Die zerstörte Original-Bronzeplatte aus Kippekausen

Im November 2014 wurde in der Parksiedlung Kippekausen die Bronzetafel zur Erinnerung an die sechsmillionste Wohnung, die nach dem Krieg gebaut wurde, von Metalldieben entwendet und zerstört.

Die Tafel war nach dem Richtfest für die neue Siedlung am 1. September 1961 angebracht worden.

Als Platz für die Inschrift wurde der Grundstein gewählt, in den knapp zwei Jahre zuvor  – im Oktober 1959 – bei Baubeginn der nordrhein-westfälische Wiederaufbauminister Peter Erkens eine Pergamentrolle in einer Kupferschatulle eingelegt hatte.

Gedenktafel zerstört – und rekonstruiert

Die alte Gedenktafel. Foto: Peter Mattes

Die Stadt Bergisch Gladbach hat nun die Tafel erneuert; enthüllt wurde sie am Donnerstag an ihrem historischen Platz im Herzen der Parksiedlung, am Burgplatz nahe der Einmündung Ottostraße. Die Zeremonie wurde vollzogen von Bürgermeister Lutz Urbach und der ehemaligen Bürgermeisterin Maria Theresia Opladen als Tochter des damaligen Bundeswohnungsbauministers Paul Lücke (1914-1976). Stadtbaurat Stephan Schmickler und der Leiter des Stadtarchivs, Dr. Albert Eßer, wohnten der Enthüllung bei.

„Es ist unsere Pflicht als Stadt Bergisch Gladbach, dass wir uns unsere Erinnerung an die Nachkriegszeit nicht von Metalldieben nehmen lassen“, betonte Lutz Urbach. Der Bürgermeister erinnerte an die Abbruchstimmung und die Tatkraft in den fünfziger und sechziger Jahren: „Ich habe Paul Lücke leider nicht persönlich kennengelernt, aber ich weiß, dass er als Bundesminister auch für seine Stadt viel erreicht hat.“

Lücke holte Parksiedlung als Demonstrativbauvorhaben nach Refrath

Paul Lücke beim Empfang für geistliche Würdenträger. Bonn 1961. Foto: Ludwig Wegmann, Bundesarchiv B 145 Bild-F010963-0053 / Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons

Paul Lücke stammte aus dem Oberbergischen und lebte mit seiner Familie in Bensberg. Er war Kabinettsmitglied der Regierung Adenauer und ließ es sich damals nicht nehmen, die Parksiedlung persönlich ihrer Bestimmung zu übergeben.

„Mein Vater hat die Parksiedlung als Demonstrativbauvorhaben des Bundesministerium für Wohnungsbau nach Refrath geholt“, ergänzte Maria Theresia Opladen. „Es wurden in verschiedenen Städten unterschiedliche Siedlungsformen ausprobiert, hier in Refrath wurde viel Wert auf den Parkcharakter mit Gärten und Grünstreifen gelegt“, konnte die Bensbergerin berichten.

Persönlich war Maria Theresia Opladen damals nicht bei der Übergabe der Parksiedlung dabei. Aber sie kann sich an den Tag im September 1961 gut erinnern: „Konrad Adenauer besuchte uns nach dem Termin Zuhause.“

Die Gedenktafel in Kippekausen erinnert mit folgendem Text an den Besuch und die besonderen Umstände dieses historischen Ereignisses:

Am 1. September 1961 wurde hier in Anwesenheit von Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer und Ministerpräsident Dr. Franz Meyers durch Bundeswohnungsbauminister Paul Lücke die 6 millionste Wohnung seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland übergeben.

Der Text auf der wieder hergestellten Bronzetafel

Muster-Siedlung

In der Parksiedlung Kippekausen wurden in einem Demonstrativbauvorhaben des Bundesministeriums für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung seit 1959 insgesamt 393 Reiheneigenheime, 43 einzeln stehende Eigenheime und 425 Mietwohnungen errichtet. Am Richtfest 1961 nahmen neben Wohnungsbauminister Paul Lücke unter anderem der Bensberger Stadtdirektor Wilhelm Wagener, Bürgermeister Dr. Ulrich Müller-Frank, der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Dr. Franz Meyers und Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer teil.

Adenauer wurde bei dem Richtfest ein Zimmermannshut überreicht. Anschließend fuhr der Bundeskanzler in das Haus Burgherrenweg 25, um dort die sechsmillionste nach dem Krieg gebaute Wohnung zu übergeben. In das Haus zog die Familie des aus Cottbus stammenden Vermessungsingenieurs Bodo Günther ein, die den Bundeskanzler mit Sekt begrüßte.

Konrad Adenauer in Düsseldorf, 1965. Foto: Gerhard Heisler , Bundesarchiv B 145 Bild-F019973-0017, Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons

In einem Zeitungsartikel, der am Tag des Richtfestes 1961 erschien, betonte Minister Lücke, in seiner Städtebaupolitik gehe es ihm um die „Neuformung einer gegliederten und aufgelockerten Stadt, in der der einzelne und die Familie in der Gemeinschaft leben und sich frei entfalten“ könne. Dieses Ziel stellte er der „Vermassung“ in der „Sowjetzone“ gegenüber. Das Richtfest fand keine drei Wochen nach dem Bau der Berliner Mauer statt, mit der am 13. August 1961 der Ostteil Berlins vom Westen abgetrennt worden war.

Lesen Sie mehr: Paul Lücke wäre heute 100 Jahre alt, BLZ, 12.11.2014

Täter konnten gefasst werden

Die ursprüngliche Gedenktafel wurde im November 2014 von Metalldieben entfernt und sollte bei einem Altmetallhändler zu Bargeld gemacht werden. Weil niemand erkennen sollte, woher die Bronzetafel stammte, wurde sie mehrfach durchtrennt und große Teile der Inschrift entfernt. Der Aufmerksamkeit des Metallhändlers und dem Spürsinn der Kripo war es zu verdanken, dass die Herkunft der Teile herausgefunden werden konnte. Gegen die Täter läuft ein Strafverfahren.

Buchstabenreste auf den Teilen der Tafel sowie ein Foto aus dem Stadtarchiv halfen dabei, durch die Bronzegusskünstler Dagmar und Miroslav Stransky aus Nörvenich eine originalgetreue Tafel neu erstellen zu lassen. Die Kosten für die neue Tafel betrugen einschließlich Material und Montage knapp 2.000 Euro.

Maria Theresia Opladen und Lutz Urbach in Kippekausen

Pressestelle Stadt BGL

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