Die Zentralwerkstatt bildet das Zentrum der „Altstadt“ des Zanders-Areals. Foto: Thomas Merkenich

Das Jugendzentrum Q1 wird auf dem Zanders-Areal nicht in der bekannten Form fortgeführt, sondern lediglich einzelne Angebote leisten – in der Zentralwerkstatt und im Gleispark. Eine exklusive Nutzung von Teilen der Zentralwerkstatt passe nicht zum Konzept des sozio-kulturellen Zentrums und könne die Förderung durch das Land gefährden, erklärt die Stadt auf Nachfrage.

Das Angebot der Stadt an die Jugend war nicht üppig, schien aber klar: Wenn das alte Q1-Gebäude am Quirlsberg aufgegeben wird, ziehen Pfadfinder und Kindergarten-Museum in ein neues, kleines Jugendquartier ein Stück die Hauptstraße hoch – und das Jugendzentrum Q1 der evangelischen Kirche kommt (ebenfalls auf kleinerer Fläche) in der Alten Zentralwerkstatt auf Zanders unter.

Im Prinzip stimmt das, aber nicht so ganz, stellt die Stadt jetzt auf eine erneute Nachfrage klar.

„Es geht nicht um eine Fortführung des Q1 an einem anderen Standort, sondern um die Entwicklung eines neuen offenen Angebotes für junge Menschen, das sozialräumlich und agil ausgerichtet sein wird“, heißt es in einer gemeinsamen Antwort der Stadtverwaltung und der Zanders Entwicklungsgesellschaft (ZEG). Diese Nutzung müsse sich in das „hochwertige“ Umfeld einpassen.

Für die Jugendarbeit des Q1, das hatte die Stadt im März mitgeteilt, können in der Zentralwerkstatt ein ebenerdiger Raum von gut 106 qm sowie ein weiterer im Obergeschoss mit 95 qm genutzt werden – die aber mit anderen Nutzern geteilt werden müssen. Weitere Angebote sollen unter freiem Himmel, im neuen Gleispark, ihren Platz finden.

Der Gleispark bietet vielseitige Sport- und Freizeitmöglichkeiten, hier sind die Jugendzentren bereits jetzt abwechselnd vertreten. Foto: Thomas Merkenich

Eine „alleinige Nutzung von Räumlichkeiten“ durch das Q1 sei nicht geplant. Ob und wie der „Offene Treff“, der das Herzstück eines Jugendzentrums bildet, in der Zentralwerkstatt erhalten bleiben kann, ist unklar. Das konkrete Konzept, so die Stadt, werde mit dem Träger, der evangelischen Kirchengemeinde, noch entwickelt. Die Kirche sei mit den Plänen soweit einverstanden; sie selbst reagierte auf eine Nachfrage zunächst nicht.

Die Sicht des Jugendzentrums

Aktualisierung 13. Mai: Der Leiter des Jugendzentrums Q1, Christian Kulka, äußert sich im Gespräch mit dem Bürgerportal zufrieden darüber, „dass man uns eine Perspektive bietet“. Nie habe ein Aus des Jugendzentrums im Raum gestanden. Die Möglichkeit, die Jugendarbeit auf dem Zanders-Gelände mit zu entwickeln und zu gestalten, bezeichnet Kulka als Chance für die Jugend und die Stadt Bergisch Gladbach.

Von einem „Untergang der Jugendarbeit“ könne keine Rede sein, so Kulka. Der Offene Treff, aus seiner Sicht das Wichtigste am bisherigen Standort, müsse auf dem Zanders-Gelände wieder entwickelt werden, wenn auch möglicherweise in anderer Form als bisher.

In einer gemeinsam Erklärung der evangelischen Kirchengemeinde und des Jugendzentrums heißt es: „Wir vertrauen darauf, dass die Stadt Bergisch Gladbach gemeinsam mit uns eine Lösung entwickelt, die es ermöglicht, auch am Standort Zanders weiterhin eine verlässliche und qualitativ hochwertige Jugendarbeit anzubieten.“

Die Stellungnahme im Wortlaut:

„Die Evangelische Kirchengemeinde Bergisch Gladbach ist sich bewusst, dass es in Zeiten knapper öffentlicher Mittel zu Veränderungen kommen kann. Wir vertrauen darauf, dass die Stadt Bergisch Gladbach gemeinsam mit uns eine Lösung entwickelt, die es ermöglicht, auch am Standort Zanders weiterhin eine verlässliche und qualitativ hochwertige Jugendarbeit anzubieten.

Wir können uns gut vorstellen, unsere alten und neuen Angebote Schritt für Schritt auf das Zanders‑Areal zu verlagern und diesen Prozess gemeinsam mit der Stadt zu gestalten. Gleichzeitig könnte das Jugendzentrum während dieser Übergangsphase weiterhin in dem Gebäude am Quirlsberg 1 beheimatet sein. Dort können wir jungen Menschen nach wie vor einen Ort bieten, an dem sie willkommen sind, sich sicher fühlen und ein Stück Zuhause finden. 

Aus unserer fachlichen Erfahrung heraus wissen wir, wie wertvoll ein niedrigschwelliger, offener Raum für Jugendliche ist – ein Ort, den sie mitgestalten, beleben und als ihren eigenen wahrnehmen können. Ein solcher Treffpunkt wäre auch auf dem Zanders‑Gelände eine große Bereicherung. Bis eine passende Lösung dort gefunden ist, sehen wir es als sinnvoll und möglich an, den Offenen Treff am Quirlsberg weiterzuführen, damit die Jugendlichen weiterhin einen vertrauten und verlässlichen Anlaufpunkt haben. 

Wir sind offen für die Vorschläge der Stadt und zeigen eine hohe Bereitschaft, konstruktiv an Lösungen mitzuwirken und Kompromisse einzugehen. In diesem Zusammenhang sind wir mit dem Fachbereich 5 Jugend und Soziales seit Sommer 2025 im Gespräch. Unser gemeinsames Ziel sollte es sein, jungen Menschen auch künftig einen attraktiven, sicheren und lebendigen Ort in der Innenstadt zu bieten – ob am Quirlsberg oder perspektivisch auf dem Zanders‑Areal.“

„Keinerlei verwaltungsinterne oder politische Beschlüsse“

Stadt und ZEG betonen, dass bislang nichts in Stein gemeißelt sei: „Bis heute gibt es keinerlei verwaltungsinterne oder politische Beschlüsse zur Unterbringung der Jugendeinrichtung Q1 (Träger evang. Kirche) – in welchem Ausmaß und in welche Art auch immer – auf dem Zanders-Gelände.“

Frank Stein auf dem Weg zum Interview vor der Alten Zentralwerkstatt. Foto: Thomas Merkenich

Der damalige Bürgermeister Frank Stein hatte die Richtung im Juni 2025 vorgegeben: „Perspektivisch soll die Jugendarbeit in der Zentralwerkstatt auf Zanders stattfinden“, hatte er dem Bürgerportal gesagt. Er hatte also nicht von „dem Jugendzentrum“ gesprochen; doch weder er noch sein Nachfolger Marcel Kreutz oder andere Vertreter der Stadt hatten den öffentlichen Eindruck korrigiert, „das Q1“ ziehe um.

Zentrale Lage erfordert Rücksichten

Das Jugendzentrum muss sich in das Gesamtkonzept für das Zanders-Areals einfügen, in mehrfacher Hinsicht. Zum einen wird das soziokulturelle Zentrum in erheblichem Umfang vom Land NRW gefördert. Weicht die Stadt vom vereinbarten Nutzungskonzept ab, könnten diese Mittel in Gefahr geraten, deutet die Verwaltung an.

Zwar sei eine „Mitbenutzung des Q1“ aus der städtebaulichen und fördertechnischen Sicht „denkbar bzw. verträglich“. Aber nur, „soweit sie dem Anspruch und Planungs-/ Förderziel der gemeinschaftlichen Nutzung/ Bespielung der Fläche und des Gebäudes für alle Altersgruppen im Rahmen der Quartiersentwicklung zu Gute kommt“.

Zum anderen liege die Zentralwerkstatt nicht auf der grünen Wiese oder in einer Randlage, bemerkt die Stadt. Sondern im Zentrum des Areals, mitten in der sogenannten Altstadt mit den großen, denkmalgeschützten Gebäuden (Kalandersaal, Sortiersaal, Lagerhochhaus), die zu hohen Preisen an Investoren vermarktet werden sollen. Nutzungskonflikte sollten daher vermieden werden.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. ….unfassbar. Rot-Grüne Politik einfach nur asozial, wie es schlimmer nicht geht.

      1. ….sagen Sie es mir. Ok, ich korrigiere mich. Verantwortliche der Stadt Bergisch Gladbach wozu massgeblich Rot Grün gehört.

      2. Rued Kraus, das ist aber ganz schön viel Meinung für ziemlich wenig Ahnung.

        Zur Sitzverteilung: https://www.bergischgladbach.de/stadtrat.aspx

        Zum Abstimmung über das Q1: Die Linke hat für den Erhalt gestimmt, bei der FWG weiß ich gerade nicht, ob sie sich vielleicht enthalten haben. Alle anderen Fraktionen, demokratische und Nazis, haben dagegen gestimmt.

  2. Ehrlicherweise bin ich nicht mit allen Hintergründen zur Schließung des Q1 vertraut. Aber beim Lesen des Artikels kommt eine Botschaft ziemlich klar rüber, die Jugend muss sich mit dem zufrieden geben, was im Planungskonzept des Zanders Areals übrig bleibt.
    Egal welche Gründe es für die Verlagerung des Jugendzentrums gibt, es kann nicht sein, dass die Jugendarbeit nur als Stückwerk, in abgespeckter Form, weitergeführt wird. Kostenfreie und niedrigschwellige Angebote für Jugendliche sind sowieso schon Mangelware, da weiter zu beschneiden halte ich für einen absolut falschen Weg. Auch und gerade auf dem Zanders-Gelände sollte genug Raum für freie, kreative und offene Jugendarbeit sein. Das fördert das Miteinander, die Kreativität und die Zukunftsfähigkeit dieser Stadt. Jugend bedeutet nämlich auch immer Veränderung und die könnte uns ganz gut tun.

  3. Der Kapitalismus frisst seine Kinder. Aber egal, Hauptsache man kann von „agilen“ Konzepten sprechen, die „unter freiem Himmel“ stattfinden aber bitte nicht zu laut, wir wollen die Reichen ja nicht in ihren schicken Industrial Style Penthouse Apartments stören.
    Kinder sind doch eh egal, die sind doch heutzutage eh nur am Handy und für nichts zu gebrauchen.
    Ach, was muss ich da hören, Kinder sind unsere Zukunft? Ne, da sagt mein Bankkonto aber was anderes. Ich Kauf mir einfach all den Bums, denn in einer Gesellschaft geht es mir nur um mich. Geil, Individualismus wird uns alle retten, auch dich lieber Kommentar Lesender, du musst dich nur genug anstrengend, denn auch du kannst es schaffen. Komm doch, schreib doch auch das du Rechts oder Links bist, ist ja eh egal solange wir weiterhin reich, weiß, individualistisch und privilegiert bleiben.
    Au man, die Zukunft sieht alles andere als bunt, positiv und gemeinschaftlich aus…

  4. Es ist einfach nur traurig. Gefühlt wird alles, was dieser Stadt einen nach vorne gerichteten, modernen Anstrich verpassen könnte, mit aller Macht boykottiert (Thema Straßenverkehr und das unumstößliche Vorrecht des PKW). Und auch das, was hier Hoffnung gibt, wird, wie das Q1, offensichtlich abgeschafft. Wann begreift unsere Lokalpolitik und die Verwaltung endlich, das die Zukunft und damit die Planungen der Jugend gehören muss, und nicht der Generation Ü60 (zu der ich übrigens auch zähle).

  5. Wirklich fies, wie die Jugendlichen und das Q 1 hier ‘im Regen stehengelassen werden’.
    Sie brauchen ein sicheres Ausweichquartier.

  6. Ich bin völlig fassungslos.

    Mehr fällt mir gerade nicht ein – außer, dass ich auf eine weitere Protestwelle hoffe, in der sich den aktiven Pfadfinder*innen hoffentlich endlich auch die JuZe-Menschen anschließen. Kämpft für eure Rechte!

  7. “Sondern im Zentrum des Areals, mitten in der sogenannten Altstadt mit den großen, denkmalgeschützten Gebäuden (Kalandersaal, Sortiersaal, Lagerhochhaus), die zu hohen Preisen an Investoren vermarktet werden sollen. Nutzungskonflikte sollten daher vermieden werden.”

    Die Entwicklung des Zanders-Areals hätte die Chance sein können, einen Ort für wirklich alle zu entwickeln. Einen Ort für Subkultur und für die Jugend. Für Menschen, die sich bisher jeden noch so kleinen Freiraum andauernd und immer wieder neu erkämpfen müssen. Stattdessen habe ich den Eindruck, dass es nur noch um die lieben Investoren geht, nicht mehr um die Bürger und Bürgerinnen. Ein Ort also, für die, die es sich leisten können.

  8. In dieser GL Links-Grünen-Oase werden eben anderen Themen priorisiert: Fahrradstraßen, Fahrradstraßen, Fahrradstraßen. Hierfür gibt man zig- oder gar hunderdtausende Euros aus, bindet dafür auch noch Personal, macht alles ignorant falsch und baut es wieder ab. Da bleibt für die GLer Jugend eben nichts mehr übrig. Erstaunlich das Bürgermeister Kreutz, selbst in GL aufgewachsen sich zu allem nicht äußert und abtaucht. Ob es an seiner nötigen Unterstützung durch die Grünen liegt?

    1. Man merkt an Ihrem Kommentar zwei Dinge.

      1.) Sie sind ein politisch rechter.
      2.) Sie haben sich mit dem Thema Jugendarbeit in GL nicht mal im Ansatz hinreichend beschäftigt.
      3.) Lesen Sie mal nach, was der Bürgermeister schon zu Jugendzentren im Wahlkampf gesagt hat.

      4.) Auch Jugendzentren müssen Zahlen liefern. Ich gehe davon aus, dass Sie nicht die Besucherzahlen im Q1 kennen. Bleiben die Kinder weg, sind neue Konzepte hilfreich. So läuft das in der offenen Jugendarbeit… Die Halfpipe, Soccercage, Fitnessgeräte und die tolle große Freifläche mit Geräten sind ein enormes Upgrade zum Gelände am Quirlsberg. Wesentlich attraktiver für Jugendliche.

      Also tun Sie nicht so, als ob nichts für die Jugend getan wird.

      Ihre Argumentation ist der von Afdlern verdächtig nah.

      1. Also wenn es dem Q1 an einer Sache nicht fehlt, dann sind es die Besucher…
        Aus genau diesem Grund wäre es fatal, wenn der einzige Rückzugsort in Gladbach Mitte wegfallen würde. Eben auch, um Menschen auf einem demokratischen Weg zu halten…

      2. 1. Ja
        2. Doch
        3. Merz hat im Wahlkampf auch unglaublich viel gesagt und nach seiner Wahl fast ALLE Versprechen gebrochen
        4. Nö, die Zahlen kenne ich nicht. Ich weiß aber welche (geringe) Bedeutung Kinder (Thema KITA) und Jugendliche bei den Grünen/ SPD in GL haben. Dafür Fahrradstraßen…

        AfDler argumentieren/ kritisieren eine schlechte Grüne/ SPD Jugendpolitik? Hä?

      3. @ TGassen

        1. Dann hatte ich ja Recht.
        2. Das nehme ich Ihnen nicht ab. Dafür sind ihre Aussagen zu undifferenziert und populistisch.
        3. Whataboutism.
        4. Das ist lupenreiner Populismus. Grüne und SPD haben familienorientierte Politik (Kita-Ausbau) stark auf der Agenda. Ich denke da etwa an die Milliarden – Kitaqualitätsgesetz der Ampel (grüne Ministerin).
        Offene Jugendarbeit ist für Grüne und SPD ein grundlegend wichtiger Schwerpunkt.

        Das sie immer wieder das Thema Fahrradstraßen hervorholen… Whataboutism. Erneut. Was hat Verkehrspolitik mit Sozialpolitik gemeinsam.

    2. Ich weiß nicht, inwiefern das etwas mit linksgrünversifft (was übrigens Populisten-Sprech ist) zu tun haben solle. Immerhin waren die Linken die einzige demokratische Fraktion, die für einen Erhalt des Gebäudes für die Jugend gestimmt haben.

      Wie Sie ja offensichtlich auch, bin ich selbstverständlich weiterhin enttäuscht, dass Grüne und SPD nicht dafür gestimmt haben. Von der CDU habe ich nie etwas anderes erwartet. Kinder und Jugendliche sind halt keine Autos.

  9. Infamie
    12:21 Uhr

    Kommentar wurde gelöscht:
    bestand aus einem Wort!

    – zu wahrheitstrefffend?
    “löst sich auf” – wird aufgelöst!
    Mein Wort war:
    Mein Wort ist:
    __ Infamie

    denn alles andere ist schon x-fach geschrieben

    1. Noch eine Info an alle, die sich hier so empören.

      Jugendzentren müssen sozialräumlich begriffen werden. Vormittags sind die Kinder in der Schule und brauchen die Räume nicht. Da können wunderbar Senioren oder wer auch immer die Räumlichkeiten nutzen. Die Kern-Zeiten von Jugendzentren sind 15-20 Uhr. Das dürfte auch weiterhin problemlos möglich sein .

      1. Lieber Paul Brings, ganz so einfach kann man das nicht betrachten. Es wird einleuchten, dass Kinder und Jugendliche andere Anforderungen an Räumlichkeiten haben als Erwachsene (Kinder sind eben keine kleinen Erwachsene) und ein permanentes umbauen nicht funktioniert.

        Kinder und Jugendliche brauchen Freiräume, die sie nach ihren Bedürfnissen gestalten können.

        Es wäre ja echt praktisch, wenn es so einen Ort schon geben würde…

      2. Tja, Herr Brings, das überzeugt mich als Argument nicht wirklich. Kann ich tagsüber in Ihrem Schlafzimmer, natürlich nur wenn Sie dort gerade nicht schlafen, mit meinen Kumpeln Karten spielen? So “sozialräumlich begriffen”, was immer das in dieser Beziehung bedeuten soll, müsste das doch gehen – oder?
        Ich empöre mich weiter.

      3. Mal ehrlich, Herr Brings – waren sie jemals in einem Jugendzentrum? Haben Sie überhaupt irgendwie Ahnung von der Arbeit dort und von den Menschen, die sich dort aufhalten? Wissen Sie, wie das aussehen muss, welche Orte sie brauchen? Ach ja, und was ist mit Ferien? Ich kann das manchmal nicht mehr!

  10. “Nutzungskonflikte sollten daher vermieden werden.”

    Dann lasst die Pfadfinder und Jugendlichen dort, wo Sie gerade schon sind.

  11. Man kann das doch ganz einfach in einen einzigen Satz übersetzen: Jugendliche interessieren uns nicht.

    Irgendwann wird man vielleicht feststellen, dass diese Jugendlichen die Erwachsenen von morgen und somit unsere Zukunft sind…

  12. Wer so mit jungen Menschen umgeht, wird das eines Tages bitter bereuen. Aber dann ist es zu spät.

  13. Ich muss zugegeben, dass mein erster Gedanke dazu nicht druckfreif war …
    Zitat aus dem Artikel: “Zum anderen liege die Zentralwerkstatt nicht auf der grünen Wiese oder in einer Randlage, bemerkt die Stadt. Sondern im Zentrum des Areals, mitten in der sogenannten Altstadt mit den großen, denkmalgeschützten Gebäuden (Kalandersaal, Sortiersaal, Lagerhochhaus), die zu hohen Preisen an Investoren vermarktet werden sollen. Nutzungskonflikte sollten daher vermieden werden.”

    Genau das stellt doch den unglaublichen Wert des Q1 für offene Jugendarbeit, Pfadfinder und perspektivisch auch andere Jugendverbände und -gruppen dar. Ein Ort zentral und doch soweit am Rand, dass es niemanden stört, wenn Jugend sich dort auch ausprobiert. Ein Gebäude soweit sicher, dass davon keine Gefahr ausgeht und doch schon so abgewohnt, dass es nicht mehr mit Samthandschuhen angefasst werden muss. So viel Platz, dass unterschiedlichste Angebote auch über mehrere Tage und Wochen stattfinden können, ohne, dass jedes Mal alles wieder pico Bello aufgeräumt werden muss. Ein Gebäude das als “unser Gebäude” wahrgenommen und soweit möglich auch unterhalten wird.

    Und jetzt kommt scheibchenweise raus, dass all das still und leise noch weiter als schon vorher bekannt eingestampft wird? Mit Verweis auf Interessen von Investoren?
    Ist den handelnden Personen eigentlich klar, wie groß Frust und Enttäuschung auf Seite der Jugendlichen ist?

  14. Dieser Vorgang verstärkt meinen Eindruck, dass sich GL nur noch selbst feiert als wenn es kein morgen gebe. Die Altvorderen treffen sich zufrieden bei all der Vielzahl an angebotenen Formaten für ihre Zielgruppe und finden es toll.

    Was ist mit den Jugendlichen? Der Zukunft der Stadt? Sie darf gern außerorts auf die Suche gehen, damit man sich selbst in Ruhe treffen und gediegen feiern kann.

    Man braucht sich nicht wundern, wenn die jungen Menschen nach der Schule nur noch aus GL weg wollen. Es tut mir leid für die Jugendlichen und die Zukunft dieser Stadt.

  15. Man gewinnt den Eindruck, Jugend stört die oder in der Stadt. Das Q1 ist für meine Jungs ein beliebter -der einzige- Treffpunkt. Wenn es das nicht mehr gibt: wohin sollen die Kids, die ja anscheinend Investoren vergraulen?

  16. Was hier rund um das Q1 passiert, ist inzwischen nicht mehr nur enttäuschend – es ist ein Lehrbeispiel dafür, wie Politik selbst Politikverdrossenheit produziert.

    Jugendliche, Pfadfinder und Ehrenamtliche werden seit fast zwei Jahren hingehalten. Erst wird von Perspektiven gesprochen, dann von Übergangslösungen, dann von Zanders, dann plötzlich davon, dass das Q1 gar nicht fortgeführt werden soll. Gleichzeitig investiert die Stadt jetzt trotzdem noch rund 250.000 Euro in die Betriebssicherung des Gebäudes – nur damit der Standort anschließend trotzdem verschwindet. Wie soll man das bitte noch nachvollziehen?

    Parallel dürfen Kinder und Jugendliche in Beteiligungsformaten erzählen, was sie sich für Bergisch Gladbach wünschen, während ein funktionierender Treffpunkt praktisch abgewickelt wird. Das wirkt nicht wie Beteiligung, sondern wie Beschäftigungstherapie.

    Und genau solche Prozesse treiben Menschen in die Arme radikaler Parteien. Nicht, weil plötzlich alle extrem werden, sondern weil viele das Gefühl bekommen, dass politische Entscheidungen längst feststehen und Bürger nur noch pro forma angehört werden.

    Wer Jugendliche jahrelang vertröstet, Ehrenamtliche ignoriert und gleichzeitig millionenschwere Stadtentwicklungsprojekte vorantreibt, darf sich wirklich nicht wundern, wenn das Vertrauen in die demokratischen Parteien massiv Schaden nimmt. Rechte Parteien nehmen solche Steilvorlagen dankend an.

  17. Ein Armutszeugnis! Ein Schlag ins Gesicht der Jugendlichen! Ich bin fassungslos. Kinder und Jugendliche sollen sich an Gebäude anpassen!!! Es werden unglaubliche Gelder ausgegeben um ein Gebiet “schön und harmonisch” zu machen und der Mensch der darin später agieren soll, wird vergessen!

    “Die Jugend” soll uns den Hintern retten: in den Krieg ziehen, länger arbeiten, unsere Renten bezahlen und kann nicht mal jugendlich sein: Leben, frei sein, sich ausprobieren, gestalten, frei sein, Demokratie erfahren…. Wir brauchen uns nicht wundern die Jugend dadurch in rechte Gesinnung zu treiben, die der Jugend verspricht alles besser zu machen. Der Frust muss unglaublich groß sein!

    Wo sind die jugendlichen Rebellen der 70er und 80er Jahre….. Stimmt, die sitzen jetzt im Stadtrat.

    Ich möchte mich hiermit ausdrücklich und aufrichtig für meine Generation entschuldigen, die genauso agiert wie Generationen vorher ,Kinder und Jugendliche nicht anzuhören, nicht zuhören und zu vergessen. Es tut mir leid…. Ich stehe an eurer Seite.

  18. „soweit sie dem Anspruch und Planungs-/ Förderziel der gemeinschaftlichen Nutzung/ Bespielung der Fläche und des Gebäudes für alle Altersgruppen im Rahmen der Quartiersentwicklung zu Gute kommt“

    Da stellt sich mir die Frage: Was, wenn ein Jugendzentrum allen Altersgruppen zu Gute kommt? Und was wären bitteschön Anhaltspunkte, anhand derer “zu Gute kommen” bewertet wird?

    Ich fände es echt cool, da mal mehr Leute vom Q1 zu hören. Ich finde es desweiteren absurd, dass sie als Teil der engagierten Zivilgesellschaft, die durchaus Teil des Staates ist, von diesem sabotiert wird.