Frühlingsfest auf der Bensberger Straße in Bergisch Gladbach-Heidkamp

Auch in Heidkamp feiert der Einzelhandel ein Frühlingsfest. Foto: Archivbild

„Sonntags entspannt durch die Geschäfte schlendern – an elf Sonntagen ist das in Bergisch Gladbach in diesem Jahr möglich. Damit ist die höchste Anzahl an verkaufsoffenen Sonntagen erreicht – mehr dürfen es laut „Gesetz zur Regelung der Ladenöffnungszeiten“ nicht sein. Die Geschäfte können dann im Zeitraum von 13:00 bis 18:00 Uhr geöffnet werden.“ – Diese frohe Botschaft überbrachte die Stadt Bergisch Gladbach gerade ihren Händlern und deren Kunden. 

Hinweis der Redaktion: Die komplette Liste finden Sie unten

 Das ist erfreulich – die Stadt schöpft hier ihren Handlungsspielraum weitestmöglich aus. Der erste Anlass dieser Art ist der 2. April 2017 – das Bensberger Frühlingsfest.

Anita Rick-Blunck (FDP)

Ein Frühlingserwachen für den lokalen Handel sieht jedoch anders aus – als wären in Zeiten von Amazon und Co. die Geschäfte nicht ohnehin eher herbstlich verhalten. Der raue Wind weht jedoch nicht aus dem Bergisch Gladbacher Rathaus.

Dort setzt man nur das um, was die engen Spielräume durch die Landesregierung erlauben. Während die Schaufenster und Ladentüren im Internet rund um die Uhr und den Kalender geöffnet sind – und der Kunde diese neue Konsumentenfreiheit auch gerne und reichlich ausschöpft -, muss der örtlicher Händler mit Ladenlokal den Gürtel enger schnallen.

Eine Ladenöffnung außerhalb der „bewährten“ Öffnungszeiten darf nur genehmigt werden für „Veranstaltungen“, die einen beträchtlichen Besucherstrom anziehen“. Und zwar einen, der nicht erst durch die Ladenöffnungen ausgelöst wird. Nur Veranstaltungen, die „für den Ortsteil prägend“ sind, sind durch den Gesetzgeber huldvoll erlaubt – und nur dann, wenn es eine „enge räumliche Verbindung“ gibt zwischen Event und Ladentür.

Das ist eine nicht mehr zeitgemäße Regelung, die den stationären Handel gegenüber seinem größten Mitbewerber, dem Onlinehandel, erheblich benachteiligt. Gerade weil wir einen starken, wettbewerbsfähigen Einzelhandel und damit lebendige Innenstädte erhalten wollen, fordern wir Freie Demokraten ein neues modernes Ladenschlussgesetz. Der oben zitierte Anlass-Bezug muss schlichtweg gestrichen werden.

Die Limitierung auf maximal 11 verkaufsoffene Sonntag pro Kommune ist ebenfalls nicht mehr zweitgemäß. Weg mit dieser Strangulierung von Kundenorientierung und engagiertem Unternehmertum! Lassen wir doch die die Händler selber entscheiden, ob und wie oft sie am Sonntag öffnen und Umsätze tätigen wollen!

Denn die Kunden entscheiden schon lange, WANN sie bevorzugt einkaufen – nämlich am liebsten am Abend und am Wochenende. Geben wir dem örtlichen Einzelhandel die Chance, dann für ihre Kunden da zu sein, wenn sie entspannt außerhalb des Alltagsstresses bei ihnen einkaufen wollen. Oder wenn sie überhaupt Frei- sprich: Kauf-Zeit haben, weil sie abends und am Wochenende für uns alle da sind: in den Krankenhäusern, in den Call Centern, als Polizisten. Die Arbeitswelt hat sich geändert und das Konsumverhalten auch – dazu passt kein Ladenschlussgesetz von vorgestern.

Die Liste der verkaufsoffenen Sonntag in Bergisch Gladbach 2017:

Stadtteil Bensberg:
2. April 2017 (Frühlingsfest)
18. Juni 2017 (Schloßstadtfest)
24. September 2017 (Herbstfest)
05. November 2017 (Martinsmarkt)

Stadtteil Stadtmitte:
2. April 2017 (Frühlingsfest)
10. September 2017 (Stadt- und Kulturfest)
5. November 2017 (Martinsmarkt)
17. Dezember 2017 (Weihnachtsmarkt)

Stadtteil Refrath:
14. Mai 2017 (Kirschblütenfest)
3. Dezember 2017 (Winterdorf)

Stadtteil Paffrath:
9. Juli 2017 (Dorffest)
1. Oktober 2017 (Oktoberfest)

Stadtteil Schildgen:
2. Juli 2017 (Dorf- und Schützenfest)

Anita Rick-Blunck

FDP Vorsitzende Bergisch Gladbach

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2 Kommentare

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  1. Lieber Herr Eschbach, natürlich ist Handel nicht gleich Handel. Jeder „Kanal“ hat seine Stärken – daher funktioniert ja auch ein Mix aus beidem am besten. Wir wollen ja mitnichten jedem Händler eine 24-Stunden/7-Tage-Dauer-Zwangsöffnung verordnen! WAS wir wollen, ist die Freiheit, selber entscheiden zu können: Und zwar nach den eigenen Kriterien. Wir sind überzeugt, dass die Händler vor Ort und/oder die Interessengemeinschaften in den Innenstädten besser wissen als die Landesregierung im fernen Düsseldorf, was zu ihrer speziellen Situation und zu ihren Kunden passt … und wann es passt! Dass die Öffnungszeiten alleine nicht darüber entscheiden, ob die Kunden in Bensberg oder Schildgen einkaufen … da haben Sie völlig Recht! Aber es ist EIN wichtiges Kriterium von einigen relevanten, das dem Kunden von heute nicht mehr gerecht wird. Und zwar DAS, das in diesem Fall gesetzlich reglementiert ist und dass die Händler in ihrer Kundenorientierung limitiert.

  2. So hört es sich an, wenn man Äpfel mit Birnen vergleicht. Handel ist eben Handel, egal mit welchen Mitteln und auf welcher Plattform. Wenn das so ist, sollte sich auch niemand über wegbrechende handelsstufen beklagen. Die oeffnungszeiten sind jedenfalls das kleinste Problem im ortsgebundenen Einzelhandel. Die Anzahl der Kunden schon eher.