Die Gesamtschule Paffrath (IGP)  ist sehr beliebt. So wurden dieses Jahr 113 Kinder für die Eingangsklassen in der fünften Klasse abgelehnt. Mehr als 60 Jugendliche, die mit einer Qualifikation für die 11 Jahrgangstufe von einer Haupt- oder Realschule an die IGP wechseln wollten, um dort Abitur zu machen, wurden nicht angenommen.

Dieses ist an der IGP nichts Neues, denn seit Jahren werden massenweise Schüler dort abgewiesen. Hinzu kommen zahlreiche Kinder deren Eltern erst gar nicht versucht haben, eine Anmeldung an der IGP einzureichen. Der Gesetzgeber schreibt den Kommunen vor, dass sie den Bedarf und den Elternwillen erfüllen.

Der Elternwillen ist eigentlich nicht zu übersehen, wenn mehr als 20% aller Schülerinnen und Schüler in dieser Stadt an einer Gesamtschule zur Schule gehen und dazu auch noch jedes Jahr über 10% aller Neuanmeldung für die 5. Klasse in der Stadt an der IGP abgelehnt werden.

Wenn die IGP die Schüler aufnehmen würde und könnte würden mehr als 30% aller Schülerinnern und Schüler in dieser Stadt an eine Gesamtschule gehen und gehen wollen. Das ist zwar nicht die Mehrheit, aber der Elternwillen ist offensichtlich und 30% ist schon keine Minderheit, die man als Stadt übersehen sollte.

Eltern haben einklagbaren Rechtsanspruch auf Gesamtschulplatz

Die Stadt ist bei diesen großen Zahl gesetzlich dazu verpflichtet eine zweite Gesamtschule einzurichten. Die Eltern haben jederzeit das Recht sich eine Gesamtschule vor Gericht zu erstreiten.  Die Eltern haben einen Rechtanspruch auf einen Gesamtschulplatz für ihre Kinder und es ist nur eine Frage der Zeit bis sich Eltern massenweise in die IGP einklagen werden oder die Stadt durch Klagen zu einer zweiten Gesamtschule gezwungen wird. Darauf ist niemand vorbereitet.

Seit Jahren setzen sich DIE LINKE. und die BfBB (Bürger für Bergisch Gladbach und Bensberg e.V.) für eine zweite Gesamtschule in Bergisch Gladbach ein. Wer den Elternwillen ernst nimmt, muss alle Schulstandorte erhalten.

Statt über die Schließung eines Schulstandorts nachzudenken, sollte man ernsthaft überlegen die Standorte neu zu sortieren.  102 Schüler reichen aus, um eine neue Gesamtschule zu errichten. Die Stadtratsfraktion DIE LINKE./BfBB schlägt als möglichen Standort für eine zweite Gesamtschule die Schulräume am Ahornweg vor und fordert die Verwaltung auf, diese Möglichkeit ehrlich zu prüfen bevor man eine Schule schließt. DIE LINKE./BfBB lehnt die derzeitigen Pläne für einen Umzug des NCG oder Schließung eines Schulstandorts ab und möchte alle Standorte als wichtige Bildungsstandorte erhalten.

Natürlich müssen “Umwandlungen” von Schulen im Einvernehmen mit den Schulen und den Eltern geschehen. Man kann da nicht einfach mit der Methode “Holzhammer” reinprügeln, sie wie Lutz Urbach und die Stadtverwaltung das zur Zeit tun. Das gilt natürlich auch für die Errichtung einer neuen Gesamtschule am Ahornweg oder für neue Sekundarschulen an anderer Stelle.

Es sind noch viele Fragen offen! Die 72 Fragen der Elternschaft des NCG dokumentieren dies eindrucksvoll.

Auch DIE LINKE. und die BfBB haben Fragen zu Umzugskosten, Zinsen, Abschreibung und Fördermittel an den Bürgermeister gerichtet, die geklärt werden müssen.  Hier zum Download bei www.linksfraktion-gl.de:  Teil 1 / Teil 2

DIE LINKE./BfBB erklärt in einer Stellungnahme ihre Position zur derzeitigen Debatte um die Schulentwicklung und um die Schulstandorte in Bergisch Gladbach.

Die Stellungnahme zur „Schulentwicklung und zu Schulstandorte“ vom  27.03.2012 im Wortlaut dokumentiert:

Alle Schulstandorte erhalten,  zweite Gesamtschule errichten!

Die Diskussion um die Schulstandorte und Schulformen in Bergisch Gladbach fixiert sich auf einzelne Punkte und Vorschläge. Dabei darf die  Gesamtsicht auf die Schullandschaft nicht verloren gehen. DIE LINKE./BfBB hat mehrfach eine stärkere Bürgerbeteiligung eingefordert.

Im Mittelpunkt der aktuellen Diskussion stehen die Fragen der Standorte des Nicolaus-Cusanus-Gymnasium (NCG), der Schulen Im Kleefeld, am Ahornweg und nun auch das Schulzentrum Saaler Mühle. Die Auseinandersetzung wird unter der Prämisse geführt einen Schulstandort aufzugegeben. Der Vorwand dafür sind rückläufige Schülerzahlen und die Finanznot der Stadt.

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler in den weiterführenden Schulen der Stadt wird wohl leicht sinken, doch nicht so drastisch wie vom Bürgermeister behauptet wird. Seine Einschätzungen sind widersprüchlich und zum Teil veraltet. Er stützt sich immer noch auf Prognosen, die für 2011 eine Bevölkerung von unter 100.000 Einwohnern in Bergisch Gladbach vorhersagen. Doch die Bevölkerung steigt an und liegt heute bei über 110.000.  Aus diesen Prognosen und der sich verringernden Zahl der Geburten schließt die Verwaltung, dass ein Schulstandort geschlossen werden muss. Sie will nur den maroden städtischen Haushalt entlasten.

Die Lage ist aber eine völlig andere. Nur wenige Schulen haben den gesetzlich vorgeschriebenen Standard für Räume und Ausbildung. Schon vor 30 Jahren bestand dieser Notstand. Seither hat sich die Situation zu wenig verbesserst. Es hat nur die allernötigsten Sanierungsmaßnahmen gegeben. Einige Schulen befinden sich in einem miserablen Zustand. Die jetzige Diskussion über Kosten, Haushalt und Schulstandorte macht die Fehler der Vergangenheit nun deutlich. Jetzt will der Bürgermeister die Versäumnisse auf dem Rücken unserer Kinder und unserer Bildungslandschaft austragen. In vielen Schulen fehlen Fachräume, Pausenhallen, Rückzugsräume, Mensen, Förderräume usw. Richtig wäre es wenn der Rückgang von Schülern dazu genutzt würden mehr Raum zu bieten.  Wo ist geschrieben, das die jetzige hohe Schülerzahl in den Klassen beibehalten werden muss. Mehr Lehrer für wenige Schüler ist immer besser.

Die sinkende Anerkennung der Hauptschulen eskaliert die Debatte, denn alle Beteiligten gehen davon aus, dass die Hauptschulen zukünftig immer weniger Schülerinnen und Schüler beschulen werden. Das wird dem fachlichen und pädagogischen Konzept der Hauptschulen nicht mehr gerecht.

Die Realschulen als mittleres Bildungsangebot genießen einen soliden Zulauf, so dass davon auszugehen ist, dass sie auch zukünftig bestehen können, wenn man ihre Entwicklung fördert und mit entsprechenden Haushaltsmitteln für die Sanierung der Gebäude absichert.

Das sehr hohe Interesse der Eltern an den Gymnasien ist ungebrochen, denn das Abitur als Schulabschluss verspricht den eigenen Kindern beste Zukunftschancen.

Zweite Gesamtschule erfüllt Elternwillen

Der hohe Zuspruch und Bedarf für die Gesamtschule wird ignoriert.  Die Gesamtschule ermöglicht alle Schulabschlüsse inkl. des Abiturs. An einer Gesamtschule wird das Abitur in G9 und nicht

verkürzt in G8 angeboten. Die Gesamtschule Paffrath (IGP)  ist mit 1.400 Schülerinnen und Schüler die größte und beliebteste Schule in dieser Stadt und nimmt 20% aller Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Schulen in dieser Stadt auf. Allein in diesem Jahr wurden 113 Kinder an der IGP für die Eingangsklasse 5 abgelehnt. Hinzu kommt eine nicht bekannte Anzahl von Eltern, die  eine Anmeldung erst gar nicht versuchen. Sie möchten ihren Kindern eine Ablehnung oder einen sehr langen Schulweg zu ersparen. Viele Eltern sind durch die hohe Zahl der Ablehnungen aus den Vorjahren abgeschreckt. Schon heute pendeln Kinder an Gesamtschulen nach Köln.        
Weit mehr als 60 Schülerinnen und Schüler mit Qualifikation, welche von den Haupt-  und Realschulen an die IGP in den 11 Jahrgang gehen wollten, wurden außerdem in diesem Jahr abgelehnt.

102 Schülerinnen und Schüler reichen in NRW um eine  neue Gesamtschule zu errichten.

Trotzdem wird dieser Elternwillen nicht beachtet. Wahrheitswidrig behauptet die Verwaltung, es gäbe keinen ausreichenden Bedarf für eine Gesamtschule. Die jetzigen Ablehnungszahlen an der IGP begründen jedoch schon einen einklagbaren Rechtsanspruch der Eltern.

In der Öffentlichkeit wird mit falschen Zahlen operiert. Die Verwaltung behauptet, in einer neuen Gesamtschule keine Oberstufe aufbauen zu können. Das ist nachweislich falsch, denn die aktuellen Ablehnungszahlen an der IGP (Ablehnungen für Jhg. 5 und 11 minus 20%)  ergeben eine ausreichende Schülerzahl von mind. 140 Schülern für einen Oberstufenjahrgang. Dieses ist ein guter Durchschnitt an den anderen Gymnasien für eine Oberstufe, denn gut die Hälfte der  Gymnasien kommen mit deutlich weniger Schülern pro Jahrgang in der Oberstufe aus. 1/3 der Oberstufen in der Stadt hat pro Jahrgang sogar weniger als 120 Schüler. Die Jahrgangstufe 11 am Albertus-Magnus-Gymnasium wird mit 98 Schülerinnen und Schülern geführt. Die Zahl von mehr als 140 Schülern wird eine zweite  Gesamtschule leicht erreichen können, denn viele Schülerinnen und Schüler, die heute nach Köln pendeln, und dort an einer Gesamtschule oder einem Berufskolleg Abitur machen wollen, würden an einer Gesamtschule in der eigenen Stadt bleiben, weil die näher am Wohnort ist.

Bildungschancen verbessern statt verschlechtern!

Die Stadt muss sich Gedanken darüber machen, wie es gelingen kann,  die gesetzlich vorgeschriebenen Schulstandards und den Elternwille für eine Gesamtschule zu erfüllen. Stattdessen werden haushaltspolitische Gründe in den Vordergrund geschoben. Ein Schulstandort  geschlossen. Damit werden die Bildungschancen verschlechtert.

Dem gegenüber hat die Ratsmehrheit beschlossen millionenschwere Verschönerungen des Stadtbildes zu finanzieren. Allein die Projekte der Regionale 2010 (Fußgängerzone, Buchmühlenpark etc.)  und deren Folgeprojekte, Tiefgarage, Parkpalette,  Einnahmeausfälle und Personalkosten liegen bei mehr als 20 Mio Euro, von denen die Stadt mindestens 11 Mio selbst tragen muss.
Statt einen Schulstandort zu schließen muss die zweite Gesamtschule errichten werden.

Zu viele offene Fragen         

Bei den Kosten der Sanierung und dem geplanten Umzug der Schulen sind noch sehr viele Fragen blieben bislang unbeantwortet. Unberücksichtigt blieben bei den ins Gesprächs gebrachten 900.000 € die Abschreibung und die weiterhin zu zahlenden Zinsen für die letzten Investitionen. Diese machen sicher einige hunderttausend Euro aus und gehen wahrscheinlich über die 900.000 € hinaus. Offenbar hat keiner daran gedacht, dass mit dem Abriss von Gebäuden Vermögen stark  vermindert wird.

Das Problem der sinkenden Schülerzahlen der Hauptschulen lässt sich nicht dadurch lösen, dass man die beiden verbliebenen Hauptschulen kurzerhand auflöst und zusammenlegt. Dadurch würden die Schülerinnen und Schüler einfach in einem  Brennpunkt zentralisiert. Auch das radikale Vorgehen alle Realschulen und Hauptschulen in Sekundarschulen umzuwandeln wird den gewachsenen und zum großen Teil funktionierenden jeweiligen Schulstandorten nicht gerecht. Es besteht die begründete Gefahr, dass aus den Sekundarschulen „Restschulen“ werden könnten, deren langfristiger Bestand schon heute in Frage steht. Auch wird dabei keinerlei Rücksicht auf die pädagogischen Anforderungen oder Bildungskonzepte genommen. Über die einzelnen Schulen wird einfach hinweg entschieden. Die Frage der Einrichtung von neuen Sekundarschulen muss sorgfältig geprüft werden und darf nur einvernehmlich mit den Schulen vor Ort umgesetzt werden. Hierfür muss unbedingt der Elternwillen festgestellt werden.

DIE LINKE./BfBB fordert:    

  • DIE LINKE./BfBB fordert den Erhalt aller Schulstandorte für weiterführende Schulen und Grundschulen. Das Vorhaben einen der Standorte (NCG, Im Kleefeld, Ahornweg, Saaler Mühle) aufzugeben weisen wir zurück. Wir schließen uns der Kritik und den  Argumenten der Schulen, der Eltern, der Lehrer und der Schüler an. Es besteht kein Anlass, gut  funktionierende Schulen und gewachsene Strukturen zu beseitigen. Jede Schule ist ein wichtiger Bildungsstandort, welche unseren Kindern gute Zukunftschancen geben kann und unsere Stadt für junge Familien attraktiver macht.
  • DIE LINKE./BfBB fordert die Einrichtung einer zweiten integrierten Gesamtschule im Stadtgebiet. Der Elternwille und Bedarf muss endlich erfüllt werden.
  • Als Standort für diese Schule schlägt DIE LINKE./BfBB den Standort Ahornweg vor. Bei den dortigen Schulen nehmen die Schülerzahlen zwar stark ab, eine zweite Gesamtschule wird aber neue Schülerinnen und Schüler anziehen. Die zentrale Lage ist von allen Stadtteilen gut erreichbar. Die jetzigen Schülerinnen und Schüler haben einen Anspruch darauf, dort ihren  Schulabschluss zu machen. Durch eine zweite Gesamtschule wird auch der Standort abgesichert.  Die beiden jetzigen Schulen können bis zum Auslaufen dort bleiben und eine neue Schule kann in eine gewachsene Struktur und Lehrerschaft hineinwachsen.
    Der Aufbau einer Oberstufe mit den nötigen Maßnahmen kann innerhalb von 5 Jahren sorgfältig und angemessen vorbereitet werden. Der Standort Ahornweg ist für 1.200 Schülerinnen und Schüler geeignet und voll saniert. Hinzu tritt dass durch die vergangene Privatisierung der Schulgebäude eine Aufgabe des Standortes unverhältnismäßig hohe Kosten für die Stadt bedeuten würden. Eine zweite Gesamtschule sichert das gesetzlich vorgeschriebene Angebot aller Schulabschlüsse ab.

Bildung ist ein Wert an sich. Wer sie unseren Kindern vorenthält handelt unsittlich. Wer der Bildung unserer Kinder weniger Raum gibt schädigt außerdem das künftige Volkseinkommen. Er „spart“ nicht, sondern verschleudert.

Unterschrieben von Tomás M. Santillan und Heinz Lang (Fraktionsvorstand DIE LINKE./BfBB)

Tomás M. Santillán

Tomás M. Santillán lebt seit seinem ersten Lebensjahr in Bergisch Gladbach Refrath. Bekannt wurde Tomás M. Santillán durch sein Engagement als Antragsteller des Bürgerentscheid gegen des Cross-Border-Leasing 2003 und seine Kandidaturen als Bürgermeister und Landrat. Von 2009-2014 vertrat er DIE...

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