Wolfgang Bosbach in der Kirche zum Heilbrunnen

Im Rahmen der Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum 2017 steht dieses Jahr unter dem Thema „Reformation und Politik“. Hierzu hat die evangelische Kirche zum Heilsbrunnen in Bergisch Gladbach Hebborn den katholischen Bundestagsabgeordneten Wolfgang Bosbach (CDU) zu einem öffentlichen Interview eingeladen. Für viele eine interessante Begegnung. Deshalb war auch der Kirchenraum sehr gut besetzt.

Pfarrer Achim Dehmel und Presbyterin Susanne Schlösser stellten Fragen zu unterschiedlichen Themenkomplexen und moderierten den Abend. Die Komponistin, Pianistin und Kirchenmusikerin Hae Kyung Choi sorgte durch eindrucksvolle, brillant vorgetragene Improvisationen zu von ihr bearbeiteten Liedern von Martin Luther für Entspannung und Zeit zum Nachdenken während der einzelnen Gesprächsabschnitte.

Die Besucher hatten Gelegenheit, Wolfgang Bosbach als Privatperson, überzeugten Christen und fachkundigen Politiker kennenzulernen. Beeindruckend präzise und authentisch beantwortete er Fragen zur Ethik (im Sinne der Verantwortung für den Menschen zu Beginn und zum Ende seines Lebens), zur Familien-, Renten-und Europapolitik, zu unserem Staat als Gemeinwesen sowie zu sehr persönlich motivierten Themen aus der Zuhörerschaft.

Reformer und Revolutionär

Zentrale Anliegen seien für ihn Bürgernähe und Engagement für die vielen Anliegen, die täglich an ihn herangetragen werden, machte Wolfgang Bosbach deutlich. In sehr überzeugender Weise wurde sichtbar, dass sein Handeln geprägt ist von der Solidarität, der christlichen Nächstenliebe, von Grundwerten, die ihm durch sein Elternhaus vermittelt worden waren.

In Martin Luther sieht Bosbach einen Reformer, der für die damalige Zeit revolutionär wirkte, ohne dies vorweg intendiert zu haben. Für ihn ist an Luthers Haltung beispielhaft, dass Menschen für ihre Werte und Grundüberzeugung auch gegen Widerstände einstehen, sich nicht verbiegen lassen, nicht aus Streben nach Macht und Einfluss.

Mehr Engagement für den christlichen Glauben

So wie die muslimischen Mitbürger unter uns ihren Glauben leben, so wünscht sich Bosbach von den heutigen Christen mehr Engagement für ihren Glauben. Er hob im Zusammenhang mit der täglich neu aufflammenden Diskussion über die Abschaffung der Kirchensteuer die vom Staat nicht zu finanzierenden Leistungen der großen Kirchen und der Ehrenamtler für das Gemeinwohl hervor. Bürger, die den Staat als Solidargemeinschaft verstehen, übernehmen Verantwortung (z.B. in der häuslichen Erziehung) und neigen nicht so schnell dazu, die Erfüllung all ihrer Anliegen vom Staat zu erwarten, argumentierte der Bundestagsabgeordnete.

Für die Zuhörer war das Interview nicht nur interessant sondern auch sehr unterhaltsam. Denn Wolfgang Bosbach würzte seine Antworten mit kurzweiligen Anekdoten aus seinem privaten und politischen Leben sowie mit Erlebnissen während seiner Fernsehauftritte. Auf diese Weise vergingen die zwei Stunden „wie im Fluge“.

Achim Dehmel, Wolfgang Bosbach, Hae Kyung Choi, Susanne Schlösser

Pfarrer Dehmel bedankte sich im Namen der Zuhörerschaft bei Wolfgang Bosbach mit einem großen Frühstückskorb mit Produkten aus der Region und bei Hae Kyung Choi mit einem Blumenstrauß für ihre faszinierenden Improvisationen. Lange anhaltender Applaus beendeten diesen bemerkenswerten Abend.

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