Elternvertreterin Nicole Nebelung (r.) moderierte den Abend mit Alexander Felsch, Marcel Kreutz, Schülersprecherin Franziska Königshofen und AMG-Schulleiter Rolf Faymonville (von links nach rechts). Foto: Redaktion

Wie werden unsere Schulen schneller besser? Dieser Frage stellten sich die Bürgermeisterkandidaten Alexander Felsch und Marcel Kreutz in der Aula des Albertus-Magnus-Gymnasiums. Sie wurden dabei von verschiedenen Akteuren der Schullandschaft mit Einblicken in einen Alltag im Ausnahmezustand konfrontiert.

Eigentlich sind sich alle einig: Viele Schulen in Bergisch Gladbach sind marode, saniert werden müssen fast alle. Und das muss deutlich schneller gehen. Darüber herrscht Konsens zwischen Schüler:innen, Eltern, Lehrkräften, Schulleitungen und auch zwischen den beiden politischen Kontrahenten, den Bürgermeisterkandidaten Marcel Kreutz (SPD/Grüne) und Alexander Felsch (CDU/FDP)

Doch wie genau kann es gelingen, die Lernbedingungen für Schüler:innen zu verbessern, möglichst bald? Das war eine der Fragen, die im Zentrum des Bürgerclubs standen, den die Elternvertreter:innen der Bergisch Gladbacher Grund- und weiterführenden Schulen gemeinsam mit dem Bürgerportal in der gut besuchten Aula des Albertus-Magnus-Gymnasiums (AMG) veranstalteten.

„Bildung braucht Raum“ lautete das Motto des Abends, den Nicole Nebelung, gewählte Vertreterin der Elternschaft, moderierte. Schule müsse in ganz Bergisch Gladbach funktionieren, doch die Realität sei eine andere, von Raumnot geprägt. Schüler:innen müssten ihre gesamte Schulzeit in Containern verbringen, Förderunterricht auf dem Flur stattfinden, Fachunterricht ohne Experimente auskommen, Lehrkräfte improvisieren – jeden Tag. 

Mut zu Entscheidungen

„Wir sprechen heute nicht über Komfort, sondern über Bildungsgerechtigkeit und gleiche Chancen für alle“, betonte Nebelung schulformübergreifend. Es gehe an diesem Abend nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Lösungen, um Tempo und Führung, um „Mut zu Entscheidungen“.

Mit der Einigkeit der beiden Bürgermeisterkandidaten darüber, dass Prozesse zu langsam laufen, war es schnell vorbei, als sie ihre jeweiligen Ideen und Pläne vorstellten, wie der Weg zu mehr Tempo aussehen könnte.

„Das Thema Schule wird das dominierende in den nächsten fünf Jahren sein“, versprach Alexander Felsch, gemeinsamer Kandidat von CDU und FDP. Es werde kein Tag vergehen, an dem er sich als Bürgermeister nicht mit dem Thema Schule beschäftigen werde. 

Sofortprogramm für Schulen

Als ein Instrument für schnelle und unbürokratische Lösungen diene sein Sofortprogramm, das jede weiterführende Schule mit einem Budget von je 200.000 Euro und jede Grundschule mit je 100.000 Euro ausstatte. Für was dieses Geld konkret eingesetzt werde, sollen Lehrkräfte, Schulleitungen, Eltern- und Schülervertretungen selbst entscheiden. 

Der Schulbau müsse schneller voran gehen, etwa indem man auf General- oder Totalunternehmer setze, wie es in Köln der Fall ist. Zudem wolle Felsch als Bürgermeister alle zwei Monate zu einem Runden Tisch Bildung einladen, bei dem die Genannten konkrete Probleme benennen. 

Marcel Kreutz, der für SPD und Grüne ins Rennen um das Bürgermeisteramt geht, habe „die Not“ in seiner Schulzeit selbst erlebt, als er am Otto-Hahn-Gymnasium zwischen Eimern saß, weil es von der Decke tropfte. 

Prioritätenliste schneller abarbeiten

Er setzt auf das seit rund zwei Jahren praktizierte System: Die unter Bürgermeister Frank Stein (SPD) gegründete Schulbaugesellschaft, die sich um Neubauten und Sanierungen kümmert – in der Reihenfolge nach der festgelegten Prioritätenliste. Unabhängig davon würden anfallende Reparaturen wie eine kaputte Heizung an allen Schulen durchgeführt, wenn es erforderlich ist.

Die Prioritätenliste müsse beschleunigt abgearbeitet werden, so Kreutz, „aber wir versprechen nicht, dass in zehn Jahren alles durch ist“, wie es auf einem FDP-Plakat im Wahlkampf versprochen werde. „Wie soll es in zehn Jahren gehen, möchte ich vom Kandidaten der FDP wissen.“

Felsch konterte: „So wie es bisher läuft, ist es nicht zufriedenstellend“, zudem habe Bürgermeister Stein selbst gesagt, man könne die Sanierung der Schulen in 15 Jahren schaffen.

Mehr zum Thema

Sanierung der Schulen kann bis zum Jahr 2055 dauern

Nach der allgemeinen Priorisierung legt die Stadtverwaltung jetzt einen groben Zeitplan für die Sanierung von insgesamt 26 Schulen vor. Nach aktuellem Stand würde das 30 Jahre dauern. Der scheidende Bürgermeister Frank Stein zeichnet aber auch einen kostspieligen Weg vor, wie es deutlich schneller gehen könnte. Sofern der künftige Bürgermeister nach der Wahl im Herbst dafür eine Mehrheit im neuen Stadtrat findet.

„Seit 30 oder 40 Jahren lässt man die Schulen verrotten“, da könne ein System, das seit zwei Jahren besteht, nicht sofort alles lösen. Moderatorin Nebelung ermahnte die beiden Herren, „ohne Schuldzuweisungen nach vorne zu blicken, auch wenn Wahlkampf ist“. 

Lob für die Schulbaugesellschaft

Immerhin: Einigkeit herrschte an diesem Abend auch darüber, dass die Gründung der Schulbaugesellschaft eine gute Maßnahme war und sich dadurch schon einiges verbessert habe. 

Das bestätigte auch Rolf Faymonville, Schulleiter des AMG, der an diesem Abend auch als Sprecher aller Grund- und weiterführenden Schulen in Bergisch Gladbach auf dem Podium saß. „Wir sind mit der Schulbaugesellschaft auf einem guten Weg. Aber es passiert noch zu wenig.“ 

Die Kandidaten live erleben: Alle sechs Bewerber:innen für das Amt des Bürgermeisters haben wir zum „Kandidaten-Karussell“ am 8. September bei uns in die Redaktion eingeladen. Dafür ist eine Anmeldung erforderlich.

Alle Infos zur Kommunalwahl finden Sie auf unserer Schwerpunktseite

Faymonville zufolge muss nicht nur Neues geplant, sondern auch Altes repariert werden: Unabhängig von der Prioritätenliste müsste Geld investiert werden, wenn etwas kaputt geht, auch wenn die Schule noch nicht an der Reihe sei. Seit zwei Jahren etwa könne ein Chemieraum wegen eines Wasserschadens nicht genutzt werden. 

Großer Verwaltungsaufwand

Felschs Idee, jeder Schule 100.000 beziehungsweise 200.000 Euro zur Verfügung zu stellen, bewertete der Schulleiter als wenig zielführend. „Aktuell verwalte ich als Schulleiter ein Budget von 25.000 Euro. Wenn ich das Zehnfach verwalten soll, komme ich nicht mehr zu meinem eigentlichen Job“, so Faymonville. Zudem gebe es zu viele und komplexe Vorschriften, es seien viele Abstimmungen etwa mit der Verwaltung und Handwerkern nötig. 

„Ich erlebe in meinen sieben Jahren als Schulleiter am AMG demnächst den dritten Bürgermeister. Nach jedem Amtswechsel wird alles umgestellt“, berichtete Faymonville. „Wir brauchen mehr Kontinuität und Verlässlichkeit.“

Den Ball griff Marcel Kreutz auf: „Lassen Sie uns Tempo ins System bringen, aber wir sollten das System beibehalten.“ Felsch wiederum betonte, dass über das Budget nicht die Verwaltung, sondern die Schulgemeinschaft selbst entscheide und dieses zumindest „die größte Not“ lindern solle.

Wie sich ein Schulleben in Containern anfühlt, davon berichtete Franziska Königshofen eindrücklich: „Es ist traurige Realität, dass wir durch eine Containerlandschaft und nicht durch unsere Schule laufen.“ Die 16-Jährige ist Schüler:innenvertreterin am Nicolaus-Cusaunus-Gymnasium (NCG), deren Umbau sich immer weiter verzögert.

Mehr zum Thema

NCG stellt sich auf neue Übergangslösung ein

In den Ferien wurde der Fahrplan für die letzte Etappe der Sanierung des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums erneut durcheinander gewirbelt. In drei großen Containern fand sich Schimmel, damit fehlten plötzlich zwölf Räume. Zwar einigten sich Stadt und Schule auf eine Übergangslösung, doch erneut rücken die Schüler:innen zusammen. Auch die Musikschule muss bluten, die Sanierung des Mitteltraktes wird aufgeschoben.

Sanierung des NCG dauert (noch etwas) länger, wird (noch viel) teurer

Ursprünglich sollte die Sanierung des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums 2023 abgeschlossen sein. Da das nach wie vor nicht der Fall ist, wird Jahr für Jahr ein Update erforderlich. In einer neuen Vorlage für den Schulausschuss heißt es jetzt relativ vage, das Projekt solle „zum Schuljahr 2027/2028“ fertiggestellt werden. Bei weiter kräftig steigenden Kosten. Wir haben nachgefragt.

„Ich gehöre zum einzigen Jahrgang der Schule, der sich noch an das ursprüngliche NCG erinnert.“ Die Lehrkräfte müssten oft improvisieren, sie wünscht sich zumindest gut ausgestattete Container, etwa für die Naturwissenschaften, und dass auch im Ausnahmezustand Dinge wie das Internet funktionierten.  

Immer wieder beteiligten sich an diesem Abend auch Eltern, Schüler:innen und andere Beteiligte aus dem Publikum an der Diskussion und stellten Fragen. Etwa zum geplanten Neubau der Integrierten Gesamtschule Paffrath (IGP). „Es muss Mut zu Veränderungen geben. Bauen Sie eine Rotationsschule, wenn nötig. Immer nur abwarten und reden reicht nicht,“ forderte eine Elternvertreterin.

Viele Problemfelder wurden an diesem Abend aufgezeigt und thematisiert, einige Ideen vorgestellt und intensiv, kontrovers, aber auch konstruktiv diskutiert. Nach der Wahl wird sich zeigen, welcher der beiden Kandidaten sich dann als Bürgermeister für ein Lernumfeld einsetzen kann, an dem Schüler:innen sich wohlfühlen.  

Unser Chatbot zur Wahl in GL: Wir haben eine Künstliche Intelligenz mit den vollständigen Programmen der Parteien in Bergisch Gladbach gefüttert. Nun können Sie in einem Chat Ihre Fragen stellen. Probieren Sie es aus, fragen Sie nach Übereinstimmungen mit eigenen Präferenzen, lassen Sie die Aussagen der Parteien zu bestimmten Themen vergleichen, …

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.