Der Fraktionsvorstand der CDU: Harald Henkel , Brigitta Opiela, Hans-Josef Haasbach, Michael Metten, Christian Buchen, Robert-Martin Kraus, Thomas Hartmann, Martin Lucke, Josef Willnecker, Lutz Schade und Gabi von Berg. Foto: CDU

Nach ihrer deutlichen Kritik am Haushaltsentwurf von Bürgermeister Marcel Kreutz trifft sich die CDU mit den Fraktionsspitzen von SPD und Grünen zu einem ersten Gespräch. Die angekündigten Änderungsvorschläge will CDU-Fraktionschef Michael Metten erst später veröffentlichen.

In einer Pressemitteilung hatte die CDU-Fraktion den Haushaltsentwurf von Bürgermeister Marcel Kreutz (SPD) und Thore Eggert (FDP) als „ambitionslos, einfallslos und nicht zukunftsfähig“ bezeichnet und „erheblichen Änderungsbedarf“ erkannt. Sie verlangt Ausgabendisziplin bei Personalkosten, schlägt zugleich neue Stellen vor, kritisiert eine falsche Setzung der Schwerpunkte und fordert eine Fokussierung auf Schulbau, Straßen und Zanders.

Die geplante Erhöhung der Grundsteuer um 100 Punkte könne vermieden werden, argumentiert die CDU. Sie erklärt in der Mitteilung aber nicht, wie. Daher hatte das Bürgerportal bereits am Freitag um den in der Mitteilung erwähnten Änderungsantrag der CDU im Wortlaut gebeten.

Die Antwort kam am Montag: „Wir gehen mit unseren Vorschlägen zunächst in die Gespräche mit anderen Fraktionen und werden nach Abschluss der Gespräche – spätestens aber zum Bürgerclub – Ihnen diese zukommen lassen“, schreibt Fraktionschef Michael Metten.

Das erste Gespräch ist seit einiger Zeit für diesen Montagabend angesetzt. Aber auch die Gesprächspartner in den Fraktionen von Grünen und SPD kennen den Inhalt des CDU-Änderungsantrags noch nicht, berichtet Theresia Meinhardt, Ko-Fraktionsvorsitzende der Grünen.

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Marcel Kreutz: „Ehrlich finanziert und klar priorisiert“

Bürgermeister Marcel Kreutz bekräftigt in der ersten Haushaltsrede bekannte Prioritäten (Schule, Kita, Straße), kündigt konkrete Schritte an und schlägt einige wenige neue Stellen für die Verwaltung vor. Die Stadt rechnet mit einem Defizit von fast 50 Millionen Euro und müsse sich daher klar auf das Wesentliche fokussieren. Zusätzlich sei eine Erhöhung der Grund- und der Gewerbesteuer notwendig. Wir dokumentieren die Rede im Wortlaut.

Thore Eggert: „Dem perfekten Sturm bestmöglich trotzen“

Als Kämmerer ist Thore Eggert (FDP) für die Details zuständig, nimmt in seiner Haushaltsrede aber auch das große Ganze in den Blick. Er verteidigt den eingeschlagenen Sparkurs und begründet die vorgeschlagenen Erhöhungen von Grund- und Gewerbesteuer.

Er sei gespannt, wie die CDU die rund zwei Millionen Euro gegenfinanzieren will, die für einen Verzicht der Gewerbesteuererhöhung benötigt würden, sagt SPD-Fraktionschef Klaus Waldschmidt. Die SPD habe den Entwurf des Bürgermeisters gründlich beraten und halte ihn grundsätzlich für akzeptabel, die wichtigen Vorhaben seien damit finanziert.

Reden Sie mit, fragen Sie nach

Thore Eggert. Foto: Thomas Merkenich

Wie der Haushalt aufgebaut ist, wie er aufgestellt worden ist und wofür der Entwurf der Verwaltung steht, darüber diskutieren wir mit Kämmerer Thore Eggert (FDP) am 11. März in unserer BürgerAkademie. Zwei Plätze sind noch verfügbar.

Mit Michael Metten, dem Fraktionsvorsitzenden der CDU, diskutieren wir am 19. März in unserem BürgerClub. Hier können Sie sich anmelden.

Die SPD wolle einige eigene Akzepten setzen, werde aber nur gemeinsam mit den Grünen am Verhandlungstisch sitzen – und damit auf Augenhöhe mit der CDU. Eine Konstellation, die die CDU eigentlich vermeiden wollte.

Am Ende, so Waldschmidt, sei jedoch allen klar, dass der Haushalt der Stadt Bergisch Gladbach in der demokratischen Mitte entschieden werden muss – und dafür sind SPD/Grüne ebenso wie die CDU aufeinander angewiesen.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. „Stimmt. Vernünftig reden wäre schon mal ein Anfang. Aber manchmal hat man das Gefühl, in der Politik wird so viel verwässert, dass man am Ende eher eine dünne Brühe serviert bekommt als klaren Wein. Ein bisschen mehr Ehrlichkeit würde vielen Bürgern sicher besser schmecken.“

  2. Wie essenziell für unsere Demokratie, dass die DEMOKRATISCHE Mitte fair MITEINANDER redet und nach gemeinsamen Kompromissen sucht.
    Das goutiert der Wähler (Zank nutzt nur den Extremisten)

  3. Die Haushaltsdebatte in Bergisch Gladbach ist vor allem eines: politisch vorhersehbar. SPD und Grüne tun jetzt so, als sei es überraschend, dass man mit der CDU reden muss. Vielleicht war es auch so geplant, um am Ende alles auf den anderen schieben zu können.

    Dabei war von Anfang an klar: Wer eine ehrliche Zusammenarbeit mit kleineren Parteien ausschließt, landet zwangsläufig bei der CDU. Kommunalpolitik funktioniert über Mehrheiten und Gespräche – nicht nach dem Prinzip „mit dem Kopf durch die Wand“.

    Dieser Kurs ist nun erwartbar gescheitert. Und auch das Ergebnis war absehbar: Die CDU wird den ohnehin schon vorsichtigen Defizithaushalt weiter zusammenstreichen und weiter verschlimmern.

    Damit droht eine noch unglücklichere Mischung aus zwei sehr problematischen Ansätzen: der mutlosen Verwaltung des Mangels von SPD und Grünen – und der klassischen Sparpolitik der CDU. Leidtragende sind am Ende diejenigen, die auf eine aktive soziale Stadtpolitik angewiesen sind.

    Aus linker Sicht bleiben dabei zentrale Aufgaben auf der Strecke:

    ** mehr Investitionen in soziale Infrastruktur, statt ständig über Kürzungen und Personalkosten zu debattieren,

    ** eine ernsthafte Finanzierung von Klimaschutz und Verkehrswende, statt halbherziger Projekte,

    ** eine aktive Politik für bezahlbaren Wohnraum und öffentliche Daseinsvorsorge.

    Statt einer sozial-ökologischen Perspektive droht so ein Haushalt, der vor allem eines fortschreibt: Sparlogik, Stillstand in Richtung Deinvestition.


    Tomás M. Santillán – Mitglied im Stadtrat Bergisch Gladbach Die Linke