Der Städtepartnerschaft Ganey Tikva – Bergisch Gladbach e.V. lädt am Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust zu einer ungewöhnlichen Veranstaltung ein: Rolf Faymonville und Willy F. Bartz greifen Witze und Karikaturen auf, in denen sich Juden mit Antisemitismus befassen und setzen sie in ihren historischen Kontext.

Wir veröffentlichen einen Beitrag des Städtepartnerschaftsvereins Ganey Tikva – Bergisch Gladbach

In ihrer Geschichte erfuhren die jüdischen Gemeinden mehrfach Anfeindungen, die vielerorts in Pogromen endeten. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich aus einem Antijudaismus ein rassistischer Chauvinismus: der Antisemitismus. Er mündete in den Holocaust mit seiner Vernichtungsmaschinerie. Wie reagierten unsere Mitbürger mit jüdischem Glauben auf diesen Hass? 

Viele entwickelten einen besonderen Humor, um die immer aggressiveren Anfeindungen zu verarbeiten. Wer den jüdischen Humor aus Anschauungsbeispielen kennt, wundert sich oft: Wie können jüdische Menschen so über Anfeindung und Verfolgung lachen? 

Genau diesen Humor wird Rolf Faymonville, Schulleiter des Albertus-Magnus-Gymnasiums Bensberg und Diakon, gemeinsam mit Willy F. Bartz, dem Vorsitzenden des Städtepartnerschaftsvereins Ganey Tikva – Bergisch Gladbach e.V. beleuchten. Sie greifen Witze und Karikaturen auf, in denen sich Juden mit Antisemitismus befassen, setzen sie in ihren historischen Kontext und machen sie für die Gäste nachvollziehbar. 

Jüdischer Humor und seine Hintergründe im Antisemitismus

Dienstag, 27. Januar 2026, 19.30 Uhr
Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust 

Kirche zum Heilsbrunnen
Im Kleefeld 23, Bergisch Gladbach
Eintritt frei

Veranstalter: 

  • Städtepartnerschaft Ganey Tikva – Bergisch Gladbach e.V. 
  • Katholisches Bildungswerk Rheinisch-Bergischer-Kreis 

Mitwirkende: 

  • Rolf Faymonville, Schulleiter des Albertus-Magnus-Gymnasiums Bensberg und Diakon 
  • Willi F. Bartz, Vorsitzender des Städtepartnerschaft Ganey Tikva – Bergisch Gladbach e.V. 
  • Klezmer-Gruppe „Die Zitrönchen“ 
„#Antisemitismus für Anfänger: Eine Cartoon-Anthologie“, Ariella Verlag Berlin

Die Karikatur „Weltverschwörung“ stammt aus dem Buch „#Antisemitismus für Anfänger: Eine Cartoon-Anthologie“ aus dem Jahr 2018. Die jüdische Herausgeberin Myriam Halberstam, hat mehrere Künstlerinnen und Künstler – meist mit jüdischen Wurzeln bzw. Freunde der jüdischen Kultur – dazu angeregt, den Antisemitismus aus Sichtweise der Opfer darzustellen. Hier zeigt sich die Besonderheit des jüdischen Humors, indem Missstände und Vorurteile aufgegriffen werden. 

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  1. Ich wünsche den Besucherinnen und Besuchern der heutigen Veranstaltung des “Städtepartnerschaft Ganey Tikva – Bergisch Gladbach e.V.” einen humorvollen Abend.

  2. Am Holocaust-Gedenktag steht das würdige Erinnern an die Millionen ermordeter Jüdinnen und Juden sowie an alle Opfer des Nationalsozialismus im Mittelpunkt. Dieser Tag ist ein Moment des Innehaltens, der Trauer und der historischen Verantwortung. Aus diesem Grund halte ich es – auch als Historikerin – für unpassend, an diesem Datum eine Veranstaltung zu jüdischen Karikaturen im Kontext von Antisemitismus durchzuführen.

    Karikaturen sind ein Medium, das mit Ironie, Zuspitzung und Provokation arbeitet. Selbst wenn sie von jüdischen Künstlerinnen und Künstlern stammen und (wissenschaftlich) eingeordnet werden sollen, besteht das Risiko von Missverständnissen oder Fehlinterpretationen. Am Holocaust-Gedenktag kann dies als Tonverfehlung wahrgenommen werden. Das allein reicht für mich bereits, um diese Veranstaltung nicht am internationalen Gedenktag durchzuführen.
    Zudem birgt die Präsentation visueller Darstellungen antisemitischer Stereotype – auch in kritischer Absicht – die Gefahr, dass diese Bilder unbeabsichtigt reproduziert oder normalisiert werden.
    Gerade an einem Tag, der den Opfern gewidmet ist, sollte die Perspektive der Betroffenen im Zentrum stehen und nicht durch ästhetische oder satirische Formen überlagert werden.

    Das wäre aus meiner Sicht Grund genug, das avisierte Thema in einem anderen, angemessenen Rahmen zu behandeln – einem Raum für Diskussion, Kontextualisierung und kritische Auseinandersetzung.

    Der Holocaust-Gedenktag jedoch sollte frei bleiben von Formaten, die die Würde des Gedenkens beeinträchtigen könnten.

    Mein Vorschlag, lieber Willi lieber Herr Faymonville: Verlegt eure Veranstaltung einfach um eine Woche. Und lasst uns am 27.1.26, dem 81. Jahrestag zur Befreiung von Auschwitz, Zeit zum Erinnern und Gedenken, zum Mitfühlen und Trauern.

    1. Es wurden auch die anderen Kz’s befreit. Auch von den Alliierten denen dafür sehr wenig gedankt wurde. Mit 10 Jahren habe ich die Bilder im Fernsehen gesehen, die diese den Deutschen gezeigt haben. Sie mussten sie sich ansehen. Und gerade habe ich die “Erinnerungen an Ponary” gelesen. Tausendfach Morden, ganz informell. Bei allem Respekt vor Ihrem Wissen und Ihrer Profession. Wurden Hannah Arend, sogar von ihren Leuten, nicht die gleichen Vorwürfe gemacht, was die Außenwirkung ihres Buches , “das sogenannte Böse” angeht? Der aktuelle Antijudaismus fing an mit dem sich wehren gegen das Massaker vom 7 Oktober 2023. Die UN hats verschwiegen in der Resolution. Und der Satz, Israel war nicht Thema, ich habe nichts gegen Juden, aber…begleitet mich mein ganzes Leben, aus jeder Gesellschaftsschicht. Die Juden, Sinti und Roma und alle Ermordeten haben das Recht zu gedenken und einzuladen. Ohne Segen von Parteien und Interessengruppen. Wir Tuns hier auch und dieser Gedankenaustausch ist so wichtig wie erhellend und unterhaltsam. Einen Dank an das Redaktionsteam, ihn zuzulassen.

  3. Sehr interessant diese Aufregung. Ich möchte darauf hinweisen, dass auch Homosexuelle, lesbische Frauen, Kommunisten, Lberale und auch behinderte Menschen vernichtet wurden. Es ist aber ein jüdischer Gedenktag und nicht eine allgemeine Veranstaltung gegen den Holocaust.

    Shoah = Vernichtung bezeichnet übrigens das Tun, wie es beabsichtigt war. Juden haben das Recht wie alle anderen Bürger einen Gedenktag nach ihrem Willen zu gestalten.

    1. Bin mir nicht ganz sicher, worauf Sie hinauswollen. Aber es erscheint mir wichtig darauf hinzuweisen, dass der Antisemitismus im Deutschland der NS-Zeit eine andere Qualität hatte, als die Verfolgung der von Ihnen benannten anderen Opfergruppen. Das mindert keinesfalls deren Leid und die Auseinandersetzung mit diesen Verbrechen des NS hat bisher nur unzureichend stattgefunden. Daher unterstütze ich jede Forschung und jedes Gedenken in diese Richtung. Der Erlösungsglaube der zum Vernichtungswunsch und dessen Umsetzung geführt hat, ist aber tatsächlich einmalig und rechtfertig auch ein eigenes Gedenken.

      Holocaust und Shoa bezeichnen eben dieses Verbrechen am jüdischen Volk. Dennoch ist der 27.1. kein jüdischer Gedenktag, sondern ein vom Staat der Täter*innen in den 1990ern ins Leben gerufener Gedenktag an alle Opfer des Nationalsozialismus, der dann 2005 von den Vereinten Nationen als Internationaler Gedenktag übernommen wurde.

      Jüdische Gemeinde in Deutschland Gedenken unterschiedlich, manche am 27.1., manche an Jom haScho’a, manchen am 9.11.

    2. Nein, es ist kein jüdischer, sondern ein internationaler Gedenktag. Siehe Wikipedia: “Der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust (International Holocaust Remembrance Day) am 27. Januar wurde im Jahr 2005 von den Vereinten Nationen zum Gedenken an den Holocaust und den 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau eingeführt.”

      1. Danke für die Antwort, aber zu diesem Komplex möchte ich mich nicht äussern. Die mitunter durchschimmernde Auffassung, dass Juden diesen Gedenktag quasi “gekapert”hätten, teile ich nicht.

    3. @Tom52
      Homosexuelle Handlungen sind meines Wissens erst 1969 entkriminalisiert worden. Dafür kam man (auch 1933 – 1945), wenn man erwischt wurde, sowieso ins Gefängnis und später, tragischerweise, dann eben in die berüchtigten Arbeits- oder Konzentrationslager der Nazis.
      Diese Menschen sind aber nicht systematisch verfolgt worden.
      Sie wurden einfach, wie viele andere auch, Opfer von Denunziantentum, d. h. von Nachbarn, Kollegen u.a. die sie, aus welchen Gründen auch immer, angezeigt/angeschwärzt haben.
      Aus den Gefängnissen konnten sie anfangs, nach Verbüßung ihrer Strafe, auch noch freikommen.
      Aber nachdem man sie, später, auch in diese Konzentrationslager überführt hat, zusammengepfercht mit tausenden Anderen, wurden sie, wie alle anderen auch, teilweise schwerstens/willkürlich misshandelt, je nachdem, welcher Lagerkommandant oder untergeordnete Lageraufsicht dort das sagen hatte.
      Denen war man einfach schutzlos ausgeliefert.

      1. @Ulla, danke, aber in Deutschland also auch in der BRD wurde die Strafbarkeit der Homosexualität erst 1994 abgeschafft. Ab 1968 wurde sie in der DDR und später in der BRD auch. Es gab aber auch in der Nazizeit “normale” Gefängnisse, wo man sie hätte “unterbringen” können. Aber es traf auch sie das NS Diktum vom Untermenschen und damit unwertem Leben.

      2. Danke für diese Antwort. In Deutschland wurde die Strafbarkeit der Homosexualität 1994 abgeschafft.

      3. @Tom52
        1994, nach der Wiedervereinigung, wurde der Paragraf 175 lediglich aus dem deutschen Strafgesetzbuch gestrichen.
        Westdeutschland setzte die NS-Version von Paragraf 175,175a und 175b bis 1969 um.
        § 175 bezog sich, wie ich jetzt auch erst gelernt habe, nur auf sexuelle Handlungen zwischen Männern und nicht auf “lesbische Frauen”.
        Bis 1969 wurden Männer weiterhin nach der NS-Version des Paragrafen 175 kriminalisiert (verhaftet, verurteilt, erhielten Gefängnisstrafen oder Geldstrafen).
        “1969 fuhr Westdeutschland die Anwendung des Paragrafen allmählich zurück”
        https://encyclopedia.ushmm.org/content/de/article/paragraph-175-and-the-nazi-campaign-against-homosexuality

  4. Nein, ich werde diese Veranstaltung nicht besuchen. Der eine odere andere dort dargebotene Witz würde mich unweigerlich zum Lachen bringen – ich lache gerne über Witze. Das, im Zusammenhang mit diesem Erinnerungstag, würde aber meine Selbstachtung im Nachhinein stark beeinträchtigen, und das will ich nicht.

    Das Thema “Jüdischer Humor” ist sicher interessant. Ebenso sind es die verschiedenen Argumente, die in den unten stehenden Kommentaren zu Gunsten der Humor-Veranstaltung vorgebracht werden. Aber all das kommt gegen die Wucht der Erinnerung an den Holocaust nicht an. Der Versuch, sich mit einer solchen Veranstaltung und den zugehörigen Begründungen an diesem Tag zu entlasten, ist vergebens.

    Manche Ausführungen von W. Bartz und R. Faymonville fallen auch mir als zumindest seltsam auf: die falsche Verwendung des Begriffs “Arisierung”; die Charakterisierung des heutigen Antisemitismus als “latent” statt “offenkundig”; der Vergleich – trotz Beteuerung der Nichtvergleichbarkeit – des Holocaust mit der politischen Verfolgung in der DDR; dass der Beginn des Antisemitismus auf das 19. Jh. datiert wird, was mal eben satte 2000 Jahre davor vernachlässigt. – Ich bewundere die Geduld von D. Simons und U. Eschbach in der Diskussion.

    Nein, ich ziehe es vor, am nächsten Dienstagabend die zeitgleich stattfindende Veranstaltung “Verfemt, verbannt, vergessen” im Kreishaus zu besuchen. Den Schwerpunkt soll die Musik verschiedener jüdischer Komponisten und die Erinnerung an sie bilden. Ihre Musik wird sicher keine Entlastung, aber vielleicht ein wenig Trost bringen.

    1. Sehr geehrter Herr Galas, diese Veranstaltung im Kreishaus finde ich auch ganz vorzüglich geeignet, und habe im vergangenen Jahr an der vergleichbaren Veranstaltung “Kommponisten in Auschwitz” mit Roman Salyutov und seinen kongenialen Musikerinnen und Musikern auch Anteil gehabt. Ich wünsche dieser Veranstaltung daher von Herzen viele Teilnehmer, die sich wie Sie berühren lassen – und dass sie Trost finden.

  5. Bitte suchen Sie das Foto von Yehiel De-Nur (Autor: „Ka-Tzetnik 13563“), der nach seiner Zeugenaussage im Eichmann-Prozess 1961 im Gerichtssaal kollabierte.

    Dann verstehen Sie sofort, warum die Flucht der Unversehrten in den jüdischen Humor, ausgerechnet am Internationalen Holocaust Gedenktag, vor allem eines ist: eine intelligente Spielart der Feigheit vor dem Schmerz.

  6. Die Substanz der jeweiligen Beantwortungen von Willy F. Bartz lässt m.E. ein Festhalten an der Veranstaltung zu. De facto wird es ja eine durchaus ruhige und angemessene und dabei fast nicht bemerkbare Veranstaltung werden ohne Tamtam.
    Tamtam ergibt sich eigentlich immer erst aus sich erregenden Gegnern. Zu denen ich ausdrücklich NICHT die bisherigen Diskussionsteilnehmer zähle, denn auch diese haben ja auf hohem, kontrollierten Niveau Ihre Meinungen vertreten. Nun müssten diese aber auch akzeptieren, dass mensch durchaus anderer Ansicht bleiben kann und darf. Und bei diesen Voraussetzungen die Welt nicht untergehen wird.

  7. Hingehen und sich ein Urteil über die Veranstaltung bilden. Alles andere sind Vorurteile.

    1. Der Vorwurf der „Vorurteile“ verkennt das Thema. Kritisiert wird nicht der Inhalt, sondern der Zeitpunkt.
      Man muss kein Konzert besuchen, um zu wissen, dass es für eine Beerdigung unpassend wäre. Der Holocaust-Gedenktag ist ein Tag der Trauer, kein Testlauf für Diskursformate.

      1. Beerdigungen laufen nicht immer tieftraurig ab, wie Sie das scheinbar so meinen. Aber andere Meinungen gelten zulassen, ist in diesem Thema ja nicht möglich. War aber auch nicht anders zu erwarten hier.

      2. @Schildgen: Es geht nicht um Gefühle oder Meinungen, sondern um den öffentlichen Rahmen. Der 27. Januar ist ein Gedenk- und Trauertag. Formate mit Humor – unabhängig von ihrer Intention – sind an diesem Datum problematisch. Das zu benennen ist legitim.

      3. @Herr Eschbach “Formate mit Humor – unabhängig von ihrer Intention – sind an diesem Datum problematisch”
        Das empfinde ich auch so.
        Diejenigen, die diesen “Wahnsinn” überlebt haben und die schrecklichsten Dinge gesehen und erfahren haben sowie deren Nachkommen mögen/dürfen das so begehen (mit Witz), um das Erlebte/Traumata überhaupt verarbeiten zu können.
        Bei diesem Gedenktag darf das m.E. auch, aber nur am Rande, erwähnt werden, wie diese Menschen mit ihrem Traumata umgegangen sind/umgehen mussten um, sagen wir, schlimmstenfalls nicht nachträglich noch den Verstand zu verlieren. Aber mehr auch nicht.

        Und hiermit bitte ich, auch unbedingt auf das Schicksal der Sinti und Roma u.a. hinzuweisen, die das gleiche Schlimme erlebt haben und sich vom “Holocaust” nie wieder erholt haben.
        Denn der Antiziganismus nimmt auch wieder zu!
        (nicht wieder den Linken oder “den sog. Palis” in die Schuhe schieben)

      4. Sehr geehrter Herr Eschbach, ich verstehe Ihre Sorge um ein passende Art des Trauerns und Gedenkens und freue mich, dass es hier einige Menschen gibt, die diese Sorge ebenfalls äußern, weil sie damit Respekt und pietätvolle Erinnerung an die Opfer anmahnen und zeigen wollen. Die “Waffe der Wehrlosen” – so nennt man auch den Humor – und der hat nichts mit “Witzchen” zu tun.

        Allenfalls ist es “Witz”, der in “gewitzter” Weise Misstände aufdeckt und Mächtige oder Macht Missbrauchende “entmachtet. Es ist vom Ganey-Tikva-Verein und dem katholischen Bildungswerk keine karnevalistische oder kabarettistische Unterhaltung geplant.

        Die Veranstaltung ist gewiss auch kein “Testlauf für Diskursformate”, allenfalls eine trauer- und respektvolle Verneigung vor denen, die sich mit einem speziellen Humor den rassistischen Menschenverächtern entgegenstellten, sich selbst ermutigten angesichts der Verfolgung, und die den Tod wegen des selbstherrlichen Hasses von Machthabern erleiden mussten.

        Und bei diesen “Witzen” bleibt einem oft “das Lachen im Halse stecken”, weil sie deutlich machen, mit welch geistiger und seelischer Kraft dieser Humor trotz der brutalen Verfolgung gelebt wurde und wird. Ja, nicht jeder konnte das und manchem ist es auch unerträglich.

        Der Holocaust ist mit nichts vergleichbar, doch durch alle Zeiten haben Menschen sich der “teuflischen” Machthaber auch mit Humor erwehrt – gerade die Menschen jüdischen Glaubens, aber auch Menschen, die unter dem “sozialistischen Unrechtsregime” in der DDR litten und auch in anderen Ländern der Welt unter Diktatur und Verfolgung litten und leiden.

        Wir sind daher bei dieser Veranstaltung gegen das Vergessen, für die Ermutigung und Selbstermächtigung, denn Angst und auferlegte Tabus sowie die Verbreitung von Unsicherheit und Terror sollen Unrechtsregime stärken. Humor IST eine Waffe der Wehrlosen.

        Vielleicht können wir an dem Abend nach den Vorträgen ja miteinander ins Gespräch kommen… Herzliche Grüße

  8. Der 27. Januar ist kein beliebiger Veranstaltungstag, sondern ein international anerkannter Trauer- und Gedenktag für die Opfer der Shoah. Er dient dem stillen Erinnern an die Ermordeten, dem Bewusstsein für das unermessliche Leid und der Würdigung der Toten. Dieser Tag verlangt Zurückhaltung, Pietät und eine klare Konzentration auf das Gedenken.

    So berechtigt und interessant die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit jüdischem Humor als Überlebens- und Widerstandsform auch sein mag – sie ist an diesem Datum deplatziert. Humor, Karikaturen und Witze, selbst wenn sie aus der Perspektive der Opfer stammen, verschieben den Fokus weg von Trauer und Erinnerung hin zu einer intellektuellen Betrachtung, die dem Anlass nicht gerecht wird.

    Erinnerungskultur lebt auch von der Wahl des richtigen Rahmens. Eine solche Veranstaltung an einem anderen Tag hätte Raum für Diskussion, Einordnung und Reflexion geboten. Am 27. Januar hingegen wirkt sie taktlos und verletzt das berechtigte Empfinden vieler Menschen, für die dieser Tag der Stille, des Gedenkens und des Respekts vor den Ermordeten ist.

    Gerade weil Antisemitismus bis heute eine reale Bedrohung darstellt, sollte der Holocaust-Gedenktag nicht durch Formate relativiert werden, die – ob beabsichtigt oder nicht – Distanz schaffen, wo Demut angebracht wäre.
    Der Stadt Bergisch Gladbach stünde es gut zu Gesicht, der bereits bestehenden Reihe von “Verhaltensauffälligkeiten” im Umgang mit Antisemitismus und der jüdischen Bevölkerung nicht noch eine weitere hinzuzufügen.

      1. „Hingehen oder nicht“ greift zu kurz. Öffentliche Institutionen setzen durch ihr Handeln Maßstäbe – auch für das, was als angemessen gilt.

  9. Ich unterstelle jetzt – allerdings mit einiger Mühe -einfach einmal die besten Absichten, wenn ein Städtepartnerschaftsverein am internationalen Holocaustgedenktag jüdischen Humor thematisiert.

    Nichtjuden delektieren sich am jüdischen Witz. Das muss man auch erstmal hinbekommen.

    Takt, Fingerspitzengefühl und Wertschätzung stelle ich mir anders vor.

    Bergisch Gladbach war schon oft genug mit einschlägigen Schlagzeilen in der Zeitung.

    Bitte sagen Sie den Termin ab.

    1. Warum absagen? Wir leben in einem freien Land. Wenn Ihnen dieses Angebot nicht gefällt gehen Sie doch einfach nicht hin.

      1. Vielen Dank für den Hinweis, Frau Barthold. Die Möglichkeit, einfach nicht dahinzugehen, habe ich auch schon erwogen.

        Mir geht es nur darum, den Namen unserer Stadt nicht wieder in solchen Kontexten in der Zeitung zu lesen.

  10. Sehr geehrter Herr Bartz, gibt es auch eine Gedenkfeier für die durch die Nazis ermordeten Sinti und Roma? Falls nicht, könnte man nicht auch dieser Menschen gedenken am “Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust”?
    Die haben zwar kein eigenes Land bzw. Stadt, mit der man eine Städtepartnerschaft gründen könnte, aber die wurden ebenfalls durch die Nationalsozialisten systematisch verfolgt, entrechtet, ihrer Lebensgrundlagen und ihres Eigentums beraubt, in Lager gesperrt und brutal ermordet.

    https://gegen-antiziganismus.de/bildungsangebote/hinterfragen/wie-war-die-situation-fu%CC%88r-sinti-und-roma-nach-kriegsende/
    https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/523633/europaeischer-holocaust-gedenktag-fuer-sinti-und-roma/

    1. Öffnet man den von Ihnen angegebenen zweiten Link, so steht bereits im ersten Absatz folgendes: “Der 2. August wurde im Jahr 2015 vom Europaparlament als offizieller Gedenktag für den nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma benannt. An jenem Tag im Jahr 1944 wurden die letzten noch im Konzentrationslager Auschwitz gefangen gehaltenen Sinti und Roma ermordet.” Ihre Frage ist daher wohl rein rhetorischer Natur? Für einen Gedenktag benötigt man also keine Städtepartnerschaft.

      1. @Simons D.
        Ich befürchte lediglich, dass das Gedenken und die Erinnerung an die systematische, schreckliche Entrechtung, Verfolgung und Ermordung dieser Bevölkerungsgruppen (Sinti, Roma und andere Minderheiten), die auch mit verheerenden Folgen für die wenigen Überlebenden verbunden war und immer noch ist, droht einzuschlafen.
        Man könnte doch, an einem solchen Gedenktag, zumindest mit einigen Worten, gleichzeitig auch an das diesen Menschen zugefügte Leid, die zudem keinen (halbwegs) sicheren Rückzugsort haben, erinnern (falls das nicht bereits geplant gewesen sein sollte).

  11. Sehr geehrte Damen und Herren, wie Sie bereits mitbekommen haben, wird der offizielle Städtepartnerschaftsverein Ganey Tikva – Bergisch Gladbach e.V. am 27. Januar 2026 – dem von der UN initialisierten Holocaust-Gedenktag – eine eher ungewöhnliche Veranstaltung durchführen. Das diesjährige Thema lautet “Jüdischer Humor in Zeiten des Antisemitismus”.

    Hier ist es wichtig, dass es sich um jüdischen Humor handelt, also um den Humor der Opfer. Mel Brooks sagte vor mehr als fünf Jahrzehnten, dass Humor und Lachen intellektueller Widerstand ist. Wir haben uns jüdische Witze und Karikaturen ausgesucht, die zu jener Zeit dazu gedacht waren, dass die Menschen, die dem Antisemitismus und der Shoah ausgesetzt waren, eine Hoffnung gaben.

    Auch heute noch bedroht der latente Antisemitismus in unserer Gesellschaft die jüdische Kultur und das jüdische Leben und ein Teil der Karikaturen, die von Künstlerinnen und Künstler mit jüdischen Wurzeln entwickeln wurden, versuchen mit ihren Werken deutlich zu machen, was Aleida Assmann, Avraham Barkai, Chaya Ostrower und Hannah Arendt in ihren Werken deutlich machen: Wir stellen uns dem Bösen entgegen und entmachten es über uns.

    Die Karikaturen und Witzen gehen nicht gegen die Opfer; sie spiegeln den Tätern ihre Unmenschlichkeit in einer Art dar, die sie zu das macht, was Hannah Arendt in ihrem Werk “Banalität des Bösen” darlegt: Erschreckend ist nicht die Tiefe, sondern die Oberflächlichkeit des Bösen.

    Was ich als Vorsitzender aber auch deutlich machen möchte, ist, dass wir solch eine Veranstaltung sicherlich nicht am 27. Nissan durchgeführt hätten, der dieses Jahr auf den 13. und 14. April fallen wird. Denn am 27. Nissan findet in Israel Jom HaSchoa statt und an diesem Tag gedenkt Israel den Opfer der Shoah und verbindet dieses Gedenken mit dem mutigen und tapferen Aufstand der jüdischen Bevölkerung im Warschauer Ghetto. Und an diesem Tag wird der Städtepartnerschaftsverein Ganey Tikva – Bergisch Gladbach e.V. in Stille an die Opfer der Shoah gedenken und dafür hoffen und auch beten, dass sich solch ein zivilisatorischer Bruch niemals wiederholen wird.

    Mit freundlichen Grüßen
    Ihr Willy F. Bartz
    Vorsitzender des Städtepartnerschaftsverein Ganey Tikva – Bergisch Gladbach e.V.

  12. Ehrlich? Ich bin ob einer solchen Geschmacklosigkeit sprachlos. Grundsätzlich finde ich das Thema gar nicht uninteressant, wobei ein jüdischer Referent sicher kompetenter wäre, das Thema zu analysieren. Aber am Holocaust Gedenktag? Ist das wirklich Ihr Ernst? Oder eher ein verirrter Witz? Wo Sie doch meinen, dass wir alle Menschen und wir alle Juden sind, kann ich Ihnen versichern, dass sich wohl kaum ein Jude an diesem Tag mit einem derartigen Thema beschäftigen würde. Am 27. Januar, dem Tag an dem das Konzentrationslager Ausschwitz-Birkenau befreit wurde, gedenkt man der Opfer des Holocaust und spricht das Gedenkgebet El Male Rachamim und das Totengebet (Kaddisch). Es ist ein Tag der Trauer. Statt sich mit jüdischem Humor an einem solchen Tag zu beschäftigen, empfehle ich Ihnen die IRemember Wall von Yad Vashem.

    1. Sehr geehrte/r Frau/Herr Simons,

      wie bereits geschrieben, geht es bei der diesjährigen Veranstaltung darum, dass wir den Tätern die Macht entreißen. Dr. Chaya Ostrower hat in ihrem Werk “Es hielt uns am Leben – Humor im Holocaust” viele Berichte von Überlebenden von Auschwitz, Bergenbelsen, Ravensbrück und und hinterlegt, die den Tenor haben: intellektueller Humor rettete uns.
      In Sachsenhausen finden sie in der Küche Karikaturen, in denen die Überlebenden und Opfer den Alltag den Schrecken nahmen. In Ravensbrück haben die Insassinnen frivole Witze erzählt usw.
      Mit allen diesen Aktionen taten sie etwas, was auch in der Erinnerungskultur wichtig ist: die Opfer nicht zu vergessen, sie als Menschen in Erinnerung zu behalten und dafür zu Sorgen, dass es niemals in Vergessenheit gerät.
      Mit freundlichen Grüßen
      Ihr Willy F. Bartz
      Vorsitzender des Städtepartnerschaftsverein Ganey Tikva – Bergisch Gladbach e.V.

      1. Und wie bereits geschrieben, ist dieses Thema durchaus interessant, es passt nur nicht zu diesem Trauertag, in welchem es um das Gedenken um Millionen Tote und ihre industrielle Ermordung geht. Aus meiner Sicht ist ihre Veranstaltung taktlos, empathielos und deplatziert.

      2. Ich finde, dass das Thema durchaus sehr gut zum Jahrestag der Befreiung des Lagers passt. Trauer und Gedenken sind angesichts der zahllosen Toten wichtig, notwendig und angemessen. Aber dabei sollte es nicht bleiben.

        Gerade die Befreiung war und ist ein Signal, aktiv nach vorne zu blicken, in Akten der Selbstermächtigung das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen und nicht zuletzt selbstbewusst und souverän einen Platz im öffentlichen Diskurs einzunehmen. Das geschieht eben unter anderem auch dadurch, dass mit den Mitteln von Humor und Satire den Tätern und ihren heutigen Sympathisanten oder gedankenlosen Nachahmern passende Ort im ethischen Gefüge gesellschaftlicher Strömungen zugewiesen wird.

  13. Soll diese am Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz völlig deplatzierte Veranstaltung den nichtjüdischen deutschen Gästen Erleichterung verschaffen?

    1. Sehr geehrter Herr Rottmann,
      die von uns organisierte Veranstaltung soll mitnichten Erleichterung verschaffen, sondern Sie soll eine Form der Erinnerungskultur darstellen, wie Sie Aleida Assmann in Ihrem Werk “Das neue Unbehagen an der Erinnerungskultur” als eine Alternative anbot.

      Die Shoah, der davor stattgefundene Boykott und die “Arisierung” der deutschen und europäischen Juden, ist eine kulturelle Marke im israelischen und deutschen Volk.
      Mit dieser Veranstaltung wollen wir nicht die Täter freisprechen, wir werfen einen Blick in das Gemüt der Opfer und deswegen haben wir uns dazu entschieden, den jüdischen Humor in Form von Witzen und Karikaturen aufzugreifen, die den Antisemitismus und seine Folgen auf eine der höchsten Taxonomiestufen der Beurteilung konfrontiert.

      Mit freundlichen Grüßen
      Willy F. Bartz
      Vorsitzender des Städtepartnerschaftsverein Ganey Tikva – Bergisch Gladbach e.V.

      1. Sehr geehrter Herr Bartz,

        Ihre Worte machen mich fassungslos. Es wurden doch nicht die Juden “arisiert”! Die Juden hat man ermordet! Ihr rechtmäßiges Eigentum wurde “arisiert”, genau gesagt: der NS-Staat und nichtjüdische Mitbürger haben es sich einverleibt. Wieso machen Sie sich den für dieses Verbrechen aus Habgier und den anschließenden Massenmord völlig unangemessenen Begriff “Kulturelle Marke” zu eigen? Das ist keine Marke! Es ist ein entsetzliches Unrecht und Leid, das bis heute in den Überlebenden, den betroffenen Familien und auch in nicht unmittelbar betroffenen Jüdinnen und Juden nachwirkt.

        Und wieso “im israelischen und deutschen Volk”? In Israel leben auch Nichtjuden und deutsche Juden sind Teil des “deutschen Volkes”.

        Soll über die “kulturelle Marke” eine die Schuld nivellierende Gemeinschaft von Tätern und Opfern suggeriert werden im Sinne Ihrer Worte vom 9.11.2024 “wir alle sind jüdisch”?

      2. Sehr geehrter Herr Rottmann, Sie verdrehen hier meine Worte – entweder mit Absicht oder mit Unwissenheit.

        Unter dem Begriff “Arsierung” wird nicht nur die Enteignung von Eigentum jüdischer Deutsche bzw. Europärer verstanden, sondern auch die Deportation und die Shoah; hierzu empfehle ich Ihnen die Werke von Avraham Barkai und auch Hannah Arendt.

        Unter dem Begriffe “kulturelle Marke” wird auch nichts Ökonomisches verstanden, sondern ein soziokultureller Zeitpunkt, der einen zivilisatorischen Bruch (Gerd Krumeich/Jörn Leonard) bezeichnet – er ist zwar ein alter Begriff der Geschichtswissenschaft, aber er kann angewendet werden.

        Mit freundlichen Grüßen
        Ihr Willy F. Bartz
        Vorsitzender des Städtepartnerschaftsverein Ganey Tikva – Bergisch Gladbach e.V.

      3. Lieber Willy F. Bartz,

        nein, die Deportation und Vernichtung wird gemeinhin nicht unter dem Begriff Arisierung mit anderen Verfolgungshandlungen zusammengefasst. Bei Arendt bin ich mir sehr sicher, dass sie den Begriff nicht (zumindest nicht zentral in ihrem Werk) so verwendet. Avraham Barkai kenne ich nicht gut genug – aber wenn er das so verwenden sollte, wäre das eine randständige Position.

        Die Verwendung des Begriffs für die Vernichtung von Millionen Menschen ist m.E. hoch problematisch. In Auschwitz, Treblinka und den vielen anderen Mordstätten des NS wurde niemand “arisiert”, die Menschen sind ermordet worden.

      4. Sehr geehrter Herr Bartz, noch eine kleinen Anmerkung: “Unter dem Begriff ‚Arisierung‘, einem ursprünglich durch völkische bzw. nationalsozialistische Kreise geprägten Schlagwort, wird im allgemeinen der gesamte Prozess der materiellen Enteignung der Juden*Jüdinnen zur Zeit des Nationalsozialismus zugunsten nichtjüdischer (‚arischer‘) Profiteur*innen verstanden. In der Forschung wird der Begriff darüber hinaus, jedoch nicht einheitlich, auch auf die gesamte Verdrängung der Juden*Jüdinnen aus dem Wirtschaftsleben angewandt” (Peter Longerich: Arisierung (publiziert am 16.01.2025), in: nsdoku.lexikon, hrsg. vom NS-Dokumentationszentrum München, URL: https://www.nsdoku.de/lexikon/artikel/arisierung-35).
        Unter dem Begriff “Arisierung” versteht man also, anders als Sie schreiben, mitnichten Deportation und Shoah. Das ist schlichtweg falsch. In allen mir zugänglichen Quellen hat die Arisierung das Ziel, Juden aus der Gesellschaft systematisch zu verdrängen, sich an ihrem Eigentum zu bereichern und die wirtschaftliche Existenz jüdischer Menschen zu vernichten.
        Dies als kleine Randanmerkung…

  14. Soll das ein Witz sein??

    Wie kann man an dem Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz nur eine derartige Veranstaltung durchführen? Ich empfinde dies als äußerst geschmacklos, denn die massenhafte und systematische Ermordung von 6 Mio. Juden in Europa war alles andere als witzig! Gewiss sind viele meiner jüdischen Freunde sehr humorvoll, aber eine derartige Veranstaltung an einem der anderen 364 Tage im Jahr wäre deutlich angebrachter!

      1. Alles hat seine Zeit, wie es im Kohelet steht! Es gibt einfach Jahrestage und Anlässe, da ist es fürs Witze machen keine Zeit! Ich glaube kaum, dass Sie Freude daran haben, wenn ich bei einer Beerdigung einer Ihnen nahestehenden Person einen Sketch aufführe! Das hat was mit Pietät zu tun!

    1. Sehr geehrter Herr Wolf,

      wir haben definitiv nicht vor uns über die Opfer der Shoah lustig zu machen oder die Shoah an sich als witzig zu empfinden. Es geht beim Erinnern darum, dass man an die Opfer gedenkt – in diesem Fall werfen wir einen Blick darauf, wie die damaligen Opfer versucht haben für sich ihre Situation zu erfassen.

      Avraham Barkai schrieb in seinem Werk “Vom Boykott zur *Entjudung*”, dass der Weg zur Shoah, zuerst über Boykottaktionen hin zur “Arisierung” eine kulturelle Marke ist, der auch in vielen Aspekten verarbeitet wurde.
      So gibt es viele Klezmerlieder, die mit Selbstironie die Shoah und die Gefangenschaft in den Konzentrationslagern thematisieren.

      Der jüdische Humor zeigt uns beim Thema Antisemitismus einen tiefen Blick in das Bewusstsein jüdisch-gläubiger Menschen und vor allem Witze und Karikaturen machen deutlich, dass die Opfer damals wie heute versuchen, diese Idiotie des Antisemitismus aufzugreifen.

      Als letzte möchte ich Mel Brooks zitieren, der in den 1960er Jahren nach der Premiere von The Producers sagte: “I’m the only Jew who ever made a buck off Hitler.” – was er damit meinte, ist schnell erklärt: jüdischer Humor in Form von Witzen und Karikaturen ist ein Akt der Entmachtung.

      Mit freundlichen Grüßen
      Ihr Willy F. Bartz
      Vorsitzender des Städtepartnerschaftsverband Ganey Tikva – Bergisch Gladbach e.V.