Aktualisierung vom 17.12.2013:

Der Rheinisch-Bergische Kreis stellt kurzfristig 10.000 Euro als Zuschuss für die in Finanznot geratene Mädchenberatungsstelle zur Verfügung. Außerdem hatte der Spendenaufruf Wirkung gezeigt, Privatpersonen hätten einige Spenden überwiesen, sagte Magdalene Holthausen, die Leiterin der Stelle, dem Bürgerportal am Dienstag.

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Allerdings reicht das nicht aus, um die feste Stelle von Lena Ueberberg zu retten, die sich in den vergangenen drei Jahren vor allem um die Mädchen in Not gekümmert hatte. Statt dessen sollen ab dem 1. Januar Honorarkräfte eingesetzt werden, um wenigstens einen Teil des Angebotes aufrecht erhalten zu können.

Parallel zum aktuten Krisenmanagement bemüht sich Holthausen darum, eine langfristige Finanzierung der Mädchenberatungsstelle zu organisieren, zahlreiche Stiftungen und Organisationen sind bereits angefragt worden.

Der ursprüngliche Beitrag erschien am 4.12.2013 unter der Überschrift „Nur Spender können Mädchenberatungsstelle retten”:

25 Mädchen werden im Moment von Lena Ueberberg betreut. Gerade jetzt zum Jahresende kommen Mädchen und junge Frauen häufig nicht mehr mit ihren Problemen klar und brauchen Unterstützung, berichtet die Diplom-Pädagogin. Ingesamt 215 Klientinnen hat sie in der Mädchenberatungsstelle Bergisch Gladbach in den vergangenen drei Jahren betreut, einige Hundert mehr über Präventionskurse in den Schulen erreicht. Doch damit ist jetzt erst einmal Schluss.

Drei Jahre lang war das Projekt von der Aktion Mensch, der Bethe-Stiftung, der Software AG Stiftung und zuletzt auch der Kreissparkasse finanziert worden. Eine Anschlussfinanzierung hatte Magdalene Holthausen, Leiterin der Frauenberatungsstelle und nebenamtlich auch der Mädchenberatungsstelle, lang vorbereitet. Doch trotz einer „99 prozentigen“ Zusage sprang dieser Stifter in letzter Minute ab. Ersatz hat sich in der kurzen Zeit trotz intensiver Bemühungen auch vieler Unterstützer nicht finden lassen.

Die Mädchenberatungsstelle wird wie die Frauenberatungsstelle und das Frauenhaus vom gemeinnützigen Verein „Frauen helfen Frauen“ getragen, erhält im Gegensatz zu den Schwestereinrichtungen aber keine öffentliche Mittel und ist voll und ganz auf private Gelder angewiesen.

Lena Ueberberg hat sich bereits damit abgefunden, dass ihr Arbeitsplatz in der Mädchenberatungsstelle verloren ist. Doch gemeinsam mit Magdalene Holthausen versucht sie alles, um wenigstens einen Teil der Arbeit absichern zu können – und die Mädchen nicht mit ihren Sorgen alleine zu lassen.

Für das kommende Jahr sind Anträge bei öffentlichen Stellen und Stiftungen gestellt, für 2015 sind Hilfen in Aussicht gestellt. Doch das hilft in der aktuten Situation nicht weiter. Daher haben sich die beiden Frauen zu einem öffentlichen Spendenaufruf entschlossen. Kleinere und größere Beträge von Privaten, so die Hoffnung, könnten vielleicht soviel Geld in die Kasse bringen, dass sich eine Honorarkraft um die dringendsten Fälle kümmern kann. Im Aufruf heißt es:

Jeder Cent fließt in die Beratung und Prävention. Jede Spende trägt dazu bei, dass sich Mädchen und junge Frauen gesund entwickeln und selbstbewusst und frei in unserer Welt bewegen können.“

Immerhin, eine Spende von 5000 Euro ist sogar schon eingegangen.

Hier können Sie spenden:
Frauen helfen Frauen e.V.
Konto 363 448 6037
VR Bank Bergisch Gladbach, BLZ 370 626 00
Stichwort: Mädchenberatungsstelle

An dem Bedarf für diese Beratung und an der Qualität der bisher geleisteten Arbeit besteht bei den Experten im Rheinisch-Bergischen Kreis kein Zweifel. So wäre es für Bergisch Gladbachs Gleichstellungsbeauftrage Michaela Fahner eine „Katastrophe, wen die Mädchenberatungsstelle, die mittlerweiel ausgezeichnet vernetzt ist und die von den Mädchen sehr gut angebommen wird, nun die Arbeit wieder aufgeben muss”.

Und auch die Jugendberatung der Awo, die wie die Einrichtungen der Kirchen und die Erziehungsberatungsstelle zum Teil die gleiche Zielgruppe hat, hält die Mädchenberatungsstelle für unverzichtbar:

Zu uns kommen viele weibliche Jugendliche und junge Frauen – und oft wird die spezielle Fachkompetenz der Mädchenberatungsstelle benötigt: bei Problemen oder Krisensituationen wie Gewalt, Bedrohung, sexuellem Missbruach, Ess-Störungen oder (Cyber-)Mobbing.“

Für die schweren Fällen gibt es natürlich Therapieplätze – aber darauf müssen die Mädchen oft sechs bis zwölf Monate warten. Eine schwierige Zeit, in der die Mädchenberatungsstelle bislang Hilfe zum Durchhalten geben konnte.

Gundhild Hebborn, bei der Kreispolizei für den Opferschutz zuständig, ergänzt:

Mit Schrecken habe ich gelesen, dass der Fortbestand des Beratungsangebotes gefährdet ist. Mir fällt nicht ein, wie die entstehende Lücke geschlossen werden sollte, welche anderen Angebote so zielgenau den dringlichen Bedarfen gerecht werden könnten.“

Magdalene Holthausen ist optimistisch, dass das Schlimmste vermieden werden und im kommenden Jahr eine neue Finanzierung auf die Beine gestellt werden kann. Bis dahin aber können nur zahlreiche und großzügige Spenden sicherstellen, dass die betroffenen Mädchen nicht allein gelassen werden.

Weitere Informationen:

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Foto: iStock

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Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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