Die neue Ausstellung im Basement16 ist eine Retrospektive zum 90. Geburtstag von Eckard Alker. Sie zeigt Malerei und Grafik, Rückblicke aus den vergangenen 40 Jahren seines künstlerischen Schaffens. Und das Kunststück gelang: Die Vernissage in der Galerie in Bensberg stieß auf große Resonanz – ein Lehrstück in aufrichtiger Kunst und gelebter Authentizität.

Es ist ein immenses Werk. Die Ausstellung „manchmal gelang mir was“ zeigt Eckard Alkers Arbeiten aus den frühen 80ern ebenso wie viele aktuelle Werke. „Was sagt das aus? Er malt! Immer noch! Er ist jeden Tag im Atelier!“, sagt der Sohn des Künstlers, Daniel Alker.

Zeitgleich wird eine Ausstellung in Alkers Geburtsstadt Ratibor eröffnet. Jeder, der schon einmal eine Ausstellung organisiert hat, weiß: Eine solche Schau ist ein Kraftakt.

Eckard Alker in seinem Atelier. Foto: Thomas Merkenich

Alker feierte am 21. Februar seinen 90. Geburtstag, zur Vernissage wollten ihm viele Gäste die Ehre erweisen und seine große Einzelausstellung besuchen. So viel Publikum kenne man sonst nur von Gruppenausstellungen, stellt ein Fotograf fest. Er stehe nicht gern im Mittelpunkt, sagt Alker – aber ja, es seien sehr viele Leute hier. „Das darf auch sein, nach so vielen Jahren“, sagt er lachend.

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Leben im Wunderland – Eckard Alker feiert seinen 90. Geburtstag

Als Kind ist Eckard Alker aus Ratibor geflohen, nach Bergisch Gladbach. Er hat als Grafiker und Dozent gearbeitet, versteht sich als „Ackerer“ und hat immer der Kunst den Vorzug gegeben. Im Gespräch erzählt er von Flucht und Heimat, von Schattenfiguren und seiner Liebe zur surrealen Bildwelt. Der Besuch bei Eckard Alker in Lustheide wird dabei zu einer Reise durch ein fantastisches Universum.

Bergisch Gladbachs Kulturszene ist gekommen – viel älteres, aber auch auffallend viel junges Publikum, darunter ehemalige Schüler und Kollegen. Überall hört man: „Alker hat mehr Anerkennung in der Kunstszene verdient!“ – das ist auch der Grund, warum das Basement 16 ihn mit einer Einzelausstellung würdigt.

Die Galeristin Marlis Sauer hatte sich das schon lange vorgenommen. In ihrer Begrüßungsrede bezeichnet sie sich als „großen Fan“ und stellt fest: Schon der Titel „Manchmal gelang mir was“ zeige viel von ihm als Person. Sie schätzt seinen Humor und seine Bescheidenheit und betont: „Der Umgang mit der Kunst hält dich wach, jung, energiegeladen. Da können wir uns alle eine Scheibe von abschneiden.“

Kunst über die Jahre

Ständig eilt der Künstler voraus, um Fragen aus dem Publikum zu beantworten, etwas am Objekt zu zeigen. Etwa zu den beiden schwarz-weißen Landschaften „Bretagne“, zwei der ältesten Werke der Ausstellung. Sie stammen von 1985 und sind in einer Technik gezeichnet, die die Illusion von Pinselstrichen erzeugt. Diese Textur verleiht den kleinen, kaum A5 großen Blättern eine ungewöhnliche Tiefe und etwas Erzählerisches. „Für mich ist das nicht schwarz-weiß“, sagt Alker geheimnisvoll zu einer Besucherin, die sich an den Film „Der Wüstenplanet“ erinnert fühlt.

„Bretagne Augustbild“ – Bleistiftzeichnung von 1985. Foto: Thomas Merkenich

Das Erzählerische ist typisch für den Maler und Grafiker. Alker gilt als begeisterter Leser klassischer Literatur. Zu sehen ist auch eine Illustration zu Goethes „Faust“ von 1985. Dabei ist er nicht nur inspiriert – er ist beseelt, wie eine panoramaartige Skizze zu den Faustgrafiken zeigt. Die Radierplatten ließ er damals noch in einer Druckwerkstatt herstellen.

Das sei aufwendig und kostspielig, da meist in höheren Auflagen gedruckt werde, erklärt Alker. Doch er machte aus der Not eine Tugend und suchte nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten – bis hin zum Digitaldruck. Hier zeigt sich, wie er in der Manier des händisch kolorierenden und schneidenden Grafikers sicher im neuen Medium anknüpft.

Das künstlerische Weglassen zieht sich wie ein roter Faden durch Alkers Werk – eine Praxis, die viele Künstler erst später entwickeln, wie Dieter Ronte in seiner Laudatio erklärt: „Er malt Bilder, die nicht fertig sind.“ Sie seien Teil einer Diskussion mit dem Betrachter. „Er will, dass Sie sich in jedes Blatt involvieren, dass Sie mit dem Bild diskutieren und erkennen, wie sehr unsere Weltbetrachtung von Regeln, Gesetzen und Vorurteilen geprägt ist.“ Genau dagegen wehre sich Alker, stellt der promovierte Kunsthistoriker fest.

Kunsthistoriker Dr. Dieter Ronte hält die Laudatio. Foto: Thomas Merkenich

Kunst und (Privat-)leben

Ein besonderer Magnet ist die Sammlung dutzender bemalter und beschriebener Postkarten von 2015 bis 2023, präsentiert in großen Rahmen. Daniel Alker erzählt, sein Vater habe eine Zeit lang täglich eine Postkarte an seine Mutter, Krista Alker geschrieben. In einer früheren Ausstellung in der Villa Zanders wurden sie mit Nadeln an die Wand geheftet, sodass Vorder- und Rückseite sichtbar waren.

… manchmal gelang mir was”
ECKARD ALKER retro-spektiv gesehen
8. mai bis 25. mai 2026
Galerie BASEMENT16

Öffnungszeiten: 
Donnerstag & Freitag: 15-18 Uhr
Samstag & Sonntag: 11-15 Uhr
Und nach Absprache: 02204 962245

Basement16
Bergisch Gladbach-Bensberg
Schlossstraße 16
www.basement16.de

Alker schrieb Hunderte persönlicher Karten – an seine Frau und an Freunde mit liebevollen Details. So verarbeitete er etwa gesammelte, abgestempelte Briefmarken. Nach dem Tod seiner Frau wurden die Karten an sie „nicht mehr wohnhaft in“ adressiert. Für Eckard Alker wurden sie zu einer Art Tagebuch – auch, um seine Trauer zu verarbeiten, erzählt Daniel Alker.

Die Texte erzählen von Begegnungen, Literatur und Nachrichten – sehr persönlich, wie an einen engen Vertrauten. In winziger Schrift, gerade noch lesbar, dicht gedrängt, aber mit großer Sorgfalt geschrieben. Viele Betrachter bleiben stehen und diskutieren: „Wie innig muss diese Beziehung gewesen sein?“ oder „Wie tief der Austausch?“ Aber auch: „Wie heilsam ist das kreative Verarbeiten von Trauer?“

Besucher gehen nah heran, manche schrecken zurück. „Darf man das lesen?“ – „Das ist so intim.“ Fraglos: Das ist es. Die Werke stammen aus dem privaten Bestand des Künstlers und sind nicht verkäuflich.

Diese Kunst wehrt sich gegen die Scheu, das Traurige zu sagen und das zu teilen, was man heutzutage mehr denn je mit sich allein ausmacht. Wo findet man das schon – wenn nicht in der Kunst?

Weitere Impressionen von der Vernissage


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Medienkünstlerin und Kulturjournalistin

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