann sich das ändern. Wer Brutstätten vermeidet, Mückenschutz nutzt und aufmerksam bleibt, kann sich und seine Familie gut schützen.

Kommen Sie gesund in den Herbst!

Ihre Dr. med. Uta Römer & Praxisteam

Weiterführende Informationen: Robert Koch-Institut, Deutsches Tropeninstitut, Umweltbundesamt, ECDC Mosquito Maps. Hier geht es zur Webseite meiner Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendmedizin in Refrath.


Haben Sie selbst eine Frage an unsere Expertinnen im Familienrat? Dann schreiben Sie uns bitte: redaktion@in-gl.de

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Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Sie hat eine Praxis in Refrath.

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