Buchenblätter, von Gallmilben und Pilzen befallen. Foto: G. Dieck/Wald und Holz NRW

Viele Wälder im Bergischen Land zeigen sich im September schon in bunten Farben. „Viel zu früh“, meinen viele Naturliebhaber und denken schon mit Wehmut an das Ende des Sommers. Im ganzen Land häufen sich die Beobachtungen von aufmerksamen Wanderern: „Der Wald verfärbt sich äußerst schnell. Manche Bäume wurden innerhalb weniger Tage dunkelbraun,“ lauten die Erzählungen, die Günter Dieck, Regionalforstamtsleiter für das Bergische Land, zu hören bekommt.

„Die Ursache war die anhaltende Trockenheit im August. Sie stresst manchen Laubbaum so sehr, dass er schon jetzt die ersten Blätter abwirft“, so Dieck. Schlimm sei das allerdings nicht. Der Wald bereite sich auf den Winter vor. „Auffällig ist aber, dass der Farbwechsel der Blätter dieses Jahr sehr plötzlich begonnen hat. Der Wald hat angesichts des regenarmen Wetters seine Wasserreserven aufgebraucht“, erklärt Dieck.

Günter Dieck ist Leiter des Regionalforstamtes Bergisches Land

„Im Juli war noch relativ viel Feuchtigkeit im Boden, aber seit einigen Wochen ist es richtig trocken“.
Ungewöhnlich ist, dass ausgerechnet die Buche als erster Baumart auf Herbstfärbung schaltet. Zuerst kündigen in der Regel Birke, Ahorn und Esche den Herbst an. Deren Blätter sind aber noch weitgehend grün.

Die Buchen erleben ein Mastjahr – und sind besonders gestresst

Die Buche ist im Normalfall eher ein Nachzügler: Sie verliert ihre Blätter oft erst beim letzten Frost.
Wald und Holz NRW Waldschutzexperte Dr. Mathias Niesar aus Gummersbach hat für das Phänomen eine Erklärung. Viele Buchen haben in diesem Jahr ein Mastjahr. Das bedeutet, dass sie in diesem Jahr besonders viele Samen, die Bucheckern produziert. Es ist ganz normal, dass viele Baumarten nur im Abstand von mehreren Jahren große Samenmengen produzieren.

Die Eichen sind noch grün, die Buchen bereits braun. Foto: M.Niesar / Wald und Holz NRW

So eine Vollmast bedeutet für einen Baum aber Stress. Wenn dazu Trockenheit als weiterer Stressfaktor kommt, entscheidet sich der Baum alle verfügbare Energie in den Nachwuchs zu stecken. Dr. Mathias Niesar: „Die Bäume priorisieren augenscheinlich die Samenversorgung und ziehen dazu aus den Blättern Nährstoffe ab.“ Dadurch werden die Blätter braun. In einigen Bereichen kann man dieses Phänomen auch beim Ahorn beobachten.

Bei vielen Buchen hat Dr. Mathias Niesar noch einen weiteren Stressfaktor beobachtet: „Im Labor konnten wir auf der Blattunterseite Befall mit Gallmilben feststellen. Als Symptome sind rund 8 mm große, braunschwarze Flecken zu sehen. Dazu kommt häufig die für Pilzbefall typische Verfärbungen der Blätter. Es ist davon auszugehen, dass die feuchte Frühjahrssituation günstig für Buchenblattpilze war. Die Kombination aus Pilz-, Gallmilbenbefall und den sehr heißen Augusttagen ab dem 25. 08.2016 bewirkten dann einen sehr schnellen Alterungsprozess der Blätter.“

Hintergrund: Bäume im Herbstmodus
Die ausgeprägte Trockenheit und die sinkenden nächtlichen Temperaturen geben den Bäumen den Impuls zum Umschalten auf den „Herbstmodus“. Im Winter und vor allem bei Frost wird verfügbares Wasser oft knapp: „Der Baum bekommt dann kein Wasser aus dem Boden und über die Oberfläche der Blätter würde zu viel Wasser verdunsten. Deshalb lässt der Baum im Herbst die Blätter fallen.

Doch vorher entzieht er Ihnen noch wichtige Nährstoffe, darunter auch der grüne Farbstoff Chlorophyll, der das Licht für die Fotosynthese einfängt. Der für den Baum wertvolle Blattfarbstoff wird in Zweigen, im Stamm oder in den Wurzeln bis zum Frühjahr gespeichert.

Deshalb kommen gelbe, orangene und rote Farbstoffe zum Vorschein, die im Frühjahr und Sommer vom Chlorophyll überdeckt wurden. Die Folge: Der Wald wird bunt.

Birken, welche sehr schnell auf Hitzewellen durch Blattfall reagieren, sind erstaunlicherweise noch recht gut belaubt. Und auch Eichen haben überwiegend noch ihre für die Jahreszeit typischen saftig grünen Blattfärbungen.

Kaum noch Regen seit Mitte August

„Seit Mitte August ist bei uns kaum mehr Regen gefallen. Und der wenige Regen, ist sofort wieder verdunstet,“ hat Günter Dieck beobachtet. „Auch wenn viele Menschen die wunderschönen Spätsommertage so lieben: Die Natur dürstet nach Feuchtigkeit und die Bäume reagieren entsprechend.“
Langfristige Schäden werden unsere Wälder durch die Wetterkapriolen allerdings nicht davontragen. „Unsere Wälder sind sehr stabile natürliche Ökosysteme, die ein ungewöhnlicher Sommer nicht aus der Bahn wirft,“ sagt Forstamtsleiter Dieck.

Zu Beginn des Sommers überraschten gewaltige Regenmengen und mäßige Temperaturen. Erst am Ende des Sommers wurde es hochsommerlich heiß und trocken. Für den Wald haben diese Verschiebungen große Bedeutung. Bei der meteorologischen Durchschnittsbetrachtung fallen sie gar nicht auf.

Der Sommer: wärmer und nur wenig nasser als üblich

Betrachtet man die statistischen Mittelwerte, dann war das Wetter in Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr eher durchschnittlich. (In Klammern stehen jeweils die vieljährigen Mittelwerte der internationalen Referenzperiode).

Der Sommer war mit 17,7 °C sogar etwas wärmer (16,3 °C), und kaum nasser 245 l/m² (240 l/m²) als üblich. Als sonnenscheinärmstes Bundesland kam NRW auf nur rund 545 Stunden (554 Stunden). Ungewöhnlich waren Temperaturverlauf und Zeitpunkte der Niederschläge. Wiederholt kam es zu örtlich begrenzten schweren Gewitter, die zum Beispiel in Hamminkeln-Mühlenrott am Niederrhein 120,3 l/m² brachten und am 1. Juni zu großen Überflutungen führten.

Der NRW Sommer entsprach in den Durchschnittswerten bisher weitgehend dem bundesweiten Trend:
Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) lag die Temperatur im Sommer mit 17,8 Grad Celsius (°C) um 1,5 Grad über dem Mittel der internationalen Referenzperiode 1961 bis 1990 von 16,3 °C. Schwülwarme Luft, vor allem im Juni und in der letzten Julidekade, bestimmte im Sommer 2016 häufig das Wettergeschehen. Die Regenmenge verfehlte mit rund 230 Litern pro Quadratmeter (l/m²) das Soll von 239 l/m² in Deutschland knapp.

Völlig gegensätzlich verliefen Beginn und Ende des Sommers. Anfang Juni fielen bei heftigen Gewittern gebietsweise katastrophale Regenmengen. Im letzten Augustdrittel herrschte dagegen bei anhaltendem Sonnenschein und teils großer Hitze verbreitet so trockenes Wetter, dass der DWD-Gefahrenindex für Waldbrände in mehreren Bundesländern auf die höchste Stufe kletterte. Von größeren Waldbränden blieb Nordrhein-Westfalen glücklicherweise verschont.

PDFDrucken

Wald & Holz

Der Landesbetrieb Wald und Holz kümmert sich um alle Belange des Waldes. Er ist Teil des nachgeordneten Bereichs des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Naturschutz und Verbraucherschutz (MKULNV). Hier arbeiten 1300 Mitarbeiter, davon 300 Förster.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.