Eine Pendlerstadt mit schlechter ÖPNV-Anbindung, eine Großstadt, deren Straßen Hubbelpisten gleichen und deren Radwege gar keine sind: So lässt sich Bergisch Gladbachs Verkehrssituation zusammenfassen. Die Bürgermeisterkandidaten Marcel Kreutz und Alexander Felsch diskutieren im BürgerClub, was sich verbessern muss – und liefern sich einen hitzigen Schlagabtausch.
Hitzig war die Stimmung beim BürgerClub zum Thema Verkehr mit den beiden Bürgermeisterkandidaten Alexander Felsch und Marcel Kreutz. Es wurde emotional diskutiert. Verkehr ist ein Thema, das jede und jeden betrifft und die Menschen in Bergisch Gladbach entsprechend umtreibt – und mitunter verzweifeln lässt.
Wie kann die Sanierung von Straßen beschleunigt, wie der Ausbau von Radwegen vorangetrieben werden? Wie lässt sich der Verkehr für Kinder sicherer gestalten? Wie kann der öffentliche Nahverkehr in Bergisch Gladbach ausgebaut und verlässlicher werden? Welche Ideen gibt es, um überlastete Stadtteile wie Refrath oder Schildgen zu entlasten? Diese und weitere Fragen standen im Zentrum der Veranstaltung, zu dem das Bürgerportal in die Redaktion geladen hatte.
Es war der zweite Teil einer Serie von BürgerClubs im Vorfeld der Kommunalwahl im September, bei denen die Bürgermeisterkandidaten Alexander Felsch (CDU, FDP) und Marcel Kreutz (SPD, Grüne) mit Expert:innen und Leser:innen über die drängendsten Probleme der Stadt diskutieren und an konstruktiven Lösungen arbeiten. Verkehr wurde in unserer Umfrage „Deine Stimme, deine Themen“ mit weitem Abstand am häufigsten als wichtigstes Thema genannt.
„Radfahrer und Autofahrer zu Feinden gemacht“
Der Verkehr steht mit großem Abstand auf Platz 1 der Themen, für das die Bürgerinnen und Bürger Antworten von der lokalen Politik verlangen. Bei der Umfrage „Deine Stimme, Deine Themen“ zeigt sich, dass dieses Thema fast alle umtreibt, aber zwei gegensätzliche Haltungen intensiv engagiert sind: Die Befürworter einer Förderung des Radverkehrs und diejenigen, die sich gegen eine Benachteiligung des Autoverkehrs stemmen.
Marode Straßen und Radwege
Schlaglöcher, Flickwerk, Hubbelpisten, Rumpelstraßen: Diese Begriffe charakterisieren aus Sicht der Gäste Gladbachs Straßen und Radwege. Die marode Infrastruktur treibt die meisten um, verbunden mit der Frage, warum die Sanierung so lange dauert – trotz ausgeklügelten Straßenbauprogramms.
In den vergangenen Jahren hat sich in Sachen Verkehr aus Sicht von Winfried Krux wenig geändert. Krux arbeitet als Bauingenieur seit mehr als 30 Jahren im Verkehrsbereich und ist Vorsitzender des Bürger- und Heimatvereins Refrath. „Bergisch Gladbach schiebt gern Prestigeprojekte nach vorne, während das auf der Strecke bleibt, was aus meiner Sicht dringend gemacht werden muss,“ sagt Krux.
Seit 2017 veranstaltet der Bürger- und Heimatverein Diskussionsrunden mit Bürgermeister(kandidaten). „90 Prozent der Fragen, die wir 2017 dem damaligen Bürgermeister Lutz Urbach gestellt haben, sind die gleichen, die wir letzte Woche den beiden Kandidaten Kreutz und Felsch gestellt haben“, berichtet Krux.

Radwege, die gar keine sind
Krux moniert unter anderem den Zustand von Straßen und Radwegen, die eigentlich gar keine seien, weil sie den Richtlinien nicht genügten. Daher dürften Radfahrer etwa auf der Bensberger Straße in Heidkamp oder auf der Dolmanstraße in Refrath auf der Straße fahren.
Alexander Felsch bezeichnet den Zustand der Infrastruktur als Gladbachs größtes Problem beim Thema Verkehr: „Wenn man von Leverkusen kommt und nach Schildgen fährt, kann man das Ortsschild von Bergisch Gladbach hören.“ Die marode Fahrbahn mit Schlaglöchern sei im Auto zu spüren, aber für Radfahrende würden sie zur Gefahr.
„Wir haben verlernt, Straßen zu bauen“, moniert Felsch. Im Haushalt der letzten beiden Jahre seien zwölf Millionen Euro für den Straßenbau eingestellt gewesen, aber nur knapp fünf Millionen verbaut worden. Beim Radverkehr sei es nicht mal eine von fünf Millionen Euro.

Es gehe aber nicht nur darum, neue Radwege zu bauen, sondern die bestehenden zu reinigen und zu pflegen. Radwege müssten wieder durch Markierungen erkennbar gemacht und regelmäßig gereinigt und von zugewucherten Pflanzen befreit werden. Die Kapazitäten beim Bauhof müssten dafür erhöht werden, auch um kurzfristig tiefe Schlaglöcher zu füllen.
Ein Gast aus dem Publikum kritisiert, dass Schlaglöcher nur provisorisch geflickt würden –teilweise nur für drei Monate – anstatt, wie in anderen Ländern üblich, langfristig entsprechende Stellen auszuschneiden und zu versiegeln.
Sanierungsbedürftige Infrastruktur
Der desolate Zustand der Straßen ist Marcel Kreutz zufolge der Tatsache geschuldet, dass „wir jahrzehntelang zu wenig für unsere Straßeninfrastruktur gemacht haben“. Da habe es aber teilweise „gute Gründe“ für gegeben, etwa wenn im Nothaushalt das Geld für die Sanierung einer Straße nicht dagewesen sei. Ein Problem sei auch, dass es an Ingenieuren fehle.
„Wenn ich Bürgermeister werden würde und schon vor vier Jahren gewesen wäre, würde ich genau analysieren, wo die Gefährdungspunkte sind und welche Straßen besonders sanierungsbedürftig sind“, kündigt Kreutz an. Es müsste für alle Menschen transparent sein, wann welche Maßnahmen passieren.

Eine solche Prioritätenliste gebe es bereits, wendet Moderator Georg Watzlawek ein. „Und das ist auch genau der richtige Weg: Transparent und ehrlich sein. Wir können nicht alles innerhalb von einem Jahr machen“, so Kreutz. Geld und Personal seien limitierende Faktoren für die Kommunen.
Stadt will 85 Straßen und Radwege in drei Jahren sanieren
Die Stadtverwaltung hat ihr Straßenbauprogramm aktualisiert. 2023 hatte sie bereits 220 Maßnahmen identifiziert, davon aber nur wenig abarbeiten können. Das neue Programm umfasst bereits 300 kleine und große Positionen – und soll etwas realistischer an die Mammutaufgabe herangehen. Wir listen auf, was ansteht.
„Es gibt viele gute Ansätze, aber die werden nicht oder erst zu spät umgesetzt“, merkt Georg Sprenger an. Er ist Vorstandsmitglied des Vereins für nachhaltige Mobilität in GL, der in Zusammenarbeit mit der TH Köln die Verkehrsströme in Bergisch Gladbach analysiert, um diese zu verbessern, etwa durch eine Verknüpfung des Individual- und des öffentlichen Verkehrs.
Ein Gast aus dem Publikum bezeichnet Gladbachs alte Infrastruktur als „höllengefährlich“, die nicht für Pedelecs ausgelegt sind, die 25 km/h fahren. „Die rot angemalten Radwege sind keine Radwege, sondern eine Zumutung.“

Sicherheit für Kinder erhöhen
Auf die Gefahren, die im Straßenverkehr für Kinder und Jugendliche lauern, macht die Kidical Mass (unter anderem mit Kinder-Fahrrad-Demos) aufmerksam. Ein Ziel der Initiative ist, dass Kinder sicher und selbstständig zur Schule und zur Kita kommen. „Die 19.000 Kinder und Jugendlichen in Bergisch Gladbach werden bei Verkehrsentscheidungen wenig berücksichtigt“, kritisiert Melanie Baierl, Initiatorin der Kidical Mass.
Baierl ist selbst Mutter zweier Kinder und empfinde Stress, wenn sie ihnen ständig sagen müsse: „Vorsicht! Pass auf! Schau dich um! Bleib konzentriert!“ Kinder seien ab zehn Jahren in der Straßenverkehrsordnung Erwachsenen gleichgesetzt und müssten auf der Straße fahren, wenn es keinen Radweg gibt.
Baierl plädiert für eine baulich getrennte Infrastruktur für Kinder, „wo Fehler passieren dürfen, denn Kinder lassen sich schnell ablenken“. Angesichts schmaler Schutzstreifen, viel Verkehr und Schlaglöchern würden viele Eltern ihre Kinder nicht allein mit dem Rad in die Stadt fahren lassen. Das führe zu mehr Elterntaxis vor den Schulen und dadurch weitere Gefahren. „Ein Rattenschwanz“, so Baierl.

Schulstraßen als Verkehrsversuch
Um dem entgegenzuwirken, hat die Kidical Mass im Oktober 2024 die Einführung von vier Schulstraßen beantragt. Eine soll ab dem kommenden Schuljahr probeweise als Verkehrsversuch eingeführt werden. Für dieses zögerliche Vorgehen äußert Baierl wenig Verständnis: „Ich wünsche mir ein mutiges Vorangehen für solche Dinge“, es gebe viele motivierte Schulleitungen und Eltern, die das unterstützen.
Auch die Bürgermeister-Kandidaten würden ihre Kinder aktuell nicht allein mit dem Rad in Gladbachs Straßenverkehr lassen, wie beide zugeben. Das sei aber nicht nur ein Problem, das ausschließlich Kinder betreffe, weiß Bernd Beckermann, verkehrspolitischer Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC): „Viele Radfahrende trauen sich nicht in den Mischverkehr.“
Aus Sicht der Radfahrer:innen schneide Bergisch Gladbach in vieler Hinsicht schlecht ab: Radstreifen auf Bürgersteigen seien oft zu schmal, Fußgänger und Radfahrende müssten sich die Fläche teilen, der Ausbau von Radwegen und Radpendlerrouten kämen nur „im Schneckentempo“ voran. Außerdem fehle es an „vernünftigen Radverkehrsanbindungen“ zu den Haltestellen in Köln, führt Beckermann aus.

Fehlender und unzuverlässiger ÖPNV
Dabei ist es gerade die Verknüpfung der einzelnen Verkehrsmittel, die nötig wäre, um eine Mobilitätswende zu erreichen, darüber herrscht weitgehend Einigkeit. Ebenso darüber, dass Bergisch Gladbach eine Pendlerstadt mit schlechter bzw. unzuverlässiger Bahnanbindung ist.
Bei der S11 falle von drei Bahnen in der Stunde im Schnitt eine aus, daher steigen Felsch zufolge viele Menschen wieder aufs Auto um. „Wir müssen es hinbekommen, dass der ÖPNV die komfortabelste und schnellste Verkehrsmethode ist – oder eine Kombination mit dem Fahrrad.“
Als Bahnfahrer und einer von 34.000 Pendler:innen in Bergisch Gladbach ist Kreutz nach eigenen Worten das Leid gewohnt, dass die Kapazitäten der Linie 1 zu den Stoßzeiten am Morgen und am Nachmittag halbiert worden seien und man sich nach der Arbeit „in eine volle Bahn quetschen“ muss. „Ich kann verstehen, wenn jemand dann lieber mit dem Auto fährt“.
Viele Menschen würden gern öffentliche Verkehrsmittel nutzen, entschieden sich aber für ein Taxi, wenn sie pünktlich sein müssen, ist die Erfahrung einer Frau im Publikum.



Ersatzverkehr für die S11
Die Perspektive älterer Menschen vertritt Hildegard Gitschier-Piepenbrock, stellvertretende Vorsitzende des neu gewählten Seniorenbeirats: Eine Busverbindung von Bergisch Gladbach nach Thielenbruch werde vor allem wichtig, wenn die S11 in Zukunft für längere Zeit ausfällt. Viele Senior:innen seien auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen, darum bedauere der Seniorenbeirat die Einstellung des Stadthüpfers.
Einigkeit herrscht bei allen Beteiligten des Abends mit der Unzufriedenheit des Ist-Zustands und den größten Problemen und Herausforderungen. Bei den Lösungsansätzen liegen die Kandidaten hingegen teils weit auseinander.
Anders als beim BürgerClub zum Thema Kinderbetreuung, als beide Kandidaten harmonisch und in vielen Dingen einig verhielten, gehen sie dieses Mal deutlich angriffslustiger miteinander um, unterbrechen einander, fallen sich gegenseitig ins Wort, liefern sich mehrfach einen Schlagabtausch.
Kandidaten Felsch und Kreutz stellen sich der „Kitastrophe“
Die Überforderung von Kita, Kindertagespflege und OGS gehört zu den Problemen, für die unsere Leser:innen im Kommunalwahlkampf Antworten verlangen. Im ersten BürgerClub zur Wahl diskutieren die Bürgermeister-Kandidaten Alexander Felsch und Marcel Kreutz mit Expert:innen und Leser:innen, wie die Kinderbetreuung besser werden kann – und stellen einige Ideen vor. Die Eltern überraschen mit unerwarteten Vorschlägen.
Felsch nimmt Kreutz – als SPD-Mitglied – in Regierungsverantwortung, etwa bei den nicht abgerufenen Mittel für den Straßenbau („Warum habt ihr das so geplant und nicht abgerufen?“). Kreutz wiederum attestiert seinem Kontrahenten, der nicht aus Bergisch Gladbach stammt, mangelnde Kenntnis der Sachlage.
Während die Bündelung verschiedener Verkehrsmittel bzw. die bessere Anbindung an den ÖPNV beide als Priorität benannten, wirde zugleich deutlich, dass der Bürgermeister kaum Einfluss auf den ÖPNV hat, sondern in erster Linie der Kreis.






Die Pläne der Kandidaten
Felsch kündigt an, sich als Bürgermeister damit nicht abfinden zu wollen: „Ich sehe es als meine Aufgabe an, meine Stimme zu erheben und auf Bergisch Gladbach aufmerksam zu machen“ – in Köln, bei der KVB, bei der Deutschen Bahn. Öffentlichkeit herstellen und „Rabbatz machen“ wolle auch Kreutz, etwa um die Linie 18 von Thielenbruch aus weiterzuführen.
Ansonsten verspricht Kreutz, als Bürgermeister bei den Radpendlerrouten Tempo machen zu wollen und die Sicherheit für Kinder und Jugendliche im Straßenverkehr zu verbessern. Was er per Dekret am ersten Tag im Amt durchsetzen würde, fragt Moderator Watzlawek: „Möglichst viele Gefahrenstellen für Schüler auflösen,“ antwortet Kreutz.
Felsch möchte als Bürgermeister in den einzelnen Stadtteilen gemeinsam mit Schulen, Kitas und weiteren Beteiligten Gefahrenstellen ausmachen und entschärfen und beim Radverkehr auf Nebenrouten ausweichen, wenn die Hauptachsen nicht sicher genug sind. Gäbe es eine Sache, die er per Dekret durchsetzen könnte, wäre es die Verlängerung der Straßenbahnlinie 1 bis Spitze.

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Gut, dass die nötigen Verlängerungen der Linien 1 und 18 zur Sprache kamen!
Zu ergänzen wären die Weiterführung der 4 nach Odenthal und eine Straßenbahn auf dem Bahndamm (Frankenforst – Stadtmitte). Dicke Bretter, keine Frage – umso wichtiger, endlich ernsthaft mit dem Bohren anzufangen!
Ob Straßenbahn, Schlaglöcher oder (fehlende) Radwege: Die Probleme sind seit vielen Jahren dieselben, es ändert sich (wie Herr Krux völlig zurecht feststellt) – nichts. Insofern sind schwammige Ankündigungen wie “Gefahrenstellen für Schüler ausmachen” etwas dürftig. Es mangelt in Bergisch Gladbach nicht an Konzepten, Netzentwürfen und konkreten Vorschlägen – es mangelt an der Umsetzung. Für den Radverkehr werden nicht wie vorgesehen ca. 2 Millionen pro Jahr ausgegeben, sondern 100-200 Tausend.
Bei manchen Aussagen von Herrn Felsch frage ich mich, ob er sich schon einmal mit der örtlichen CDU über das Thema Verkehr unterhalten hat. Weiß er nicht, dass diese regelmäßig Verbesserungen für den “Radverkehr auf Nebenrouten” blockiert – siehe die aktuelle Diskussion über Radrouten und Fahrradstraßen? Oder dass “seine” Fraktion die Sanierung der Altenberger-Dom-Straße (und weitere, vgl. Ausschussitzung am Dienstag) seit Jahren verzögert und damit dafür sorgt, dass weniger als die Hälfte der Straßenbau-Mittel tatsächlich ausgegeben wird?
Ein Hinweis zum “Verein für nachhaltige Mobilität in GL”: Es handelt sich um den umbenannten Autobahnzubringer-Verein (https://in-gl.de/2023/11/29/autobahnzubringer-e-v-erfindet-sich-neu/). Dass langjährige Vertreter der Auto- und Betonlobby sich urplötzlich für ‘Nachhaltigkeit’ einsetzen, mag glauben wer will.
Die Auseinandersetzung der beiden Bürgermeister-Kandidaten hat die Unterschiede klar gemacht. Marcel Kreutz ist deutlich mehr in Bergisch Gladbach verwurzelt, als Alexander Felsch. Nun geht es vor den Versprechungen um eine solide Analyse der Ist-Situation. Die ist im Bezug auf die Infra-Struktur (Straßen und Radwege) eher mau bis schlecht. Versäumnisse aus der Vergangenheit müssen abgearbeitet werden.
Es liegen viele Aufgaben vor dem nächsten Bürgermeister. Dabei kommt es auch um eine gut aufgestellte Verwaltung an, die entscheiden kann und muss, was sie selbst machen kann oder was besser ausgelagert werden sollte. Möglicherweise muss hier personell aufgestockt werden, um Entscheidungen schneller und professioneller zu treffen.
Bürokratie-Abbau heißt auch, mehr “Fehler-Freundlichkeit” zulassen, klare Zuweisungen an die Dezernate und Abteilungen.
Vor allem sollte aber gelten: In allen Bereichen der Infra-Struktur, bei den Straßen, Kitas und Schulen sollte endlich das Bewußtsein wachsen, dass sich jährlich gekümmert wird. Es dürfen keine Sanierungs-Staus mehr entstehen. Das gilt im Übrigen auch für den Klimaschutz. Je mehr wir aufschieben, umso teurer wird es in der Zukunft für unsere Kinder und Enkelkinder.
Die Analyse würde nicht durch den Bürgermeister, sondern durch die Verwaltung vorgenommen werden, die der Verwaltungsspitze (Bürgermeister) bzw. dem Stadtrat Vorschläge zum Vorgehen unterbreitet. Insofern ist eine Verwurzelung des Bürgermeisters in Bergisch Gladbach nicht ausschlaggebend.
Um rascher und professioneller zu Entscheidungen zu gelangen, bedarf es keiner personellen Aufstockung der Verwaltung, da Entscheidungen größeren Ausmaßes durch den Stadtrat und seine Ausschüsse getroffen werden.
Der Einfluss des Bürgermeisters ist mithin sehr begrenzt – durch kommunale Strukturen und Prozesse, aber vor allem durch die miserable Finanzausstattung der Kommunen, die durch Bund und Land dringend reformiert werden muss. (Diese führt übrigens auch dazu, dass erforderliche Unterhaltungsmaßnahmen an jeglicher Infrastruktur nicht erfolgen können.)
Es mag sein, dass keiner der Kandidaten nach erfolgreicher Wahl später im Amt die Verkehrsprobleme lösen wird, auch wenn beide hier vorher etwas versprechen.
Wichtig ist es daher, nicht nur auf die Wahlversprechen sondern sehr stark auf die tatsächlichen Handlungen zu achten. Nicht nur die Handlungen der Kandidaten, sondern auch die Handlungen der Parteien.
Trotzdem kann auch der Wahlkampf für den aufmerksamen Wähler aufschlussreich sein. Beispielsweise hat nach meiner Erinnerung Lutz Urbach zu seiner letzten Wahl Maßnahmen zur Abnahme des Autoverkehrs versprochen. Gleichzeitig hat er versprochen, dass die Brötchentaste bleibt. Die Fragen mögen heute immer noch die gleichen sein, hoffentlich ergeben sich neue Antworten.
Die Überschrift “Wie Kreutz und Felsch die Verkehrsprobleme lösen wollen” macht Hoffnung. Nachdem man aber den Artikel gelesen hat, ist diese Hoffnung einer Enttäuschung gewichen. In der Hauptsache geht es wieder nur um die Beschreibung bekannter Probleme sowie (siehe W. Krux) die Wiederholung schon oft gestellter Fragen; konkrete, umfassende Lösungsideen und -vorschläge sind kaum zu finden. Die Länge (oder besser: Kürze) des abschließenden Abschnitts “Die Pläne der Kandidaten” scheint dafür symptomatisch zu sein. Also wird sich wohl, so oder so, auch in den kommenden Jahren nicht viel ändern – schade!
Genau dasselbe habe ich auch gedacht, nachdem ich den Artikel gelesen habe. Sehr enttäuschend.
Ich habe aber befürchtet, dass es so kommen würde und bin deshalb gestern Abend nicht erst zu dem Termin erschienen.
Als “Lösung” für die mittlerweile wirklich katastrophal schlechte S11 die “Stimme erheben” und “Rabbatz machen”? Das soll alles sein?
Bei der schwindenden Industrie ist das Konzept der “Pendlerstadt im Grünen” die (meiner Meinung nach) einzige Perspektive für diese Stadt. Eine zuverlässig funktionierende S11 ist dafür eine absolute Grundvoraussetzung, denn das ist die schnellste Möglichkeit, um nach Köln zu kommen. Selbst wer mit dem Auto pendelt, profitiert davon, denn jeder ÖPNV-Fahrer ist ein Autofahrer weniger im Berufsverkehr.
Von einem zweiten Gleis mag ich gar nicht mehr träumen. Es wäre sowieso völlig nutzlos, wenn viele Züge es gar nicht erst bis nach Dellbrück schaffen.
Die Antwort beider Kandidaten finde ich mehr als enttäuschend. Das gibt weitere Jahre Stillstand, den wir uns in dieser Stadt eigentlich gar nicht mehr leisten können. Die Situation wird irgendwann so sein, dass nicht mehr die nach Gladbach ziehen, die hier leben wollen, sondern nur noch die bleiben, die sich einen Wegzug nicht leisten können.
Das sind die gleichen bzw. ähnlichen leeren Versprechungen, wie man sie von allen vorherigen Bürgermeistern bzw. Kandidaten gehört hat.
Wenn Sie erstmal im Amt sind, merken Sie, wie die Stadtverwaltung tickt. Es ist doch erschreckend, dass Geld vorhanden ist, aber nicht entsprechend eingesetzt wird. Man fragt sich doch ernsthaft, ob der Chef der Verwaltung seinen Laden wirklick im Griff hat.
Guten Morgen, es ist nicht die Stadtverwaltung sondern die Stadt (und somit der Rat und die Ausschüsse). Diese sind Entscheidungsträger und geben die Regeln vor, die Verwaltung setzt alles nur um.
Und der Chef hat seinen Laden im Griff, da die Beschäftigten eine gute Arbeit machen.
Wenn ich mir ansehe wie viele Jahre z.B. schon an der Altenberger-Dom-Str. oder der Laurentiusstraße diskutiert wird und immer nochmal und nochmal und quasi über jeden Parkplatz einzeln entschieden wird und nochmal vertagt wird und noch ein Gutachten und noch eine Umplanung gemacht werden, dann wundert mich überhaupt nicht, dass im Haushalt eingestellte Mittel nicht zeitgerecht abgerufen werden.
Für all die angefangenen Projekte, sehe ich schwarz, wenn sich die Mehrheitsverhältnisse im Herbst ändern sollten und bis dahin noch keine Bagger angerollt sein sollten.
Politik scheint zunehmend darin zu bestehen, die Handlungen der Vorgänger im Amt rückgängig zu machen, wie von der CDU beim Thema Parkautomaten (oder auch nicht) schon angekündigt.
Dazu kommt sicherlich noch, dass Prozesse in der Verwaltung effizienter gestaltet werden müssten, ich habe aber den Eindruck, dass sich wenigstens hier in letzter Zeit etwas getan hat mit der Umstrukturierung der Dezernate.
Aber auch das wird sicher wieder geändert, damit die Mitarbeiter maximal irritiert werden.
Wenn ich in meinem Job alle paar Jahre eine neue Marschrichtung vorgegeben bekäme und die bis dahin geleistete Arbeit für die Katz war, dann würde ich irgendwann auch nur noch Dienst nach Vorschrift machen und mich nach einem neuen Arbeitgeber umsehen. Da würde dann auch mehr Gehalt nur bedingt helfen.