Wie lebten, liebten und arbeiteten Frauen in DDR und Bundesrepublik in den 1970er- und 1980er-Jahren? Im Kreishaus sind dazu eine Kunstausstellung und eine Plakatserie der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur zu sehen. Ein Gespräch mit Anja Möldgen und Anna Bründl über deutsche Prägungen und aktuelle Realitäten im Bergischen.

Der Rheinisch-Bergische Kreis zeigt eine Plakatausstellung darüber, wie Frauen in der DDR und der Bundesrepublik in den 1970er- und 1980er-Jahren lebten, liebten und arbeiteten. Parallel ist eine Kunstausstellung mit Werken von Frauen aus Ost- und Westdeutschland zu sehen – darunter auch einige bergische Vertreterinnen.

Die Plakate sind Teil einer Wanderausstellung für Kommunen und gehören zu einem Bildungsprogramm, das von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur konzipiert wurde. Unter Teilüberschriften wie „Typisch Ost – typisch West“, „Widerstreitende Erwartungen“ oder „Zwischen Moral und Pragmatismus“ werden Zeitdokumente aus heutiger Sicht bewertet und vermeintliche Gewissheiten über Emanzipation infrage gestellt.

Foto: Thomas Merkenich

Anja Möldgen, Gleichstellungsbeauftragte im Rheinisch-Bergischen Kreis, hat die Schau der Plakatserie organisiert. Sie besteht aus rund 20 Einzelplakaten und wird in Bergisch Gladbach anlässlich des Weltfrauentags gezeigt. Anna Bründl, Leiterin des Kulturamts des Kreises, hat die Plakatserie durch eine Kunstausstellung mit Werken von Frauen aus Ost- und Westdeutschland ergänzt.

Finanzielle Unabhängigkeit und Partnerschaft

Die Plakatserie beleuchtet insbesondere das Leben von Frauen in den 1970er- und 1980er-Jahren in der DDR und in der Bundesrepublik. Nach Krieg und Wiederaufbau begann sich das Frauenbild neu zu definieren – mit markanten Unterschieden: In der DDR waren die meisten Frauen berufstätig, während in Westdeutschland viele Frauen vorrangig als Hausfrauen lebten.

„Aus Gleichstellungssicht haben Frauen im Osten eher mit ihren Männern auf Augenhöhe zusammengearbeitet“, erzählt Anja Möldgen. „Im Westen waren hingegen nur wenige Frauen berufstätig und wurden dann abschätzig als ,Karrierefrau‘ betitelt.“ Zugleich waren genau diese Frauen in den Medien sehr präsent – etwa Aenne Burda.

Foto: Thomas Merkenich

Ein entsprechendes Bild „erfolgreicher Frauen“ habe es in Ostdeutschland so nicht gegeben, sagt Möldgen. Viele Frauen im Osten seien finanziell unabhängig gewesen und ihren Ehemännern auf Augenhöhe begegnet. In Westdeutschland dagegen waren Frauen noch von der Erlaubnis ihrer Männer abhängig – für Führerschein, Berufstätigkeit und vieles mehr.

Auch das wird in der Ausstellung deutlich: Nach dem Krieg herrschte auf beiden Seiten Fachkräftemangel. Die DDR setzte auf die Arbeitskraft von Frauen, während in der Bundesrepublik Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter angeworben wurden. Im Westen blieb die Frau vor allem dafür zuständig, dass zu Hause „alles läuft“.

Die Plakate geben Antworten auf Fragen wie: Wie frei konnten ostdeutsche Frauen tatsächlich ihren Beruf wählen? Welchen Einfluss hatte das auf Partnerschaft und gesellschaftliches Leben? Und welche Rechte galten in Westdeutschland? „Es geht auch um den Vergleich, was besser, was schlechter war“, sagt Möldgen, „aber ebenso darum: Was steckt dahinter?“

Foto: Thomas Merkenich

Waren die Frauen im Osten emanzipierter?

Das Frauenbild wandelte sich von der Trümmerfrau zur selbstbewussten jungen Frau – in Ost wie West. Frauen in den 1970er-Jahren hatten auf beiden Seiten ähnliche Wünsche.

„Zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung gab es auf beiden Seiten starke frauenpolitische Bewegungen“, resümiert Möldgen. „Am Ende haben jedoch Männer die Wiedervereinigung geregelt; die Frauen blieben außen vor.“ Vielleicht, so vermutet sie, habe das auch daran gelegen, dass Frauen im Osten und Westen unterschiedliche Vorstellungen von Gleichberechtigung und Emanzipation hatten. „Sie hatten jeweils andere Rollen in ihren Beziehungen – und damit andere Schwerpunkte.“

Mit dem Mauerfall fielen im Osten viele Stellen weg, gleichzeitig gingen Betreuungsangebote verloren. „Die Frauen mussten neu Fuß fassen, um Geld zu verdienen“, sagt Möldgen.

Und wo stehen wir heute?

Heute tragen Frauen den Großteil der Care-Arbeit – also Kindererziehung und Pflege von Angehörigen – und gehen zugleich arbeiten. „Das heißt, sie haben zwei Jobs: einen bezahlten und einen unbezahlten“, sagt Möldgen. Deshalb sei es wichtig, dass Frauen möglichst früh ins Berufsleben zurückkehren – auch mit Blick auf die Altersvorsorge.

Auch Anna Bründl zieht Parallelen zur Gegenwart: „Es gab unterschiedliche politische Systeme, gleichzeitig haben Frauen auf beiden Seiten mit ähnlichen Problemen wie heute gekämpft – Stichwort Heiraten, Kinder, Partnerschaft und die Frage: Wie kann man sich in Führungspositionen einbringen?“ Mit Blick auf die politische Spitze sagt sie: „Bundespräsidenten oder Landräte – alle männlich. Und es gibt immer noch deutlich mehr Bürgermeister als Bürgermeisterinnen.“

Möldgen ergänzt: „In der Verwaltung haben wir mehr weibliche Mitarbeitende als männliche, aber in den oberen Führungsriegen dominieren die Männer. Da sieht man das Ungleichgewicht sehr deutlich.“

„Immerhin haben wir heute einiges erreicht – wir hatten eine Bundeskanzlerin“, sagt Möldgen und lacht. In Zeiten, in denen erbittert über das Gendern gestritten werde, stelle sie sich dennoch die Frage: „Werden Frauen gesehen, werden sie mitgedacht? Wir sind noch nicht auf Augenhöhe mit Männern. Woher kommt also das Gefühl, man könne sich auf dem Erreichten ausruhen – nach dem Motto: Jetzt ist auch mal gut?“

Foto: Thomas Merkenich

Welche Rolle haben die Männer?

Viele Männer fühlen sich von der Gleichstellungsfrage nicht betroffen – vor allem, wenn die Beziehung gut funktioniert und die Frau sich gern um Kinder und Haushalt kümmert. „An dieser Rolle ist nichts verkehrt“, betont Möldgen. „Verkehrt sind die ungleichen Chancen, in den Beruf einzusteigen und Karriere zu machen – und die daraus resultierende Altersarmut.“ „Emanzipation muss ein gemeinsamer Prozess sein – das können wir nicht alleine machen“, sagt Anna Bründl.

Das Thema wird in der Ausstellung sehr ausführlich behandelt und mit zahlreichen Originaldokumenten und Fotos ergänzt. Besucherinnen und Besucher sollten ausreichend Zeit einplanen, wenn sie alles lesen und hören möchten. Zahlreiche QR-Codes führen zu Videos, etwa zu Interviews mit Anna Kaminsky, Historikerin und Publizistin mit dem Schwerpunkt DDR-Geschichte. Sie leitet die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Foto: Thomas Merkenich

Frauen im geteilten Deutschland
Ausstellung vom 3. – 27. März 2026

Teilnehmende Künstlerinnen

  • Nadja Buttendorf (1984, Dresden): Bildende Künstlerin; arbeitet mit Video, Performance und Installation. Themen: Körperbilder, Geschlecht, digitale Kultur und Ökonomie.
  • Lucie Freynhagen (1983, Leisnig): Künstlerin und Kuratorin aus Dresden; entwickelt interdisziplinäre, konzeptuelle Werke („Conceptual Experiences“), die gesellschaftliche Vorstellungen hinterfragen.
  • Monika Geilsdorf (1949, Aue): Malerin der Leipziger Schule; bekannt für figurative Porträts mit klarer, beobachtender Bildsprache über individuelle und gesellschaftliche Erfahrungen.
  • Eva K. Günther (1973, Köln): Mitglied der Künstlergemeinschaft Grube Weiß (Bergisch Gladbach); verbindet Kunstpraxis mit Reflexion über Alltag, Inspiration und Lebensprozesse.
  • Herta Günther (1934–2018, Dresden): Malerin und Grafikerin; schuf Szenen des Alltags mit weiblichen Figuren, die Nähe und Distanz in menschlichen Begegnungen thematisieren.
  • Lara Hampe (1994, München): Künstlerin und Autorin in Leipzig; arbeitet mit Text, Performance und Interventionen zu Sprache, Raum und Intimität.
  • Nadine Jork (1976, Magdeburg): Ölmalerin aus Odenthal; gewann 2025 mit „Alva“ aus der Serie Starke Frauen den Publikumspreis der Rösrather Künstler.
  • She She Pop (gegründet 1990er, Berlin): Feministisches Performance-Kollektiv; arbeitet autobiografisch und kollektiv zwischen Theater und gesellschaftlicher Reflexion.
  • Margret Schopka (1943, Hamburg): Künstlerin aus Overath; schafft poetische Collagen, Installationen und Land-Art mit Naturmaterialien, inspiriert von Island.
  • Marion Anna Simon (1972, Bitburg): Meisterschülerin der HFBK Hamburg; verbindet Malerei, Zeichnung, Performance und Installation. Zahlreiche Stipendien und Residenzen.
  • Karla Woisnitza (*1952, Rüdersdorf): Berliner Künstlerin; kombiniert abstrakte und figurative Formen mit intuitivem Denken. Ausgezeichnet u. a. mit dem Marianne-Werefkin- und Käthe-Kollwitz-Preis.

Dienstag, 17. März, 19 Uhr
Lesung mit Franziska Hauser und Maren Wurster, Herausgeberinnen der Anthologie „OstWestfrau*“ Wie wir wurden, wer wir sind. Eine vielstimmige Essaysammlung über Ost- und West-Frauen, ihre Prägungen und Zuschreibungen. Die Lebensentwürfe und -erfahrungen der Autorinnen speisen sich aus weit mehr als politischen Systemen: Sie erzählen von Aufbegehren und widersprüchlicher Vielfalt, von Emanzipation und persönlichen Begegnungen.

Freitag, 20. März
Veranstaltung für Schulklassen Vortrag und Gespräch mit der DDR-Zeitzeugin Heidrun Breuer aus Bergisch Gladbach Anmeldung unter kultur@rbk-online.de

Ausstellung „Frauen im geteilten Deutschland“
Flyer herunterladen

Öffnungszeiten
Mo-Do 8.30 bis 16.30 Uhr, Fr 8.30 bis 12.30 Uhr

Kreishaus, Am Rübezahlwald 7, 51469 Bergisch Gladbach

Foto: Thomas Merkenich

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