Demonstrativ mit dem Rücken zu den Pro-NRW-Aktivisten…

Friedlicher Protest bei schönstem Sonnenschein: Rund 150 Bergischer Gladbacher Bürgerinnen und Bürger – Vertreter aller Ratsparteien, einiger Kirchen und Gewerkschaften – haben heute kopfschüttelnd und mit Buh-Rufen ihr Missfallen über die rechtsextremen Parolen der Partei „Pro NRW“ geäußert. Es sollte ein Zeichen gesetzt und sich eindeutig positioniert werden, ohne zu den gleichen Mitteln zu greifen – deshalb wurde auf Mikrofone und laute Reden verzichtet.

Die Anzahl der Demonstranten gegen die Rechtsextremisten war genau richtig, auch die Strategie wurde von der Polizei gelobt: durch Klatschen und Rufe wie „Wir brauchen keine Mikrofone, ihr schon“ oder „Nazis raus“ wurde die hetzerischen Reden von Pro NRW gestört, es gab aber keine aggressiven Gegenreden. Das war unter der Würde der friedlich gestimmten Gladbacher, die einfach ihrem Wunsch nach einem kulturell vielfältigen Miteinander in ihrer Stadt Ausdruck verleihen wollten: Jeder soll seinen Glauben leben können – in jeder Stadt und jedem Land, auch in Bergisch Gladbach.

Heikel wurde es, als die rechtsextreme Partei Pro NRW islamkritische Bilder des dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard  holte und zeigte. Ein Gericht hatte das polizeiliche Verbot, diese Bilder zu zeigen, gerade in zweiter Instanz gekippt. Die umstrittenen Bilder des dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard hatten 2005 heftige Reaktionen in der islamischen Welt ausgelöst.

Als die Karikaturen geholt wurden und einige Jugendliche daraufhin meinten „Sollen wir über die Straße gehen und die Karikaturen einfach klauen?“, entschied ich gemeinsam mit Lokman Aksu von der Moscheegemeinde, nun kein Risiko einzugehen, dass die Situation doch noch eskalieren könnte. Die Gegendemonstration wurde für beendet erklärt und alle wurden eingeladen, zur Moschee zu gehen. Es gab Tee zu trinken und Weißbrot zu essen. Die Rechtsextremen waren darüber so verärgert, dass sie noch eine Weile die leere Wand mit Parolen beschallten, dann aber frühzeitig abbrachen und abzogen.

15 Rechtsextremen (hier: links) standen 150 Bergisch Gladbacher (rechts) gegenüber.

Die muslimfeindlichen Wahlkampfinszenierungen von Pro NRW laufen im Vorfeld der Landtagswahl 2012 in mehreren Städten. Bei den Landtagswahlen tritt die PRO NRW als zweite Partei der extremen Rechten neben der NPD zur Wahl an (die Republikaner sind nicht auf dem Wahlzettel). Mit den fremdenfeindlichen Wahlkampagnen und mit rechtspopulistischen Provokationen versucht die Rechtsaußenpartei Aufmerksamkeit zu erreichen.

Lokman Aksu, Moscheegemeinde, Doro Dietsch, Mechthild Münzer und Bülent Ilyk vom Integrationsbeirat der Stadt Bergisch Gladbach (v.l.n.r.)

Der Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus der Fachhochschule Düsseldorf hat Informationen über die Hintergründe dieses muslimfeindlichen Rechtspopulismus erstellt und empfohlen, sie nicht zu  ignorieren, sondern über sie aufzuklären.

Tayfun Keltek, Vorsitzender des Landesintegrationsrates Nordrhein-Westfalen: “Es ist notwendig, über die Methodik rassistischer Stimmungsmache aufzuklären und sich eindeutig auf die Seite der Opfer rassistischer Diskriminierung zu stellen!”

War lange beim WDR, arbeitet heute im Ministerium für Kultur und Wissenschaft. Ehrenamtlich enagiert für die CDU-Mittelstandsvereinigung, Kultkino und Rotary. Verwitwet. Drei erwachsene Töchter.

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  1. ProVokateure vereinen Demokraten
    Rund 10 verirrte Geister der rechtsgerichteten ProNRW tauchten am 1. Mai in der Nähe unserer Bergisch Gladbacher Moschee auf, um – nach eigenen Angaben – gegen den Islam zu demonstrieren. Aus unserer Sicht wäre dies eigentlich keine Rede wert gewesen.

    Allerdings war für uns Muslime dieser Tag letztendlich ein erfreulicher Tag, denn die Solidarität der Bergisch Gladbacher Bürgerinnen und Bürger im Vorfeld und an diesem Tag machte deutlich, wie sehr wir Bergisch Gladbacher zusammenhalten und wie sehr wir Muslime in Bergisch Gladbach dazugehören. Religionsfreiheit ist ein fundamentaler Bestandteil von Freiheit und Demokratie. Darin sind wir Bergisch-Gladbacher uns einig! Alle Parteien, die Kirchen, Vereine, Künstler haben uns im Vorfeld kontaktiert und ihre Unterstützung zugesagt.
    Mit rund 150 Gästen, darunter Vertretern der katholischen und evangelischen Gemeinden sowie aller Bergisch Gladbacher Parteien, tranken wir Tee und aßen Kekse und zeigten den verirrten Geistern unsere Rücken. Durch die gemeinsame Entscheidung in die Moschee zu gehen und die ProVokateure alleine zu lassen, verhallte die geplante ProVokation der rechtsgerichteten ProNRW im Nichts…

    Der professionelle und weitsichtige Einsatz der Polizei, verschaffte uns auch an diesem Tag, ein sicheres Gefühl in Bergisch Gladbach.
    Einen herzlichen Dank auch an die Polizei.

    Danke Bergisch-Gladbach!

    Lokman Aksu
    Bergisch Gladbacher Moschee

  2. Warum zählen Sie Parteien auf, Frau Walterscheidt? Ich habe zwar aus organisatorischen Gründen die Versammlungsleitung übernommen, aber wir wollten ja den Wahlkampf aus diesem Thema heraushalten und uns nicht auseinanderdividieren lassen. Glauben Sie mir: es waren Vertreter aller Parteien da (auch der noch nicht im Rat vertretenen wie die Piraten) und wichtig waren in diesem Fall alle – jede/r Einzelne!

  3. Es mag sein, dass ich als Fraktionsmitglied und Stv. Vorsitzender des Ortsverbands Bergisch Gladbach kein wichtiger Vetreter der FDP bin, aber ich war dabei.

  4. Vor Ort waren Vertreter der Ratsparteien LINKE, GRÜNE, SPD, BFBB und CDU. Von den anderen drei Ratsparteien habe ich keinen wichtigen Vertreter gesehen. FDP, KID und FWG und Bürgermeister Lutz Urbach sind lieber daheim geblieben. Das war sehr schade, denn das Wetter war gut und es gab leckeren Tee und Gebäck bei der Moschee. Die Nazis konnten derweil eine leere Wand beschallen.