Auf zu neuen Ufern

Der Umzug war bereits Anfang des Jahres verkündet worden, doch nun wird es Ernst. In den aktuellen Reportagen zum Umzug (KSTA, BLZ, Lokalteil Bergisch Gladbach, Kölnische Rundschau, Lokalteil Köln) spricht vor allem die Begeisterung über den Aufbruch zu neuen Ufern. Der von einstmals 300 auf nur noch gut 170 Mitarbeiter geschrumpfte Verlag bezieht neue schicke Räume im “Carlswerk”, im im neuen Medienviertel an der Schanzenstraße in Köln Mühlheim. Da befindet man sich in der Nähe von Harald Schmidt, Stefan Raab, E-Werk, Palladium – mitten in einer neuen kreativen Atmosphäre.

Auf den angemieteten rund 6 000 Quadratmetern im alten Verwaltungsgebäude des Kabelherstellers Felten und Guillaume kann man den Mitarbeitern gar Spielzimmer mit Billard und Dart, in der Empfangshalle gibt es eine riesige Glaskuppel mit Panoramablick auf den Dom. Und erstmal auch ein Audiostudio.

Und was ist mit Bergisch Gladbach? Der Standort an der Zinkhütte gilt wohl als weniger mondän. „Unsere Konkurrenten sitzen in Köln, Berlin, München und Frankfurt“, zitiert die BLZ Geschäftsführer Thomas Schierack. Bergisch Gladbach habe da nicht mithalten können. Die aus den 60er Jahren stammende Firmenzentrale habe junge Autoren abgeschreckt und auch die Umgebung im Gewerbegebiet Zinkhütte sei wenig erbaulich.

Was steckt hinter dem neuen Namen?

Neben dem Ortswechsel verordnete Verleger Stefan Lübbe, der den Verlag seit Anfang 2007 als “Alleinherrscher” (Handelsblatt) führt,  dem Haus einen neuen Namen – und der soll Programm sein: »Ich sehe Lübbe nicht mehr nur als Verlag, sondern als Medienhaus. Lediglich Bücher zu machen, das ist zu wenig«, sagt Lübbe in einem Interview mit dem Börsenblatt.

Dabei gibt es rund um den eigenen Namen einige Verwirrung. Bis zuletzt wurde der Verlag in Bergisch Gladbach allgemein nur “Bastei Lübbe” genannt. In Wirklichkeit firmierte er jedoch als “Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG“. Damit ist ab dem 1. Januar Schluss – dann heißt er offiziell “Bastei Lübbe Gmbh & Co KG”.

Damit besinne man sich auf die Tradition, sagt Geschäftsführer Thomas Schierack der BLZ:  „Damit wollen wir den guten Ruf, den der Bastei-Verlag sich in den vergangenen Jahrzehnten erworben hat, wieder ins Bewusstsein rufen.”

Ähnlich argumentiert Programm- und Marketinggeschäftsführer Klaus Kluge: Die Umbenennung sei eine Rückbesinnung auf die Tradition des Verlagshauses, das mit Heftchenromanen groß geworden ist: “Wir sagen: Das sind wir. Dazu stehen wir”, zitiert ihn das Börsenblatt.

Etwas anders hört sich das allerdings bei Verleger Stefan Lübbe an. Er spricht von Bastei Lübbe Medien. Unter dem neuen Namen solle es künftig zwei Bereiche egeben: die Lübbe Buchverlage und Bastei Entertainment. Unter den Buchverlagen sind die Labels Lübbe Hardcover und Paperback, Ehrenwirth, Bastei Lübbe Taschenbuch und Lübbe Audio angesiedelt. Zu Bastei Entertainment zählen Romanhefte, Filmrechte, New Media und Merchandising.

Die wahren Gründe für den Umzug

Die Begeisterung für den neuen Standort in Mülheim ist sicher echt, doch hinter dem Umzug verbirgt sich offenbar auch die Enttäuschung über die Wirtschaftsförderer in Bergisch Gladbach – und einem großzügigen Angebot der Kölner.

Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma hatte offenbar intensiv mit Stefan Lübbe verhandelt. Die Ansiedlung stärke das Renommee Kölns als Verlags- und Medienstandort, sagte Schramma nach der Bekanntgabe des Umzugs.  Der Verlag könne auch weiter auf die volle Unterstützung des Unternehmensservices der Stadt setzen.

Anders sah es wohl in Bergisch Gladbach aus. Im Februar hatten unter anderem die Köln Nachrichten geschrieben: “Der Verlag hatte sich zuvor über die mangelnde Unterstützung am alten Standort Bergisch-Gladbach beklagt. Insbesondere das tägliche Verkehrschaos in der Stadtmitte der östlichen Nachbarstadt stieß den Verlagsverantwortlichen sauer auf.”

Tatsächlich lässt sich das aus den Worten von Geschäftsführer Schierack damals heraushören: „Die Verkehrsanbindung ist eine Katastrophe.“ Bergisch Gladbach habe dem Unternehmen mehrere alternative Flächen angeboten, letzlich aber keine Chance gegen den Medienstandort Köln gehabt.

Die Niederlage gegenüber der Kölner Konkurrenz hatten im Februar auch die damaligen Verantwortlichen im Gladbacher Rathaus offen eingeräumt. Der KSTA zitiert den inzwischen abgewählten Bürgermeister Klaus Orth (SPD): „Mit dem Umzug des Traditionshauses Lübbe endet in unserer Stadt eine Ära, das tut uns in der Seele weh“.  Martin Westermann von Gladbachs Wirtschaftsförderung sagte: „In Sachen Verkehrsanbindung, Gewerbeflächen und beim Medienumfeld hatten die Kölner die Nase vorn.“

Somit ist klar, dass das mondäne Ambiente des Medienviertels im benachbarten Köln ein starkes Magnet war, aber die Standortnachteile Bergisch Gladbachs ein weiteres starkes Argument für den Umzug ist. Komisch nur, dass davon in der aktuellen Berichterstattung der Lokalpresse keine Rede ist.

Hintergrund Lübbe:

Größter Verlag in NRW, einer der letzten großen Familienverlage Deutschlands
Jahresumsatz 64 Mio. Euro, Überschuss 4,7 Mio. Euro (2008/09)
Börsenblatt: Verlagsgruppe legt um 15 Prozent zu (2008/09)
Musenblätter: Ein Rückblick auf die Firmengeschichte
Die Website von (Bastei) Lübbe

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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