Angefangen hat es in Italien in den wilden 50ern, in denen die Mädels mit schwingenden Petticoats und Röhrenhosen die Männer bezauberten, Elvis Presley und Bill Haley aus Kofferradios rockten – und ein alles überstrahlendes Gefühl von Freiheit sich seinen Weg von den Alpen bis nach Sizilien bahnte. Manche kennen sie aus Jugendzeiten oder dem Familienurlaub in Italien: die Vespa.

Der Kultroller hat es trotz schneller Autos immerhin bis in die heutige Zeit geschafft. Auch nach über 70 Jahren gibt es heute noch viele Freunde dieser Nostalgie-Zweiräder, die sich in regelmäßigen Abständen zu Events und Treffen zusammenfinden. So auch im „Vespa Club Bergisch Gladbach“, den in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert.

Bei seiner Gründung 1992 waren es lediglich 13 Vespa-Begeisterte, die sich trafen, um von nun an gemeinsame Unternehmungen zu starten. Von Jahr zu Jahr wurde die Gruppe der Rollerfahrerinnen/-fahrer größer.

Warum ausgerechnet eine Vespa? Für die Liebhaber ist das klar: Ein Gefühl von Freiheit vermitteln ihnen ihre Fahrzeuge: Im Freien sitzend, kein Fensterrahmen, der den Blick verengt, keine Autotür sperrt ihn ein und keine Windschutzscheibe filtert die Wirklichkeit ringsum.

Neue Leute kennenzulernen ist auf einem Zweirad auf jeden Fall leichter (man ist nicht so abgekapselt wie in einer “Dose”), aber auf dem Roller noch einen Tick leichter, da Roller ein positives Image haben. Die Vespa ist und bleibt eine Legende, eben ein italienisches Lebensgefühl!

Das Vespa-Gespann des Gründers dieses Clubs, Heinz Stukenbröker, diente 1997 sogar als Hochzeitskutsche mit Bukett, Luftballons und Klapperdosen. Der gesamte Club stand mit seinen Rollern Spalier. Alles, was man gemeinsam erlebt, verbindet. Und es sind nicht durchweg nur die positiven Dingen, die zusammenschweißen.

Liebhaber gründeten in den 50er Jahren – zunächst im Mutterland Italien, dann in vielen Ländern Europas und schließlich sogar in Übersee – zahlreiche Clubs. Über die nationalen Organisationen hinaus gab es bald auch in Deutschland örtliche Fangruppen. Das alles wurde begünstigt durch die Tatsache, dass der normale Arbeitnehmer erst Jahrzehnte später in die Lage versetzt werden sollte, sich ein Auto und damit einen Rundum-Wetterschutz anzuschaffen.

Die Gründe, eine Vespa zu fahren, sind vielfältig: Das geht über Lebensfreude, Kult, Liebe, Clubfreundschaft oder einfach nur gemeinsam Spaß haben hinaus. Nebenbei gibt es auch noch praktische Erwägungen wie wettergeschützt, preiswert, sprit- und -platzsparend, entspannend, wendig, bunt und vieles mehr – man muss es einfach ausprobieren. Selbst Skeptiker gestehen ein, dass ein gewisser Zauber ausgeht von dem kleinen, mittlerweile über 70 Jahre alten Motorroller namens Vespa.

Für die „Vespisten“ aus Bergisch Gladbach gibt es – fast – nichts Schöneres als gemeinsame Touren zu unternehmen. Das “Pötpöt” und “Rengengteng” der Zweitakter mit der “Mepmep”-Hupe ist dominant. Manch ein Spaziergänger bleibt schmunzelnd am Straßenrand stehen und erinnert sich an seine eigene Jugend.

Beim Vespafahren ist Hektik unerwünscht. Dazu gehört eine bestimmte Mentalität – also nicht immer der Erste oder der Schnellste sein zu müssen, sondern ganz im Gegenteil: Beim Fahren die Hektik und den Stress des Alltags weit hinter sich lassen! Das Motto der Vespisten lautet daher: „Nicht Rasen, sondern Reisen!“

Gemeinsam werden regionale und überregionale Vespa-Treffen besucht und Kontakte zu Clubs in der Nachbarschaft gepflegt. Mitglieder reisten in den vergangenen Jahren bis nach Holland, Belgien, Luxemburg, Österreich, Monaco, Korsika, Griechenland, Ungarn und Italien. Natürlich gab es auch herrliche Ziele in Deutschland wie Mecklenburg-Vorpommern, den Harz, die Eifel, den Bodensee, Bayern, die Mosel und Norddeutschland.

Vor allem das attraktive Bergische und das Oberbergische Land hat es den Vespisten angetan. Es gibt kaum noch ein sehenswertes Ziel, das der Club nicht besuchte: Die Burg Altena, das Klingenmuseum in Solingen, das Bergische Drehorgelmuseum in Marienheide, den Naturerlebnispark Panabora, die Tropfsteinhöhle in Wiehl, eine Draisinenfahrt in Wülfrath, Willingen, das Technikmuseum in Freudenberg, das Freilichtmuseum Lindlar, Schloss Burg, die Straußenfarm in Dabringhausen usw. Außerdem steht jedes Jahr ein Sommerfest mit gemeinsamen Grillen auf dem Plan.

Das Clubband macht Bergisch Gladbach, das „Tor zum Bergischen Land“, weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Knatterten die Mitglieder bei der Gründung mit wenigen Rollern durchs Bergische Land, so sind es inzwischen über 20 beiderlei Geschlechts, von denen jeder mindestens einen, wenn nicht zwei oder mehr Roller in der Garage stehen hat. Unzählige gemeinsame Ausfahrten ohne einen einzigen Unfall wurden in den 25 Jahren unternommen.

Alle vierzehn Tage (im Winter alle vier Wochen) trifft man sich im „Gronauer Wirtshaus“, um dem Alltag und dem Fernseher zu entfliehen, Erfahrungen auszutauschen, Schraubergespräche zu führen und manchmal ein wenig “2-Takter” zu schnüffeln, auch wenn immer mehr neuere 4-Takt-Roller hinzukommen. Jeder ist willkommen, der das gemeinsame Hobby liebt, sich damit anfreunden will oder vielleicht schon immer davon geträumt hat.

Wer neugierig geworden ist, mitmachen oder einmal vorbeischauen möchte, guckt einfach nach auf unserer Website.

Kontakt: rueger.stukenbroeker@web.de

Christa Rueger

ist u.a. im Vespa-Club, im Obst- und Gartenbauverein Refrath und in der Harmonie Bensberg-Kaule aktiv, wohnt in Gronau und berichtet immer wieder in Wort und Bild.

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