In der Kulturkirche in Herrenstrunden präsentiert Friedrich Förder in seiner Ausstellung „Bergische Sagen und sagenhafte Gegenwart“ Holzschnitte und Zeichnungen zu alten bergischen Sagen. Dabei zieht er ganz unheimlich-unterhaltsame Parallelen zur Gegenwart. Lesen Sie eine erhellende Lektion im Geschichte(n) erzählen!
Unweit des sagenhaften Strundequelle liegt die kleine Kirche, St. Johannes der Täufer, zur Zeit der Schauplatz einer nicht weniger legendenbehafteten Ausstellung. Der bergische Grafiker Friedrich Förder hat sich seit 25 Jahren von bergischen Sagen für Holzschnitt und Grafik inspirieren lassen und nun die Illustration mit dem zugrundeliegenden Text – den Sagen und Geschichten verbunden.
Für die Ausstellung „Bergische Sagen und sagenhafte Gegenwart“ hat er eigens eine Neuauflage seiner aufwendigeren Holzschnitte angefertigt und „in die Neuzeit geholt“, denn „so wie es früher war, ist es immer noch. Und es hat sich verschärft“, sagt Förder.
Aber es gibt auch hoffnungsvolle Werke: wie beispielsweise „Freundschaft“ – ein Holzschnitt, der wie für eine religiöse Botschaft gemacht, mit seinen leuchtenden Farben zwischen den Glasfenstern prangt.

Historische Wahrheiten und ihre Spuren
Bis in seine 60er habe er versucht Geld zu verdienen; vor allem für seine Familie, erzählt Förder. „Und dann machste was für dich“, sagt der 90 Jahre alte Grafiker. Also ist er durch das Bergische gezogen und hat die Burgen besucht; hat sich hingesetzt, manchmal mehrere Tage, und vor Ort gezeichnet.
Für die Reihe „Herrenhäuser, Burgen, Schlösser” hat er nur senkrechte Striche skizziert – als Vorarbeit für den Holzschnitt, da ja die Fasern des Holzes auch senkrecht wachsen. Und so musste er ausprobieren „ob man das durchhalten kann“. Und dann hat er die Kohlezeichnungen mit den Sagen verbunden. Eine Endeckungsreise für alle, die genau hinschauen. In einem Beispiel geht um Feen, die auf der Nase herumtanzen.
Elmar Funken, Leiter des Katholischen Bildungswerks und Hildegard Weyers vom Arbeitskreis Kulturkirche sind begeistert. Kennengelernt habe er Förder 2017, während einer Ausstellung in der Gemeinde St. Nikolaus in Dürscheid (Kürten), sagt Funken.
Es seien die beiden Seiten, die ihn an Förder faszinieren: die bergischen Sagen, die der Künstler als Fundus ausgräbt und die Gegenwart, die er als politisch interessierter Beobachter, Zeitgenosse in Verbindung bringt.
Sagenhafter Naturschutz
Zum Beispiel die Geschichte der Schlangenkönigin. Sie spielt mit einem Kind, während die Mutter arbeiten muss … Um nicht zu viel zu verraten: Letztlich wird die Krone der Schlangenkönigin gestohlen. Und der Dieb wird bestraft.
Die Schlangenkönigin
Das sei eben eine Darstellung seiner Empfindung, sagt Förder: „Wenn man gut Freund mit der Natur ist und die Natur unterstützt, dann unterstützt die Natur einen auch. Spielt man der Natur ihre Würde, denn das ist die Krone, dann sieht es auch für den Menschen heikel aus.“
Wiederholung der Geschichte
Der Künstler verweist auf eine etwa neun Meter lange Kartonbahn, die an der Wand befestigt ist. Er hat sie für diese Ausstellung angefertigt. Sie ist handschriftlich beschrieben mit bergischen Geschichten. Zwischendrin sieht man die „unmöglichen, aufgeplusterten Worte“, erklärt Förder, „die sich zum Ende verstärken“.

In großen schwarzen Buchstaben ziehen sich Begriffe wie „zwanghafte Übergriffigkeit“, „hinterhältig ausspionieren“, „Dealmaker“,. Damit will er die Verrohung der Sprache thematisieren. Das ist für ihn die Büffelkuh.
Förder erzählt ein kurzes Märchen vom Fischlein und der Büffelkuh
„Einmal kam eine große Büffelkuh an ein kleines Bächlein, um zu trinken. Sie soff; sie hatte einen unersättlichen Durst. Im Bächlein aber schwamm ein winziges Fischlein, dass mit den glitzernden Sternchen spielte und sich seines Lebens freute.
Als es merkte, daß die Büffelkuh soviel Wasser trank, da rief es: „Warum säufst du soviel? Willst du, dass ich hier elendig umkomme; auf dem Trockenen liegen bleibe? Die Büffelkuh interessierte das nicht und soff weiter.
Da rief das Fischlein: Hör auf! Nicht das ich über dich komme und dich verschlinge!“ „Boah“ gab das Tier zu Antwort. „Du mich verschlingen? Pass auf, dass ich dich nicht verschlinge, du kleiner Fips.“ (Lacht) und soff weiter, bis kein Wasser mehr im Bächlein war. Da wurde das Fischlein zornig, sprang heraus und verschlang mit einem Happs das ganze große Tier.
Nicht wahr? Hat es nicht recht? Was musste ihm die Büffelkuh alles Wasser wegsaufen und es dazu noch verspotten?“
Förder zeigt neubearbeitete Holzschnitte, zu Inhalten von einigen Bergischen Sagen. Darin gehe es um reale, zerstörerische historische Ereignisse und die Frage „Warum ist das so? Warum haben wir seit es Menschen gibt mit den Extremen von Zerstörung und Aufbau, Aufbau und Zerstörung zu kämpfen?“
Er habe den letzten Weltkrieg und seine Zerstörung miterlebt – in seinem Geburtsort Remscheid, das sehr zerstört war. Und er habe den Aufbau gesehen und bewusst miterlebt. Das war prägend.
Bergische Sagen und sagenhafte Gegenwart
bis 31. Mai.2026
St. Johannes der Täufer
Herrenstrunden 32, Bergisch Gladbach
Vernissage: So, 15. März 26, 17 Uhr
Einführung: Dr. Ursula Clemens-Schierbaum, Kunsthistorikerin
Musikalische Begleitung Rizol-Akkordeon-Quartett National-Phillharmonie der Ukraine, Leitung: Viacheslav Moseichuk
Führung mit Friedrich Förder: Mi, 6.5., 15 Uhr und auf Anfrage 022 02/3 17 08 oder friedrich@foerder-druckgrafiken.de
Förder sagt, es gäbe eine Menge Sagen im Bergischen, – manchmal sind es nur ein paar Sätze. „Aber viele haben es in sich“. Darunter auch die Sage vom Friedrich von Isenberg, Graf von Isenberg – es endet brutal und die Raben haben den Rest besorgt. „Ich finde sowas immer wieder interessant“, sagt der Künstler.
Interessant ist das auch für die Besucher, denn die in der Ausstellung dargestellten Sagen sind vollständig aufgeschrieben.
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Die Kulturkirche in Herrenstunden hat regelmäßig wechselnde Veranstaltungen – ein buntes Programm mit Vernissagen, Konzerten, Lesungen – immer sonntags um 17 Uhr.
#KulturOrte in GL: St. Johannes der Täufer in Herrenstrunden
Im Winter vor zwei Jahren kam Leben in die ansonsten ruhige Kirche St. Johannes der Täufer in Herrenstrunden. Dank eines kleinen Kulturprogramms, das in der Pandemie zunächst wieder ins Stocken kam. Doch nun geht es im Winterhalbjahr mit neuen Veranstaltungen weiter. Wer hinter dem Projekt „Kulturkirche” steckt und was es dort zu erleben gibt, erzählen wir in der neuen Reihe #KulturOrte.






Einfach sagenhaft, der Künstler Friedrich Förder!
Die Besprechung und Fotos laden wunderbar ein, die Ausstellung, Präsentation von Friedrich Förder zu besuchen. Das Thema „Bergische Sagen und sagenhafte Gegenwart“ macht neugierig, Spannend scheinen die Holzschnitte und Zeichnungen zu alten bergischen Sagen. Und die kleine Kirche in Herrenstrunden hat einen besonderen Charme. Sie eignet sich absolut für geheimnisvolle Geschichten.