Die Brüder Manuel (Cello) und Rafael Lipstein (Klavier) beim Hauskonzert in Bensberg.

Musik genießen nicht im Konzertsaal, sondern in privater Atmosphäre – das Konzept feierte im vorigen Jahr eine Renaissance mit der Serie „Klänge der Stadt“. Innerhalb des Max-Bruch-Festivals hatten Ingrid Koshofer und Ingrid Schaeffer-Rathgens in Privathäusern und -villen hinreißende Hauskonzerte initiiert. Max Bruchs 175. Geburtstag ist vorbei, doch die Serie führen die beiden Damen mit vollen Elan weiter.

Schon am Mittwoch, 2. Juli, 19 Uhr, findet das erste Konzert mit der Pianistin Iris von Zahn in der Frankenforster Grundschule, Taubenstraße 11, statt. „Ich habe schon bei Ingrid Schaeffer-Rathgens gespielt, als sie noch in Burg Zweiffel ihre Hauskonzerte veranstaltete“, berichtet die Musikerin, die auch im vorigen Jahr am Festival beteiligt war.

Bechsteinflügel im Rittersaal erwacht zu neuem Leben

Schulleiter Hans-Georg Jaspers stieg sofort in das Projekt ein, schließlich hat er im Rittersaal einen guten alten Bechstein-Flügel stehen. Der müsste zwar restauriert werden, aber er hat immer noch einen wunderbar samtigen Klang.

„Ich glaube, dass wir vor allem die Eltern unserer Schüler für ein solches Konzert begeistern können“, sagt Jaspers. Mit „Klangwelten“ von Joseph Haydn, Franz Schubert, Robert Schumann, Maurice Ravel, Claude Debussy und Olivier Messiaen gestaltet Iris von Zahn das Programm ­ – wunderbare musikalische Appetithäppchen. Die kulinarischen Häppchen soll es in der Pause geben. Der Erlös der Verköstigung   und die Einnahmen der Spenden beim „Austritt“, also am Ende des Konzertes werden aufgeteilt für die Gage und die Restaurierung des Flügels.

Starke Unterstützung durch „Wir für GL“

Hiermit zeichnet sich schon das Konzept für die „Klänge der Stadt ab“: Ingrid Schaeffer-Rathgens und Ingrid Koshofer führen die Idee mit der Organisation der Konzerte fort, animieren Privatleute, Unternehmen, Institutionen und die Musiker zum Mitmachen. Der Verein „Wir für Bergisch Gladbach“ mit Bettina Wisniewski, Gaby Gieraths und Martin Rölen im Vorstand übernimmt die Vernetzung und liefert die Manpower. Mit im Boot sitzt auch Ferdinand Linzenich.

Schon liegen professionell gestaltete Flyer bereit mit dem Programm, die Reihe wird in Facebook gepostet, die Pressearbeit macht Martin Rölen, Pressesprecher der Stadt, in seinem Pressebüro ist auch die Geschäftsstelle des Vereins etabliert – alles läuft sehr professionell. Finanzielle Unterstützung für das Projekt hat der Verein Musik-und Kulturfestival GL, der 2013 das Max-Bruch-Festival organisiert, zugesagt.

„Die Hauskonzerte waren schon im vorigen Jahr der Renner, die Nachfrage durchaus höher als das Angebot“, berichtet Schaeffer-Rahtgens. „Es wäre eine Schande, bei dem Potential, das in Bergisch Gladbach vorhanden ist, nicht weiterzumachen.“ Nun also geht es weiter als Projekt von „Wir für Bergisch Gladbach“.

Ingrid Schaeffer-Rahtgens, Bettina Wisniewski, Gaby Gieraths, Ingrid Koshofer, Hans-Georg Jaspers, Amelie Boskamp im Rittersaal der Frankenforster Grundschule, am Flügel Iris von Zahn. Bild: Gisela Schwarz

Wohnzimmerkonzert und Kunst bei Mahnaz Gürtler

Schon stehen zwei weitere Konzerte auf dem Plan: Am Samstag, 18. Juli, 18.30 Uhr, findet ein echtes Wohnzimmerkonzert mit dem bekannten Trio Panta Rei bei Dr. Mahnaz Gürtler, der neuen AdK-Vorsitzenden, Höhenweg 19, statt. Nach dem „Spirit of Dance“ mit Klängen von Astor Piazolla, George Gershwin, Kurt Weill, Milton Ager und Daniel Schnyder geht es auch für die Konzertgäste weiter mit einem Sommerfest – Mitglieder des AdK Arbeitskreis der Künstler Bergisch Gladbach stellen Skulpturen im Gartengelände von Mahnaz Gürtler aus.

„Ich hoffe, das Wetter wird so gut, dass auch das Konzert im Freien stattfinden kann“, hatte die AdK-Vorsitzende vor kurzem geäußert. Wieder eine Vernetzung – diesmal von Musik und bildender Kunst.

Jazz mit Picknick und Pferden im Park

Auf Köln-Brücker Gebiet wird die Reihe „Klänge der Stadt“ entführt am Sonntag, 31. August, 11 Uhr. Im Reitstall der Blickwinkel-Stiftung von Amelie Boskamp gibt der renommierte Schlagzeuger Klaus Mages mit dem Houdini Trio ein jazziges „Picknick in the Parc“. „Decken und Verpflegung mitbringen für die Matinee unter den alten Linden“, empfiehlt Amelie Boskamp. „In der Pause tanzen zwei Pferde einen Pas de Deux.“ Aber wieso „Klänge der Stadt“ in Köln-Brück?

„Die Einfahrt zum Reitstall liegt auf Gladbacher Gebiet“, erklärt sie und gibt auch die Adresse bekannt: Bucheckernweg 11 – da sind die Übergänge zwischen Refrath und Brück kaum zu spüren. Nur das Ortsschild gibt den Hinweis auf Köln. Amelie Boskamp bittet unbedingt um Anmeldung: Tel.: 0221/6908730 oder per Mail.

In Planung sind weitere Konzerte. „Die Belkaw will sich beteiligen zu ihrem 100-jährigen Bestehen, und auch auf Burg Zweiffel und auf dem Igeler Hof der Familie Zanders wird es Hauskonzerte geben“, so Ingrid Schaeffer-Rathgens.

Ausstellung 2011 im Haus von Wiltrud und Klaus Hansen: Der tschechische Cartoonist Jiri  Slivia (l.) mit Walter Hanel. Foto: Klaus Hansen

Neue Wege in der Kultur?
Hausmusik gab es schon immer und erlebt in vielen Städten eine Renaissance, 
seit längerem in Köln, nun auch in Bergisch Gladbach. Auch in der bildenden 
Kunst verlegen sich die Ausstellungen seit einiger  Zeit in Privathäuser. Da 
gibt es nicht nur die traditionellen Tage der „offenen Ateliers“ , bei denen 
man die Künstler in ihren Arbeitsräumen treffen kann. Manchmal veranstalten 
Künstler auch in ihren Häusern Ausstellungen von und mit Künstlerkollegen – 
so Klaus Hansen, der vor drei Jahren die viel beachtete Cartoon-Ausstellung 
von Jiri Sliva im Rahmen eines europäischen  Karikaturen-Projektes aufnahm.
Ganz neu im Trend: die „Wohnzimmer-Galerie“ von Profi-Galeristen: Die Bensberger 
Galerie Malchers zum Beispiel hat ihre Wirkungsstätte von der Nikolausstraße in 
das Erdgeschoss ihres Domizils in der Refrather Wingertsheide 57a verlegt. Kunst 
auf hohen Niveau in Wohnzimmeratmosphäre. „Nach dem Berliner Vorbild, da ist das 
schon längst im Trend“, so die Galeristin Anne Malchers, die nach der Sommerpause 
durchstarten will mit vollem Programm.

Gastgeber und Gäste gesucht

Wer sich an dem Projekt beteiligen will, kann noch einsteigen. Wer sich als Gastgeber engagiert, stellt die Räumlichkeiten bereit und bezahlt auch die Interpreten. Künstler- und Programmauswahl kann selbst vorgenommen werden, Ingrid Schaeffer-Rahtgens, die 30 Jahre lang auf Burg Zweiffel als Gastgeberin fungiert hat und im zwölften Jahr für den Verein Galerie und Schloss Konzerte in der Villa Zanders und in Schloss Bensberg organisiert, steht aber auch mit ihrer großen Sachkenntnis hilfreich zur Seite.

„Bei den Konzerten wird kein Eintritt erhoben, dafür wird aber beim Austritt eine Spende erwartet“, so die Musikexpertin. „Dadurch erhalten die Gastgeber einen gewissen finanziellen Ausgleich.

Wer die Konzerte besuchen will, sollte sich unbedingt bei Ingrid Schaeffer-Rathgens oder Ingrid Koshofer anmelden, denn die Plätze sind begrenzt. Auch Interessenten, die in ihrem Räumen ein Hauskonzert veranstalten wollen, können mit den Damen in Kontakt treten, telefonisch und per E-Mail, auch mit dem Verein „Wir für Bergisch Gladbach“.

Kontakt und weitere Informationen

Giz Schwarz

Gisela Schwarz, Vorsitzende des Arbeitskreis der Künstler Bergisch Gladbach e.V.

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