Marc Schuh

Am Mittwoch werden in Rio de Janeiro die Paralympics 2016 mit einer großen Feier eröffnet. Bis zum 18. September messen sich die besten Behindertensportler in 22 Sportarten. Im 105köpfigen deutschen Team ist auch Marc Schuh vom TV Herkenrath dabei.

Nach Peking 2008 und London 2012 feiert der 27jährige Rollstuhlsprinter bereits seine dritte Teilnahme an paralympischen Spielen. Dabei stand Schuhs Teilnahme in Rio bis zum allerletzten Moment in Frage.

Bereits im Januar gab es für Schuh den ersten Schrecken. Der Deutsche Behindertensportverband veröffentlichte seine Normen für Rio und forderte für den Rollstuhlsprint über 400m eine Zeit von sage und schreibe 46,52 Sekunden, eine Zeit die weder 2012 noch 2013 oder 2014 weltweit von einem einzigen Sportler erreicht wurde!

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Im Februar spürte Schuh Schmerzen im linken Ellbogen, schließlich wurden freie Gelenkskörper und ein Knorpelschaden diagnostiziert, eine Operation unvermeidbar. Schuh kommentierte:„10 Jahre betreibe ich nun Leistungssport und bin bis jetzt von Verletzungen verschont geblieben. Das Glück habe ich nun nicht mehr. Ich bin auf ein voll belastbares Ellbogengelenk nicht nur im Sport sondern auch im Alltag angewiesen. Die Gefahr einer dauerhaften Schädigung ist einfach zu groß. Das Risiko gehe ich für Rio nicht ein.“

Anfang März wurde der Ellbogen in Pforzheim operiert, die anschließende Reha-Phase dauerte bis zum 1. Mai. In dieser Zeit war an ein Wettkampftraining nicht zu denken. In der ersten Maiwoche wurde dann ein vorsichtiges Training im Rennrollstuhl aufgenommen.

Bereits vier Wochen später fährt Schuh bei den Schweizer Meisterschaften in Nottwil starke 47,93 Sekunden, zehn Tage später verbessert er sich bei den Europameisterschaften in Grosseto auf ausgezeichnete 47,03 Sekunden und ist damit annähernd 1,5 Sekunden schneller als im 400m-Finale bei den Paralympics von London.

Beim Meeting am 10. Juli in Newham befindet sich Schuh auf dem besten Weg, die Rio-Norm zu unterbieten, doch ein Beinahe-Sturz eingangs der zweiten Kurve verhindert das ambitionierte Unterfangen. „Es ist einfach nur ärgerlich, die Norm für Rio war heute immer drin. 37,7 Stundenkilometer eingangs der zweiten Kurve, einen solchen Wert habe ich noch nie erreicht.“

Anfang August kommt dann die erlösende Mitteilung. Trotz knapp verpasster Norm nominiert der DBS Marc Schuh für Rio auf Grund seines Platz sieben in der aktuellen 400m-Weltrangliste.

Doch prompt folgt der nächste Rückschlag. Nachdem ein Infekt in der zweiten Julihälfte bereits für eine zehntägige Trainingspause gesorgt hatte, wurde bei Schuh fünf Tage vor dem geplanten Abflug nach Rio eine komplizierte Harnwegsinfektion festgestellt. Gezielter Antibiotikaeinsatz, sofortiger Trainingstopp und Verzicht auf die Paralympics waren die erste ärztliche Diagnose. Schuh kommentierte nur noch: „Irgendeiner will mit aller Gewalt verhindern, dass ich in Rio starte..“

Doch in Absprache zwischen Facharzt und Mannschaftsarzt wurde schließlich entschieden, dass Schuh den Start in Rio versuchen soll. Seit letztem Donnerstag befindet sich Marc Schuh in Rio und konnte am gestrigen Tag erstmals wieder ein leichtes Training absolvieren. Jetzt fiebert er der Eröffnungsfeier am Mittwoch und seinem 400m-Vorlauf am kommenden Sonntag entgegen.

Neben den Wettkämpfen verfolgt Marc Schuh in der brasilianischen Olympiastadt aber noch ein weiteres Vorhaben: Er ist der einzige Deutsche unter den 22 Kandidaten bei der Wahl der sechs Athletenvertreter für das Council des IPC.

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