Auf Facebook hat Bernd de Lamboy, CDU-Ratsherr für Paffrath und Architekt, mit Josef Cramer, Fotograf und Investor, über Wohn- und Gewerbeflächen diskutiert. Dabei werden wichtige Fragen aufgeworfen – die zu diesem offenen Brief geführt haben.

Sehr geehrter Herr de Lamboy,

kürzlich haben wir auf Facebook eine interessante Diskussion zwischen Ihnen und Josef Cramer zu Inhalt und Mengengerüst des aktuellen FNP Entwurfes verfolgt. Die Beiträge gingen aber leider in der Fülle anderer Informationen dort etwas unter. Angesichts der Bedeutung des Themas FNP sollten hier aber möglichst viele Bürger teilnehmen können, daher haben wir den „offen Brief“ und die Plattform des Bürgerportals gewählt. Nur konsequente Öffentlichkeit kann ein belastbares Ergebnis der gerade beginnenden Diskussion erreichen.

In den o.a. Beiträgen zeichnen Sie mitverantwortlich für das (Flächen) Mengengerüst im FNP und befürworten 180ha neue Wohnbaufläche mit einer Bebauungsdichte von 22-42 Haushalten je ha. Diese Bebauungsdichte entspricht einer Vorstadt und 180ha sind fast zwei Mal die heutige Fläche von Bensberg. Und das soll alles neu dazu? Herr de Lamboy, ist das wirklich Ihr Ernst?

Diese potenziellen Wohnflächen hat die Verwaltung geprüft: hellrot schraffierte wurden verworfen, dunkelrote Flächen als geeignet befunden

Diese potenziellen Wohnflächen hat die Verwaltung geprüft: hellrot schraffierte wurden verworfen, dunkelrote Flächen als geeignet befunden. Ein Klick vergrößert die Grafik

Ferner sieht der FNP 50ha neue Gewerbeflächen vor, davon allein 41ha Industriegebiet konzentriert um zwei Dörfer entlang der jetzt schon chronisch überlasteten L289. Voislöhe ist allen Wahlversprechen zum Trotz munter wieder dabei. „Interkommunal“ drohen bei Spitze zusätzlich bis zu 51ha. Macht dann nach Adam Riese 92ha. Auch hier die Frage, ohne Wertung: Sehr geehrter Herr de Lamboy, ist das Ihr Ernst?

Diese potenziellen Gewerbeflächen hat die Verwaltung geprüft: hellgrau schraffierte wurden verworfen, dunkelgraue Flächen als geeignet befunden

Diese potenziellen Gewerbeflächen hat die Verwaltung geprüft: hellgrau schraffierte wurden verworfen, dunkelgraue Flächen als geeignet befunden.

Uns würde einmal interessieren, wo sich denn in diesem FNP Entwurf die politisch zwingenden Vorgaben des ISEK 2030 wiederfinden? Schutz der ländlichen Strukturen, der vorherrschenden Wohn- und Lebensräume überhaupt, der Ausbau von Naherholungsgebieten? Wachstum primär durch Verdichtung und Qualifizierung? Und wo finden sich überhaupt irgendwelche qualitativen Aspekte – von jahrelangen Bürgerprotesten und Wahlversprechen einmal ganz zu schweigen.

Noch mehr würde uns interessieren, wieso eigentlich in allen vergleichbaren Kommunen Industriegebiete zur Qualifizierung ab- oder umgebaut werden, nur bei uns sollen sie gigantisch neu entstehen. Und das soll gut sein?

Lesen Sie mehr, diskutieren Sie mit:
Alle Beiträge zum Flächennutzungsplan
Debatte zum Thema in der Facebookgruppe „Politik in GL”

Sie sind doch Architekt und wissen, dass in Bergisch Gladbach gewiss alle Bau- und Planungssünden der 60er und 70er Jahre bestmöglich begangen wurden. Wollen wir das wirklich ständig wiederholen? Warum das denn? Für wen oder für was?

Soweit, sehr geehrter Herr de Lamboy, unsere Fragen an Sie als fachlich bewandertem (Mit-) Autor des aktuellen FNP Entwurfes. Wir sehen den Beginn dieser Diskussion als Beitrag zur Bürgerbeteiligung und würden uns über Ihre – sicher nicht nur für uns interessanten – Antworten freuen.

Eine Bitte noch an alle, die sich an der Diskussion beteiligen möchten: In diesem Land darf man seine Meinung offen äußern und dazu stehen. Zeichnet daher Eure Beiträge doch bitte auch mit Namen – BL, CM, EM, SF oder andere Pseudonyme sehen in einer offenen Diskussion nicht so gut aus.

In diesem Sinne allen einen schönen Tag und gutes Gelingen.

Nehmen Sie an der Konversation teil

5 Kommentare

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  1. Bisher wollte noch niemand auf die Fragen zum FNP antworten. Nicht Herr de Lamboy, aber auch sonst keiner der Autoren oder Befürworter – jedenfalls nicht öffentlich. Dabei war der „offene Brief“ bei Erscheinen der am häufigsten aufgerufene Beitrag. Das muss doch irgendwer gesehen haben…?

    Na schön, der guten Ordnung halber noch einmal für alle Autoren und deren Chef: Sehr geehrte Damen und Herren FNP Autoren in der Verwaltung, sehr geehrter Herr Bürgermeister, bitte beantworten doch Sie unsere an Herrn de Lamboy gestellten Fragen!

    Vielleicht erst einmal nur, ob wir richtig zusammen gerechnet haben. 180ha neue Wohngebiete à 22-42 Hauhalten? 51ha neue Industriegebiete? Ohne Verkehrsanbindung und ohne Begründung für einen derartigen Bedarf? Warum wurden die Vorgaben des ISEK 2030 missachtet? Und die Wahlversprechen 2014? Und warum genau soll das alles gut für uns sein?

    Bürgerbeteiligung – Bürger fragen, Politiker, Bürgermeister und Verwaltung antworten. So sollte es sein. Keine Antwort ist natürlich auch eine Antwort. Für diesen Fall gehen wir davon aus, dass Sie Ihren Vorschlag zum FNP nicht aufrechterhalten wollen. Die Bürger werden dann schon alleine herausfinden, wo sie beim FNP oder bei nächster Gelegenheit ihr Kreuz machen müssen, wenn es um unsere Zukunft geht.

  2. Hallo Herr Höring und vielen Dank für die Info; das ist gerüchteweise inzwischen auch bei uns angekommen. Aber Herr de Lamboy war ja nicht als Parteipolitiker oder Mitglied der Koalition gefragt. Sondern als streitbarer (Mit)-Autor des FNP. Und da muss es ja noch andere geben, bei hunderten Seiten an Papier. Unsere Fragen bleiben offen und wir hätten schon gerne Antworten, bevor am 11. Oktober die „Bürgerbeteiligung“ erst einmal endet.

  3. Herr de Lamboy kann zur Zeit auf den Brief nicht antworten, da er im Urlaub. In der CDU und in der Koalition mit der SPD haben wir zudem vereinbart, dass wir zunächst die Bürgerbeteiligung abwarten und dann mit allen interessierten Bürgern und Bürgerinitiativen das Gespräch suchen. Eine Antwort auf Ihre Frage, Herr Iffland, kommt also noch!

  4. Diesem dezidierten Fragenkatalog ist nur noch zuzufügen, wann denn die Planer endlich anfangen, sich über das Chaos Gedanken zu machen, wenn auf den heute schon kaum zu bewältigenden der motorisierte Individulaverkehr aus den neuen Gebieten stößt.