Dirk Meurer ist mit zwei Heiligen aufgewachsen. Also fast: Schon sein Großvater zog Jahr für Jahr diversen Martinsumzügen als Reiter voran, später sein Vater. Inzwischen steigt der Inhaber des Reitstalls Meurer auch selbst zu Sankt Martin aufs Pferd und hat uns erzählt, wie das so ist.

Wer ein Pferd mit Reiter:in für einen Martinszug sucht, hat gute Chancen, im Reitstall Meurer fündig zu werden. „Das machen fünf oder sechs Leute bei uns“, sagt Inhaber Dirk Meurer am Telefon. Einschließlich ihm selbst. So wie bereits sein Vater und sein Gr0ßvater vor ihm.

Vor sechs Jahren legte er sich zum ersten Mal selbst den roten Umhang um und ritt einem Martinszug voraus. Für diese Feuerprobe hatte er den Umzug in Herkenrath ausgewählt, der nicht so groß ist und bei dem es genug Platz gibt, auszuscheren, falls das Pferd nicht mitmacht.

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Denn: „Das ist nicht für jedes Tier etwas. Als Reiter sollte man wissen, was das Pferd nervenmäßig abkann. Ich habe es mit meinem einfach ausprobiert.“ Merlin heißt Dirk Meurers Pferd, ein rheinisch-deutsches Kaltblut. Eigentlich mehr ein Kutsch- als ein Reitpferd, sagt Meurer.

Dirk Meurer auf Merlin. Foto: privat

Merlin fand es gut. Das merkte Meurer daran, dass er sich bereitwillig anpasste, langsamer lief. Es gefiel dem Tier auch, dass viele Kinder ihn hinterher streicheln wollten. „Merlin mag Kinder“, sagt Meurer.

Und so laufen die beiden inzwischen jeden November bei diversen Umzügen mit. Dieses Jahr begleiten Meurer und Merlin eine Bensberger Grundschule, eine Kita in Herkenrath und eine Grundschule in Köln-Merheim.

Meist reitet das Duo voran. Bei manchen Zügen gibt es hinterher ein großes Feuer, bei anderen verteilt Meurer hoch zu Ross Weckmänner. „Die Kinder finden das immer toll“, sagt Dirk Meurer. „Das ist schon schön“.

Lichterfest statt Sankt Martin

Allerdings seien die Martinszüge in den letzten Jahren ruhiger geworden: „Es wird weniger gesungen.“ Vielleicht, weil es schwieriger sei, Musiker:innen zu finden, die mitlaufen, vermutet Meurer.

Gerade in Köln würde zudem immer mehr Kindergärten und Schulen Lichterfest feiern statt Sankt Martin. Der katholische Heilige falle weg und damit auch das Pferd mit Reiter:in. „Aber hier auf dem Dorf sehe ich das noch weniger“, sagt Meurer und lacht.

Und so wird er sich wohl auch in Zukunft jedes Jahr im November einen roten Umhang umwerfen, Merlin satteln und Kinderaugen zum Strahlen bringen.

ist freie Reporterin des Bürgerportals. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg. Nach einem Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro glücklich zurück in Schildgen.

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