Fußgängerzone

Eine endlose Debatte schien im Oktober 2010 mit dem Schreiben des Bürgerermeisters befriedet zu sein. Herr Urbach versprach: alle vitalen Bäume bleiben erhalten!

Das Schreiben wurde persönlich auf offiziellem Bürgermeister-Briefpapier an alle Unterzeichner einer Aktion der Grünen in Bergisch Gladbach zum Erhalt der Bäume in der Fußgängerzone verschickt. Vorangegangen war eine lange Debatte. Warum die Grünen die Bäume erhalten möchten, können Sie nach wie vor u.a.  hier nachlesen.

+ Anzeige +

Innerhalb kürzester Zeit sammelten die Grünen mehr als 1000 Unterschriften für den Erhalt und übergaben die Listen an Bürgermeister Lutz Urbach.

Im Oktober 2010 meldete sich Herr Urbach mit einem Brief bei allen Unterzeichnern: “kein einziger vitaler Baum wird gefällt werden” heisst es da, und weiter:

“Allen, die sich mit kritischen Wortmeldungen für den Erhalt der Bäume eingesetzt haben, möchte ich meine Anerkennung aussprechen. Mit Ihrem Protest haben Sie erreicht, dass der Wunsch der Bürgerschaft rechtzeitig in die Ausführungsplanungen eingearbeitet werden konnte.”

Das Schreiben des Bürgermeisters in ganzer Länge können Sie hier nachlesen.

Ganz ehrlich, ich war gerührt! So schön kann Kommunalpolitik sein: eine grüne Unterschriftenaktion lässt den amtierenden CDU Bürgermeister bürgernah einlenken und kurzerhand erklären: kein einziger vitaler Baum wird gefällt. Damit schien die Angelegenheit erledigt zu sein.

Einige Tage vor der Sitzung des Umweltausschuss am 17.3.2011 mehrten sich Stimmen, die doch noch die bestehenden Bäume gefällt haben wollten. Als Last Minute Argumente mussten unter anderem plötzlich die Umrandungen der Bäume, gerne als schattiger Sitzplatz genutzt, herhalten. Die wolle man nicht.

Im Umweltausschuss (UKV) haben dann tatsächlich alle Fraktionen außer den Grünen für den Kahlschlag und anschließende Neu-Anpflanzung einer Ahorn-Monokultur votiert, dabei haben CDU und FDP gegen das Versprechen ihres eigenen Bürgermeisters gestimmt.

Hatte der Bürgermeister sich vor seinem Versprechen etwa nicht der Zustimmung durch die Mehrheitsfraktionen versichert?

Zur Entscheidung im UKV gibt es hier eine Pressemitteilung der Grünen.

Am 29.3.2011 wird in der Ratssitzung im Rathaus Bensberg ab 17:00 auch dieses Thema ein letztes Mal zur Abstimmung stehen, dann wird sich zeigen, ob

  • die Bäume in der Fußgängerzone wie versprochen stehen bleiben oder gefällt werden
  • Herr Urbach für oder gegen sein eigenes Versprechen stimmt
  • die Fraktionen von CDU und FDP, die mit ihrer Mehrheit den Bürgermeister gewählt haben, für oder gegen das Versprechen ihres eigenen Bürgermeisters stimmen.

Dipl.-Math. Maik Außendorf - Stadtratsmitglied für Bündnis 90 / Die Grünen - Sprecher für Verkehr und Wirtschaft - Stellv. Vorsitzender des Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Infrastruktur und Verkehr - Ordentliches Mitglied Haupt- und Finanzausschuss - Mitglied im Ortsvorstand und Vorstand...

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

6

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Ich bin bei dieser Diskussion zwar nicht so ganz im Bilde, allerdings würde es mich mal interessieren, wer die Fällung bzw. Neuanpflanzung finanziert, bzw. aus welchem Säckerl das bezahlt wird?
    Die Diskussion um Ahorn oder Nicht-Ahorn erscheint mir als Luxus-Debatte; als wenn wir keine anderen Probleme hätten.

  2. Die Aussagen von Bürgermeister Lutz Urbach zu diesen Thema kann man auf den Inhalt reduzieren, dass die SPD an allem schuld ist, denn die SPD hat es beantragt, dass die Bäume abgeholzt werden. Die CDU, FDP, FWG und KID haben dann der SPD nur netterweise den Gefallen getan und auch so abgestimmt. Alles ist jetzt klar, die SPD ist schuld.
    Tatsächlich gibt es einige gute Gründe die Bäume zu ersetzen oder zu erhalten und es es kann abgewogen werden. DIE LINKE./BfBB spricht sich grundsätzlich und mehrheitlich für den Erhalt gesunder Bäume aus, auch wenn der “Sachkundige Bürger” der Fraktion im Ausschuss für die Neupflanzung von Bäumen gestimmt hat. In einer demokratischen Fraktion ist es durchaus normal, dass es unterschiedliche Meinungen gibt und dass die Vertreter im Ausschuss dann auch anders abstimmt als die Mehrheit der Fraktion. Im Stadtrat wenden sich alle Ratsvertreter von DIE LINKE. und der BfBB gegen das Abholzen der gesunden Bäume. Dann sind die Grünen nicht ganz alleine mit ihrer richtigen Position.

  3. Sehr geehrter Herr Bäumle-Courth,

    wenn ich Ihrer Argumentation folge, entscheidet nur noch ein Bürgermeister! Gibt er einmal ein Wort, müssen alle anderen mitstimmen?
    Egal, was Herrn Urbach dazu gebracht hat, sich für die Bäume einzusetzen, muss die politische Mehrheit ja dem nicht folgen. Egal, welche Parteien/Fraktionen ihn “tragen”. Ein Bürgermeister ist nämlich nicht Mitglied einer Fraktion!

    Es darf keinem verwehrt bleiben, sich weiterzuentwicklen und zu einer neuen Meinung zu kommen.

    Oder geht es hier nur darum, dem Bürgermeister zu schaden? Das wäre schade, weil es ihnen dann nicht um die Sache geht.

    MfG, HS

  4. Lieber Heinrich Schmitz,

    zunächst einmal gilt auch für Bäume: sie sind Lebewesen. Diese müssen nicht bei Deutschland-sucht-die-Supertanne den beauty contest gewinnen. Wenn Ihnen mal der Sauerstoff ausgehen sollte, kommen Sie doch einfach mal vorbei…

    Und ganz im Ernst: wäre natürlich toll, wenn wir Grünen auch gleich das ganze Abendland retten könnten. Schon angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Bergisch Gladbacher Stadtrat kommen mir da die Zweifel. Aber verstanden habe ich die Kritik inhaltlich nicht ganz: was spricht denn im Ernst dagegen zu prüfen, welche Bäume grundsätzlich erhaltenswert sind oder nicht?

    Welche Bäume “überleben” können, hängt ganz maßgeblich auch davon ab, wie man mit ihnen – insbesondere während einer Baumaßnahme – umgeht. Und wie die spätere Gestaltung aussieht.
    Ich habe noch kein Gegenargument gehört, weshalb nicht ringsherum um einen Baum ein gemütliches Bänklein zum Verweilen im Schatten während eines bullig heißen Sommertages einladen sollte…

    Ansonsten: im Raume steht natürlich das Versprechen von Bürgermeister Lutz Urbach. Und dieses sollte – selbstverständlich – gehalten werden.

    Herzliche Grüße
    Peter Baeumle-Courth

  5. Wunderbar, die Grünen retten das Abendland und alle Bäume gleich obendrein.
    Wenn ich das richtig in der Presse gelesen habe, soll es keinen einzigen Baum weniger geben, dafür aber neue Bäume.
    Ich bin heute durch die Fußgängerzone gelaufen und habe mir speziell die Bäume mal angesehen. Es gibt tatsächlich einige schöne Bäume. Aber die MEHRZAHL ist absoluter Schrott. Klein, murkelig und häßlich. Es wäre wirklich gut, neue Bäume da hinzusetzen, die auch die nächsten Jahrzehnte überleben.
    Wie gesagt, ich bin sehr für Bäume und viel Grün, aber ich bin dagegen, an altem festzuhalten, was sich nicht lohnt.
    Schade, dass die Grünen hier billige Polemik raushauen, nur weil ihnen das nicht passt. Im Ergebnis bleibt festzuhalten: DIE FUSSGÄNGERZONE WIRD AUCH MIT NEUEN BÄUMEN SCHÖN GRÜN BLEIBEN!

  6. Ahorn-Monokultur – aaah ja. Da hat man was von. Und wenn es nur was zu kehren ist. Im Frühjar die Blüten, im Sommer die Samen und im Herbst die Blätter. Und die Samen finden die kleinsten Pflasterritzen und sprießen wie der Teufel.

    Eigentlich bin ich mit dem Thema Bäume durch, aber das hat mich jetzt am späten Abend noch mal fies grinsen lassen.