8742 Unterstützer konnten binnen nur eines Monats gewonnen werden. Die Initiatoren des Bürgerbegehrens, Eltern des NCG, wollten Klarheit für ihre Schule:

„Soll das Nicolaus-Gymnasium am Standort Reuterstraße erhalten und ab 2013 saniert werden?“

Vertreter der NCG-Elternschaft übergeben die Unterschriften an Bürgermeister Lutz Urbach.

Mindestens 4454 bejahende Unterschriften von Bergisch Gladbachern über 16 Jahre waren nötig für ein formales Bürgerbegehren. Diese Zahl ist um fast das Doppelte überschritten worden, so dass drei dicke Aktenordner am Dienstag mit gutem Gefühl dem Bürgermeister übergeben werden konnten.

Die Verwaltung wird nun die Unterschriften prüfen. Nach Einschätzung des Bürgermeisters ist auf einer Ratssitzung im Herbst damit zu rechnen, dass der Stadtrat dem Bürgerbegehren folgt, also eine nachhaltige Sanierung des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums am Standort Reuterstraße beschließt.

Der Bürgermeister dankte bei der Übergabe den Eltern für das Engagement. In der Ratssitzung räumte Urbach ein, dass die Diskussion um die Schulen zu einem Erkenntnisgewinn und einer Neubewertung geführt hätten.

Matthias Niewels vom Kölner Stadtanzeiger bewertete am 9. Juni die sich abzeichnende Kurskorrektur so: „Sehr deutlich … hat Lutz Urbach der Politik signalisiert, eine breite Mehrheit in der Schulpolitik anzustreben und nicht erneut einseitig vorzupreschen wie beim vorgeschlagenen Umzugs des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums, der bislang bittersten Niederlage des Bürgermeisters.“

Wie ein roter Faden zog sich das Schulthema durch die Ratssitzung am Dienstag. Alle Parteien beteuerten, dass Bildung und Schulen Priorität genießen. Gute Schulen seien ein wichtiger „weicher“ Standortfaktor meinte Günther Ziffus von den Grünen. Für Klaus Waldschmidt (SPD) sprechen die vielen nach Bergisch Gladbach einpendelnden Schüler für die Qualität der weiterführenden Schulen der Strundestadt. Wie der Bürgermeister hielte er eine Beteiligung der Nachbarn an den Schulkosten für angebracht, eine Pflicht gibt es dazu jedoch derzeit nicht.

Peter Mömkes betonte für die CDU, dass an allen Schulstandorten festgehalten werden soll. Sein Parteifreund Michael Metten möchte von der Verwaltung Bauabschnittspläne zur Schulsanierung sehen und einen Zeitplan, wie die Sanierung des NCG verzahnt mit den Otto-Hahn-Schulen an der Saaler Mühle angegangen werden kann.

Das hört sich aus Sicht der Schulen alles sehr gut an, nur bei den Fragen zur Finanzierung der Sanierungsarbeiten blieben die Mehrheitsfraktionen manche Antwort schuldig. Der Etatposten „Baukosten Schulen allgemein“ mit 4,5 Millionen Euro reicht hinten und vorne nicht.

Im Haupt- und Finanzausschuss vergangene Woche soll Bürgermeister Lutz Urbach den jährlichen Bedarf – ohne große Sanierungsvorhaben – mit 6 bis 8 Millionen Euro beziffert haben. Auch die zusätzlich in den Haushalt eingestellten Sanierungsmittel in Höhe von 12,3 Millionen Euro für die nächsten vier Jahre erscheinen angesichts des Sanierungsbedarfes nicht ausreichend.

Nach Ansicht von Klaus Waldschmidt beträgt dieser rund 35 Millionen Euro plus x: Sanierung von Otto-Hahn-Schulen 19 Millionen, Sanierung NCG 12 Millionen, Fertigstellung Sporthalle Herkenrath 2 bis 3 Millionen und Umbau Ahornweg zur Gesamtschule 2 bis 3 Millionen Euro.

Trotzdem ist sich Peter Mömkes (CDU) sicher, dass die Stadt „die beiden großen Schulen in einem absehbaren Zeitraum“ wird sanieren können. Günter Ziffus (Grüne) verwies darauf, dass der ausgegliederte Immobilienbetrieb möglicherweise bald Gewinne abwerfe und ab 2015 möglicherweise auch ein städtischer Energieversorger.

Die SPD glaubt konkreter zu wissen, wie die Schulsanierung zeitnah gelingen kann. Sie will an den Bäderfond ran. Derzeit sind rund 37 Millionen Euro in Wertpapieren angelegt. Ursprünglich sollte vom Ertrag das Defizit der städtischen Bäder ausgeglichen werden. Doch statt der nötigen 2,3 Millionen Euro werfen die Papiere derzeit nur gut eine Million Euro ab. Deshalb möchte die SPD den Fond zumindest zur Hälfte auflösen, mit dem Geld zügig die Schulen sanieren und durch eingesparte laufende Kosten das Bäderdefizit ausgleichen. Dauerhaft könnte ein Querverbund mit den noch zu gründenden Stadtwerken helfen, sich beides leisten zu können: gute Schulen und attraktive Bäder.

Wie ernst es die Parteien mit der Prioritätensetzung meinen, dafür waren zwei Abstimmungen zur Sanierung des Belkaw-Stadions eine Nagelprobe. Zwar hat der Fachausschuss die Entscheidung in den Herbst vertagt, doch eine Mehrheit der Ratsmitglieder wollte 800.000 Euro für einen neuen Kunstrasenplatz vorsorglich schon einmal zurücklegen.

Das Pikante daran: Das Geld soll aus dem Etat Schulsanierung kommen.

Die SPD scheiterte mit ihrem Antrag, das Geld stattdessen zum Einstieg in die Sanierung des NCG zu nutzen und die Stadionsanierung zu verschieben.

Ein Kunstrasenplatz kommt vor allem dem SV Bergisch Gladbach 09 zu gute. Von Populismus und einem „Aufstiegsgeschenk“ war die Rede.

Auf eine Nachfrage von Heinrich Lang (Fraktion DIE LINKE/BfBB) räumte Stadtkämmerer Jürgen Mumdey ein, dass der Verein jährlich 60.000 Euro aus den Namensrechten („Belkaw-Arena“) und 45.000 Euro aus Bandenwerbung erziele, wovon nur 10 Prozent an die Stadt abzuführen seien. Offen blieb die Frage, ob der Verein angesichts dieser Einnahmesituation die Sanierung nicht weitgehend aus eigenen Mitteln finanzieren könne.

Peter Mömkes verteidigte die städtische Finanzierung der Stadion-Sanierung, weil sie auch dem Schulsport gerade am NCG nütze. Doch über Nutzung und Nutzen gab es unter den Ratsmitgliedern höchst unterschiedliche Ansichten.

Auch wenn Doppelhaushalt und Haushaltssicherungkonzept schließlich nach gut dreieinhalb Stunden eine Mehrheit fanden, ist in Finanzdingen längst nicht alles fix. Peter Baeumle-Courths „zweite grüne Haushaltsrede“ endete mit den Worten: „Wir werden sicherlich zum Nachtragshaushalt kommen.“

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Die NCGler

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2 Kommentare

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  1. Lieber Bergisch Gladbacher,
    schade, dass Ihr Eindruck über das NCG scheinbar allein durch – wie Sie schreiben – “gescheiterte Gymnasiasten” geprägt ist. Die weitaus überwiegende Zahl der Schülerinnen und Schüler an unserer Schule scheitert ja nun einmal gerade nicht. Außerdem sind wir schon seit langem nicht mehr das konservative Gymnasium, als das das NCG viele Jahrzehnte lang verschrieen war. Im Gegenteil, wir sind in vielen Bereich sehr aufgeschlossen und modern. Und was ist daran schlimm, an der ein oder anderen Stelle auch ein wenig konservativ zu sein?

  2. Ich finde das NCG überflüssig wie ein Kropf und auf langer Sicht sollten alle Schulen in Bergisch Gladbach Gesamtschulen/Gemeinschaftsschulen werden. Als ehemaliger Gesamtschüler habe ich zu oft erleben müssen wie gescheiterte Gymnasiasten bei uns abgeschoben wurden, völlig verbittert und traurig und erst bei uns wieder ihren Wert erkennen konnten. Das wünsche ich allen Schülern.

    Zudem würde es der sehr konservativen Gesellschaft in Bergisch Gladbach nutzen, wenn die Schüler aller gesellschaftlicher Bereiche im jungen alter einander begegnen würden und somit die Buntheit der Gesellschaft erfahren.

    Ich bin gegen die Millioneninvestition in ein überflüssigees Gymnasium und für die Umgleiderung in weitere Gesamtschulen. Die Initiative der Eltern halte ich für ähnlich kurzsichtig und egozentrisch wie den Bürgerentscheid in Hamburg.