Für die Öffentlichkeit ist der Park von Haus Lerbach weiterhin geschlossen – aber für Führungen ist er immer wieder geöffnet worden. Unsere Autorin hat die Gruppen begleitet und dabei von den Besucherinnen und Besuchern viele persönliche Geschichten über „Schloss Lerbach“ gesammelt.
„Wir wollen den interessierten Menschen aus der Umgebung Gelegenheit geben, einen kleinen Einblick in den Park zu bekommen und bei einigen auch Erinnerungen zu wecken.“ Mit diesen Worten hatte Eigentümer Heribert Landskron-Reißdorf im Herbst 2025 die Idee für die Führungen entwickelt und bald umgesetzt. Die Resonanz nach dem ersten Aufruf im Bürgerportal war enorm. Mehr als 150 Interessenten meldeten sich.
Seit Oktober 2025 öffnete der Park regelmäßig für die Parkführungen seine Pforte, Ende Oktober zum vorerst letzten Mal. Der Park wird derzeit wiederhergestellt; dazu sind große Parkbereiche abgesperrt. Wann die bislang elf Führungen fortgesetzt werden, ist noch ungewiss. Es hängt davon ab, wie schnell die Arbeiten im Park erfolgen.

„Immer wieder erreichen uns Bilder verbunden mit interessanten Erinnerungen und Anekdoten. So erhielten wir vor kurzem Fotos eines Schwimmbades im Park, aus der Zeit des belgischen Militärs, inzwischen zurückgebaut und zugeschüttet“, berichtet Landskron-Reißdorf.
Vor der ersten Führung stellte sich die Frage, wie die komplexe Parkgeschichte zu vermitteln und die Tour kurzweilig zu gestalten sind. Ein Park-Plan von 1905 gab die Parkrouten vor. Die Gäste beeindruckte, wie viel trotz jahrelanger Veränderungen von der alten Grundstruktur im heutigen Gelände noch wiederzuerkennen war.
Die Gäste konnten sich vom immensen Wildwuchs, von überwucherten Wegen, von maroden Mauern und willkürlich verursachten Veränderungen selbst überzeugen. Wo Parkbereiche aus Sicherheitsgründen unpassierbar waren, boten aktuelle und historische Fotos Einblicke. Dabei entstand ein Vorher-Nachher-Effekt.
Obwohl viele Teilnehmende Haus Lerbach bestens kannten, waren ihnen die Parkgeschichte und die Gestaltungsprinzipien dieses englischen Gartens nach den Plänen von Albert Brodersen relativ fremd. „Wir kennen den Park seit Jahren und doch erschließt sich uns seine bewegte Geschichte erst heute nach der Führung so richtig“, sagt ein Teilnehmer.
„Sooo viele Jahre war das Gelände um Schloss Lerbach für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Umso mehr haben wir uns über das Angebot einer Führung durch den Lerbacher Schlosspark gefreut. Wir konnten bei der unterhaltsamen Führung allerlei über die wechselvolle Geschichte von Schloss und Park lernen“, meint jemand anderes.
Fotos: Krampe, Gramann, Alex, Voigt
Haus Lerbach wiedersehen
Die Motive, teilzunehmen, waren so verschieden wie die Menschen, die ich bei den Führungen traf. Manche kannten den Park von früher und wollten ihre Erinnerungen und Erlebnisse mit anderen teilen. Andere beabsichtigten, den Park wiederzusehen, und waren neugierig, was aus dem Gelände wird. Einige hatten von Haus Lerbach gehört und nutzten die Gelegenheit, sich selbst ein Bild zu machen.
„Es war wundervoll, nach 40 Jahren wieder im Park sein zu können“, so eine Stimme. Eine ältere Besucherin erzählte, dass der Park für sie als Kind „ein großer Vorgarten“ war. „Ein Garten, den ich nie hatte.“
Alle einte ihre Vorfreude auf die Wiedereröffnung. Wie früher erneut auf der Terrasse des Bistros sitzen und auf den Teich schauen, im Restaurant nach einem Parkbummel etwas essen oder im Pavillon nach englischer Manier Tee trinken, so die Phantasie einiger Parkbesucher.
Neue Anekdoten und Episoden

Am Parkwächterhaus am Eingang, dem ersten Haltepunkt, wuchs Walter auf. Als er Anfang der 30er Jahre geboren wurde, schickte Anna Zanders ihren Diener Heinrich mit einer goldverzierten Glückwunschkarte zur Familie. „Meine Mutter meinte couragiert, dass ihr ein Huhn lieber sei als eine solch kostbare Karte. Kurze Zeit später kehrte Heinrich mit einem Suppenhuhn zurück.“
Mit Blick auf die Wiese links von der Eibenallee steht eine Stele. Niemand konnte bisher Ursprung und Bedeutung erklären, bis auf Walter. In seiner Familie erzählt man sich seit Jahrzehnten folgende Geschichte. Als Haus Lerbach Rittergut war, fanden hier Ritter-Turniere statt, bei denen sich ein Ritter tödlich verletzte. Ihm zu Ehren errichtete man diese Säule. Ob diese wirklich so alt ist? Es ist dennoch eine nette Legende.
Die kreisförmige Terrasse gegenüber, das Rondell, wurde eifrig mit historischen Fotos verglichen. Wo waren der Aufgang und die weißen Sitzbänke? Wo befand sich das Schwimmbad? Ein Teilnehmer wusste es: „Genau gegenüber der alten Esskastanie.“
Von hier aus war es nicht weit zum grünen Pavillon. Ein Zeitzeuge war der Ansicht, dass „der grüne Pavillon Anna Zanders’ Teehaus war und der Pavillon am Lerbach dagegen ihr Badehaus“. Die Teilnehmer hatten dazu unterschiedliche Meinungen.

Ein älterer Herr fand schließlich einen Kompromiss: „Beide Pavillons sind auch ohne klare Benennung ihrer Funktion schön. Toll, dass wir den am Lerbach jetzt wieder von innen anschauen können.“
An der Steinbrücke pausierte die Gruppe häufig. Zeit und Muße für weitere Geschichten. Eine Dame erzählte eine Begebenheit aus ihrer Familie, nachdem die Serie Forstinspektor Buchholz erwähnt wurde: „Die Tochter des Hauptdarstellers Horst Kummeth besuchte die Klasse meiner Schwester. Deshalb war er mal bei uns zu Hause! Es gab einen Kuchen, der ihm gut schmeckte. Bis heute nennen wir diesen Kuchen die Forstinspektor-Buchholz-Torte.“ Die Älteren erinnerten sich noch gut an diese Serie, die hier von 1989 bis 1993 gedreht wurde.
Eine Frau zeigte einen Artikel von 1984 über den Pianisten und Klavierpädagogen Theo Momme. Sie stellt sich als seine Tochter heraus. Momme spielte Anna Zanders eine Rhapsodie von Franz Liszt vor und war anschließend im Haus Lerbach Stammgast. Man spielte oft zusammen. „Obwohl mein Vater professioneller Pianist war, gab Anna Zanders immer den Ton an“, schmunzelte seine Tochter.
An der Reithalle endete die Tour. Niemand wusste, wie die Reithalle innen aussah, bis sich letztendlich ein Anwohner erinnerte. „Es gab eine Empore, auf der die Zuschauer saßen und dem Dressurreiten zusahen.“

Einige Höhepunkte der Parkrundgänge
Senioren besuchen Haus Lerbach
Zwei Seniorengruppen erprobten die Führung als attraktives Ausflugsziel. „Für meine Senioren war Haus Lerbach immer Teil von Bergisch Gladbach, ein Anziehungspunkt in unserer Nachbarschaft und so wird es bleiben“, meint eine Leiterin. Die andere bedankte sich bei Landskron, „dass sie mit ihrer Gruppe den wunderschönen Park Haus Lerbach besichtigen konnte. Die spannenden Geschichten brachten uns Haus Lerbach näher. Und es war auch einfach schön, zwischendurch auf der kleinen Brücke die Gartenlandschaft zu genießen.“
Zeitzeugen berichten: Schloss Lerbach, wie es früher war
Unsere Autorin Annette Voigt führt Gruppen durch den geschlossenen Park von Schloss Lerbach und erfährt dabei viele Geschichten aus der Vergangenheit. Vom Feuerwerk am Teich, Picknicks im Park, dem Schwimmbad am Rondell oder dem Shuttleservice mit Hubschraubern. Hier kommen neun Zeitzeugen zu Wort.
Botanischer Spaziergang
Der Lerbacher Park ist bekannt für seinen alten Baumbestand und die über 300 Jahre alte Eiche legendär. Erstmalig boten wir, Michael Müller und ich, mit Unterstützung des Eigentümers eine Baumerkundungstour an.
Wir schulten bei den Interessenten den Blick für die Bäume, die von englischen Landschaftsgärtnern nicht nur aufgrund ihrer Wirkung, Form und Farbe, sondern auch nach ihrer symbolhaften Bedeutung gepflanzt wurden. „Diese majestätischen Baumgiganten geben mir Trost und Hoffnung“, sagte eine Teilnehmerin zum Abschluss.
Wenn die Bäume im Park von Haus Lerbach erzählen könnten
Bis zu 300 Jahre alt sind die imposanten Esskastanien im Park von Haus Lerbach, ein Drittel der insgesamt 650 Bäume sind älter als 100 Jahre. Zu vielen der ungefähr 50 Bauarten kann der Kulturlandschaftspfleger Michael Müller einiges sagen. Bei einer ersten Baum-Erkundungstour führte er jetzt durch den englischen Landschaftsgarten und machte auch deutlich, wieviel Pflege ein Baum benötigt.
Nature Journal Clubs zu Gast
Im August besuchten Mitglieder des Nature Journal Clubs den Park. Sie fanden viele attraktive Motive für ihre Zeichnungen. Besonders beliebt war die Südterrasse des Herrenhauses. Es war beeindruckend, wie sie in ihren Zeichnungen und Aquarellen exakt die romantische Ausstrahlung des Parks wiedergaben. Malerische Details, die sich ihnen an diesem Vormittag offenbarten, wie z. B. der kleine Löwenzahn mitten auf der Wiese, der oft übersehen wird.

Zwei Zeitzeugen, beide über 90 Jahre alt und nicht mehr gut zu Fuß, besuchte ich zu Hause. Sie freuten sich über aktuelle Fotos vom Park und nahmen somit Anteil. Bei Kaffee und Kuchen gab es manch neue Episode zu erzählen, die jedes Mal die nächste Parktour bereicherte. „Sammeln Sie weiterhin Geschichten, es lohnt sich“, bat ein Herr in der letzten Parkführung.
Zum Ende der Parkführungen zeigten die Teilnehmenden Verständnis für die derzeitige Schließung des Parks: „Wie viel Zeit diese Gartendenkmalpflege doch kostet.“ „Ein solch historischer Garten muss unbedingt erhalten bleiben und das dauert.“ „Ein Juwel wie Lerbach in unmittelbarer Nähe zu haben, ist doch wunderbar.“
Bei meinen Besuchen konnte ich die positiven Parkveränderungen mitverfolgen. Der Wildwuchs wurde inzwischen entfernt, das Ufer des Teiches von invasiven Pflanzen befreit und bisher überwucherte Gehölze und Nachpflanzungen sind jetzt wieder sichtbar. Der Park erwacht und auch die Parkgeschichten sind noch lange nicht zu Ende erzählt.
Erkunden Sie mit unserer Panoramatour Schloss Lerbach von innen und außen. Ein Doppelklick öffnet und schließt die volle Ansicht, mit der besten Wirkung auf einem größeren Bildschirm, auf dem Handy im Querformat. Sie können über die blauen Punkte und die Navigation oben verschiedene Perspektiven ansteuern. Sie können die Ansicht drehen, Details heranzoomen. Hinter den roten Symbolen finden Sie Texte, historische und aktuelle Fotos. Manche Infos sind ein wenig versteckt. Die Aufnahmen wurden im Frühjahr 2023 gemacht.








