Christa Joist - immer auf der Suche nach AusstellungsstückenChrista Joist - immer auf der Suche nach Ausstellungsstücken

Christa Joist – immer auf der Suche nach Ausstellungsstücken

Fast sechs Jahre lang befand sich das Bergische Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe im Dornröschenschlaf. Das Museum war zwar geöffnet, doch keine einzige neue Ausstellung fand statt. Der Förderverein, der immer stärker in die Verantwortung für das Museum am Burggraben in Bensberg gerutscht war, konnte gerade mal den Status Quo der seit 1980 kaum veränderten Dauerausstellung aufrecht erhalten.

Doch seit Jahresbeginn arbeitet die Gummersbacherin Christa Joist als wissenschaftliche Leiterin mit einer halben Stelle in Bensberg – und jetzt zeigen sich die ersten Ergebnisse: Das Museum arbeitet wieder konzeptionell, präsentiert sich nach außen, bereitet Ausstellungen vor.

Mitarbeiter des Museums und des Fördervereins präsentieren das Mühlenmodell. Foto: Helga Niethammer

Der erste Schritt findet am Pfingstmontag statt. Das Museum beteiligt sich erstmals am Deutschen Mühlentag. Im vollen Betrieb präsentiert wird der historische Westerhammer, der schon in den 1950er-Jahren vom Gelpetal nach Bensberg übertragen wurde. Darüber hinaus wird an einem Funktionsmodell der Oberlehrbacher Mühle gezeigt, wie die traditonelle Getreideverarbeitung funktioniert hat.

Die Mühle im Original

Dieses Modell ist von Herbert Selbach als Leihgabe zur Verfügung gestellt worden. Manfred Dasbach wird am Sonntag in das Gewand und die Rolle des Müllers schlüpfen.

Beim Schlossstadtfestes am 15. Juni startet das Museum das neue Veranstaltungsformat “Sonntags im Museum”  mit einer offenen Themenführung durch die Dauerausstellungsabteilung “Schloss Bensberg – Höfische Baukunst im Zeitalter des Absolutismus”. Bis zum September wird jeweils am 3. Sonntag des Monats zu wechselnden Themen eine solche Führung im Museum angeboten, ab Juli jeweils zusätzlich flankiert von einer handwerklichen Vorführungen. Treffpunkt ist im Museum, immer um 15 Uhr.

Und auch den 3. August kann man sich vormerken: dann findet das traditionelle Museumsfest statt.

Vom 1. Juli bis 31. Oktober zeigt das Museum die Sonderausstellung “Vorbereitung zur Bergischen Kaffeetafel – Wie eine Ausstellung im Bensberger Museum  entsteht”. Dabei handelt es so etwas wie eine Vorausstellung und ein Seminar für Mitglieder des Fördervereins, die gemeinsam mit Christa Joist erarbeiten, wie eine Ausstellung gemacht wird. Dabei werden Einblicke in die Arbeit des Museums zu geben, die gemeinhin unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet: Themenrecherche, Archivforschung, Objektauswahl, konservatorische Maßnahmen und auch Gestaltungsüberlegungen.

Eine Dröppelminna fand sich im Bestand des Museums

Gleichzeitig ist es eine Mitmachausstellung, offen für jedermann bei der Vorbereitung – und offen für alles, was zur Kaffeetafel passt. Das Museum hat zwar aus dem eigenen Fundus schon eine Dröppelminna und einiges mehr zusammen gesucht, aber sehr viele Gegenstände für die Ausstellung fehlen noch. Und die, so hofft Ausstellungsmacherin Joist, sollen aus der Bevölkerung kommen. Die eigentliche Ausstelltung wird dann ab April 2015 gezeigt: “Prachtvoll aufgetischt – Die Bergische Kaffeetafel” zu sehen.

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Christa Joist, 02204 584 7083, c.joist@stadt-gl.de

Allerdings kann das Museum nach wie vor nicht aus dem Vollen schöpfen. Die finanzielle und personelle Ausstattung ist sehr dünn. An vielen Stellen müssen sich Museumsleiterin und Förderverein mit kreativen Ideen aus der Not befreien.

So fehlen zum Beispiel Aufsichtskräfte, um die geplante prächtige Kaffeetafel im Auge zu behalten, Porzellan und andere Ausstellungsstücke werden nur zu besonderen Gelegenheiten aus der Vitrine geholt. Statt dessen wird soll eine virtuelle Kaffeetafel geboten werden: mit modernern Technik auf den Tisch projeziert, ergänzt durch Geschichten zur Geschichte des Museums vom Band.

Das Museum mit Hauptgebäude, Garten und zahlreichen Nebengebäuden

Herbert Ommer, der Vorsitzende des Fördervereins, freut sich über die vielen neuen Initiativen, die ihm aber auch neue Probleme bereiten: „Für soviel Bewegung reichen unsere alten Kräfte gar nicht.” Denn die neuen Aktivitäten müssen von dem Verein personell ganz alleine aufgefangen werden – auch wenn die Stadt einen Zuschuss zu den Personalkosten leistet. Und der Förderverein, der sich in den 80er Jahren zusammen gefunden hatte, wird weder jünger noch größer.

Die Stelle von Christa Joist, die formal bei der GL Service gGmbH angestellt ist, wird über ein dreijähriges Projekt finanziert, zu dem die Stadt Bergisch Gladbach, der Förderverein, der Landschaftsverband Rheinland, die Bethe-Stiftung, die Bensberger Bank und andere private Sponsoren 139.000 Euro bereit gestellt haben. Was nach 2016 passiert ist allerdings offen.

Aber immerhin: seit einiger Zeit fänden wieder mehr Besucher den Weg in das kleine feine Museum mit seinem großen Garten – eigentlich ein richtiges Freilichtmuseum. Nach 8000 Besuchern im Vorjahr sollen es in diesem Jahr wieder 9000 werden. Dazu tragen auch die Trauungen bei, die jetzt im Bergischen Museum möglich sind und viele neue Besucher hereinbringen.

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Vor diesem Hintergrund haben sowohl Ommer als auch Joist zwar Verständnis für die Initiativen von Herbert Stahl. Der Heimatforscher ist Mitglied des Fördervereins und des Beitrats – und kämpft unerbittlich für eine stärkere Förderung des Museums in Bensberg, das nach seiner Meinung zugunsten des Kunstmuseums Villa Zanders ausgeblutet wird.

Aber dieses Argument hören Ommer und Joist nicht gerne. Sie wehren sich dagegen, dass die Museen gegeneinander ausgespielt werden und wollen statt dessen die Kooperation untereinander stärken. Und dabei notgedrungen mit den knappen Mitteln auskommen, über die sie verfügen. Und den Rest durch Phantasie ergänzen.

So sollen Ausstellungsstücke, die für der geplanten Kaffeetafel nicht gefunden werden, durch Bilder ersetzt werden. Gemalt in Luftschlossblau.

Anschrift:
Burggraben 9-21
51439 Bergisch Gladbach
Fon u. Fax: (02204) 5 55 59

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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