Eine 80-jährige Eiche am Uhlweg in der Nähe des Kauler Kreuz soll gefällt werden. Eine Baumschutzsatzung, die das verhindern könnte, gibt es in Bergisch Gladbach nicht. In einem offenen Brief bittet der Baum Bürgermeister Lutz Urbach um Schutz.

Wir dokumentieren den Brief, den Gabriele Schaefer eingereicht hat, im Wortlaut.

Offener Brief eines Eichenbaumes an Bürgermeister Lutz Urbach:

Ich soll sterben

Lieber Bürgermeister,

hier schreibt Ihnen eine Ihrer Eichen, in Bensberg am Uhlweg (noch) stehend.

Ich stehe am Uhlweg, an einer Wohnstraße in der Nähe der Kaule, nicht weit entfernt vom Kauler Kreuz. In meiner Nähe stehen auch vereinzelt noch kleinere Bäume, die mit mir zusammen die Wohnstraße säumen und für ein schönes grünes Straßenbild sorgen.

Ich bin jetzt schon über 80 Jahre alt und ziemlich groß geworden mit ungefähr 20m. Vieles habe ich in den Jahren gesehen und auch schreckliches erlebt, zuletzt vor ein paar Jahren als fünf meiner Geschwister bis auf eines sterben mussten. Zuletzt hat man mir die wild wuchernden Haarlocken geschnitten, einen Rückschnitt verpasst, der mir aber gut getan hat. So kann ich weiter am Straßenrand des Uhlweg stehen, das Klima im Umfeld verbessern und den hier lebenden Menschen wiedererkennbaren Ort und unverwechselbare Identität stiften.

Und das Beste ist: Nach Beurteilung meines Baumdoktors bin ich all die Jahre gesund geblieben, vital und auch verkehrssicher. Er sagt ich habe noch mindestens 40 Jahre vor mir!

Es könnte so weiter gehen wenn nicht mein neuer Nachbar meinem Grundbesitzer geschrieben hätte dass er durch meine Erscheinung erheblich in seiner Entfaltung beeinträchtigt wäre. Mein neuer Nachbar will neben mir ein Haus bauen und deshalb sollen meine Füße und Arme abgeschnitten werden. Das werde ich wohl nicht überleben, weil ich ganz nah an dieser Nachbargrenze stehe.

Als Bürgermeister der Stadt sind doch alle Bäume auch Ihre Bäume, was unser Wohl und Wehe betrifft. Zumindest entscheiden Sie darüber, was mit uns passiert oder nicht passiert (nicht passieren soll), also ob es uns gut geht oder weniger gut (weniger gut gehen soll), ob wir Schutz bekommen oder schutzlos sein sollen –

Die für Lebewesen wie mich und auch für die Menschen so wichtige Baumschutzsatzung haben Sie außer Kraft gesetzt – für uns Bäume ist das unbegreiflich. Das ist so als wenn Ihnen Ihr Arzt das medizinische Vorsorgeheft aus der Hand nehmen würde. Oder schlimmer noch: wenn Sie als Mensch z.B. von einem Auto einfach – straffrei – umgefahren werden könnten, weil Regeln und Vorschriften außer Kraft gesetzt wurden –

Offener Brief zur Wiedereinführung der Baumschutzsatzung

Lieber Herr Bürgermeister, Sie sagten im KStA vom 26.06.2017 im Artikel „Petition für neue Baumschutzsatzung in Bergisch Gladbach“: Menschen sähen Bäume längst als beachtenswertes Gut an und gingen entsprechend verantwortlich mit ihnen um.

Diesen Ihren Glauben an den verantwortungsvollen Umgang der Menschen mit der Natur kann man hier nicht nachvollziehen.

Lieber Bürgermeister, hier sind Sie aufgefordert Ihre Haltung zu überdenken. 

Helfen Sie mir und den hier lebenden Menschen. Hier und jetzt brauche ich ganz viel Schutz damit ich überleben und weiterhin meinen Menschen (auch Ihnen!) dienen kann. 

Ich bin Leben und wertvolle Natur, Ort und Identifikation. 

Aber: Ihr Amt „Stadtgrün“ kann prägende und einzigartige Bäume, so wie ich einer bin, unter Schutz stellen. Betrauen Sie bitte Ihre Mitarbeiter mit dieser Angelegenheit . Wenn ich gefällt wurde ist der einzigartige Charakter der Straße verschwunden. Wo gibt es sonst noch einen derartig prägenden Eichenbaum im inneren Bereich Ihres Stadtteils Bensberg? 

Handeln Sie bevor es zu spät ist! 

Ihre Eiche vom Uhlweg 

– nach Diktat gefällt ?- 

im Auftrag Gabriele Schaefer 

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

7 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Grün darf es in unserer einst so grünen Stadt halt nicht mehr sein, das ist ja nicht modern genug und entspricht nicht dem State of the Art der heute üblichen glattgeschliffenen grauen Betonarchitektur. Die einst so schöne und zum Verweilen einladende Fussgängerzone: Weg und heute so gar nicht mehr einladend. Der einst grüne und bunte Forumpark: Weg und kaum mehr ein Ort an dem man sich gerne länger als nötig aufhält. Dafür hat man dort ja jetzt einen so schönen freien Blick auf die angrenzende Strasse… Buchmühlenpark: Weg. War zwar nur ein Parkplatz, aber ein durchaus optisch ansprechendes Exemplar. Heute: Ein mit Gestrüpp zugewachsenes, nur selten gepflegtes Etwas mit ein paar auf zwei Quadratmetern zusammengepferchten Bäumen und einer ziemlich sinnfreien Vogelskulptur. Optisch hat sich unsere Stadt in den vergangenen Jahren wie ich finde wahrlich nicht zum Positiven verbessert. Es ist viel erneuert worden was grundsätzlich zwar erfreulich ist, aber m.E. nicht unbedingt in jedem Fall auch wirklich nötig…

  2. In dieser Stadt zählen heutzutage weder Alter noch Schönheit. Da wird Natur ohne jede Rücksichtnahme einem fragwürdigen “Fortschritt” – siehe die graue(nhafte) Verschlimmbesserung des entgrünten Forumparks – oder den persönlichen Interessen Einzelner gegenüber den Interessen der Allgemeinheit geopfert. Wären die bereits gefällten und die noch vor ihrer Ausrottung stehenden Bäume mit dem sich wie ein Krebsgeschwür immer mehr ausprägenden Profitdenken in Bergisch Gladbach (FNPe) vereinbar, könnte man vielleicht auf Einsicht der Profitjäger und ein Eingreifen des Bürgermeisters und der Stadtverwaltung hoffen. Die aber haben offenbar vergessen, dass sie für das Wohl der Stadt und ihrer gesamten Bevölkerung verantwortlich sind – und das liegt nicht nur im profitorientierten Handeln und in der Unterstützung der Gewinnsucht und Besitzstandswahrung von einigen Investoren, Geschäftemachern und Firmen.

  3. schade, dass man im Kommentar keine Bilder einpflegen kann. Gerne hätte ich mal ein vorher/nachher Bild der letzten 10 Jahre von Bensberg eingestellt. Seit dem die Baumschutzordnung eingestampft wurde, sind sehr viele Bäume verschwunden. Zu viele!

  4. Hallo Eiche,
    ich hoffe Du wirst mehr Glück haben, wie ich es hatte:

    Abgeschnitten hat man mich, rot angemalt und ich stehe im Vorgarten eines Hauses.

    Vielleicht kann man – wenn es Dir so ergehen sollte – Deine Überreste dazu nutzen um daran aufzuschreiben, warum Du gefällt wurdest? Dass Du schutzlos ausgesetzt warst.

    Hoffen wir, dass es bald ein Umdenken gibt!

  5. Es ist an der Zeit, dass die Verwaltung eingreift. Viel zu lange hat sie weggeschaut und viel zu viele Bäume fällen lassen. Unser Stadtbild hat sich dramatisch verändert. In unserem Leben werden wir so einen Baum nicht wieder wachsen sehen. Zeit kann man nicht einholen.
    Aber vielleicht möchte man lieber eine asphaltierte Umwelt ohne Vogelgezwitscher und Eichhörnchen? Sollte der neue Bauherr doch froh sein über so einen Schatz an seiner Grenze!

  6. Toller Brief! Vielen Dank Frau Schaefer, Sie sprechen mir aus der Seele!
    Ich bin gespannt auf die Antwort von Herrn Urbach!

  7. So ein Quatsch – auf dem Bild sind doch genug Bäume zu sehen. Selbst auf dem Balkon links oben steht ein Bäumchen in einen Blumentopf. Mehr ist doch wohl nicht nötig. Herr Urbach (lassen Sie den Namen mal auseinander nehmen: “Ursprünglich ein Bach” – müsste er heute “Lutz Neukanal” heißen?) kann sich doch nicht um alles kümmern. Also sorgen sie dafür, dass Ihr Nachbar das Haus grün anstreicht und von einer Fachfirma einen Baum aufmalen lässt. Dann können Sie ihren Kindern und Enkeln erklären: “Das gab es früher in Bensberg, als die Stadt noch im Grünen lag. Das war ein Baum.” Zuviel Natur ist sicherlich nicht gut für uns Menschen – also laßt sie uns kaputt machen. Doch halt: Herr Trump hat schon gesagt, dass die Chinesen schuld sind. Vielleicht ist der Bauherr ja auch Chinese und hat einfach nicht verstanden, dass wir Bensberger an (gesunden) Bäumen unsere Freude haben und sie erhalten wollen. Ironie Ende. … und viel Erfolg beim Erhalt des Baumes!!!