Kraft ohne Ende per Flatrate? Der Focus RS. Werksfoto

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Der neue Ford Edge lässt sich auf verschiedene Wege finanzieren. Werksfoto

Beim Erwerb von gebrauchten und neuen Automobilen stellt sich neben der Auswahl der richtigen Modells genau so die Frage nach dem „richtigen“ Zahlungsplan. Soll man sich, eventuell nach langem Sparen, dafür entscheiden, das Fahrzeug bar zu bezahlen? Welche ist die richte Finanzierungsform? Was ist eigentlich der Unterschied zum Leasing? Das sind nur einige der wichtigsten Fragen rund um den Autokauf.

Markus Lüttgen

Barzahlung ist immer der einfachste und meistens auch preisgünstigste Weg, das künftige Auto zu erwerben. Aber natürlich gibt man auch mehr oder weniger dringend benötigte Liquidität aus der Hand und oft reicht das eigene Budget schlicht nicht aus, um den Traumwagen zu bezahlen.

Jetzt könnten Abstriche bei der Ausstattung gemacht werden, aber aus meiner Erfahrung sind die Kunden mit dieser Entscheidung auf längere Sicht nicht glücklich. Eine weitere Alternative ist auch, auf ein älteres Fahrzeug auszuweichen. Das birgt aber das Risiko erhöhter Wartungs- und Reparaturkosten in den Folgejahren. Also kann durchaus über alternative Finanzierungskonzepte nachgedacht werden.

Die Finanzierung

Die Finanzierung wird in der klassischen Form in einer Vollamortisation angeboten: Der Kaufpreis wird bei festgestellter Bonität des Käufers über einen festgelegten Zeitraum verteilt und verzinst. Besichert wird dieses Darlehen mit dem Fahrzeug; die Zulassungsbescheinigung Teil II (früher: KFZ-Brief) wird bei der finanzierenden Bank hinterlegt. Ist der Zeitraum abgelaufen, gehört dem Käufer das Auto dann endgültig und der „Brief“ wird ausgehändigt.

An dieser Stelle möchte ich gerne vor zu langen Finanzierungszeiträumen warnen, da mit zunehmendem Alter des Fahrzeuges auch die Reparaturkosten steigen und oft der Wert des Fahrzeuges nicht mehr dem Buchwert bei der Bank entspricht. Das kann bei Unfällen zu Verlusten führen! Aber dieses Thema ist eine eigene Kolumne wert.

Meine Empfehlung: Restratenfinanzierung

Mein Favorit ist die seit vielen Jahren existierende Form der Restratenfinanzierung. Das Fahrzeug wird über einen relativ kurzen Zeitraum, z.B. vier Jahre, finanziert. Der Fahrzeugwert zu diesem Zeitpunkt wird dann anhand der erwarteten Laufleistung und dem Zustand des Fahrzeuges prognostiziert und die Rate wird – wiederrum verzinst – zwischen dem Anfangswert und dem Restwert errechnet. Das führt dazu, dass die Rate deutlich niedriger wird als bei der Vollamortisation.

Viele Hersteller oder Händler bieten zusätzlich eine Restwertgarantie an. Das bedeutet, dass sie sich auf Wunsch des Kunden verpflichten, den Wagen am Ende der Finanzierungszeit wieder anzukaufen und den fälligen Betrag bei dem jeweiligen Kreditinstitut abzulösen. Diskussionen gibt es dann schon einmal um den Zustand des Fahrzeuges bzw. vorhandene Beschädigungen, die im Verantwortungsbereich des Kunden liegen. In der Regel springt dann aber die Vollkaskoversicherung ein.

Kraft ohne Ende per Flatrate? Der Focus RS. Werksfoto

Autofinanzierung per Flatrate

Ideal ist, wenn der Hersteller dann noch die Garantie und die Wartungskosten mit der Rate anbietet. In unserem Hause z.B. heißt diese Finanzierung Ford Flatrate, und genau so ist diese zu verstehen. Mit einer festen monatlichen Rate erreicht man die größtmögliche Sicherheit. Weitere große Kosten außer den Verschleißreparaturen sind nicht zu erwarten.

Und am Ende kann sich jeder Kunde entscheiden, ob das Auto weiter gefahren oder an den Händler zurückgegeben wird. Das ist praktisch, wenn sich die Lebenssituation geändert hat. Dann sucht man sich das nächste Fahrzeug passend zu den Umständen.

Zu erwähnen bleibt, dass eine Anzahlung die Raten der Finanzierung deutlich senkt. Auch der jetzige Gebrauchtwagen kann als Anzahlung selbstverständlich verwendet werden.

Was beim Leasing anders ist – und wo Fallstricke lauern

Rein „optisch“ sieht Leasing genauso aus wie eine Restratenfinanzierung, ist aber juristisch eine vollkommen andere Geschichte. Bei einer Finanzierung ist der Kunde von Beginn an Eigentümer des Fahrzeuges und finanziert es über ein Darlehen. Im Leasing-Fall ist er nur Nutzer und bezahlt dem Eigentümer, dem Leasing-Geber, eine entsprechende „Miete“. Dies kann – muss aber nicht – am Ende des Leasing-Prozesses zu deutlichen Irritationen führen.

Grob kann man Leasing-Verträge mit Kilometer-Abrechnung und Leasing-Verträge mit Restwert-Abrechnung unterscheiden. Beim „Kilometer-Leasing“ gibt man am Ende das Fahrzeug an den Leasing-Geber bzw. den verlängerten Arm, den Händler, zurück. Wie bei der Restratenfinanzierung gilt: Stimmen die gefahrenen Kilometer mit den vereinbarten überein und ist das Fahrzeug nicht beschädigt, ist der Vertrag damit erledigt.

Beim „Restwert-Leasing“ hingegen bleibt das Restwert-Risiko oft beim Kunden. Ist das Fahrzeug vom Leasing-Geber nicht zum vereinbarten Restwert zu vermarkten, wird der Kunde eventuell mit einem Differenzbetrag belastet. Gerade solche Verträge werden gerne eingesetzt, um niedrige Leasingraten zu generieren. Das böse Erwachen erfolgt dann Wochen nach Rückgabe des Fahrzeuges. Daher ist es mehr als ratsam, bei Leasing-Verträgen die Vertragsbedingungen genau zu lesen.

Übrigens hat man als Leasing-Nehmer am Ende des Vertrages in der Regel keinen Anspruch, das Fahrzeug zu übernehmen.

Ein Zwischenfazit

Aus meiner Sicht ist Leasing aufgrund vieler Spezifika eher ein Instrument für Gewerbetreibende. Aufgrund der mittlerweile vielfältigen Spielarten der Finanzierungen ist der private Käufer mit diesem Instrument in aller Regel besser beraten

Ein letztes Wort zum Thema Zinsen

Hersteller werben oft mit interessanten Angeboten, z.B. 0,0 Prozent Zinsen. Aber auch die Banken müssen Geld verdienen und werden oft von den Autoproduzenten quersubventioniert. Und auch die Hersteller müssen Geld verdienen, d.h. das Budget an Subventionen und Marketing-Maßnahmen ist begrenzt.

Ein günstiger Zinssatz kann daher möglicherweise bedeuten, dass der Barzahlungspreis im Vergleich zur Finanzierung günstiger ist. Es lohnt sich also immer, alle Angebote unter diesem Gesichtspunkt noch einmal zu prüfen.

Denn am Ende muss man sich einfach darüber im Klaren sein: Außer dem Käufer ist niemand da, um das Auto und die Zinsen zu bezahlen.

Bis zum nächsten Mal, Ihr Markus Lüttgen

Das Autohaus Lüttgen wurde 1928 vom Bergisch Gladbacher Huf- und Wagenschmied Jean Lüttgen als einer der ersten zehn Fordhändler in Deutschland gegründet. Heute führen seine Enkel Markus und Michael Lüttgen das Unternehmen mit knapp 40 Mitarbeitern. Vor 87 Jahren ging das Unternehmen die mutige Verpflichtung ein, mindestens vier „Motorwagen“ im Jahr abzunehmen. Derzeit verkauft Lüttgen mehr als 800 Neu- und Gebrauchtwagen jedes Jahr.

Odenthaler Str. 153, 51465 Bergisch Gladbach
Website, Facebook, Mail: service@luettgen.de

Markus Lüttgen

geboren 1968, hat in Köln Betriebswirtschaftslehre studiert und ist verheiratet. Seit 1994 arbeitet er im Familienunternehmen Autohaus Lüttgen, seit 1998 in verantwortlicher Position. Sein Auto ist ein Ford Mustang, rot.

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