Du bist der fleißigste Bach Deutschlands. Sagt man. Sagen vor allem die Bergisch Gladbacher. Da ist eigentlich was dran. Schließlich hast du zu deinen besten Zeiten mal 51 Mühlen mit Wasser versorgt.

Das ganze Jahr über. Die Stadt ist stolz auf dich. Sagt sie. Früher war das vielleicht auch mal so. Aber irgendwann hat der Stolz nachgelassen und man hat dich “verrohrt”, begradigt, und unter die Stadt verbannt. Ich meine, einmal gelesen zu haben, dass deine Quelle noch nie versiegt ist und dein Bett noch nie ohne Wasser war.

Eher war des Wassers zu viel und du hast aus lauter Verzweiflung die Stadt überschwemmt. Die Rache des Baches für Verrohrung, Begradigung und was weiß ich. Die Stadt musste Geld ausgeben für Regenrückhaltebecken. Ganz schön teuer, deine kleine Rache.

Nun besinnt man sich auf dich, als tollen, vorzeigbaren Bach. Stellenweise darfst du ja schon seit ein paar Jahren raus aus dem Rohr. Aber jetzt kriegst du sogar einen eigenen Park, durch den du fließen darfst. In einem richtig schönen, breiten Bachbett.

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Schön breit machen darfst du dich vor anderer Leute Haustür. Mit einigen Deckeln drüber, damit Mensch keine nassen Füße bekommt, beim Überqueren deines Wassers.

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Ganz stolz ist “deine” Stadt nun darauf, dass man dir die Freiheit schenken will. Jaja! “Offenlegung der Strunde” nennen sie das hier volltönend und großmaulig.

Meine liebe Strunde, ich glaube, du wirst verarscht!

Heute hab ich nämlich gesehen, was sie mit dir vorhaben. Durch dieses Röhrchen sollst du zukünftig deine Wassermassen in deinen Park pressen! All das Wasser das durch deine Seitentäler bei Regen heruntergeflossen kommt und das gebremst und ausgetrickst werden muss, damit du nicht überfordert wirst! All das Wasser, mit dem du die Innenstadt überflutet hast, soll durch dieses kleine Röhrchen kommen!

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Weißt du, was ich glaube? Du wirst weiter durch dunkle, sauerstoffarme Rohrleitungen unter der Stadt lang fließen müssen. Wenn du Glück hast ohne Umweg über all die Regenrückhaltebecken, in denen du dann faulig stinkend rumliegen sollst, bis man dir das Weiterfließen erlaubt.

Nur ein Bruchteil deines Wassers wird die Freiheit genießen, durch “deinen” Park zu fließen. Man wird behaupten, das bisschen Wasser dort im Park seist du! Niemand wird auf den Gedanken kommen, dass du mehr bist und mehr kannst, als kontolliert durch einen Park zu tröpfeln.

Vielleicht solltest du deine Quelle doch einmal eine Weile versiegen und dein Bachbett einmal für ein paar Wochen austrocknen lassen? Verdient hätte die Stadt das!

Evelyn Barth

(Frau Wirrkopf) Seit 1980 bin ich Bürger dieser Stadt, das ist fast mein halbes Leben. Seit Herbst 2012 genieße ich meine wohlverdiente Rente. Ich lebe gerne hier. Mit dem Reporterhund BamBam erkunde ich die Stadt und die Umgebung. Dabei halte ich Ausschau nach Schönem und Ärgerlichem. Über beides...

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