Im Herbst 2015 befinden sich die Wirtschaftsunternehmen in Köln und der Region auf einem guten Niveau. Dies zeigen die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Köln, bei der rund 800 Unternehmen Auskunft zur aktuellen Lage und den Erwartungen gegeben haben, davon 87 aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis.

Eva Babatz

Die positive Lage wird allerdings durch gesunkene Erwartungen an die Entwicklung in den kommenden Monaten getrübt. Eva Babatz, Leiterin der Geschäftsstelle Leverkusen/Rhein-Berg der IHK Köln, erläutert: „Die guten Konjunkturergebnisse werden nach wie vor entscheidend von der Inlandsnachfrage getragen. Die Sorge um die Zukunft des Euroraums, ungelöste geopolitische Krisen und Unsicherheiten über die Entwicklungen in China und den Schwellenländern dämpfen die Zuversicht.“ Der niedrige Ölpreis, steigende Reallöhne und ein hoher Beschäftigungsstand in der Region sorgen für einen Konsumschub.

In der gesamten Region ist der IHK-Konjunkturklimaindikator, der Lage und Erwartungen zusammenfasst, um 3,5 Punkte zurückgegangen. Mit insgesamt 120,5 Punkten liegt er jedoch weiterhin klar über dem langjährigen Durchschnitt von 110,6 Punkten. Die Erwartungen sind nach einem Hoch im Frühjahr wieder auf dem Niveau des Jahresbeginns. Die Investitionsbereitschaft ist trotzdem stabil. Gefallen sind die Exporterwartungen der Industrieunternehmen. Insgesamt ist die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen ungebremst.

„Zusammenfassend heißt das: Die Lage ist gut, die kommenden Monate werden entscheiden, ob sich die globalen Unsicherheiten und auch die bundesdeutschen Herausforderungen rund um VW und die Diskussion um die Flüchtlinge negativ auswirken oder wir gestärkt aus dieser Phase hervorgehen“, so Babatz.

Industrie in RheinBerg verliert an Zuversicht, Handel legt zu

Im Rheinisch-Bergischen Kreis gehen die Unternehmen von einer leichten Verschlechterung ihrer Geschäftslage in den kommenden Monaten aus. Insbesondere Industrie und Dienstleistungsunternehmen sind weniger zuversichtlich. Der Handel dagegen blickt deutlich optimistischer in die Zukunft als noch im Frühjahr.

Der Anteil der Unternehmen mit einer guten Geschäftslage ist hier im Vergleich zur Vorumfrage gestiegen und liegt aktuell bei 43,7 Prozent (Vorumfrage 39,8 Prozent). Mit 10,3 Prozent bewerten weniger Unternehmen die aktuelle Lage als schlecht (Vorumfrage 11,8 Prozent). Mehr als die Hälfte der Handelsunternehmen bewerten ihre derzeitige Lage als gut.

Insbesondere der Handel bewertet seine Geschäftslage deutlich besser als noch im Frühjahr. Auch die Industrie bewertet ihre Lage im Vergleich zum Jahresbeginn und dem Frühjahr etwas positiver. Bei den Dienstleistungsunternehmen ist die Stimmung leicht schlechter geworden.

Einzelergebnisse aus der Region Leverkusen/Rhein-Berg 

Die Einschätzung der Geschäftslage ist aller geopolitischen Krisen zum Trotz seit Anfang 2014 nahezu unverändert hoch.

Der Geschäftsklimaindikator zur Lagebewertung hat im Vergleich zum Frühjahr noch zugelegt: 43,7 Prozent stufen die derzeitige Geschäftslage als gut ein. Der starke private Konsum stützt die gute wirtschaftliche Lage in der Region.

Kein dynamisches Wachstum erwartet 

Im Rheinisch-Bergischen Kreis bleibt die Erwartung auf ähnlichem Niveau wie im Frühjahr. 60,9 Prozent erwarten eine gleich bleibende Geschäftsentwicklung, 21,8 eine bessere und 17,2 eine schlechtere.

Risiken Inlandsnachfrage, Wirtschaftspolitik, Fachkräfte 

Fast die Hälfte der Unternehmen (43,3 Prozent) sieht in der Inlandsnachfrage ein Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung. An zweiter Stelle werden die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen genannt (37,6 Prozent). Als Stichworte seien hier Infrastruktur und die Diskussionen um Arbeitsmarkt und Rentenpolitik genannt. Fachkräftemangel und Auslandsnachfrage stehen als weitere Risiken auf der Agenda der Unternehmen. Besonders Industrieunternehmen sehen im Export das größte Risiko.

Besorgnis bei Außenhandel 

Trotz einer leichten Erholung im Euroraum bereiten hohe Arbeitslosigkeit in einigen EU-Ländern und Krisenstimmung weiter Unsicherheit bei den Betrieben. Globale Risiken wie die Entwicklung in China und den BRIC-Staaten beunruhigen vor allem Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe. Hier ist auch eine minimale Senkung der Kapazitätsauslastung und ein leichter Rückgang der Auftragseingänge zu verzeichnen (auf durchschnittlich 81,1 Prozent; 0,6 Prozent weniger als im Frühjahr).

Diese beiden Faktoren führen dazu, dass Industrieunternehmen für die nächsten zwölf Monate schlechtere Exportaussichten annehmen. 63,8 Prozent erwarten gleichbleibende Auslandsgeschäfte, 19,6 Prozent erwarten einen Rückgang.

Investitionsbereitschaft und Beschäftigungspläne stabil 

Die Investitionsvorhaben der Betriebe sind im Vergleich zur Frühjahrsumfrage leicht gesunken, aber immer noch auf einem hohen Niveau. 26,8 Prozent möchten in den kommenden Monaten ihre Aktivitäten am Standort ausweiten. 61,1 Prozent halten ihren derzeitigen Stand, 15,9 Prozent möchten ihre Investitionen zurückfahren.

Im Rheinisch-Bergischen Kreis haben sich die Beschäftigungsaussichten kaum verändert. 34,9 Prozent wollen weitere Mitarbeiter einstellen, 16,9 Prozent planen mit weniger Mitarbeitern und 48,2 Prozent halten am derzeitigen Stand fest.

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