Überregional rufen die Organisatoren der documenta 14 in Kassel aktuell dazu auf, Bücher zu spenden, um das Kunstwerk „The Parthenon of books“ der Künstlerin Marta Minujín mitzugestalten. Dabei handelt es sich um Bücher, die nach Jahren des Verbots wieder verlegt werden oder in einigen Ländern legal verbreitet; in anderen aber untersagt sind.

Für Monika Gippert als Leiterin der Stadtbücherei Bergisch Gladbach und ihr Team ist es selbstverständlich, dass diesem Bücherspende-Aufruf jetzt nachgekommen wird. 50 Bücher wurden aus dem Bestand herausgesucht und jetzt nach Kassel geschickt.

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„Unseren Kunden geht dadurch nichts verloren.“ stellt Bibliotheksleiterin Monika Gippert fest. „Bei den gespendeten Büchern handelt es sich ausschließlich um Zweitexemplare und Buchgeschenke.“

Als Orte der freien Meinungsbildung, so erläutert Monika Gippert weiter, ist es die Aufgabe der Bibliotheken in Deutschland einen freien Zugang zu Informationen aller Art zu gewährleisten. „Um auf Zensur und die Verfolgung von SchriftstellerInnen und JournalistInnen aufmerksam zu machen, ist es Ehrensache, dass die Stadtbücherei Bergisch Gladbach dem Spendenaufruf der Künstlerin folgt und über 50 verbotene Bücher nach Kassel schickt“, beschreibt die Bibliothekarin das Engagement in Bergisch Gladbach.

Versehen sind die Bücher mit einem kleinen Hinweisschildchen, das erklärt, woher das Buch stammt und die Bitte enthält, dass sich der Leser meldet, damit die Reise der verbotenen Bücher nachverfolgt werden kann. Denn zum Ende der documenta 14 wird es eine gemeinsame Aktion mit der Öffentlichkeit geben, bei der die Bücher wieder in den Umlauf gebracht werden.

Über das Kunstwerk „The Parthenon of books“

„The Parthenon of books“ ist ein Kunstwerk, das aktuell auf dem Friedrichsplatz in Kassel erstellt wird. An diesem Ort waren am 19. Mai 1933 im Zuge der sogenannten „Aktion wider den undeutschen Geist“ rund 2.000 Bücher verbrannt worden.

Gestaltet werden die Bücher nach dem Vorbild des Tempels auf der Athener Akropolis, der ästhetisch und politisch das Ideal der ersten Demokratie repräsentiert. Das Besondere daran: es wird mit rund 100.000 Büchern verkleidet, die verboten waren oder es in einzelnen Ländern nach wie vor sind.

Dabei handelt es sich bei den Buchtiteln nicht um Hetzschriften, sondern zum großen Teil um Klassiker der modernen Literatur. So finden sich auf der 70.000-Titel-umfassenden Liste der verbotenen Bücher unter anderem Goethes „Faust“, Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“, die „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm, „Alice im Wunderland“, „Moby-Dick“, „Harry Potter“, „Gullivers Reisen“ und „Die Abenteuer des Tom Sawyer“.

Die Autoren Heinrich, Klaus und Thomas Mann sind oder waren gänzlich verboten ebenso wie alle Werke von Bertolt Brecht, Albert Einstein, Sigmund Freud, Franz Kafka, Martin Luther, Rosa Luxemburg und Kurt Tucholsky – um nur eine Auswahl zu nennen. Die komplette Liste findet man auf der Homepage der documenta 14.

Hier werden offizielle Pressemitteilungen der Stadtverwaltung veröffentlicht. Sie geben nicht die Meinung des unabhängigen Bürgerportals iGL wieder.

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