Bürgermeister Marcel Kreutz im Gespräch mit Georg Watzlawek. Fotos: Redaktion

Schlaglöcher, Müllsünder und Wildpinkler waren einige der Themen, über die Gäste im BürgerClub mit Bürgermeister Marcel Kreutz diskutierten. Der gab sich ansprechbar und verständnisvoll für deren Sorgen, warb für die umgestaltete Schlossstraße und mehr Eigeninitiative in Sachen Sauberkeit und Ordnung.

Zuletzt war Marcel Kreutz als Wahlkämpfer im BürgerClub des Bürgerportals zu Gast. Nun kehrt er als Bürgermeister von Bergisch Gladbach zurück – nach genau 116 Tagen im Amt, wie Moderator Georg Watzlawek zu Beginn des 90-minütigen Gesprächs feststellt. 

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Bis auf seine Rolle scheint sich auf den ersten Blick nicht viel geändert zu haben: Wie bei früheren Besuchen kommt Kreutz gut gelaunt und mit breitem Grinsen in die Redaktionsräume, schüttelt allen Anwesenden die Hand, beginnt zu plaudern. Das Interesse an der Veranstaltung war schon im Vorfeld groß, der BürgerClub schnell ausgebucht. 

Die größten Überraschungen

Auf die Frage, was ihn nach seinem Amtsantritt am meisten positiv überrascht habe, antwortet Kreutz ohne zu überlegen: „Ganz klar mein Team im Rathaus!“ Er schwärmt vom Zusammenhalt, der Kollegialität und der Expertise der Menschen in der Verwaltung. „Wenn ich eins habe, dann Vertrauen in meine Leute“, wird er später sagen.

Als größte negative Überraschung nennt der Bürgermeister das Thema Verkehr und den Zustand der Straßen. „Es sind in den letzten Wochen noch mehr Schlaglöcher hinzugekommen.“ Allerdings betreffe das nicht nur Bergisch Gladbach.

Die Entwicklung des Zanders-Geländes und der Schulbau sind laut Kreutz Themen, die er zur Chefsache erklärt, bei denen er ganz nah eingebunden sei und sich sehr aktiv einbringe.

Sachorientierte Politik 

Aussagen über die künftige Arbeit im Stadtrat, zu Mehrheiten, möglichen Kooperationen und Koalitionen macht der 38-Jährige keine. Über die Gespräche, die dazu stattfinden, könne er öffentlich nicht sprechen – auch wenn er ansonsten immer „alles transparent und ehrlich“ mache, etwa in Sachen Steuererhöhungen und Haushalt. 

Auch wenn Kreutz das Interesse an einem parteipolitischen Bekenntnis verstehe: „Mein Fokus liegt auf Ergebnissen“, insbesondere bei seinem „Top-Thema“ Schulbau, das für ihn noch vor dem Verkehr rangiere. Kommunalpolitik sehe er in seiner Rolle als Bürgermeister noch stärker als früher an der Sache statt an Parteien orientiert an. „So kommt man am besten voran.“

Schwindendes Vertrauen in die Verwaltung

Angesichts von tiefen Schlaglöchern, vermüllten Altglas- und Altkleidercontainern schwindet laut Moderator das Vertrauen der Menschen in die Stadtverwaltung und die Kommunalpolitik. Wenn solch profane Dinge nicht funktionieren, entstehe – überspitzt gesagt – das Empfinden „Bergisch Gladbach geht den Bach herunter.“

„Ich nehme solche Aussagen und Rückmeldungen von Bürger:innen sehr ernst“, sagt Kreutz. Vieles davon sehe er auch. Doch er bekomme auch anderes Feedback – etwa dazu, wie gut Zanders als Ausweichquartier für Karnevalsveranstaltungen funktioniert habe oder dass der erste Bauabschnitt der Laurentiusstraße rechtzeitig für den Zug fertig geworden sei. 

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Ausnahmezustand am Rathaus

Es sieht aus wie eine Bannmeile rund um das Rathaus, es sind jedoch nur die Absperrungen für den Umbau der Laurentiusstraße: Seit diesem Montag ist der innerstädtische Schleichweg gesperrt, das Parkhaus am Marien-Krankenhaus nur über einen langen Umweg zu erreichen.

In Sachen Vermüllung rund um die Container rügt der Bürgermeister das „Verhalten mancher Mitmenschen“ als „inakzeptabel“. Um zu zeigen, dass die Stadt das Problem angeht, sollen künftig an neuralgischen Stellen Videokameras eingesetzt werden, „auch wenn ich persönlich kein großer Freund von Videoüberwachung bin“.

Für mehr Personal bei der Straßenreinigung, das macht Kreutz deutlich, habe die Stadt einfach kein Geld.

Kampf gegen Schlaglöcher

Was das Thema Schlaglöcher angeht, werde künftig neben den zwei Möglichkeiten – eine Straße komplett zu sanieren (teuer und langwierig) oder Schlaglöcher mit Kaltasphalt aufzufüllen (nur von kurzer Dauer) – eine dritte hinzukommen, bei der stellenweise die Asphaltdecke abgefräst und ersetzt werde. „Ich verspreche Ihnen, Sie werden es merken, zuerst an den Hauptverkehrsstraßen“, so Kreutz.

Schlaglöcher und der Zustand der Straßen führt zu dem Thema hin, das die Menschen am meisten beschäftigt: Verkehr. Es landete (wie auch schon bei der WahlAgenda) mit Abstand auf Platz eins des Themen-Rankings, das die Gäste des BürgerClubs eingangs gewichten konnten, gefolgt von Bauprojekten und Sauberkeit. 

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Verkehr und mehr: Bergisch Gladbachs WahlAgenda

Nicht die Parteien geben die Themen in diesem Wahlkampf vor, sondern die Wählerinnen und Wähler selbst: In der Umfrage „Deine Stimme, Deine Themen“ hatten wir gefragt, welche Themen Ihnen bei der Kommunalwahl am 14. September besonders wichtig sind und auf welche Fragen sie Antworten von der lokalen Politik verlangen. Daraus ergibt sich diese WahlAgenda für Bergisch Gladbach.

Mehrere Anwohner:innen aus Schildgen äußern ihren Unmut mit Blick auf die Baumaßnahme der Altenberger-Dom-Straße und deren Auswirkungen, etwa vom hohen Verkehrsaufkommen auf den Umleitungsstraßen. Mögliche weitere Maßnahmen für den Nittumer Weg würden ergriffen, wenn Ergebnisse der kürzlich gestarteten Verkehrszählung vorliegen.

Der Bürgermeister kündigt eine deutliche Beschleunigung an, so dass der Bauabschnitt zwischen Leverkusener und Schlebuscher Straße voraussichtlich schon im Sommer und nicht erst im Herbst fertig werde.

Die Sache mit dem zweiten S11-Gleis

Auch das Thema S11 und das geplante zweite Gleis beschäftigt die Gäste. Zum genauen Zeitplan dürfe Kreutz nichts sagen. Er verspricht aber: „Das zweite Gleis wird hundertprozentig kommen.“ In Sachen Ersatzverkehr werde die Stadt vor den anstehenden Sperrungen alles tun, um eine praktikable Lösung zu ermöglichen. 

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Sperrung der S 11: So läuft der Ersatzverkehr

Zehn Tage lang fährt zwischen Bergisch Gladbach und Köln-Mülheim keine S-Bahn. Das ist allerdings nur eine Belastungsprobe für das, was in den kommenden Jahren auf Pendler:innen zukommt. Wir haben uns am Bahnhof umgehört und getestet, wie der Schienenersatzverkehr mit dem Bus funktioniert.

Der Bürgermeister betont in dem Zusammenhang seine Kontakte zu den Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB), zur Deutschen Bahn und zum Kreis. Vorschläge für die Verdichtung des Schnellbusses SB40 und einer Erweiterung der Linie 18 nach Thielenbruch nehme er mit. 

Wildes Parken auf der Schlossstraße

Kritik an der chaotischen Parksituation und der unklaren Beschilderung auf der umgebauten Schlossstraße in Bensberg entgegnet Kreutz: „Gegen das wilde Parken werden wir vorgehen, die Schilder nachjustieren.“ 

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Die Schlossstraße ist wieder offen

Der grundlegende Umbau der Bensberger Einkaufsstraße ist weitgehend abgeschlossen – seit Donnerstag können Autos die Schlossstraße wieder ganz durchqueren, auch vom Stockbrunnen aus ist die Zufahrt möglich. Jetzt gilt es nur noch, den ruhenden Verkehr zu regeln.

Auch wenn die lange Phase der Umbaumaßnahmen nicht einfach gewesen seien, möchte er nun den Fokus darauf legen, „dass es eine wirklich schöne Straße geworden ist“. Kreutz lobt das verlegte Pflaster und das gesamte Ambiente. Sein Appell an die Bürger:innen lautet: „Habt eine schöne Zeit hier, geht einkaufen, haltet euch hier auf.“

Unrat und Wildpinkler

Im weiteren Verlauf des Abends geht es in Sachen Stadtentwicklung um Bauprojekte wie Zanders, die Stadthäuser und einen Masterplan für die Innenstadt. Kreutz sichert in dem Zusammenhang Beteiligungsformate für die Bürger:innen zu, bei denen sie sich einbringen können. 

Auch beim Thema Sauberkeit gibt sich Kreutz bürgernah und verständnisvoll für die Sorgen und Anliegen der Menschen: Aufmerksam hört er den Schilderungen einer Frau zu, die von Unrat und Wildpinklern auf ihrem Fußweg in die Innenstadt berichtet. Gute Erfahrung habe sie in dem Zusammenhang mit dem Ansprechen von Ordnungsamts-Mitarbeitern gemacht.

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„Man weiß morgens nie, was einen auf der Straße erwartet“

Sie ermahnen Müllsünder und Wildpinkler, lassen Falschparker abschleppen und spüren Verkehrssünder auf. René Schramm und Bajram Hajdinaj sind als Mitarbeiter des Stadtordnungsdienstes täglich in Bergisch Gladbach unterwegs. Sie haben viel Routine und erleben dennoch jeden Tag Überraschungen. Wir haben sie auf einer Schicht begleitet und starten damit eine Serie, die Menschen und ihre Arbeit vorstellt.

Kreutz sichert zu, sich der Sache anzunehmen und sich mit der Frau im Detail auszutauschen: „Das braucht eine kurzfristige Lösung.“ Der Bürgermeister betont, dass Stellen wie das Ordnungsamt, aber auch die Verwaltung allgemein ansprechbar für die Bürger:innen sei. 

Eigeninitiative gefordert

Nach einer lebhaften und intensiven Diskussion über Müllsünder und die fehlende Eigeninitiative einiger Menschen bringt es Kreutz auf den Punkt: „Wir machen als Stadt alles, was wir können“, um für Ordnung und ein gutes Erscheinungsbild zu sorgen. Doch auch „als Bürger sollten wir machen, was möglich ist“.

Zum Abschluss spricht der Moderator das Thema Jugend an, das im Laufe des Abends nicht zur Sprache gekommen war. Der Bürgermeister betont, dass er die Finanzierung bei der Offenen Kinder- und Jugendarbeit im Haushaltsplan habe nacharbeiten lassen, dass sie den Forderungen der Träger entsprechen. Wie es mit dem konkret mit dem Jugendzentrum Q1 weitergeht, lässt Kreutz offen, verspricht aber: „Wir werden im kommenden Monat eine Lösung präsentieren.“

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Wahrscheinlich ein Tabu…aber…:
    Die Masse der WILDPINKLER sind die tausende Hunde , die überall hinpinkeln (und zu viele Herrchen und Frauchen schauen dabei noch ungerührt zu)
    …an Mauerwände, in Vorgärten, zT an Autoreifen usw.

  2. Zu meinem “Lieblingsthema” S11: Dass irgendwann einmal ein zweites Gleis kommen wird, heißt es schon seit (mindestens) den 1990ern. Warum geben sich immer noch alle Beteiligten bedeckt dazu, wann es konkret losgeht?

    Davon abgesehen: Das zweite Gleis wird von der Stadt immer wieder als Lösung für die Unzuverlässigkeit präsentiert. Ich sehe das nicht so. Ein zweites Gleis wird gar nichts bringen, wenn die S11 weiterhin bei Verspätungen vorzeitig in Köln-Dellbrück oder Köln-Mülheim wenden muss. Es muss an der Zuverlässigkeit gearbeitet werden, und meiner Meinung nach sollte auch über eine Verkürzung der S11-Strecke nachgedacht werden. Ganz zu schweigen davon, endlich schnelle Zubringer zu der KVB anzubieten, damit man eine Alternative hat.

    Dass bei Herrn Kreutz das Thema Schulbau noch vor dem Verkehr rangiert, finde ich schade. Zugegeben: Unsere Schulen haben es dringend nötig. Aber wenn der Verkehr nicht funktioniert, wer zieht dann noch nach Bergisch Gladbach, um von hier aus zur Arbeit zu pendeln?

    Im Übrigen möchte ich Thomas (aus dem Post unter diesem) nur zustimmen, dass die Mitarbeiter:innen der Verwaltung offen für Anfragen sind. Ich habe stets Antwort bekommen, auch wenn sie inhaltlich nicht das erhoffte Ergebnis brachte, aber dafür können sie nichts.

  3. Stichwort Bürgerbeteiligung: Die ist gut und richtig, aber man darf nicht die falschen Erwartungen haben. Man kann nicht davon ausgehen, dass man “da sagt, was einem nicht passt, und dann wird alles anders!” Es wird immer Zumutungen geben (müssen), ansonsten werden wir völlig handlungsunfähig. Also im Zweifelsfall proaktiv den Kontakt zur Verwaltung suchen, Probleme und Befürchtungen schildern, aber die dann auch ihre Arbeit machen lassen und akzeptieren, wenn es mal nicht geht.

    Dass die Mitarbeiter in der Verwaltung durchaus offen für Anfragen sind kann ich nur bestätigen. Wenn ich mal Kontakt hatte, waren die Mitarbeiter immer bemüht, zu erklären, warum etwas so ist, wie es ist, oder es schwierig ist, etwas zu ändern.

    Und ich kann mich auch nur anschließen, was die Sauberkeit und Ordnung in der Stadt angeht. Die Stadt kann nicht allen Dreck wegmachen, den manche Mitbürger hinterlassen… im Zweifelsfall kann man auch hier selber tätig werden. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass, wenn man mal aufräumt, eher weniger wiederkommt. Natürlich kann man das doof finden, den Dreck von anderen Leuten wegzuräumen, aber gefühlt hat es schon einen Effekt. Die Leute sehen, dass es sauberer ist. Und man hat was Gutes getan…